Nasser Hans

Am 24. Juni ist Johannistag, die Nacht davor ist die Johannisnacht. In Österreich und Südtirol brennen dann die Johannisfeuer auf den Bergen.

In Norwegen heißt es Sankthans Tag – auch da brennen am 23. Juni abends riesige Feuer. Die Sonne geht fast nicht unter, man feiert die langen Sommernächte, es wird gegrillt, gesungen, getanzt. 

So ähnlich hatten wir es uns vorgestellt – und auch schon rausgefunden, wo in der Nähe von Bergen ein riesiges Feuer entzündet werden sollte.

In Laksevåg, ca. 5 km entfernt, wird abends ein richtig tolles Tønnebålet entzündet – ein riesiger Stapel kunstvoll aufgeschichteter Holztonnen. Die Tradition gibt es dort seit 1903, über die Jahre wurde die Kunst des Tonnen-Aufschichtens und Abbrennens immer wieder perfektioniert.

Das war unser Plan für den Abend, dort wollten wir Würstchen essen, Bier trinken und mit den Norwegern zusammen das Midsommarfest feiern. Den Tag über wollten wir Bergen näher kennen lernen, mit der Bergbahn auf den Hausberg fahren und generell einfach den Sommertag genießen.

Nur – leider hielt sich das Wetter absolut nicht an den Kalender, sondern legte die April-Variante ein. Niesel- und Starkregen, scharfer Wind, Temperaturen zwischen 8-12°C. Nebel …

Und das alles an Dieters Geburtstag! Zum Glück hatten wir das gemütliche Apartment und legten einfach einen Faulenzertag ein. Als der Regen am Nachmittag etwas nachließ, ging’s dann doch noch in die Stadt. Hier war schwer was los – zum Sankt Hans Tag waren drei Großsegler gekommen, die jetzt im Hafen lagen.


Trotz Nieselregen drängten sich die Leute um und auf den Booten. Und auch was zwischen die Zähne konnte man hier bekommen!

Auf der anderen Straßenseite, im alten Hanseviertel „Bryggen“ hätte man bei schönem Wetter prima vor den unzähligen Lokalen sitzen und dem Hafentreiben zuschauen können.


So blieb uns aber nur der Gang um die wunderschönen alten Holzhäuser, durch Hinterhöfe und engste Gässchen.

Gleich um die Ecke steht die Domkirke – sie stammt aus dem 12. Jh. und hat, da aus Stein, etliche Brände überlebt. Hier hatte offenbar gerade eine Hochzeit stattgefunden – die Braut lächelte tapfer im duftigen Sommerkleid trotz schon fast winterlicher Temperaturen!

Ein paar weitere Schritte, und wir waren an der Festung „Bergenhus“ die strategisch günstig direkt an der Einfahrt zur Bucht und zum geschützten Hafen liegt. Große Teile stammen aus dem 12. Jh.


Trotz Daunen- und Regenjacken wurde es uns langsam zu kühl – es ging zurück ins mollig warme Apartment. Allerdings nicht ohne einen kleinen Umweg – die Häuser hier sind einfach zuuuu schön!
 

Und manchmal lohnt sich auch ein Blick nach oben!

Aber das mit den Johannis- bzw. Sankt Hans Feuern nagte doch an uns – ganz ohne wenigstens ein bisschen Spektakel wollten wir den Tag nicht enden lassen!

Da Laksevåg nicht sehr weit entfernt ist und dort ab ca. 18:30 ein Tønnebålet entzündet werden sollte, stiegen wir ins Auto und fuhren hin. Dummerweise kostet der Zutritt zum Veranstaltungsplatz einen – kleinen – Eintritt. Dummerweise deshalb, weil wir auch nach einer Woche Norwegen noch keine einzige Krone Bargeld in den Händen hatten! Überall kann man selbst allerkleinste Beträge – z.B. für eine Postkarte – mit Kreditkarte bezahlen, manche Läden nehmen gar kein Bargeld an. Weil bei unserer Kreditkarte keine Auslandseinsatzgebühren anfallen, ist es eine sehr bequeme Bezahlungsmöglichkeit.

Nur hier klappte es leider nicht. Zwar hatten die Helfer am Eintritt ein mobiles Kartenlesegerät dabei (auch hier wollte man eigentlich kein Bargeld!) –  das funktionierte aber nur mit einheimischen Karten. Nach längerem Hin und her und Versuchen mit einem anderen Gerät ließ man uns schließlich ohne Eintritt auf den Festplatz.

Der lag neben dem Kulturhaus und direkt vor der Kirche.


Es spielte eine Band, es wurde getanzt, es gab Würstchen und anderes vom Grill (leider nicht für uns – denn wir konnten ja nicht bezahlen!). Und vor dem Hafenbecken waren ein kleinerer und ein riesengroßer, 18 m hoher Turm aus Holztonnen aufgestapelt – das waren die Tønnebålet.

Die Menge wartete gebannt darauf, dass es endlich los ging – und dann war es auch so weit. Zuerst kam der kleinere Turm dran – das war der der Kinder, die bei der Jungfeuerwehr aktiv sind.

Einige der Youngster kletterten nach oben, entfernten zunächst die kleine Norwegen-Flagge.

Dann bemühten sie sich mit vereinten Kräften, die feuchten Tonnen anzuzünden …

Und dann war es geschafft – die Tonnen fingen Feuer!


Zwar ging das Feuer erst mal wieder aus und die „großen“ Jungs mussten etwas nachhelfen – aber dann brannte es doch lichterloh!


Es wurde geklatscht und getanzt – Norweger lassen sich von ein bisschen Kälte und Regen eben nicht vom Feiern abhalten!

Inzwischen war es ca. 20 Uhr, der große Turm sollte jedoch erst um ca. 21:30 entzündet werden. Das war uns dann doch zu lang in der Kälte, bei Regen und ohne Essen – wir sind halt Südländer – und verzogen uns ins trockene und warme Zuhause …

2 Kommentare zu “Nasser Hans

  1. Die alten Häuser sehen genauso aus, wie man sich Norwegen immer vorstellt. Den blaue Oldtimer-Bus am Hafen find ich richtig toll. Fahren in Bergen immer diese alten Busse oder war das eine Attraktion zu Midsommar?

    • Den blauen Bus kann man offenbar für Sondertouren buchen – ein Linienbus ist es jedenfalls nicht. Aber wir haben öfter solche Oldtimer auf den Straßen gesehen – meist mit asiatischen Reisegruppen an Bord.

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