Rings um Ålesund

26. Juni
Eigentlich stand heute die Vogelinsel Runde auf dem Programm. Dort brüten Papageientaucher, Basstölpel und viele andere Vögel.

Wir wollten mit einem kleinen Boot eine Fahrt rund um die Insel machen und hätten dafür auch die recht lange Anfahrt in kauf genommen.

Das Wetter war super, die Sonne sollte heute den ganzen Tag scheinen – was hinderte uns also daran? Der WIND!!!

Ein Anruf beim Skipper der „Aquila“ ergab nämlich, dass er wegen des starken Winds und hoher Wellen schon die letzten Tage nicht raus konnte, und auch heute würde es nichts werden. Da half alles nichts – Plan B musste ran!

Der erste Weg führte zu dem Mini-Leuchtturm unter unserem Fenster. Wenn man den schon dauernd sieht, muss man ihn auch mal besuchen!

Von der kleinen Mole aus hat man einen guten Blick auf unser Hotel am Wasser und auf schöne alte Häuser auf dem Hügel.


Danach kam statt Insel der Berg dran. Es ging rauf auf den Hausberg von Ålesund, den Aksla. Eigentlich ist das ja eher ein Hügel – zumindest verglichen mit dem, was wir in den letzten Tagen gesehen und überquert hatten! Aber man hat von dort oben von Fjellstua und Kniven eine phantastische Aussicht über die Stadt, die Inselwelt der Umgebung und die Sunnmørs-Alpen.

Jüngere und fittere Menschen gehen natürlich zu Fuß hoch – es gibt einen Aufstieg mit  418 Stufen. Faule oder ältere fahren wahlweise mit dem eigenen Auto oder einem kleinen Bähnchen hoch.

Wir nahmen unser Auto, gondelten gemächlich bergan – und gerieten oben am Ziel in eine Art Rushour! Mehrere große Reisebusse standen kreuz und quer herum – die hatten ganz offensichtlich die Insassen der riesigen Schiffe, die unten im Hafen lagen, hierher gebracht.

Auf der Aussichtsplattform vor der Fjellstuja war es auch entsprechend voll – das hinderte uns aber nicht, das Panorama ausgiebig zu genießen!

Die überwiegend asiatischen Touristen um uns herum waren alle von der schnellen Sorte – ein paar Selfies mit Stadtpanorama, dann noch rasch den Kniven erklimmen bis zum Gipfelkreuz (bzw. der Gipfelfahne), dort wieder Selfies – und dann ging’s auch schon wieder weiter.

So eilig hatten sie es, dass eine junge Frau übel stürzte, als sie schnell über die rutschigen Felsen wollte. Da ließen wir es lieber ruhiger angehen! Stiegen langsamüber die Felsen hoch zum Kniven, genossen das Panorama der anderen Seite mit Blick über die Inseln.



Wir wanderten noch ein Weilchen dort oben herum, bis uns der doch recht heftige Wind wieder ins Auto trieb.

Und jetzt – jetzt kam doch noch eine Inselrundfahrt dran! Allerdings mit dem Auto – und auch nicht nur eine Insel, sondern gleich vier wollten wir besuchen – Godøya, Giske, Valderøya und Vigra.  Hierzulande kommt man auf Inseln entweder durch einen Tunnel, mit der Fähre oder über Brücken und Dämme. Fähren gab es heute keine – dafür aber Tunnel mit großen Erschwernissen, Brücken und ein Damm.

Zuerst stand Alnes mit seinem hübschen Leuchtturm auf der Insel Godøya an. Dorthin kommt man, indem man zunächst von Ålesund aus durch den Ellingsøytunnel auf die Insel Ellingsøy fährt und von dort durch den Valderøytunnelauf die Insel Valderøya. Von dort führt eine Brücke auf die winzige Insel Giske. 


Auf Giske wollten wir die alte Giske Kirk anschauen, eine Marmorkirche aus dem 12. Jahrhundert – scheiterten aber an Bauarbeiten, die die Straße in einen Acker verwandelt hatte. Also gleich weiter durch den Godøytunnel zur Insel Godøya.

Auch hier wurde gebaut und ein rotes Licht verwehrte uns die Durchfahrt. Wir stellten uns geduldig vor die Einfahrt, als ein schwitzender Bauarbeiter zu uns kam und mit Worten und Gesten versuchte, uns klar zu machen, dass hier gar nichts ging. So richtig verstanden wir ihn aber erst, als er in Infoblatt rauszog, dem wir entnahmen, dass der Tunnel wegen Bauarbeiten täglich für mehrere Stunden komplett gesperrt ist und auch zu den festgelegten Durchfahrtszeiten die Durchfahrt nur im Konvoi möglich ist.

Der nächste Konvoi sollte um 14:50 starten, jetzt war es ca. 12 Uhr … Also erst mal nach Vigra, dieses Mal ohne Baustelle über einen Damm. Mehr oder weniger ziellos fuhren wir über das Inselchen.

Auf den ersten Blick ist es hier rauh und karg, ein bisschen wie auf den schottischen Inseln.

Aber ähnlich wie dort gibt es überraschend schöne Strände, schneeweißen Sand und kristallklares blaues Meer.


Kleine Höfe, eine hübsche schneeweiße Kirche, ein verwunschener Friedhof …



Langsam wurde es Zeit, wieder Richtung Tunnel zu fahren – denn wenn wir den Konvoi verpassen, geht erst mal nichts mehr. Unterwegs kaufen wir Kuchen – irgendwo würden wir den schon noch essen können.

Vor dem Tunnel eine fast unübersehbar lange Warteschlange – allerdings dürfen nicht mehr als 45 Fahrzeuge pro Konvoi durch! Wir hofften einfach, dass wir höchstens die Nummer 44 sind – und machten ein kleines Picknick in der warmen Sonne.

Schlag 14:50 ging’s los, wir zuckelten im Konvoi mit ca. 20 km/h durch den Tunnel, in dem eifrig gewerkelt wurde. Wieder am Tageslicht ging’s direkt nach Alnes. Unser Ziel, den Leuchttrum, sahen wir schon von weitem hinter den kleinen Häusern aufragen.

Von lieblicher Küste ist man hier weit entfernt – hier ist es steinig und eher schroff.

Allerdings steht der Leuchtturm, das Alnes Fyr, nicht auf einem Felsen, sondern auf einer Wiese, ein ganzes Stück vom Wasser entfernt auf einem kleinen Hügel.


Einmal rund um den Trum – dann Flucht aus der steifen Brise ins Besucherzentrum mit angeschlossenem Café. Dort gibt es richtig leckeres Essen, verführerische Kuchen – und vor allem heißen Kaffee! Zumindest für mich – denn als Dieter erfährt, dass in 5 Minuten eine kleine Tour auf den Leuchtturm startet, ist er nicht zu halten. Da muss er rauf!

Ich nicht – enge Wendeltreppen sind nicht so mein Ding. Da unterhalte ich mich lieber mit der netten Bedienung, probiere in paar der handgestrickten Alpakapullover an, die im Dorf gefertigt werden, und genieße das Panorama und die Sonne mal ganz ohne Wind.

Dieter kommt zurück und es geht erneut Richtung Tunnel. Noch ein kurzer Stopp am Dorf mit Blick zurück durch die allgegenwärtigen und intensivst duftenden Heckenrosen und Blick nach vorne.


Wir erwischen den nächsten Konvoi, der immer von einem Leitfahrzeug angeführt wird, ohne lange Wartezeit. Unterwegs gibt es noch einen unerwarteten Stopp – eine wahre Lupinenlawine am Straßenrand zwingt einfach zum Anhalten!

Lupinen sind so richtige Nordlichter, bei uns sieht man sie eher selten.

Wieder zurück in Ålesund gibt es noch einen kleinen Stadtrundgang mit Fassaden-Gucken!

Aus Schaden klug geworden (und weil der Wind heute ein Open-Air Essen eher ungemütlich machen würde), bleiben wir heute mal im Hotel und gehen zeitig ins Restaurant, noch vor den Reisegruppen.

Bekommen einen Tisch mit tollem Blick auf’s Wasser, werden von einer umwerfend netten Studentin bedient, die etliche Jahre in Österreich studiert hat und perfekt Deutsch spricht, bestellen ein „Fußballmenü“ mit einem großen Bier vom Fass zum unglaublichen günstigen Preis. Zwar bestand das „Menü“ lediglich aus einem Hamburger nebst Pommes und dem Bier – aber der war einer der leckeren Sorte, vom Grill und mit vielen Zutaten.

Wir waren jedenfalls satt und sehr zufrieden.  Und freuten uns wieder an der Lightshow am Himmel  – die heute allerdings etwas weniger spektakulär ausfiel als letzte Nacht. Um 23:32 sah es so aus:

Der Hafen um 01:01 …

Und um 01:03 Uhr lief das Hurtigruten Schiff aus. Und ich versuchte, trotz heller Nacht, etwas Schlaf zu kriegen. Denn morgen – morgen soll es über’s Meer gehen!

Unser Inselhüpfen …

4 Kommentare zu “Rings um Ålesund

  1. Ich bin so froh für Euch, dass ihr endlich schönes Wetter habt. Deine Bilder sind trotz Fokus Probleme sehr schön.
    Schöne Weiterreise wünsch ich Euch beiden

Gedanken, Bemerkungen, Kommentare ...

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