Sommersonniger Süden

1. Juli – Von Otta nach Oslo
So, genau so hatten wir ihn uns vorgestellt, den skandinavischen Sommer. 

Strahlend helle, sonnige Tage, die fast nicht zu Ende gehen. Licht und Schatten in Birkenwäldern. Intensiver Duft von Kiefern. Kleine Blockhütten, die in der Wärme diesen unverkennbaren holzig-rauchigen Geruch verströmen.

Glitzernde Seen, weiße Segel auf blauem Wasser. Nächte, in denen es nicht dunkel wird.

Und jetzt, wo wir fast schon am Ende unserer Reise sind, bekommen wir das alles. Wachen praktisch mitten in der Nacht auf, weil es schon kurz nach 3 Uhr so unglaublich hell im Zimmer ist. Ziehen den Vorhang vor und versuchen, weiter zu schlafen. Nicht einfach, wenn die Sonne schon morgens kräftig einheizt!

Wir haben heute nur einen eher kurzen Weg vor uns, wollten es gemütlich angehen, um nicht zu früh anzukommen. Denn einchecken kann man hierzulande in der Regel immer erst ab 15 Uhr.  Aber der Sommer treibt uns dann doch früher als geplant aus den Federn und aus dem Hotel – wobei das ausnahmsweise eher sparsame Frühstück daran auch nicht völlig unschuldig war!

Von Otta nach Oslo sind es rund 300 km. Hierzulande normalerweise eine volle Tagestour, aber auf der E 6 darf man über weite Strecken nicht nur 80 km/h, sondern sogar ganze 90 km/h fahren! Das wussten wir allerdings nicht vorher – sonst hätten wir unseren Übernachtungsort garantiert anderweitig eingeplant!

Also geht’s früh los – und wieder einmal haben wir jede Menge Wasser als Begleitung.

Dieses Mal sind es allerdings keine Seen oder Fjorde, sondern ein Fluss. Es geht durch das Gudbrandsdal, ein rund 200 km langes und sehr breites Tal, das vom Gudbrandsdalen-Lågen geschaffen wurde.

Immer wieder bildet der Fluss kleine Seen, es gibt malerische Inseln und verführerische Sandstrände.


Wir sind echt früh dran – deshalb gibt es einen ausführlichen Stopp in Lillehammer. Das kleine Städtchen kennt man vor allem als Austragungsort der Langlauf-Wettbewerbe der Winter-Olympiade 1994. Es hat aber auch im Sommer was zu bieten – nämlich Maihaugen , das größte Freilichtmuseum Norwegens.

Rund 200 historische Gebäuden sind hier zu sehen,  ganze Dörfer wurden hierher transportiert und neu aufgebaut. Siedlungen aus dem Gudbrandsdal im 18. und 19. Jahrhundert, darunter eine kleine Stabkirche, sind hier zu sehen – das Ganze ist wunderschön angelegt und lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Man kommt rein – und wähnt sich mitten in einem Dorf! Ein meisterhaft geflochtener Zaun begrenzt einen Garten, ein Feld …


Kleine Holzhäuser, sie sehen aus, als wären die Bewohner gerade mal raus gegangen, zur Feldarbeit. Oder in die Kirche.





Am Kichenweiher spielen Kinder  …


Wir wandern durch das Dorf, lassen uns verzaubern von der Ruhe und der ländlichen Idylle …



Schauen fasziniert einem Mann zu, der mit einer uralten Technik mittels einer Holzschaufel seine Pflanzen bewässert.

Stunden kann man hier verbringen – es gibt auch noch ein wunderschönes Postmuseum – aber wir wollten ja heute noch nach Oslo! Also ein letzter Blick auf die hübsche alte Stabkirche –

– und unten im Ort noch auf’s ehemalige Rathaus, das heute ein Restaurant ist.

Dann bretterten wir mit 90 km/h Richtung Hauptstadt. Oslo ist zwar eine Großstadt, aber wirklich sehr übersichtlich. Unsere Unterkunft fanden wir ohne größere Schwierigkeiten, allerdings mit kräftiger Unterstützung von Google-Maps. Wie man früher ohne dieses Helferlein auskam, das einem via Smartphone überall auf der Welt zuverlässig den Weg mit Auto, Bus und Bahn sowie zu Fuß weist, ist mir fast ein Rätsel. Aber irgendwie haben wir es doch auch schon in grauer Vorzeit geschafft und sind immer dort angekommen, wo wir hin wollten …

Jedenfalls klappte es mal wieder prima. In Oslo wohnen wir nicht im Hotel, sondern in einem Apartment, das allerdings zum Saga Hotel gehört und rund 200 m davon entfernt liegt. Normalerweise ist man hier Selbstversorger – wegen eines Buchungsfehlers durften wir jedoch kostenlos das Frühstück im Hotel einnehmen.

Nicht nur das Apartment begeisterte uns, auch, dass man hier kostenlos einen Parkplatz hat, ist ein echter Bonus in einem Land, wo die Kosten für’s Parken wirklich astronomisch sind! Die Lage ist perfekt – im Stadtteil Majorstuen, Straßenbahn nur wenige Meter entfernt, ruhig.

Jetzt haben wir drei Tage lang reichlich Platz, einen netten Balkon, eine Küche und unten gibt es sogar eine kostenlose Waschmaschine plus Trockner.

Aber wer bleibt schon in einem noch so netten Apartment, wenn es eine tolle Stadt zu entdecken gibt!?! Das Auto sollte stehen bleiben, wir wollen mit Bus und Bahn in der Stadt unterwegs sein. Es ist Sonntag – und ob man wirklich überall einen Fahrschein lösen kann, ist unklar. Hinzu kommt: Wir haben immer noch kein norwegisches Bargeld! In den letzten beiden Wochen haben wir nie auch nur eine einzige „analoge“ Krone benötigt, überall – wirklich ÜBERALL! – konnte oder sollte man sogar mit Kreditkarte bezahlen.

Ein kurzer Ausflug ins Internet brachte eine schnelle Lösung – es gibt die tolle Ruter Billett App“, und dort kann man mit wenigen Klicks Tickets kaufen. Für uns war ein Tagesticket die beste Wahl –  mit Seniorenrabatt kostet das 53 NOK (= ca. 5,60€) pro Tag – damit können wir unbegrenzt sämtliche Busse und Bahnen in und um Oslo nutzen!

Die nächste Tram-Haltestelle liegt nur 3 Minuten Fußweg von uns entfernt, die Bahn bringt uns in wenigen Minuten runter in die Stadt. Schon während der Fahrt sind wir hin und weg – wer Städte wie Wien mag, wird auch Oslo lieben! Ein intakter Stadtkern mit wunderschönen Gründerzeit-Häusern, breiten Straßen – und alle paar Meter ein Straßencafé!

Wir steigen am Stadttheater aus und geraten gleich in den Trubel der Fußball-WM. Vor jedem Café/Pub/Restaurant, in dem ein Bildschirm steht, bilden sich Trauben von Menschen, die zumindest mal kurz sehen wollen, wie’s steht.

Uns interessiert das im Moment weniger, am monumentalen Rathaus vorbei – das einen mit seiner Größe und den wuchtigen Formen fast erschlägt – geht’s Richtung Hafen.

Vom Rathaus aus sind es nur ein paar Schritte zum Hafen. Direkt unter der mächtigen Festung Akershus liegt der Museumshafen und die Anlegeselle für Kreuzfahrtschiffe – die zum Glück heute durch Abwesenheit glänzten! Malerische alte Segelschiffe bilden einen reizvollen Kontrast zu den gewaltigen Burgmauern.

Mindestens genauso sehr reizt uns aber ein kleines Restaurant direkt am Wasser! Hier sitzt man total entspannt mit Blick auf Boote und Fjord. Ein kühles Bier, ein paar nette kleine Knabbereien – der perfekte Abschluss eines traumhaften Sommertages.

Stundenlang kann man hier einfach nur sitzen und genießen … Kann aber auch noch einen Spaziergang um die Festungs-Halbinsel machen. Vorbei an alten Dampfschiffen …


… Menschen, die einfach nur die Abendsonne genießen. Fähren zuschauen, oder sich noch was für’s Abendessen angeln.



Wir bewundern kunstvolle Wände und fantasievolle Wasserspiele.


Und weil die Sonne hier bis kurz vor Mitternacht am Himmel steht, geht’s bei strahlendem Sonnenschein in der Nacht mit der Bahn wieder heim. Heute mach ich die Vorhänge gleich zu, damit wenigstens die Illusion von Nacht herrscht!

Die heutige Strecke:

4 Kommentare zu “Sommersonniger Süden

  1. Skandinavien wie aus dem Bilderbuch… Schade, daß eure wunderschöne Reise nun zu Ende geht. Auch von mir ein herzlicher Dank fürs Mitnehmen 😉
    Liebe Grüße
    Brigitte

    • Ja, es war wunderschön, vor allem die zweite Woche, wo das Wetter auch toll mitgespielt hat. Oslo hat uns sogar derart gut gefallen, dass wir daran denken, hierher auch mal einen kurzen Städtetrip zu machen. Flüge gibt’s ja schon ziemlich günstig.

  2. Eine schöne Reise war das. Vielen Dank für’s Mitnehmen. Denke mir, ihr seid nun auch wieder zu Hause und plant die nächste Tour, bin gespannt wo es hin geht. Bei uns wird es Sardinien sein im September, vielleicht liegen dann auch mal ein oder zwei Tage faulenzen drin.
    Einen schönen Sommer in der Heimat wünsche ich Euch
    Liebe Grüsse
    Iris

    • Du hast natürlich recht – die nächste größere Reise ist schon in der Planung! Es wird im Winter wieder eine längere Reise durch Südostasien werden, mit Start in Hongkong.

      Aber im Herbst wird es vermutlich noch ein paar Kurztrips geben. Jetzt ist erst mal Sommer auf Balkonien und im Odenwald angesagt.

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