Abschied vom Glück

3. Juli – Von Oslo nach Frederikshavn
Der World Happiness Report untersucht alljährlich, wie glücklich die Länder der Erde sind. 2017 schaffte es Norwegen auf Platz 1, in diesem Jahr immerhin noch auf Platz 2 nach Finnland.

Und ja – Norwegen ist ein wunderschönes und auch ein sehr wohlhabendes Land. Die etwas über 5 Mio Einwohner genießen einen hohen Lebensstandard, niedrige Steuern, kaum Arbeitslosigkeit. 

Es war sehr schön hier – jetzt geht es aber dennoch wieder nach Hause. Heute Abend legt die Fähre ab und bringt uns zurück nach Dänemark.

Aber noch haben wir einen ganzen Tag in Oslo vor uns. Zwar müssen wir unser nettes Apartment räumen, aber das Auto lassen wir mitsamt dem Gepäck erst mal noch im überdachten Unterstand auf dem Hof stehen und fahren mit der Tram nochmal in die Stadt.

Gemütlich geht’s dann Richtung Schloss, durch die Karl Johans gate, wo die Straßenrestaurants bereits gut besucht sind.

Das Schloss thront auf einem kleinen Hügel am Ende der Straße – der König wohnt also quasi mitten unter’m Volk, und der Palast ist weder durch Zäune noch Mauern abgetrennt. Bevor es zum Schloss geht, schlagen wir noch einen kleinen Haken Richtung Theater. Hier steht der Musiker Johan Halvorsen in der Sonne und scheint die Leihräder zu bewachen, ein paar Schritte weiter die Statue von Henrik Ibsen.

Das Nationaltheater wird derzeit gerade saniert und ist keine reine Augenweide – auf der Seite steht jedoch eine nette Skulpturengruppe, die den Dichter, Philosophen und Mäzen Ludvig Holberg mit zwei seiner Romanfiguren darstellt.

Ebenfalls sehenswert und faszinierend ist der Brunnen, der mit seinen wirbelnden Stäben, die das Wasser kuppelförmig versprühen und das Licht einfangen, ein echter Hingucker ist!

Jetzt ging’s aber weiter, zum Schloss. Die Residenz von König Harald V. und seiner Frau Sonja sowie des Kronprinzen Haakon ist relativ schlicht. Der Grund dafür – es musste beim Bau Anfang des 19. Jh. drastisch gespart werden. Weil der damalige König auch König von Schweden war und sich überwiegend in Stockholm aufhielt, wurden für den Neubau in Oslo relativ wenige Mittel bewilligt, so dass letztlich zwei Seitenflügel und eine Säulenfront eingespart werden mussten, um den Etat nicht zu sehr zu überziehen.

Derzeit sind Königs nicht zu Hause – das sieht man daran, dass lediglich die Nationalflagge weht und keine der königlichen Flaggen.

Rings um’s Schloss wurde ein ausgedehnter und sehr schöner Park angelegt, ein Landschaftspark mit Teichen und einer Vielzahl unterschiedlicher Bäume. Auch diverse Kunstobjekte sind zu sehen. Alles ist frei zugänglich – Berührungsängste scheint es hier nicht zu geben.

Weder Schloss noch Park waren jedoch der eigentliche Grund für unseren Besuch hier – wir wollten die Wachablösung sehen! Die findet hier täglich um 13:30 statt.

Wer allerdings ein Spektakel wie in London erwartet, wird herb enttäuscht – so schlicht wie das Schloss ist auch die Wachablösung! Da marschiert lediglich eine kleine Truppe über den Vorplatz, es wird salutiert und ein bisschen paradiert, das Ganze dauert ca. 20 Minuten.

Heute ist es drückend heiß und schwül – die Jungs und Mädels schienen ganz schön zu schwitzen in ihren dunklen Uniformen – und diejenigen, die in bzw. vor den kleinen Häuschen stundenlang fast unbeweglich in der prallen Sonne Wache stehen müssen, sind wirklich nicht zu beneiden!

Für uns geht’s zurück zum Apartment und dann mit dem Auto nochmal in die Vergangenheit. Wir fahren nach Bygdøy, ins Norwegische Freilichtmuseum. Zwar kann man dorthin auch sehr schön mit der Fähre hin fahren – das hätte uns jedoch evtl. zeitlich etwas in Bedrängnis gebracht.

So sind wir nach ca. 15 Minuten Fahrt am Museum, entrichten den Eintrittspreis (der auch hier für Senioren wieder um 30% ermäßigt ist) und spazieren los. Und sind gleich im Norwegen vor 100 Jahren angekommen.

Es wird gefiedelt und getanzt – und irgendwie kann man sich diese jungen Menschen gar nicht in heutiger Kleidung vorstellen – sie passen perfekt in dieses alte ländliche Ambiente. Auch als wir weiter gehen, stoßen wir immer wieder auf perfekt inszenierte Vergangenheit – ein Mädchen vespert auf den Stufen einer Hütte, ein anderes webt mit einem kleinen Handweb-Gerät ein Band, Kinder haben sich nach dem Heu-Wenden zu einem kleinen Mahl in den Schatten gesetzt.



Obwohl es sehr heiß ist, steigen wir den Hügel hinauf zum höchsten Punkt des Dorfes. Dort steht die Kirche, eine Stabkirche. Diese komplett aus Holz gebauten Kirchen sind wahre Kunstwerke und unglaublich schön.

Es bleiben uns ca. 3 Minuten Zeit, die Kirche in Ruhe zu bewundern und zu genießen, bevor eine asiatische Reisegruppe eintrifft und es aus ist mit der Beschaulichkeit. Warum nur muss es in solchen Gruppen immer derart lautstark, mit viel Geschrei zugehen? Da bleibt nur die sofortige Flucht vor den wild geschwenkten Selfiesticks …

Es gibt unendlich viel zu sehen hier – kleine Hütten, die aussehen, als wären die Bewohner gerade mal kurz auf’s Feld gegangen, andere, wo das Mobiliar deutlich älter ist – in manche würden wir am liebsten gleich einziehen!



Die Heuernte ist gerade abgeschlossen, duftendes Heu trocknet auf hohen Gestellen.
Überall sieht es aus, als wäre die Arbeit gerade mal kurz unterbrochen worden.



Kräuter wachsen vor verwitterten Holzwänden, die Johannisbeeren sind verlockend – da kann ich nicht widerstehen und probiere mal …. mhhhm.


Es ist wirklich die perfekte Sommer- und Landidylle hier – ideal für einen Ausflug mit der ganzen Familie.

Zum Schluss kehren wir noch in einem kleinen einfachen Café ein – ein Eis muss jetzt sein! Dann geht’s zurück in die Stadt. Das Auto wird im kühlen, aber sündhaft teuren Parkhaus abgestellt und wir laufen hoch zur Festung Akershus. Hier hat man nicht nur einen super Blick über Hafen und Fjord, sondern auch in den Innenhof, wo das Public Viewing zur Fußball WM stattfindet.


Eben bereitet man sich vor auf das Spiel Schweden:Schweiz vor, die gelb-blauen Trikots sind eindeutig in der Überzahl! Und der Jubel, als Schweden später gewonnen hat, unglaublich!

Überraschende Ein-, Aus- und Durchblicke gibt es immer wieder – die Festung sollte man sich auf jeden Fall anschauen, wenn man Oslo besucht!



Uns zieht es jetzt ein letztes Mal runter zu Papabuene, zu einem kühlen Bier und einem kleinen Imbiss, bevor es auf’s Schiff geht.

Obwohl wir relativ früh da sind, ist der Platz vor der Fähre der Stenaline schon gut gefüllt. Im heißen Auto will keiner sitzen, die meisten genießen die Sonne noch ein bisschen bzw. suchen den Schatten unter Schirmen.


Sollte uns die Fahne am Heck irgendwas sagen wollen?????

Leider tut sich irgendwie gar nichts in der Warteschlange. Es werden LkWs rangiert, ewig lange passiert gar nichts. Die Abfahrtszeit ist längst vorbei, als wir endlich an Deck rollen. Wir bringen schleunigst unser Übernachtungsgepäck in die Kabine – die ist überraschend komfortabel!

Aber wir bleiben nicht, es geht sofort hoch, an Deck. Hier ist schon eine Menge los – die Bar ist geöffnet, es wird gegrillt, eine Sängerin singt sich die Seele aus dem Leib, während das Schiff langsam aus dem Hafen gleitet. Die Fahrt von Oslo bis nach Frederikshavn in Dänemark wird rund 11 Stunden dauern.


Ein letzter Blick auf die Festung in der Abendsonne …

… auf das Ensemble von Wald und Bergen, Stadt und Fjord.

Dann verschwindet Oslo endgültig in der Ferne. Um uns herum taucht eine kleine Insel nach der anderen auf.



Wir fahren durch die Schären, es ist immer noch warm und sonnig.




Die Stimmung ist magisch – der Wind frischt allerdings zunehmend auf.

Schließlich verschwindet die Sonne hinter einer Hügelkette – und wir in unserer Kabine.

Und sind ziemlich glücklich – obwohl das glücklichste Land langsam am Horizont verschwindet …

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