Frische Luft

Frühlingshafte 22°C – da muss man raus und auch möglichst draußen bleiben!

Zuerst gab’s aber einen Abstecher zur Tourist Information beim Starferry Terminal.

Der früher herrlich unordentliche aber sehr ergiebige Laden hat sich im Zeitalter der Apps leider zu einem eher unergiebigen schicken kleinen Terminal verändert, wo es keine Busfahrpläne mehr gibt (stattdessen Hinweis auf die App), keine detaillierten Stadtpläne (Hinweis auf Maps Me) und auch sonst nicht mehr viel Papier.

Dann die Überfahrt auf der StarferryDie legendären grün-weißen Boote pendeln schon seit 1888 regelmäßig auf mehrerern Linien zwischen Kowloon und Hongkong Island und obwohl es mittlerweile Straßentunnel und mehrere U-Bahnlinien gibt, die den Hafen unterqueren, fahren viele auch heute noch am liebsten mit den schönen alten Fähren.

Am schönsten ist es auf dem Oberdeck! Zwar hätten wir unten mit unserer Elder Octopuscard umsonst fahren können – aber oben macht es einfach viel mehr Spaß, hat man mehr frische Luft und die 1,60HK$ (knapp 0,18€) tun echt nicht weh!

Die Fähre legt am alten Central Pier an – viel ist nicht geblieben von der alten Pracht, seit Jahrzehnten gewinnt man permanent neues Land an der Wasserfront und die alte Küstenlinie ist längst etliche hundert Meter ins Inland gewandert. Wo heute die Straßenbahn fährt, legten vor 150 Jahren noch Schiffe an.

Wir staunen über neu aufgeschüttetes Land, das im Moment noch einen Vergnügungspark mit Riesenrad beherbergt, aber angeblich schon im kommenden Jahr bebaut werden soll.

Es ist zwar warm, aber sehr diesig – unseren Plan, auf den Peak hoch zu fahren, stellen wir deshalb erst mal zurück, da eine gute Sicht dort oben schon nicht schlecht wäre.

Stattdessen gehen wir anderweitig in die Höhe – mit den Midlevel Escalators. Das waren mal die längsten überdachten Rolltreppen der Welt – insgesamt 800 m lang überwinden sie 135 Höhenmeter. Heute sind es keine Treppen mehr, sondern überwiegend Rollsteige, die die Menschen nach oben oder unten befördern. Von 6-10 Uhr geht es für die Berufstätigen, die in Central arbeiten, nach unten, danach nur noch nach oben.

Wir fahren hoch bis zur Staunton Road, schlendern die entlang bis zu einer steilen Treppe, die zum Man Mo Tempel führt.

Der winzige Tempel ist eingeklemmt zwischen Hochhäusern, behauptet sich aber tapfer.

Ein prächtiges Portal in Rot und Gold führt ins Innere – wo erst mal Schluss ist mit frischer Luft! Unzählige brennende Räucherspiralen hängen von der Decke, hunderte von Kerzen brennen und Gläubige zünden permanent weitere Kerzen und Räucherstäbchen an.

Lang halten wir es hier nicht aus und machen uns langsam wieder auf den Weg nach unten. Über die Hollywood Road mit ihren vielen Antiquitäten-Geschäften kommen wir zur Pottinger Street. Ein steiles Gässchen, das noch das alte unebene Granitpflaster aufweist und in der Mitte einen gußeisernen Handlauf. Der ist stellenweise liebevoll in bunten Strick gehüllt – ein Hinweis darauf, was es in der Gasse gibt.


Die Pottinger Street ist nämlich das Mekka all derer, die sich gerne verkleiden oder dekorieren. Was auch immer an Kostümen oder Dekos man braucht oder sucht – hier wird man fündig! Im Moment dominieren allerdings Weihnachtskostüme in allen nur denkbaren Varianten. Manche davon sind recht erstaunlich …

Wir widerstehen allen Versuchungen und biegen, unten an der Queens Road angekommen, nach rechts ab – wir wollen jetzt zur Talstation der Peak Tram. Dort ein Schock – nicht nur der gesamte Platz vor den Ticketschaltern ist voll, die Leute stehen auch noch ein langes Stück die Straße hinauf. Wir ärgern uns, dass wir gestern nicht online Tickets gebucht hatten – am selben Tag geht das leider nicht mehr. Auf Wartezeiten von bis zu 45 Minuten haben wir aber keine Lust, also wandern wir einfach weiter, Richtung Hongkong Park.

Musik liegt in der Luft, „Frosty, the Snowman“ wird hier irgendwo von einem Bläserorchester gespielt. Das Lied passt nicht so recht zur frühlingshaften Atmosphäre, aber die Muikanten sind schnell ausgemacht: Vor der St. John’s Catherdal stehen sie und spielen inzwischen – genauso unpassend, aber schön – „Leise rieselt der Schnee …“.

Ein paar Schritte weiter sind wir dann im Hongkong Park – eine wunderschöne riesige Parkanlage mit einem großen Aviarum, Teichen und alten Bäumen. Ringsum ragen die Türme von Banken und Versicherungen in die Höhe, der Verkehr tobt – aber hier ist man in einer Oase der Ruhe.


Schildkröten sonnen sich, Wasserfälle und Springbrunnen plätschern – wir setzen uns einfach eine Weile auf eine Bank in der Sonne, trinken eine kalte Cola und genießen die Ruhe. Die Cola (/ HK$= ca. 0,70€) hatte ich übrigens mit der Octopuscard aus dem Automaten gezogen – toll, dass man so nicht nach Kleingeld suchen muss!

Weil das Wetter so schön ist, wollen wir noch einen weiteren Garten besuchen: Den Nan Lian Garden mit dem daneben liegenden Chi Lin Nonnenkloster. Beides liegt in Kowloon, also müssen wir wieder rüber auf die andere Seite des Hafens. Dieses Mal entscheiden wir uns für die Metro, das geht schneller.

Auf dem Weg zur Haltestelle Admiralty nehmen wir eine Abkürzung durch ein Kaufhaus – und staunen mal wieder über die üppige Weihnachtsdeko.

Die U-Bahn ist rappelvoll und eisgekühlt, wir sind froh, als wir – nach einmal Umsteigen – nach ca. 20 Minuten schließlich an der Station Diamond Hill wieder an die warme Luft kommen.

Der Garten liegt nur wenige Schritte vom Metro-Ausgang C entfernt und ist gut ausgeschildert. Wir haben unglaublich Glück – gerade als wir ankommen, verlassen mehrere große Gruppen den Garten – danach ist dort nicht mehr viel los und wir können die Idylle total genießen.

Und die ist wirklich schön – der (gebührenfreie!) Nan Lian Garden ist im Stil der Tang Dynastie angelegt, mit Hügeln, Felsen, Wasserfällen und Teichen. Und mit wundervollen Bäumen, Blumen gibt es kaum.

Gleich am Anfang steht ein malerisches Holzhaus, das eine Ausstellung über die chinesische Holzbaukunst enthält.

Zwischen dunklem Kiefergrün blitzt es gelb – ein kleiner Turm steht mitten in einem Teich. Ein Stückchen weiter sieht man ihn dann in seiner ganzen Schönheit – sehr malerisch thront er hinter einer geschwungenen Holzbrücke.

Dicke Bougainville-Stämmchen bringen Farbe ins Grün.

Der See endet vor einem kleinen Wasserfall

Direkt daneben ein weiteres altes Holzhaus mit einem Wasserrad.

Das hochgelobte vegetarische Restaurant hat leider zu (zu spät für Lunch, zu früh für Dinner) , wir begnügen uns also mit Kaffee und Tee in einem kleinen Teashop.

Danach geht’s über eine Brücke zum Nonnenkloster Chi Lin, ebenfalls im Stil der Tang Dynastie. Garten und Kloster sind aber keineswegs uralt, das Kloster wurde im heutigen Stil erst 1990 erbaut, der Garten sogar erst im Jahr 2000 angelegt.

Die Anlage strahlt eine tiefe Ruhe aus – dass kaum Besucher da sind, trägt sicher auch dazu bei. Wenn man das hölzerne Eingangstor durchschritten hat, kommt man zu einem streng geometrisch angelegten Innenhof mit vier eingefassten Wasserbecken. Dahinter erhebt sich der innere Tempelbereich mit diversen Hallen, wo Fotografieren absolut verboten ist. Hier stehen diverse wertvolle alte Statuen.

Sämtliche Klostergebäude sind aus Zypressenholz erbaut – ohne einen einzigen Nagel und alles in Handarbeit. Damit wird das Kloster zum größten von Hand erbauten Holzgebäude der Welt.

Wir genießen die Ruhe und Stille, bewundern die unzähligen Bonsais, die hier im Moment ausgestellt sind – auch eine blühende Bougainvilea ist dabei!

Dann ist es aber genug für den ersten vollen Tag – mit der Metro geht’s zurück nach Tsim Sha Tsui zu einem kurzen Zwischenstopp im Hotel.

Wenig später brechen wir erneut auf – wir wollen zur Knutsford-Terrace, wo unzählige Freiluftlokale zum Essen locken. Weil es so schön warm ist, wollen wir weiter an der frischen Luft bleiben. Die Suche nach der Terrace gestaltet sich schwierig – zwar gibt es nach wie vor Wegweiser, aber nirgendwo steht, dass man es sich gaaanz einfach machen kann: Man biegt von der Nathan Road in Höhe des Kowloon Parks in die Kimberley Road ab, nach ca. 150 m kommt links eine Treppe zum Miraplace (unten rechts ist ein Eiscafé) – und wenn man die Stufen hochgeklettert ist, landet man auf der Knutsford Terrace!

Vom bayrischen Biergarten über Tex-Mex, Japaner, Thai, Portugiesen und viele mehr ist kulinarisch fast alles verfügbar. Die Preise sind moderat, aber nicht billig – Bier gibt’s zur Happy Hour allerdings deutlich ermäßigt!

Hier unsere Marschroute in Central (Hongkong Island):

7 Kommentare zu “Frische Luft

  1. Ich hoffe, dass es bis zum Herbst noch einigermassen übereinstimmt. Notizen sind immer nützlich man kann sie ja bei Bedarf dann nochmals überprüfen. Auf der NZ Reise hatte ich ja auch bei Dir gespickt :-))) und habe es nicht bereut. Liebe Grüsse Iris

  2. Toll, wie immer Dein Reisebericht. Bin laufend am Notizen machen. Die Stadt kommt sehr sauber und aufgeräumt rüber habe soeben die Fotos mit unserem aus dem Jahr 1986 verglichen.
    Weiterhin gute Reise.
    (Übrigens bei uns hatte es heute 12°, nicht gerade winterlich)
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Iris

    • Notizen machen??? Habt ihr Pläne für eine Neuauflage? Ihr werdet sie nicht wieder erkennen!!! Wir waren 1995 zum ersten Mal dort, danach noch zwei Mal – und jedes Mal hatte sie sich rasant verändert.

  3. Deine Stadtspaziergänge sind immer super, sie vermitteln einen ungemein plastischen Eindruck – da kann man sich einen eigenen Besuch von Hongkong fast sparen 😉 Sehr unterhaltsam sind sie auch, vielen Dank für deine Mühe!

    Übrigens: kein Jetlag???

  4. Nur schön. Ihr seid zu beneiden. Was mich erstaunt, sind die Wolken. Normalerweise gibt es um diese Zeit nur blank geputzten Himmel.
    Die Weihnachtsdekorationen sind schon gigantisch.In Hongkong ist halt alles ein wenig grösser….
    Weiterhin eine schöne Zeit.

    viele Grüsse
    Erhard

    • Das mit dem Wetter wird immer unberechenbarer – normalerweise ist es im Dezember in Hongkong trocken und klar, im Moment ist es aber eher schwül und für die nächsten Tage sogar Regen möglich.
      Aber wir nehmen, wie’s kommt … Und immerhin frieren wir nicht (wie manche Heimkommer aus SOA im moment vermutlich!)

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