ABERDEEN und LAMMA – ziemlich fischig!

Hongkong ist zwar eine tolle und absolut spannende Stadt – aber letztlich eben doch nur eine Stadt. Mit vielen hohen, sehenswerten Gebäuden – nur sind die an warmen, sonnigen Tagen eigentlich eher uninteressant.

Viel spannender ist da die Umgebung. Die Vororte, die Inseln, die Umgebung. Die kleinen Dörfer … 

Ein ehemals winziges Fischerdorf, das wir aus den 1990ern noch als ziemlich schmuddelig und chaotisch in Erinnerung hatten, war deshalb heute unser erstes Ziel – Aberdeen.

Hinkommen ist wirklich einfach – es gibt einen direkten Bus. Allerdings muss man erst mal zum Busbahnhof am Exchange Square. Für uns hieß das – wieder mit der Starferry den Hafen überqueren. Auf dem Weg zum Pier kommen wir regelmäßig an der üppigen Weihnachtsdeko des 1881 Heritage vorbei.

Das frühere Hauptquartier der Marine Polizei wurde in eine Shopping Mall der Luxusklasse verwandelt – auch die Weihnachtsdeko ist extrem luxuriös! Und an Kunden mangelt es hier nicht – die Hongkonger sind überwiegend unglaublich gestyled und scheinen sehr viel Geld für’s Aussehen auszugeben.

Weniger luxuriös, aber dafür entspannend ist die Hafenquerung, auf der anderen Seite wird im Starferry Pier ebenfalls für Weihnachtsstimmung gesorgt und ein (Plastik-)Tannenbaum dekoriert.

Unser Weg zum Exchange Square, wo die Busse in die Umgebung abfahren, verläuft ausschließlich überirdisch. Man kann Hongkong Island fast völlig durchqueren, ohne einmal den Fuß auf die Erde setzen zu müssen – überall gibt es Fußgängerbrücken und -steige.

Zuerst geht’s von der Starferry luftig Richtung Festland, mit freiem Blick nach beiden Seiten.

Dann geht es zwischen den Häuserschluchten weiter …

Am Exchange Square müssen wir mit der Rolltreppe runter auf den Boden und landen in einem riesigen Busbahnhof, wo unzählige Busse abfahren. Zum Glück sind die Haltestellen perfekt ausgeschildert, wir finden die für unseren Bus Nr. 70 auf Anhieb und stellen uns an. Lange warten müssen wir nicht, alle 12 Minuten geht ein Bus nach Aberdeen.

Die Fahrt ist kurz – es geht durch einen Tunnel und nach 20 Minuten im Oberdeck eines Doppeldeckers haben wir Aberdeen erreicht.

Zuerst fallen uns die gigantischen Hochhäuser aus – in den letzten 20 Jahren wurde hier offenbar viel gebaut!

Die Uferpromenade wurde nett aufgehübscht, wo früher nur staubige Uferwege waren, gibt es jetzt einen netten Park mit (sauberen! )Toiletten und Picknick-Bänken in Dschunken-Form.

Geht man ein Stückchen weiter, findet man aber doch noch jede Menge Fischerboote, die den Fang für den Hausverbrauch nach wie vor an der frischen Luft trocknen.

Wir schlendern ein bisschen herum und stehen plötzlich an einem Anleger mit Bootsfahrplänen. Von hier aus kann man sowohl zur Insel Lamma als auch nach Cheung Chau schippern. Beide stehen auf unserem Plan, eigentlich wollten wir aber von Hongkong aus hin. Aber wo wir schon mal hier sind …

Wir entscheiden uns spontan, später nach Lamma zu fahren – die Fahrt ist kürzer als nach Cheung Chau und das Boot geht früher.

Die nette Promenade hat auch Kunst aufzuweisen, den Fischern wurde hier ein Denkmal gesetzt.

Und es gibt auch noch einige wenige alte Damen, die Touristen zu Sampan-Fahrten zu animieren versuchen.

Wir lassen uns überreden – 150HK$ (ca. 15€) für eine gute halbe Stunde ist zwar nicht gerade billig, aber die freischaffenden Sampan-Fahrerinnen haben’s inzwischen nicht mehr leicht. Die Tourist Information, ein Stück weiter flussaufwärts, bietet ebenfalls Touren an – auf piccobello sauberen und hygienisch einwandfreien Sampan-Nachbauten. Dort – so unsere Bootsführerin – kostet es nur 100HK$ – allerdings pro Person!

Wir fühlen uns in unserem etwas vollgerümpelten authentischen Sampan aber durchaus wohl und lassen uns zwischen den wenigen verbliebenen Sampans und den vielen neuen Hausbooten und Yachten herum schippern. Aberdeen liegt am Aberdeen Channel, einem schmalen Meeresarm, der sich zwischen Festland und einer kleinen Insel hindurch windet, die den neuen Stadtteil South Horizons beherbergt.

Der Kanal dient auch als Typhoon Shelter, wo Boote in der Taifun Saison Zuflucht finden.

Wir fahren den Kanal entlang, vorbei an den gigantischen schwimmenden Restaurants, die sogar eine eigene Kläranlage dabei haben!

Von vorne sehen die Jumbo-Restaurants sehr schick aus – von hinten eher weniger …

Auf South Horizons stehen gigantische Wohntürme – viele davon mit einem Loch in der Mitte. Das Loch ist Fen Shui bedingt – es dient als Durchgang für die Drachen, die in den Hügel hausen und regelmäßig zum Wasser müssen/wollen. Wäre ihnen der Weg versperrt, könnte großes Unheil drohen! Also lässt man trotz sicher horrender Kosten lieber einen Durchgang in den Gebäuden. Sicher ist sicher …

Auf dem Rückweg kommen wir an der Fähre vorbei, die wir gleich nach Lamma nehmen werden – sie gehört eindeutig in die Kategorie „Seelenverkäufer“, aber die Strecke ist ja nicht weit.

Kaum wieder an Land, geht’s sofort wieder auf’s Schiff. Sehr voll ist es nicht, wir snd die einzigen Ausländer und freuen uns, dass wir an der frischen Luft sitzen können und los geht’s.

Beim Ablegen begegnen wir dem Schwesterschiff, das eben von Cheung Chau kommt.

Der Ticketverkäufer kommt mit einem riesigen abenteuerlichen Gerät, das aber unsere Octopuscard anstandslos akzeptiert. 9HK$ (ca. 0,90€) kostet de Fahrt. Die Fähre tuckert gemächlich aus dem Kanal Richtung offenes Meer.

Dort hat man einen tollen Blick auf die Küste von Hongkong Island.

Knapp 20 Minuten später ist Lamma Island erreicht. Am ersten Haltepunkt steigen wir allerdings noch nicht aus, wir wollen in die „Hauptstadt“, nach Yung Shue Wan. der größte Teil der rund 6000 Inselbewohner lebt hier.

Wohlbehalten kommen wir an, verlassen unser Boot aber doch etwas erleichtert.

Yung Shue Wan ist – das sieht man sofort – autofrei! Eine Unmenge von Fahrrädern stehen vor dem Fähranleger, von Pendlern dort zurück gelassen.

Das kleine Dorf hat nur eine enge „Hauptstraße“, kaum mehr als ein schmaler Fußweg. Ohne Autos und Mopeds aber völlig ausreichend – nur gelegentlich kommt einer der wenigen zugelassenen Lastwagen vorbei.


Man kann hier einfach ein Weilchen herum schlendern, sich das mehr oder weniger skurrile Angebot der Straßenhändler anschauen …

Oder sich in einem der vielen Seafood Restaurans ein üppiges Mahl mit Fisch und Krustentieren gönnen. Lamma ist Foodie-Mekka – wer gerne Fisch ist, ist hier richtig.

Sieht alles sehr lecker aus – aber um diese Zeit sind wir noch nicht hungrig und begnügen uns mit Kaffee und Cola mit Meerblick. Man kann hier so richtig die Seele baumeln lassen, Postkarten schreiben an ein paar „analoge“ Verwandte und Freunde, sie dann im winzigen Dorfpostamt bei einem sehr freundlichen Postbeamten aufgeben. Und dann am späten Nachmittag mit der Fähre zurück schippern.

Dieses Mal nehmen wir den Katamaran nach Hongkong Island, im milden Nachmittagslicht wieder eine schöne Fahrt.


Was auf dem Bild oben nach Steinwüste am Hang aussieht, ist in Wirklichkeit ein Friedhof! Auch wer tot ist, soll schließlich einen schönen Blick auf’s Meer haben!

Die Fassaden der Wolkenkratzer schimmern schon bläulich, als wir um die Ecke biegen und den Victoria Harbour ansteuern.

Der Starferry Pier liegt friedlich in der Abendsonne – schließlich ist heute der kürzeste Tag des Jahres, da geht die Sonne früh unter!

Wir entscheiden uns noch für einen kurzen Abstecher zum Statue Square. Hier, direkt vor dem obersten Gericht des Landes, versammeln sich an Sonntagen immer die philippinischen Hausmädchen – heute ist es ruhig, nur ein riesiger blauer Weihnachtsbaum glänzt mit den umliegenden Hochhäusern um die Wette.
Dann geht’s zurück zur Fähre.

Das Riesenrad dreht sich unermüdlich, vor dem Fährenzugang werden Weihnachtslieder gespielt.


Ein letzter Blick zurück auf die Insel – dann sind wir wieder daheim.

2 Kommentare zu “ABERDEEN und LAMMA – ziemlich fischig!

  1. Am besten haben mir die Wohntürme mit dem Loch in der Mitte gefallen – wenn das nicht verrückt ist… Einerseits eine supermoderne Weltstadt, und andererseits Drachenlöcher…

    • Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch ganz Asien – einerseits extrem fortschrittlich, andererseits aber tief verhaftet in den Traditionen. Vermutlich ist es auch und gerade diese Mischung, die uns so gefällt und Teil der Faszination für diese Weltecke ist. Du kennst das ja auch sehr gut!

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