Es weihnachtet sehr!

Heute ist Heiliger Abend – in Hongkong ein ganz normaler Werktag.

Okay – vielleicht nicht völlig normal, vielleicht sogar ein bisschen hektischer als sonst, denn die nächsten beiden Tage sind Feiertage. Und da muss offenbar – genau wie bei uns – in letzter Minute noch viel erledigt werden.

Die Straßen sind jedenfalls voll. Aber das ist bei uns am 24. Dezember ja bis zum frühen Nachmittag auch nicht viel anders.

Wir schauen uns mal ein bisschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft um, denn wegen des Regens hatten wir davon noch nicht allzuviel gesehen.

In dieser Ecke von Wan Chai gibt es weniger Glitzer, weniger große Einkaufspaläste, stattdessen viele enge Gässchen mit kleinen Verkaufsbuden, vor denen sich die Menschen drängen.

Sogar Christbäume werden feilgeboten! Die sehen allerdings schon reichlich ramponiert aus!

Und natürlich alles, was man für eine gute Mahlzeit braucht.

In einem kleinen Gässchen, das etwas hochtrabend Lee Tung Avenue heißt, entdecken wir wunderschöne alte Häuser und zauberhafte Dekorationen. Über uns fliegen Engel, riesige Weihnachtsbäume strahlen, man fühlt sich wie im Wunderland.

Wie wir später erfahren, wurde hier in Zusammenarbeit mit Großbritannien ein Projekt diverser Kunstschulen und Künstler realisiert. Es wurden nicht nur die berühmte Weihnachtsdeko der Londoner Regen Street, die riesigen Engel (oder „Spirits“, wie sie hier genannt werden) hoch oben über dem Sträßchen installiert, sondern auch zahlreiche Kunstprojekte aufgestellt.  Das Ganze heißt Spirit of Christmas“ und ist unglaublich eindrucksvoll.

Außerdem gibt es hier wunderbare kleine Restaurants, Bistros – und eine fantastische Bäckerei!

Alles bei Tag schon wunderschön – abends muss es magisch sein! Weil’s gleich um die Ecke von unserem Hotel ist, wollen wir heute Abend nochmal her kommen, um ein bisschen „Spirit of Christmas“ zu erleben.

Jetzt zieht es uns aber erst mal an einen ruhigeren Ort, wir machen uns auf zum Kowloon Walled City Park.

Vorher wird allerdings noch ein großer Sack Wäsche in einer nahe gelegenen Wäscherei abgegeben. Wir sind schon eine Woche unterwegs und reisen mit kleinem Gepäck – da muss regelmäßig gewaschen werden. Im Oceanic Laundry Shop in er Anton Street, nur 2 Minuten von unserem Hotel, treffen wir einen freundlichen Inhaber, der perfekt Englisch spricht. Wir könnten die Wäsche schon heute Nachmittag wieder abholen – oder morgen.

Dann geht’s in die Metro und mit der Fähre nach Kowloon. In den Walled City Park kann man entweder ganz einfach hinkommen, mit dem Bus No. 1, der direkt vor dem Starferry Gebäude in Tsim Sha Tsui abfährt. Der fährt direkt zum Eingang des Parks.

Oder man kann sich das Leben schwer machen, indem man sich in eine überfüllte Metro rein zwängt, unterwegs nochmal umsteigt und dann an der Haltestelle Lo Fuk aussteigt. Warum wir den komplizierten Weg gewählt haben,, weiß ich beim besten Willen nicht – jedenfalls standen wir erst mal etwas ratlos an der Metrostation, bis uns ein netter junger Mann in die richtige Richtung schickte. Außerdem aktivierte ich mal Google Maps auf dem Handy – und siehe da – jetzt war der Weg ganz einfach und außerdem wunderschön!

Es ging durch einen Park, vorbei an der merkwürdigsten Kirche, die wir je gesehen hatten …

Noch ein kleines Stück – dann standen wir vor der Mauer, die den Park umschließt. Der Park ist ziemlich groß und hat eine recht düstere Geschichte. Ursprünglich eine chinesische Garnison wurde dieses Fleckchen nicht in den Vertrag einbezogen, mit dem Hongkong 1898 für 99 Jahre an die Briten verpachtet wurde. Es blieb eine chinesische Enklave und wurde bald zum Mekka der Drogendealer, Prostitution und aller möglichen kriminellen Elemente.

Erst in den 1980er Jahren griffen die Briten durch, vertrieben die dort ansässigen Chinesen und verwandelten die ummauerte Stadt in einen wunderschönen Park. Heute ist der Park eine Oase der Ruhe und einfach nur schön. Etliche Elemente der ehemaligen ummauerten Stadt wurden erhalten, auch einige Gebäude.

Wir lassen uns erst mal einfach nur treiben, wandern an alten Gebäuden vorbei, auf schön gepflasterten Wegen und durchqueren malerische Torbögen.

Blicken durch filigrane Fensteröffnungen in den Mauern, schlendern vorbei an Teichen, über Terrassen und bestaunen die pinkfarbenen Blüten der Bauhinia, dem Wahrzeichen Hongkongs.

Und schlendern schließlich durch Höfe mit wunderschönen Bonsais zum Zodiak Garden, wo marmorne Statuen die Tiere der chinesischen Jahreszeichen darstellen.

Man kann hier viel Zeit zubringen und total entschleunigen – denn dieser Park ist selten voll, mit uns waren nur eine Handvoll anderer Besucher hier.

Zurück in die Hektik der Stadt ging’s mit dem Bus – der Bus No 1 fährt direkt am Park ab und fährt bis zur Starferry. Die Sitze sind superbequem, wir saßen ganz vorne und hatten so wieder eine tolle Stadtrundfahrt!

Statt wie sonst nach Central zu fahren, nahmen wir heute mal die Fähre nach Wan Chai – und landeten mitten in einer gigantischen Baustelle! Auch hier war wieder „Land gewonnen“ worden und weder die Straßen noch die Fußgängerbrücken sind derzeit fertig, ganz zu schweigen von den Gebäuden! Hongkong wächst und verändert sich nach wie vor rasant.

Fast hätten wir’s vergessen – heute ist Heiliger Abend, Weihnachten! Aber wenn man zur Lee Tung Avenue geht, wird man sofort in Weihnachtsstimmung versetzt! Engel fliegen, künstlicher Schnee rieselt auf die Besucher herab, es wird gesungen und getanzt …

Wir lassen uns anstecken, swingen mit und wünschen euch allen „A very Merry Christmas!“

2 Kommentare zu “Es weihnachtet sehr!

  1. Wie gut, daß ihr umgezogen seid, sonst hättet ihr dieses Sträßchen mit seiner wirklich bezaubernden Deko vielleicht gar nicht entdeckt?
    Ich bedanke mich für die originellen Weihnachtsgrüße und wünsche auch euch noch wunderschöne (Fest-)Tage.

  2. Vielen Dank, wünsche ich Euch auch und eine wunderschöne Weiterreise. Das Lesen macht richtig Spass. Alles Gute und jetzt schon einen guten Start ins neue Jahr.
    Liebe Grüsse
    Iris

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