Bolaven Plateau

Man merkt kaum, dass es bergauf geht, so sachte steigt die Straße an. Dabei geht es immerhin fast bis auf respektable 1300 m hinauf!

Auf dem ausgedehnten Plateau leben verschiedene Volksgruppen, die größte mit ca. 50.000 Menschen ist die der Laven, die dem Plateau seinen Namen gaben (Bolaven = Heimat der Laven).

Kautschuk, Tee und Kaffee machen das Plateau wirtschaftlich interessant, Touristen zieht es eher zu den vielen imposanten Wasserfällen.

Die Hochebene grenzt im Osten an Vietnam und war im Vietnamkrieg heiß umkämpft, weil der Ho Chi Minh Pfad hier hindurch verlief. Luftangriffe der USA zerstörten fast alle Ortschaften.

Heute ist es eine idyllische Gegend mit vielen kleinen Dörfern. Wir fahren den so genannten Bolaven-Loop im Uhrzeigersinn, zunächst zum Tad Lo, auf der Karte oben in der Mitte.

Unser Fahrer stoppt ziemlich unvermittelt am Straßenrand in einem Dörfchen und macht uns klar, dass wir aussteigen sollen (Englisch spricht er kein Wort!) Wir hören Hammerschläge und sehen, dass hier eine Schmiede neben der anderen ist.

Überall brennen Feuer, es wird im perfekten Takt jeweils zu zweit auf ein Werkstück eingeschlagen – hier werden Messer und Sicheln geschmiedet.

Ich bin total fasziniert – obwohl wir sowas nicht zum ersten mal sehen. Am Zaun hängt eine Reihe Messer, vorsichtig prüfe ich eine Schneide – die sind sowas von scharf! Davon muss ich eines haben – auch wenn Dieter die Augen rollt und meint, zum Kartoffelschälen taugen die nicht.

Mein neues Messer wird nochmal kurz erhitzt, nochmal mit dem Hammer bearbeitet, leicht geschliffen, ein Tropfen Öl drauf, eine Schneideprobe – es gleitet durch den Sack wie durch Butter! In dicke Lagen Papier verpackt trage ich meinen Neuerwerb dann stolz den ganzen Tag im Rucksack mit mir herum!

Wir fahren weiter, der Tad Lo Wasserfall ist unser erstes Ziel. Seltsamerweise fährt unser Fahrer am Wegweiser vorbei und zunächst zu einem kleinen Resort. Dort ist zwar ein netter Fluss und ein kleiner Wasserfall – aber das ist NICHT der Tad Lo! 



Wir hatten irgendwas von „Lunch“ gehört – den wollten wir aber nicht, sondern zum „richtigen“ Tad Lo! (Später mussten wir allerdings etwas reuemütig feststellen, dass der Tad Lo eine Serie von insgesamt 3 Fällen umfasst – wir waren einfach dieses Mal zunächst am obersten gelandet, statt, wie bisher, am unteren …)

War aber kein Problem – wenig später standen wir vor dem „richtigen“ Wasserfall. Und waren etwas ernüchtert. 2014 sah der Fall noch so aus:

Heute war deutlich weniger Wasser drin – das ist der Anblick von heute.

Im Restaurant am Wasserfall konnte man 2014 nur mit Mühe einen Platz finden – heute teilten wir uns die riesige Terrasse mit zwei jungen Männern – das war’s …

Neu war, dass man auf einem wackeligen Steg oberhalb des Falls den Fluss überqueren kann. Also nix wie rauf – auch wenn der Anstieg über steile Treppen in der Hitze etwas mühsam ist. Von oben hat mein einen tollen Blick.

Allerdings sieht man auch, wie wenig Wasser derzeit im Fluss ist.


Die Brückenwärterin schläft tief und fest, wir schlendern über den Steg, nur wenige Zentimeter über dem Wasser.


Es ist schön hier oben, ruhig und friedlich, man kann die Natur wirklich völlig ungestört genießen. Und das tun wir auch. Ausgiebig!

Auf der Weiterfahrt gibt es einen erneuten ungeplanten Stopp – unser Fahrer will uns unbedingt ein Dorf zeigen, in dem Kaffee nicht nur angebaut, sondern auch geröstet wird. Die winzige Siedlung umfasst nur wenige Häuser, Holzhäuser auf Stelzen, die in der roten staubtrockenen Erde stehen.

Wir sollen den frisch gerösteten Bolaven Kaffee probieren – dabei bekommen wir den täglich zum Frühstück! Aber – nicht in einem Mörser von Hand zerstoßen, nicht mit Wasser, das mühsam über einem kleinen Feuer erhitzt wird und nicht in einem Bambusrohr gefiltert, das unten eher grobe Löcher hat!

Der Kaffee schmeckt mild, schokoladig und richtig gut! Wir kommen mit einem jungen Mann ins Gespräch, der sich beklagt, dass hierzulande in den Schulen kein richtiges Englisch unterrichtet wird. Alles, was er kann (und das war eine Menge) hat er von Touristen gelernt. Er hat viele Träume und Wünsche – kaum einer davon wird sich vermutlich erfüllen, denn er ist noch nie weiter aus seinem Dörfchen raus gekommen als bis Pakxong, dem größten Ort auf dem Plateau. Und eine weiterführende Schule kann er mangels finanzieller Möglichkeiten auch nicht besuchen.

Wir gehen langsam (und ein bisschen nachdenklich) zum Auto zurück – vorbei an einem sorgsam gepflegten winzigen Gärtchen, außerhalb der Reichweite von Hühnern und Katzen.

Vorbei an der Wäsche, die gerade eben aufgehängt worden war.

Vorbei an den Kaffeekirschen, die auf dem Boden zum Trocknen ausgebreitet sind und vorbei am fetten Dorfschwein.

Unser nächster Stopp ist wieder ein Wasserfall, der Tad Yuang. Bevor man die Fälle sieht, muss man zunächst durch ein Verkaufsareal, wo Frauen Webarbeiten anbieten.


Man blickt in ein idyllisches kleines Tal …

… geht weiter, dann eine schier endlose steile Treppe hinunter, muss sich teils unter Baumwurzeln hindurch winden …

Und dann sieht man die Fälle in ihrer ganzen Größe und Schönheit! Über 40 m fallen hier Wasserkaskaden die Felsen hinunter in einen kleinen Pool – ein toller Anblick.

Der letzte Wasserfall des Tages, der Zwillingsfall Tad Fane, kommt einem dagegen schon fast mickrig vor – obwohl dieser mit einer Fallhöhe von rund 120 m der höchste nicht nur des Plateaus sondern von ganz Laos ist.

Mittlerweile hat sich der Himmel verdunkelt, wir verzichten auf weiteres Sightseeing und machen uns auf den Heimweg. Es muss noch gepackt werden – denn morgen geht’s weiter, nach Champasak und dann nach Si Phan Don, zu den 4000 Inseln im Mekong!

Die heutige Rundtour übers Bolaven Plateau:

3 Kommentare zu “Bolaven Plateau

  1. Wir haben auf dem Bolaven Plateau übernachtet und sind dort gewandert, es war wunderschön.
    Ich genieße jeden Moment deiner Reise, danke, daß wir dich begleiten dürfen.

  2. Es ist schön so mit zu reisen, freue mich auf jeden Bericht. Laos kennen wir nicht.
    Gute Reise weiterhin.
    Iris

  3.         2017 waren wir dort. Habe gerade nochmal meine Reiseberichte gelesen. Es war sehr schön dort. Wir hatten 2 Tage und sind dann auch weiter nach Champasak. Bin schon gespannt auf die nächsten Berichte.
    

    Grüße an den Mekong, die Mutter aller Flüsse
    Herzliche Grüße
    Christina

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