Zwei Inseln und ein Roller

Gestern gaben wir uns mit einem Tuktuk zufrieden, aber heute wollten wir etwas autonomer unterwegs sein. Und da Fahrräder mangels Konditionsschwäche dieses Mal ausscheiden (auf diesen sandigen Feldwegen hole ich mir nicht noch mal nen Muskelkater!), musste ein Motorrad her!

Kein Problem, meinte der Typ an der Rezeption unseres Guesthouses, und entschwand auf seinem Roller. Wenig später kehrte er mit einem Mädel im Schlepptau zurück, die uns ihren Roller vermieten wollte. Nur – die Bremsen funktionierten nicht und der Sitz sah aus, als hätten Mäuse ein Nest drin gebaut!

Unser „Manager“ wollte uns weismachen, dass man hier eigentlich keine Bremsen braucht – es kommt einem höchstens mal ein langsamer Wasserbüffel in die Quere. Und intakte Sitze sind sowas von überbewertet – man kann ja schließlich ein Handtuch drauf legen!

Wir lehnten trotzdem dankend ab (leider war ich nicht geistesgegenwärtig genug, um dieses Häufchen Elend zu fotografieren) und liefen los, um auf eigene Faust einen motorisierten fahrbaren Untersatz zu finden. Einfach war das nicht, denn wir wollten ein Motorrad mit Automatik – und die sind rar hier.

Zunächst staunten wir allerdings über ein Songthaew voller Mönche!


Es waren Mönche aus einem thailändischen Kloster, die so ne Art Betriebsausflug machten!

In einer Werkstatt wurden wir schließlich auch in Sachen Roller fündig – ein richtig guter Honda Scooter (der des Sohnes) wurde uns für 100.000 Kip (= ca. 10€) anvertraut – ohne Pass, ohne Namen, ohne alles. Und wir rollerten begeistert los!

Raus aus dem Dorf, über aberwitzige Feldwege in die Pampa. Nix los, nur Wasserbüffel und ab und zu mal ein Bauernhof. Und wunderschöne Natur.


Ein bisschen Verkehr gab es aber schon – dieses seltsamen Gefährt mit der langen Gabel ist in ganz SOA verbreitet.
Auch Touristen begegneten wir – eine derzeit eher seltene Begegnung, denn Don Khone ist alles andere als überfüllt. Das Tuktuk hatte ziemlich Mühe, Kurs zu halten! Dabei ist dieser Feldweg auf der Karte als reguläre Straße ausgewiesen!

Wir hatten Zeit. Unendlich viel Zeit. Für Wasserbüffel und Landschaft, für einfach nur gucken …



Das Motorrad wurde irgendwo im Feld abgestellt – wir sahen den Wasserbüffeln zu, zu Lande und zu Wasser.


Fuhren dann gemütlich weiter – es sollte hier irgendwo noch einen weiteren Wasserfall geben. Irgendwann ein handgemaltes Schild, ein noch schmalerer Feldweg nach links. Ein paar Bauernhöfe – mit gepflegten Hochbeeten voller Kräuter.

Dann hören wir es rauschen – landen schließlich wieder am Fluss,  vor einem kleinen Lokal. Ein paar Motorräder, zwei Fahrräder stehen davor, zu sehen ist niemand.

Ein paar Schritte weiter führt eine Hängebrücke über einen der unzähligen Seitenarme des Mekong.

Und es gibt tatsächlich einen kleinen Wasserfall! Nicht spektakulär, aber hat was …

Viel spannender als die Stromschnellen ist aber das, was ein Fischer unter der Brücke mit seinem Netz anstellt!

Gekonnt wirft er es in den schäumenden Fluss – ob er jemals was fängt? Dieses Mal zumindest nicht. Wir überqueren die Brücke.

Laufen einen schmalen Pfad durch dichtes Gestrüpp – und stehen dann vor einem weiteren Seitenarm.

Wieder ein paar Stromschnellen, kleine Fälle. Wir klettern ein bisschen herum, es gibt immer wieder neue Aussichten – und es ist kein Mensch da!

Einfach nur paradiesische Ruhe – mal abgesehen vom Tosen des Wassers.

Der Anblick macht durstig, die Temperaturen auch – also zurück zu dem kleinen Lokal, um unseren Wasserhaushalt aufzufrischen. Auch andere haben Durst – sechs winzige Welpen balgen sich um die Milchquellen ihrer Mama!

Wir wollten noch zu der zweiten Schiffshebeanlage, die am Ende der früheren Bahnstrecke liegt – und auf der handgezeichneten Karte, die wir vom Guesthouse haben, schien der Weg auch ganz einfach: Immer weiter am Fluss entlang. Nur mutiert der immer mehr zum Dschungelpfad, an einer mehr als wackeligen Bambusbrücke drehen wir schließlich um.

Es geht erst mal querfeldein zurück zu unserem Dorf. Kurze Überlegung – dann fahren wir über die Brücke nach Don Det und auch hier durch die Felder, über die alte Eisenbahntrasse, die heute nur noch ein holpriger Feldweg ist, bis nach Don Det Village. 

Hier wird fein unterschieden: Auf der einen Seite der ehemaligen Schiffshebeanlage, wo die 7 km lange Eisenbahntrasse über die beiden Inseln begann, liegt Don Det Village, auf der anderen Don Det Ville! Und während das Dorf nur staubige Feldwege und Holzhäuser aufweist, protzt die „Stadt“ mit einer schmalen Betonpiste und Häusern aus Stein



Hier ist das Backpacker-Mekka, hier war bei unserem letzten Besuch die Hölle los! Eine Bar neben der anderen, dazwischen Gästehäuser. Aber auch hier sind Touristen mehr als dünn gesät, kaum jemand unterwegs, die Restaurants verwaist, auch viele der Gästehäuser stehen leer und wirken verlassen.

Wir fahren bis ganz ans Ende der „Stadt“ – hier ist der Pier, an dem gestern die holländischen Radler ausgestiegen sind.


Und hier ist auch ein kleiner Sandstrand, an dem sich immerhin ein einziges Paar den Nichtstun hingibt.

Nach einer ausgiebigen Getränkepause in einem völlig leeren Lokal rollern wir zurück, Richtung „Dorf“. Und dort immer am Mekong entlang Richtung Brücke. Es ist ruhig und friedlich, kein ständiges Musik-Gedröhne, kein dauerndes Bass-Gewummere – irgendwie können wir es kaum fassen, dass hier so wenig los ist!


Aber wir genießen die Stille! Eine kleine Herde Wasserbüffel aalt sich in der Nachmittagssonne.


Wäsche wird gewaschen …

Sonst ist nix los – einfach nur schön!

Man vergisst die Zeit – nur der Stand der Sonne zeigt uns, dass wir langsam weiter müssen, wenn wir noch Don Khone durchqueren wollen.


Einen kurzen Blick auf unseren schwimmenden Bungalow am anderen Ufer gönnen wir uns aber noch … dann geht’s auf sandigem Weg zügig Richtung Brücke.

Auf der anderen Seite angekommen, statten wir erst mal der alten Lokomotive einen kurzen Besuch ab. Sie rostet hier seit fast 80 Jahren vor sich hin, nachdem die Eisenbahntrasse nicht mehr genutzt wurde, um Schiffe von einem Ende Don Khones bis Don Det zu transportieren.

Wie das früher aussah, zeigt eine Bilderserie an der Wand des kleinen Schutzhäuschens um die Lok.


Im Moment fasziniert uns aber ein anderer Transport viel mehr – zwei kleine Jungs schleppen ein riesiges Plastikauto heran, das schließlich sehr sorgfältig geparkt wird. Zwar fehlen zwei Räder – aber ein Schatz scheint es für die beiden trotzdem zu sein.

Jetzt wird’s aber Zeit, wenn wir noch vor Dunkelheit zurück sein wollen! Auf der alten Trasse – die inzwischen streckenweise geschottert ist, was das Fahren nicht unbedingt vereinfacht – geht’s durch lichte Wäldchen bis zum südöstlichen Zipfel Don Khones. Der Weg zieht sich, aber am Ende steht man zunächst vor der zweiten verrosteten Lokomotive und dann oben auf dem gigantischen Hebewerk.



Über steile Treppen geht’s runter zum Fluss, von oben hat man einen Panoramablick rüber nach Kambodscha.

Von der Seite sieht man die Dimensionen des Bauwerks ein bisschen besser, richtig sehen kann man sie nur vom Fluss aus – aber für eine Bootsfahrt ist es heute schon zu spät.

Wo bei unserem letzten Besuch nur ein, zwei kleine Kneipen waren, hat sich jetzt ein richtiges kleines Dorf angesiedelt. Ein Weilchen schauen und staunen – auch über die seltsamen Vögel, die hier vor einer Hütte herum stolzieren und über ein winziges, offenbar neu geborenes Kälbchen, das verloren mitten auf dem Platz liegt.


Im schnell schwindenden Abendlicht fahren wir zurück in unser Dorf, geben den Roller ab. Dann noch eine kühle Kokosnuss mit Katzenbegleitung an der Brücke …


Und schon kommt der letzte dramatische Akt des Tages – die Sonne geht unter! Heute genießen wir das Schauspiel bei einem Glas Bier auf unserer Veranda.



Und als wir später auf der Suche nach einem Eis als Nachtisch durch’s nächtliche Dorf wandern, sehe ich jemand heftig aus einem Restaurant heraus winken – Sandra und Ralf, die mit uns im Bus von Luang Prabang nach Vang Vieng gefahren waren, die wir in Vientiane zufällig im ViaVia bei einer Pizza wieder getroffen hatten, sind jetzt ebenfalls hier!

Zwar sind die beiden nach etlichen kalten Nächten auf dem Bolaven Plateau etwas angeschlagen – aber wir haben uns wieder viel zu erzählen und der Abend wird deutlich länger als geplant!

5 Kommentare zu “Zwei Inseln und ein Roller

  1. Ich lese jetzt immer wieder, dass wenig Touristen unterwegs sind. Hast du eine Erklärung dafür? Was sagen die Einheimischen dazu?
    Ich persönlich wünsche mir ja, dass das bis zu meinem nächsten Besuch dort so bleibt…
    Die Tour nach Don Det kannte ich übrigens noch nicht.
    Habt ihr die Mekong-Delfine schon gesehen?
    Viel Spass weiterhin!

    • Die Mekong Delfine haben wir 2014, bei unserem letzten Besuch, gesehen! Dieses Mal waren wir zu spät dran – wir wollten nicht in der Dunkelheit mit dem Roller zurück ins Dorf fahren.
      Was die Touristenzahlen angeht – so richtig weiß das keiner, einige meinen, es liege an der Jahreszeit. Die Chinesen kommen erst später, um das chin. Neujahrsfest herum (dieses Jahr 5. Februar), und die westlichen Backpacker, soweit sie Studenten sind, haben ebenfalls erst im Februar Semesterferien. Wir sind wohl in eine Lücke zwischen Weihnachten und dem chin. Neujahrsfest geraten.
      Aber generell klagt auch Thailand schon seit einigen Monaten über einen Tourismus-Einbruch, und in Myanmar scheint es richtig dramatisch zu sein, hier haben sogar etliche Airlines Flüge zu bestimmten Zielen eingestellt, weil die vorwiegend von Touristen genutzt werden und die weg bleiben.

      • Wir waren exakt zur selben Zeit wie ihr in Laos, wenn ich mich richtig erinnere.
        Dass die Touristenzahlen in Myanmar einbrechen, wundert mich dagegen eher nicht. Die Geschichte mit den Rohingyas und vor allem das passive Verhalten der früheren Volksheldin Aung San Suu Chi (schreibt man die so?) hat einfach Auswirkungen (was keine Kritik an euren Plänen sein soll!). Ausbaden muß dies dann die Bevölkerung.
        Für Thailand kann ich mir das nicht so richtig erklären. Wir haben letztes Jahr aber auch etliche Orte in Südthailand gesehen, wo man wirklich nicht mehr hin muß, obwohl sie vor -vielen – Jahren noch wunderschön waren.
        Mit der Moderne geht so manches Mal der Charme flöten. Alternative Reiseländer habe ich freilich noch nicht entdeckt.
        LG Susanne

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