Dreitausend Löcher …

Eigentlich sollte man entweder zum Sonnenauf- oder -untergang hin, wegen des Lichts. Beides scheidet für uns aus logistischen Gründen allerdings aus.

Nachts sind wir hier ungern mit dem Auto unterwegs und schon vor Sonnenaufgang ebenfalls ungern auf den Hufen.

Also geben wir uns eben mit weniger als idealen Lichtverhältnissen zufrieden und besuchen Samphan Bok auf der Weiterfahrt von Khong Chiam nach Mukdahan.

Samphan Bok wird oft als Mekong Canyon bezeichnet – tatsächlich bedeutet der Name jedoch lediglich „3000 Löcher“. Das Mekong-Wasser hat sich hier in den weichen Sandstein gefressen und in Millionen Jahren eine bizarre Steinlandschaft mitten im Fluss geschaffen, die seit einigen Jahren zum Touristenmagneten geworden ist. Sichtbar ist das alles jedoch nur während der Trockenzeit, etwa zwischen November und April.

Und Touristenmagnet bedeutet hier: Zu mehr als 90% einheimische Touristen! Ausländer haben den Isan und seine teils spektakuläre Landschaft bisher noch kaum entdeckt!

Beim letzten Besuch sind wir zu Fuß runter ans Ufer gelaufen und danach lange auf den Felsen rumgeturnt – mit dem Ergebnis, dass wir am Ende fast einen Hitzschlag hatten. Dieses Mal nehmen wir lieber gleich das Saengthaw-Shuttle, dass einen zwar kräftig durchschüttelt, aber deutlich kräfteschonender nach unten bringt.

Außerdem wollen wir heute eine Bootsfahrt machen. Für 500 THB wird man eine halbe Stunde lang herum geschippert und sieht die Felsen auch mal von unten. Unsere Bootsmannschaft stellt sich erst mal zu einem Foto auf.

Bei der Abfahrt springt noch eine kleine ältere Lady mit an Bord, deutet auf ihre Brust und sagt „Me – guide!“ So richtig verstehen wir nicht, was das soll – zumal das die beiden einzigen Worte Englisch sind, die sie beherrscht.
Dann geht’s los. Während wir im kühlen Fahrtwind sitzen, stapfen oben schon Gruppen von Besuchern über die Felsen.


Das Boot gleitet flussabwärts, langsam an den Felsen vorbei,


Ein Stück weiter stoppt das Boot, unsere selbst ernannte Führerin hüpft raus und bedeutet uns, ihr zu folgen. Es geht hoch auf eine kleine Hochebene, die aussieht, wie eine Mondlandschaft. Auffallend sind rötlich glänzende Steine, die wie glatt poliert oder lackiert wirken.



Von den Erklärungen, die sie uns in schnellem und lautem Thai (oder Isan?) gibt, verstehen wir kein Wort, nicken aber immer brav, wenn sie uns auffordernd anschaut. Es geht zurück ins Boot und wieder flussaufwärts.



An einer recht steilen Felswand hält das Boot erneut, wir sollen wieder aussteigen. Offenbar ist hier Endstation, denn gestenreich wird uns klar gemacht, dass wir jetzt den Bootsmann bezahlen sollen. Und auch unsere „Führerin“ hält die Hand auf.

Weil sie mir ein bisschen leid tut und auch eigentlich sehr nett ist, gebe ich ihr 50 THB. Sie quittiert das mit einem strahlendem Lächeln und steigt mit uns aus dem Boot. Offenbar war das für sie ein weiterer Führungsauftrag.

Gekonnt lotst sie uns auf das Felsplateau und versucht, uns die Highlights zu zeigen. Allerdings haben wir da etwas andere Vorstellungen als unsere Führerin! Während sie zielstrebig von Loch zu Loch hüpft und z.B. ruft „Mickey Mouse!“

Oder etwas, das wie „Dinosaurier“ klingt …

… schauen wir uns ganz andere Ecken und Löcher an.

An einer Stelle entdecken wir einen fast unwirklich blauen kleinen Teich, der förmlich zum Baden einlädt.

Es geht noch eine ganze Weile durch und über die Felsen.


Noch eine letzte Herausforderung – eine Monkeybridge muss überwunden werden! Nur ein schmales Brettchen und ein Ast führen übers Wasser.

Dann sind wir schließlich wieder am Ausgangspunkt angekommen. Dort warten bereits die Shuttles, die uns einen langen heißen Aufstieg ersparen.

Oben gibt’s noch ein Beweisfoto – damit wird klar, wo wir hier sind.

Auf dem weiteren Weg nach Mukdahan gibt’s wenig Besonderes – wenn man mal von dem wirklich schönen Frauenparkplatz an einer Tankstelle vor dem Café absieht!

In Mukdahan erwartet uns im Hotel De Ladda ein ziemlich feudales Zimmer mit Blick auf den Mekong.

Auch ansonsten ist das Hotel eine erstaunliche Mischung aus Kitsch und Kuriositäten: Kronleuchter an der Decke, verspielte Sesselchen in der Lobby, Elvis vor dem Aufzug und ein Wandbild mit einer elsässischen Kleinstadt an der Wand vor unserem Zimmer!

Ansonsten ist Mukdahan auf den ersten Blick eine ziemliche Enttäuschung und eine absolut thai-untypische Stadt! Während sonst überall in Thailand am Abend die Märkte öffnen und das Volk auf die Straßen strömt, um zu essen und den Tag zu beenden, wird in Mukdahan um Punkt 18 Uhr der gesamte Indochinamarkt am Flussufer (der ohnehin nur eine einzige Aneinanderreihung von Souvenirbuden und billigem Ramsch ist) dicht gemacht!

Danach werden hier auch die Lampen weitgehend ausgeknipst, schnell kehrt hier eine gespenstische Ruhe ein. Wir versuchen unser Glück weiter Richtung Innenstadt, in einer großen Straße – auch hier sind die Läden schon um 18 Uhr geschlossen, Restaurants Fehlanzeige.
Also wieder zurück an den Fluss – wobei man den hier gar nicht sieht, weil die Buden des Indochinamarktes den Blick versperren. Wir wären hungrig ins Bett gegangen (das Hotel Restaurant war keine wirklich Option!), wäre da nicht ein schräges kleines Lokal mit dem seltsamen Namen „Wine Wild Why?“ gewesen. Eine wilde Mischung aus romantischem Gartenlaubenflair und 50er Jahre, mit Blick auf den Fluss.

Mit einer Kellnerin, die fast kein Wort Englisch spricht, uns aber zur Speisekarte einen Block und Stift hin legt und bittet „You write – English!“ – was wohl heißen sollte, dass wir unsere Bestellung aufschreiben sollten. Wer das dann lesen soll, bleibt unklar.

Zum Glück gibt’s die Übersetzer App – damit kommen wir ein gutes Stück weiter und haben anschließend eine fantastische Tom Yam Gung und ein nicht weniger gutes rotes Curry vor uns stehen. Mein Curry ist eine echte Aromabombe – hier werden keine Touristenmenüs gekocht, sondern schlichte gute Thai-Küche.
Was gut klappt, ist die Bier-Bestellung – und beim zweiten Chang kommt die Wirtin zu uns, die ein bisschen Englisch kann und besteht auf einem Selfie mit uns.

Mukdahan ist offenbar noch ein eher weißer Fleck auf der Landkarte ausländischer Touristen – hier freut man sich noch über eine Langnase!

Die heutige Strecke:

 

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