Nix für schwache Nerven – der „Einsame Berg“

Heute hatten wir ein bisschen was vor auf der Strecke nach Bueng Kan – das hieß, etwas früher aufstehen als sonst. Zwar ist die Strecke mit rund 215 km nicht besonders lang, aber wir wollen unterwegs einen längeren Stopp einlegen und einen Berg – oder besser, einen Felsen – besteigen.

Keinen ganz gewöhnlichen Berg/Felsen, sondern einen ganz besonderen. 

Wir wollen zum Wat Phu Tok, einem Kloster, das hoch oben auf einem rund 360 m hohen Felsen thront.

Früh aufstehen heißt, dass man den Sonnenaufgang vom Balkon aus erleben kann. Der ist ziemlich spektakulär – wie eigentlich alle Sonnenaufgänge am Mekong.



Und sich dann doch noch mal im Bett rum dreht – schließlich wollen wir nicht zuuuu früh am Berg sein! Das Licht …

Ebenfalls notwendig ist eine gute Grundlage, damit man nicht auf halber Strecke schlapp macht .

Nur – Frühstück ist im Isan eine eher dürftige Angelegenheit. Immerhin gibt es Eier, die einem in dem Pfännchen, in dem sie gebraten werden, direkt in die Hand gedrückt werden. Da besteht akute Verbrennungsgefahr!

Und bevor’s zum Berg geht, muss noch ein weiterer Wat in Nakhon Phanom besucht werden, der Wat Mahathat. Der liegt quasi auf dem Weg, direkt am Flussufer, und wirkt ein bisschen wie der kleine Bruder des Wat Phra Phanom, wo wir gestern waren.

Auch er hat einen großen weiß-goldenen Chedi (That), auch er ist ein echtes Prachtstück von einem Wat – vor allem in der hellen Morgensonne.

Vis-a-vis vom Wat haben die Mönche einen tollen Kräutergarten angelegt.

Im Moment sind sie aber offenbar woanders hin unterwegs …

Dann ging’s zügig raus aus Nakhom Phanom. Immer auf der Route 212 fuhren wir durch einsame Gegenden, durch Bambuswälder, aber auch etliche Kautschuk-Plantagen. Hier wird auch viel Zuckerrohr angebaut.

Viel Verkehr ist nicht, aber wenn was kommt, kann es auch durchaus mal amüsant sein! Wir fühlten uns jedenfalls beobachtet und überholten vorsichtshalber …

Theoretisch hätten wir fast die gesamte Strecke auf der Route 212 bleiben können, dann am Ende aber wieder ein Stück zurück fahren müssen. Deshalb bogen wir ab auf eine kleinere Straße und fuhren an einem See entlang, dem Bueng Khon Long, einem Stausee und wichtigem Trinkwasserreservoir für die Region.

Der verstorbene König Bhumipol Adulyadej hatte das Reservoir Mitte der 80er Jahre initiiert, um die Bewässerungsbedingungen für die Bauern zu verbessern. Inzwischen gibt es zahlreiche Stauseen im Isan, der früher als der trockenste Landstrich Thailands galt. Wer hier herum reist, wird überrascht sein, wie grün es ist und wie viele kleine und größere Seen es gibt.

Immer wieder weisen Wegweiser den Weg zum Wat Phu Tok – verfahren kann man sich eigentlich nur, wenn man sich auf sein Navi verlässt. Google Maps hat nämlich immer mal wieder einen der unzähligen „Checkpoints“ (an denen selten oder nie jemand sitzt, die aber immer reichlich mit rot-weißen Hütchen und Absperrungen garniert sind) als Straßensperrung interpretiert und uns quer durchs Land geschickt!

Aber schließlich taucht er dann doch vor uns auf : Der „Einsame Berg“ Phu Tok mit dem Kloster auf der Spitze – dem Wat Jetiyakhiri, besser bekannt als Wat Phu Tok. So aus der Ferne sieht er ziemlich unspektakulär aus.

Das ändert sich aber schnell, wenn man näher kommt. Es geht durch ein imposantes Tor mit Elefanten und diversen anderen Tieren. Wie in Thailand fast an der Tagesordnung, kann man mit dem Auto aufs Tempelgelände fahren und dort unter schattigen Bäumen parken.



In einem gepflegten Park befindet sich ein kleiner See mit einer Sala, die als „Bibliothek“ bezeichnet wird. Lange lesen will man hier allerdings eher nicht, die Sitzmöbel sind doch ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Und dann sieht man ihn, den Phu Tok mitsamt seinen Stegen und Leitern.


Der Mönch Ajahn Juan gründete das Kloster 1968 und begann mit der Konstruktion einer Reihe hölzerner Treppen und Stege auf insgesamt 7 Ebenen, die die buddhistischen 7 Level auf dem Weg zur Erleuchtung symbolisieren. Fünf Jahre dauerte der Bau, bis heute werden Treppen und Stege von den Mönchen instand gehalten – man sollte als Besucher deshalb eine kleine Spende hinterlassen.

Dass ich da jemals hinauf gehen würde, hatte ich bei unserem letzten Besuch kategorisch ausgeschlossen. Ich bin weder schwindelfrei noch sonderlich trittsicher, zudem völlig untrainiert und mein durch einen Skiunfall lädiertes Knie mag weder lange Auf- noch Abstiege. Aber bis zum 1. oder 2. Level wollte ich es halt mal probieren.

Der Aufstieg startet total unspektakulär. Hinter einer kleinen Pforte liegt eine felsige Treppe, eher flach, aber sehr unregelmäßig.

Es geht zunächst über ein felsiges Plateau bis zu einer Holztreppe. Die ist zwar steil, aber problemlos.

Ein Blick nach oben – ein bisschen weiter geht schon noch! Zum Glück liegen große Teile der Treppe immer wieder im Schatten, der Aufstieg geht schneller als gedacht.


Dann kommt der Moment der Entscheidung – weiter steigen oder umdrehen? Und falls weiter – nach rechts oder links?

Die Entscheidung fällt für weiter und links. Die Holzstufen sehen etwas bequemer aus als die unebenen Steinstufen rechts. Bald wird es allerdings richtig steil und richtig eng.

Es geht durch einen Felsspalt. der ist dermaßen schmal, dass man ihm im ersten Bild unten kaum sehen kann.

Aber als wir oben rauskommen, stellen wir erstaunt und begeistert fest, dass wir Bereits auf Ebene 5 sind! Ein paar Schritte weiter und wir sehen vor einem größeren Schrein mit einer Reihe Buddhastatuen. Ein bisschen irritierend ist allerdings das Skelett im Schrank …

Hinter dem Schrein kommt eine kleine Plattform, von der man einen weiten Blick ins Land hat. Allerdings ist sie nicht zum Sightseeing gebaut worden, sondern es ist eine Seilbahnstation. Hier wird die Versorgung der Mönche mit allem Notwendigen sicher gestellt.

Und dann – dann geht’s eigentlich erst richtig los. Dann wird es fantastisch, unglaublich, eindrucksvoll und garantiert unvergesslich! Praktisch eben umrundet man jetzt den Berg einmal komplett – auf wackeligen Holzstegen, auf Fels, manchmal nur eine Andeutung von Geländer – aber alles wirkt irgendwie stabil, zuverlässig, Vertrauen erweckend.

Obwohl ich normalerweise in die Kategorie „Schisshase“ gehöre und schon auf Hängebrücken Panik bekomme, hatte ich hier keine Sekunde ein mulmiges Gefühl. Sondern war einfach nur rückhaltslos begeistert.

Auf dem ersten Foto oben kann man gut erkennen, dass unter uns noch weitere Ebenen verlaufen. Wir kommen an einer kleinen Mönchszelle vorbei, die praktisch am Felsen klebt.

Schauen in die Landschaft, die unglaublich grün ist.

Wandern teils auf Fels, teils auf Stegen immer weiter – und stehen dann vor der Frage, ob wir wirklich noch bis Level  oder sogar 7 hoch sollen.

Die 7. Ebene scheidet von vorn herein aus – dort soll es sehr viele Schlangen geben, das ist nun wirklich garantiert nichts für mich! Und eigentlich ist es hier in der 5. Etage so schön, dass wir beschließen, weiter zu gehen. Der Weg ist weiterhin spektakulär, der Ausblick sowie der Blick nach oben ebenso. Streckenweise schützt jetzt eine Überdachung vor möglichem Steinschlag.

In der Ferne können wir einen kleinen Vorsprung mit einem Häuschen ausmachen, auf dem ein Felsbrocken liegt. Das ist ein kleiner Schrein an sehr exponierter Stelle. Er enthält einige Buddha Statuen und es gibt Trinkwasser. Pilger können hier sogar übernachten – allerdings dürfen Ausländer seit einiger Zeit nicht mehr hier oben schlafen, weil sich angeblich einige jugendliche Backpacker ziemlich daneben benommen und Alkohol getrunken haben.

Auf dem schmalen Bergkamm gehen wir rüber zu dem Schrein und stellen erst dann fest, dass dieser fast völlig getrennt vom Hauptberg auf einem Felsen steht. Die tiefe Schlucht dazwischen überquert man auf einer schmalen Holzbrücke.

Den Schrein darf/soll man nur ohne Schuhe betreten – zum Schuhe ausziehen haben wir aber im Moment wenig Lust, denn statt sonst in Flipflops sind wir für die Klettertour natürlich in vernünftige Schuhe gestiegen. Statt Buddhas im Schrein bewundern wir lieber die Aussicht und den Blick zurück auf den Berg, den wir gerade umrunden.

Es geht zurück und weiter, jetzt wieder auf Fels.



Ein unglaublich schönes Wegstück, fast wie in einem Garten! Ein letztes Mal gibt es die Gelegenheit, noch höher rauf zu klettern, aber ich denke schon langsam an den Abstieg und mein Knie – wir entscheiden uns dagegen.

Der Weg weitet sich zu einem größeren Platz, hier sitzen rund 60 Statuen von Mönchen, die hier oben mal gelebt haben.

Im Anschluss befindet sich eine große Ebene  mit einer Höhle, die möglicherweise zu Versammlungen genutzt wird.

Wenig später haben wir unseren Rundgang beendet und stehen wieder in dem Schrein mit den Buddha-Statuen, wo wir auf Ebene 5 den Rundgang begonnen hatten.

Der Abstieg verläuft völlig unproblematisch, es gibt überall Geländer – und notfalls geht man eben auch mal seitwärts, wenn die Stufen für kurze Beine zu hoch sind.

Fazit: Nach mehr als zwei Stunden sind wir wieder unten und absolut glücklich über das, was wir erlebt und gesehen haben! Und ich bin richtig froh, dass ich nicht – wie eigentlich geplant – unten ein Lesestündchen eingelegt hatte, während Dieter alleine den Berg erklimmen sollte.

Einen Führer braucht man hier wirklich nicht – wir waren froh, dass wir alles in unserem eigenen Tempo und nach unserem Gusto erleben konnten, ohne dass uns jemand die Route vorgegeben hat. Klar – man hätte noch mehr dort oben herum klettern können, aber das kann jeder so machen, wie er/sie es gerne möchte. Auf jeden Fall sollte man reichlich Zeit einplanen, zwei Stunden sind eigentlich das Minimum.

Nicht außer acht lassen sollte man auch, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche – wenngleich spektakuläre – Bergtour handelt, sondern um den Besuch eines Klosters. Wer nicht gänzlich unempfänglich ist für sowas, wird dort oben auch eine ganz besondere Stimmung spüren und eine große Ruhe mitnehmen.

Wieder unten gab’s an einem der Getränkestände vor dem Eingang zum Tempelareal die dringend benötigte Erfrischung – dem auf dem Berg immer wieder angebotenen Trinkwasser haben wir letztlich doch nicht so richtig getraut.

Danach ging’s recht zügig auf der Route 212 nach Bueng Kan, unserem heutigen Übernachtungsstopp. Im „The One Hotel“ sind die Zimmer groß, günstig und sauber – allerdings ist das Haus extrem hellhörig!

Ein kurzer Streifzug durch Bueng Kan brachte das Ergebnis, dass das Städtchen ziemlich uninteressant ist und auch kulinarisch eher problematisch. Deshalb gab’s heute Hotelküche, die allerdings überraschend gut war!

Die Route von heute:

Ein Kommentar zu “Nix für schwache Nerven – der „Einsame Berg“

  1. Unglaublich, deinen Bericht verfolge ich nun schon von Beginn an, die Landschaft am Mekong ist wunderschön, zum Teil spektakulär und der Wat Phu Tok ist ein echtes Higlight. Ich bekomme „Fernweh“…
    VG Ute

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