Yangon – zu Wasser und auf Schienen

Nachdem wir gestern eine halbe Ewigkeit im Stau gestanden waren, brachen wir heute mit einem großen Zeitpuffer zu unserer Bootsfahrt auf. Und waren in gut 10 Minuten schon am Jetty!

Offenbar kannte der heutige Taxifahrer ein paar Schleichwege. Jedenfalls hatten wir so genug Zeit, um unsere Tickets zu kaufen und uns den staunenden Blicken der Mitreisenden auszusetzen.

Es kommt offenbar sehr selten vor, dass sich Farangs hierher verirren und den Waterbus nutzen.


Gegen 10:15 wurde die Absperrung zur Gangway geöffnet und wir marschierten los.



Hinter uns liefen zwei kichernde Mädchen, die sich und uns permanent fotografierten. Es ging durch ein Boot durch auf’s nächste, dort kletterten wir hoffnungsfroh gleich bis ganz nach oben, denn auf Schiffen sind wir immer gerne an der frischen Luft. Myanmar-typisch herrschte an Deck ein ziemliches Durcheinander, etwas merkwürdig fanden wir die gestapelten Stühle, die Tische und den Teppichboden. Aber naja – hier ist eben manches anders … Da haben eben Busse auch mal Teppichböden und Blumenschmuck.


Die Mädels machten weiterhin eifrig Selfis, wir fotografierten die an- und ablegenden kleinen Boote, von den anderen Leuten, die mit uns gewartet hatten, war nichts zusehen – wir vermuteten sie im klimatisierten Inneren.


Plötzlich tauchte ein uniformierter Mann auf, ruderte wild mit den Armen und machte uns klar, dass wir auf dem falschen Boot sind! Dieses Boot war das für die Sunset Cruise! Er scheuchte uns runter und in ein Boot, das noch ein Stück weiter hinten lag – und deutlich spartanischer eingerichtet war!

Das sah schon mehr nach Bus aus. Zum Glück waren alle Fenster offen, auch am Einstieg – ohne Tür und ohne die geringste Absicherung – konnte man während der gesamten Fahrt stehen und die Gegend betrachten oder fotografieren.

Das Boot fuhr auf die Minute pünktlich um 10:30 los, jetzt waren wir hautnah dran an den kleinen Booten, deren Passagieren und den Fischern.



Neben den großen Ausflugsschiffen wirkte unser Bus winzig!

Es ging langsam flussaufwärts – allerdings nicht weit, bereits am Pansodan Pier, wo die Fähre nach Dala ablegt, ist ein weiterer Stopp. Hier stiegen etliche Leute zu, aber auch einige aus.


Wir mussten der Dala-Fähre noch kurz den Weg frei geben – dann ging es weiter.

Nicht nur vor Dala, auch auf der Yangon-Seite liegen Schiffs-Ruinen …



Wobei das Schiff im obigen Bild ganz offensichtlich noch genutzt wird!

An der nächsten Anlegestelle liegt der schicke Katamaran, mit dem das Werbevideo der Wasserbusse gedreht wurde und der offenbar für die Fahrten nach Twante eingesetzt wird. Auch hier steigen wieder Leute zu, hangeln sich abenteuerlich von oben runter zu unserer Tür.


Die kleinen Fährboote schwirren wie ein Fliegenschwarm um uns herum …


Wir kommen zum Containerhafen, wo eifrig verladen wird.

Überall sind Piers, wo größere und kleinere Boote be- und entladen werden.

Schließlich ist Insein erreicht – berühmt-berüchtigt durch sein Gefängnis! Der Spruch „Insane in Insein“ spricht Bände, über den riesigen sternförmigen Knast wurden Bücher geschrieben und Gedichte verfasst. Hier saßen auch Tausende politische Gefangene ein, sogar Aung San Suu Kyi, wurde hier etliche Monate gefangen gehalten, bevor sie jahrelang Hausarrest bekam.

Aber da wollten wir auf keinen Fall hin. Wir stiegen erst mal aus und schauten uns um.


Von außen sah unser Wasserbus eigentlich ganz manierlich aus – und die Brücke schien die Einheimischen total zu faszinieren!

Unter der Brücke standen im Schatten etliche Taxis, für 1.500 Kyat (ca. 0,85€) ließen wir uns zum ca. 2 – 3 km entfernten Bahnhof bringen. Als wir dort ankamen, war es ca. 12:40, der Schalterbeamte gab uns zu verstehen, dass der Zug um 13:05 abfahren würde. Die Verständigung klappte erstaunlich gut, obwohl er praktisch kein Englisch sprach.

Für 200 Kyat pro Person (= ca. 0,12€) bekamen wir Fahrkarten nach Yangon und durften in den Zug einsteigen. Dazu mussten wir vom Bahnsteig runter auf die Gleise und diese überqueren.

Vor dem Zug konnte man noch ein bisschen Proviant erstehen oder auch ein Betelnuss-Päckchen.

Sehr voll war der Zug nicht – zum einen war es Samstag Nachmittag, zum anderen war Insein offenbar die Anfangsstation dieses Zuges, denn er stand schon eine ganze Weile da.

Relativ pünktlich setzte sich der Zug langsam und schlingernd in Bewegung – und fast gleichzeitig fingen diverse Verkäufer an, ihre Waren anzupreisen. Den Anfang machte ein Betelnuss-Verkäufer.

Danach kam ein großer Sack mit lecker aussehenden Backwaren, dick mit Zuckerguss verziert.

Es folgten die Orangenverkäufer, die ihre Ware gleich kiloweise in Plastiktüten packten.

Und diverse Knabbereien …

Hungrig blieb niemand auf dieser Fahrt! Alles war total entspannt – manche schliefen die ganze Fahrt über, andere alberten herum, Kinder liefen hin und her und wurden von den Mitreisenden mit Süßigkeiten gefüttert.

Draußen zogen die Vororte vorbei. Zu sehen war in erster Linie bittere Armut – Menschen, die Müll sortieren, Besen binden und zum Verkauf anbieten oder nach vergeblichen Verkaufsanstrengungen enttäuscht das Tablett vom Kopf nehmen und auf den nächsten Zug warten.

Am Hauptbahnhof angekommen ging es dieses Mal nicht unten über die Gleise, sondern es gibt eine Überführung, die einen zum schönen alten Bahnhofsgebäude bringt. Nicht alle Züge sind hier pünktlich – die Wartenden füllen den gesamten Vorplatz.

Und manche scheinen schon ewig zu warten …

Die Bahnhofshalle zeigt noch ein bisschen vergangene Pracht.


Vor dem Bahnhof stehen Taxis, allerdings muss man erst mal einen der schlafenden und nicht besonders motivierten Fahrer aufwecken. Ziemlich unwillig wird einer, offenbar der jüngste, ausgedeutet, der uns dann aber doch ziemlich flott zum Hotel bringt.

Am späten Nachmittag ist noch ein bisschen Stadt angesagt. Die Sule Pagode glänzt golden in der späten Nachmittagssonne, die City Hall ist strahlend weiß.


Überall wird gebrutzelt und gegessen – allerdings sieht vieles nicht halb so appetitlich aus wie auf einem thailändischen Nachtmarkt.

Der Mahabandoola Garden liegt bereits tief im Schatten – riesige Hochhaustürme, die in den letzten Jahren hier entstanden sind, nehmen dem Park schon am Nachmittag die Sonne.


In den Straßen nach wie vor die handtuchschmalen Lädchen, die sich tief ins Innere des Gebäudes erstrecken.


Praktisch sind auch die nach Themen sortierten Handwerkerstraßen – wenn man z.B. Briefpapier oder Glückwunschkarten braucht oder einen neuen Schirm, muss man nicht die ganze Stadt abklappern, sondern geht einfach in die Straße, wo es Papierwaren gibt und kann dort von einem Geschäft zum anderen gehen, bis man fündig wird.

Und nach wie vor sehenswert – die eigentlich wundervollen alten Häuser mit ihren üppigen Verzierungen – alle in den verschiedensten Stadien des Zerfalls und mit wenig Aussicht auf Renovierung/Restaurierung.



Zum Essen ging’s wieder an den See – nach klimatisierten Lokalen war uns nicht, und man sitzt dort einfach so schön, dass man auch ein drittes Mal hin kann.

Und morgen – da geht’s schon früh los, in den tiefen Süden des Landes, nach Kawthaung.

2 Kommentare zu “Yangon – zu Wasser und auf Schienen

  1. Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder, sie lassen sofort wieder alle Erinnerungen an meine beiden Touren durch dieses wunderbare Land wach werden. Die Zugfahrt ist ein muss für alle Myanmar-Urlauber, aber auch hier soll mithilfe von Investoren die Zeit der gemütlichen Circle-Bahn vorbei sein, allerdings selbst die Einheimischen scheinen das nicht zu wissen!

    • Hoffen wir mal, dass das noch eine Weile dauert, denn dann ist die Zugfahrt sicher nicht mehr so günstig wie jetzt. Wobei die Gleise schon mal eine Generalüberholung nötig hätten! Aber das gilt für so vieles in diesem Land …

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