Die einzige Brücke

Kawthaung ist umgeben von Inseln. Vielen Inseln. Alle nur mit dem Boot erreichbar. 

Alle – bis auf eine. Denn Pulo Tonton (auch Pulau Tonetone) kann man nämlich über eine Brücke erreichen!

Und zwar nicht über irgendeine normale Brücke aus Stahl und Beton, sondern über eine uralte Holzbrücke. Rund 1200 m lang ist sie, überquert das Meer und einen Mangrovensumpf, und obwohl sie ziemlich schmal ist, fahren Tuktuks, Motorräder und sogar Autos darüber.

Dass es diese Brücke gibt, hatten wir erst vor ein paar Tagen irgendwo gelesen. Und weil wir heute noch viel Zeit haben – unser Flug nach Myeik geht erst am späten Nachmittag – machen wir uns auf die Suche. Zu Fuß, denn die Brücke soll nicht weit vom Victoria Hotel entfernt beginnen

Dazu müssen wir zunächst diverse Treppen von der Klippe runter steigen und durch den weitläufigen Park laufen. Ein tropisches Paradies mit Teich und vielen schattigen Bäumen.

Am Ausgang steht ein silbernes Geisterhäuschen – sowas Edles haben wir bislang noch nirgendwo gesehen!

Wir trotten in der schwülen Hitze die Straße ein paar Meter entlang, haben gerade die Grundstücksgrenze des Hotels erreicht, als sich ein Motorradfahrer als Taxi anbietet. Er ahnt offenbar, wo wir hin wollten und deutet auf einen unscheinbaren Weg, direkt an der Grenze zum Victoria.

Zu Dritt auf dem Motorrad wollen wir heute aber nicht fahren und außerdem die Brücke erst mal richtig anschauen. Deshalb laufen wir erst mal weiter, Richtung Wasser – rund 200 m sind es bis zum Beginn der Brücke. Es geht vorbei an Bambushäusern, die auf Stelzen im niedrigen Wasser stehen.

Die Brücke scheint endlos zu sein – zumindest kann man das gegenüberliegende Ende nur erahnen!

So richtig stabil wirkt sie nicht, und offenbar wird sie immer wieder halbherzig ausgebessert. Und sehr lange wird sie wohl auch nicht mehr dort stehen, denn direkt daneben wird bereits an einer neuen Brücke gebaut, dieses Mal eine aus Stahl und Beton.


Es ist einiges los auf der alten Brücke – und jeder winkt uns begeistert zu!

Wenn sich zwei größere Fahrzeuge entgegen kommen, muss eines an einer Ausweichstelle warten. Das funktioniert hier genauso reibungslos wie auf den schmalen Single Track Roads in Großbritannien.

Inzwischen haben wir schon fast die Mitte der Brücke erreicht und überlegen, ob wir umdrehen sollen – da hält ein Tuktuk, das von der anderen Seite kommt. Nach kurzer Verhandlung dreht der Fahrer um und wir fahren weiter über die Brücke.

Auf Sandwegen geht es zu einem Dorf und von dort aus weiter zu einem Strand. Hier staunen wir nicht schlecht! Zum einen über den hübschen Strand. Okay, es ist kein Karibikstrand, der Sand ist eher gelb und recht grob, aber immerhin.


Aber wir staunen auch über das, was am Ufer ist: Ein skurriles kleines Hotel, das fast schon surrealistisch wirkt. Und gespenstisch leer ist.

Wir erhöhen den Umsatz mal kurz um 200%, trinken zwei Cola, genießen eine Weile die Ruhe und Abgeschiedenheit – dann wird uns klar, dass wir zurück müssen, denn wir haben heute ja noch einen Flug vor uns.

Also rein ins Tuktuk und zurück. Vorbei an Mangroven, die tief im Wasser stehen, geht’s wieder auf die Brücke.


Unser Fahrer kennt die Spielregeln und hält bei Gegenverkehr immer brav an den Ausweichstellen.


Er bringt uns bis zum Tor des Victoria Hotels, denn wir wollen nochmal durch den Park gehen. Der liegt jetzt in der Nachmittagssonne, es ist wirklich schön hier – allerdings gibt es auch wilde Tiere, die nicht ungefährlich sind! Einer der schwarzen Schwäne, die dort leben, hält meine knallrote Kamerahülle, die am Riemen über Schulter baumelt, offenbar für den Schnabel eines Rivalen!

Und Rivalen muss man bekämpfen – also beißt er kurz und herzhaft zu! Allerdings nicht in die Kamerahülle, sondern in mein Bein. Autsch – das gab einen ziemlich heftigen blauen Fleck! Und gleich noch einen zweiten hinterher – denn reflexartig schlage ich mit der Kamera nach dem Schwan – die trifft allerdings stattdessen meinen linken Knöchel, der schnell anschwillt und später in den schönsten Blau-Schattierungen schimmert.

Das Personal im Restaurant versorgt mich mit einem Plastikbeutel voller Eiswürfel und der weibliche Teil der netten Leipziger, die am Pool schon auf uns warten, mit Trost und Zuspruch. Bis wir in den Minibus zum Flughafen einsteigen müssen, ist der schlimmste Schmerz dann auch zum Glück schon vorbei.

Der Flughafen von Kawthaung liegt nur ca. 15 Fahrminuten vom Victoria entfernt, er ist winzig – aber unvorstellbar bürokratisch! Zuerst werden unsere Pässe minutenlang akribisch geprüft. Dann werden die Koffer geröntgt – und es gibt einen Aufruhr! Ich werde streng befragt, was in meinem Koffer ist. So richtig verstehe ich nicht, wass der Beamte will – er regt sich jedenfalls total auf und sagt immer wieder „Battery, camera!!!“ Meine Kamera hängt über der Schulter, Batterien bzw. Akkus sind im Handgepäck – was will der Mann??????

Schließlich schleppt er mich zum Röntgengerät – und da ist irgendwo ein kleines Rechteck im Koffer. Und mir dämmert, dass das die winzige kleine Sony-Kamera ist, die ich als Notfall-Kamera dabei habe – denn mir kommt ja leider gelegentlich meine Kamera auf Reisen abhanden.

Das versuche ich, dem Beamten klar zu machen – er besteht jedoch darauf, dass ich den Koffer aufmache und die Kamera heraus nehme. Nun ist die gerade mal so groß wie eine dicke Scheckkarte – ich wühle mich also bei rund 40°C und 99% Luftfeuchtigkeit schwitzend und (innerlich) fluchend durch den Inhalt des Koffers. Es dauert eine Weile, bis der Stein des Anstoßes gefunden ist und im Handgepäck verstaut ist.

Ziemlich muffig lässt man uns jetzt endlich durch und in den Warteraum. Dort ist es nur marginal kühler als draußen – zum Glück kommt der Flieger pünktlich an. Die Passagiere steigen aus, das Gepäck wird ausgeladen und Minuten später laufen wir rüber zum Flieger und steigen ein.

Und wir starten sogar ca. 10 Minuten vor der Abflugszeit Richtung Myeik. Zur Zeit fliegt nur noch Myanmar National Airlines zwei mal wöchentlich die Strecke Kawthaung – Myeik. Das hatte unsere Reisepläne ziemlich durcheinander gebracht, denn zur Planungszeit flogen noch 3 Airlines fast täglich diese Strecke. Deshalb musste einiges umgeplant werden und wir waren am Ende 4 statt 3 Tage in Kawthaung.

Nun sind wir jedoch in der Luft und nach nur 45 Minuten landen wir kurz nach 18 Uhr in Myeik. Das Eain Thaw Phyu Hotel hat uns netterweise einen Abholservice spendiert, ein Mitarbeiter wartet mit einem Schild auf uns und kümmert sich um die übliche Registrierungsprozedur (Pässe abgeben, alle Daten werden von Hand in ein riesiges Buch eingetragen, danach wird der Pass noch kopiert….) und ums Gepäck.

Bis wir in dem kleinen Hotel sind, ist es bereits dunkel – aber immer noch sehr heiß. Das Zimmer ist sehr groß, sauber und ansonsten unspektakulär.

Ziemlich erstaunlich ist die Speisekarte in dem kleinen Restaurant (es ist mittlerweile stockdunkel und viel zu spät für Experimente außerhalb des Hotels). Als Tagesspezialität wird „Porkschnitzel with French Fries“ angeboten!

Das landete allerdings nicht auf unserem Teller, wir blieben lieber bei der einheimischen Küche! Und sind gespannt, was Myeik morgen so alles bieten wird!

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