Feste feiern …

Es ist Vollmond.

Kein normaler, sondern ein so genannter „Supermond“, der gestern Abend riesengroß am Himmel stand.

Wir haben trotzdem gut geschlafen – allerdings hatten wir gestern noch ein zweites Mal das Zimmer gewechselt, denn auch im anderen Zimmer war der Mottenkugel-Gestank über Nacht fast unerträglich geworden! Schließlich hatten wir aber doch ein gestankfreies Zimmer und eine ruhige Nacht.

Und weil gestern eine größere Reisegruppe im Hotel angekommen war, gab es sogar ein recht akzeptables Frühstück! Sogar Eier wurden gebraten – also geht’s doch, nur nicht für einzelne Gäste …

Weil es morgen weiter nach Yangon geht, mussten wir uns um den Transport kümmern. Zwar fahren recht komfortable Busse von Hpa An nach Yangon, die VIP-Busse für 9000 Kyat (= ca. 5€) bieten sogar einen Komfort wie im Flugzeug und haben nur 3 Sitze pro Reihe.

Trotzdem wollten wir uns nach den Preisen für ein privates Taxi erkundigen – denn der Busbahnhof ist recht weit außerhalb und ob man da so ohne weiteres ein Taxi zum Hotel bekommt??? und das kostet dann ja auch noch …

Wir wanderten also erst mal Richtung Stadt, vorbei an der Schule, die noch von den Briten erbaut worden war und auch eindeutig britische Architektur aufweist.


Ein paar Meter weiter steht das Kino, das sich offenbar trotz Internet und Fernsehen halten kann.

In einer kleinen Gasse neben dem Soe Brothers Guesthouse sahen wir ein Schild, hier wurden Taxifahrten angeboten. Nach einigem Hin und Her – der Vater musste zunächst gerufen und der Preis verhandelt werden – hatten wir mit 100.000 Kyat (= ca. 65€) einen in unseren Augen recht fairen Preis für die knapp 300 km lange Strecke ausgehandelt und vereinbart, dass wir morgen um 10 Uhr am Gabbana abgeholt werden.

Zurück zum Hotel und noch eine kleine Stärkung im Café direkt daneben …

…. dann war auch schon unser Tuktuk da und es ging los, zur Bayin Nyi Pagode. Die liegt ein ganzes Stück weit weg von Hpa An – aber die Fahrt ist sehr schön und abwechslungsreich. Es geht zuerst über den Thanlwin River – dabei kann man mit etwas Glück zwischen den  Verstrebungen der Brücke einen Blick auf die Feldermaushöhle (Linno Cave) erhaschen, wo jeden Abend Tausende von Fledermäusen in den Himmel starten.

Da wir keine Fans von Fledermäusen sind, haben wir das Spektakel ausgelassen. Ansonsten ist es etwas schwierig mit dem Sightseeing zwischen den Gitterstäben des Tuktuks hindurch …

Ca 45 Minuten fahren wir durch ein sattgrüne Landschaft, am Horizont immer wieder bizarre Bergformationen. Dann biegen wir auf den Feldweg zur Pagode ein und trauen unseren Augen nicht: Eine schier endlose Kolonne aus allen möglichen Gefährten zuckelt den staubigen Weg entlang!




Wer keine Fahrgelegenheit hat, ist zu Fuß unterwegs.


Irgend was ist hier los – spätestens, als wir an einer unglaublichen Masse von geparkten Mopeds vorbei kommen, dämmert uns, dass hier wohl was gefeiert wird.


Der Weg ist gesäumt von Garküchen, überall wird gebrutzelt. Wir bahnen uns langsam den Weg bis zu einer Art Parkplatz, wo wir aussteigen. Um uns ein riesiger Jahrmarkt, es gibt unzählige Verkaufsstände, die teilweise sehr seltsame Dinge anbieten.

Überall wird gegessen …

Es gibt sogar so eine Art Gemeinschaftsküche, wo gemeinsam gekocht und gegessen wird – und jeder sich vor und nach dem Essen draußen die Hände wäscht!

Mittlerweile wissen wir, was hier los ist – es ist das Vollmondfest, der Snow Moon, der hier gefeiert wird! Mit der Menschenmenge lassen wir uns Richtung Pagode treiben. Es ist so völlig anders als beim letzten Mal, wo kaum jemand da war.

Auch heute kommen bei mir wieder Disneyland Assoziationen auf, wenn ich mir die bunte Mischung aus Kunst und Kitsch so anschaue.


Aber auch hier gibt’s wieder Veränderungen, für die es sicher gute Gründe gibt, die mir aber überhaupt nicht gefallen! Wo vor zwei Jahren ein wunderschöner Naturteich, gespeist von heißen Quellen, zum Baden einlud (natürlich ausschließlich für Männer!) …

… wurde mittlerweile ein steriles Badebecken gemauert – ebenfalls ausschließlich für Männer!

Die Frauen haben allerdings auch ein Becken – ein bisschen abseits und schamhaft hinter einer Mauer versteckt. Aber ebenfalls mit warmem Wasser – obwohl man das bei den hiesigen Temperaturen nicht wirklich braucht.

Wir umrunden den kleinen Teich vor den Pagoden und steigen rauf zu dem boots-ähnlichen Gebäude auf der unteren Terrasse. Dort tobt eine Truppe kleiner Jungs herum.

Betreten darf man diesen Teil des Areals nur barfuß – also Schuhe aus und wieder in den Rucksack. Auch hier tut man gut daran, seine Schuhe mitzunehmen – es gibt diverse Auf- und Abgänge und wer flexibel bleiben möchte, sollte seine Schuhe einfach mitnehmen.

Ein buntes Sammelsurium von Skulpturen steht auf der Terrasse herum – die Bedeutung kennen wohl nur Eingeweihte!


Familien nutzen den Schattenplatz für ein Picknick – und wir werden immer wieder erstaunt angeschaut. Kein Wunder – außer uns gibt es hier keine westlichen Touristen, vermutlich überhaupt keine ausländischen Besucher!

Über enge und recht steile Treppen geht’s weiter in die Höhe – vorbei an goldenen Miniatur-Felsen, Stupas, Skulpturen. Und immer wieder mit einem tollen Blick über das Gelände!

Kaum sind wir oben auf dem Weg zur Höhle, hören wir einen Höllenlärm und es kommt uns eine fast endlose Karawane entgegen! Zunächst sind es lauter Frauen, die offenbar Opfergaben auf dem Kopf tragen.

Dann folgen Männer mit Muskinstrumenten.

Es dauert eine ganze Weile, bis die Prozession vorbei gezogen ist – wir sind unglaublich beeindruckt und freuen uns total, dass wir da einfach so hinein geraten sind. In der Höhle ist es jetzt ganz ruhig, nur eine Mutter mit einem kleinen Mädchen ist noch dort.

Wir lassen die Stille ein Weilchen auf uns wirken, betrachten die Buddhas und den kleinen goldenen Felsen, der auf einem Felsvorsprung klebt.


Dan folgen wir Mutter und Tochter nebst Ballon die lange Treppe zum Ausgang hinunter.


Ganz einfach ist der Abstieg nicht – alle paar Meter werden wir angehalten und gebeten, für ein Selfie mit ein paar Besuchern auf der Treppe zu posieren. Einmal revanchieren wir uns, indem wir auch um ein Foto bitten.

Westliche Touristen haben hier wirklich noch Seltenheitswert! Schließlich sind wir wieder unten, schlendern durch die Menschenmassen zurück zum Parkplatz. Im Spätnachmittags-Licht wirkt die Gegend richtig romantisch – und man kann nur hoffen, dass die kleinen Wasserläufe nicht auch noch alle in Betonbecken verwandelt werden!

Am Tuktuk angekommen, müssen wir unseren Fahrer wieder mal aufwecken! Burmesen scheinen in jeder Lebenslage schlafen zu können.
Es herrscht Aufbruchsstimmung – alles, was Räder hat, wird so voll beladen, wie es nur irgend geht.


Jetzt sieht man auch die Schattenseiten solcher Feste – Unmengen von Müll liegen herum …


Und es sieht nicht so aus, als würde sich wirklich jemand darum kümmern, das alles einzusammeln. Wir überlassen das Feld seinem Schicksal und fahren heimwärts. Durch eine fast schon mystische Landschaft, über der die ersten Abendnebel wabern.




Im Gabbana gibt’s ein kühles Bier und eine sehr gute Suppe sowie ein Curry. Abends können sie wirklich total lecker kochen!

Ein Kommentar zu “Feste feiern …

  1. Verfolge seit Monaten Ihre tollen Berichte aus meinem Lieblingsland Myanmar ! An dieser Pagode war ich vor 3 Jahren mit einer Klein(reise)gruppe- wir waren damals die einzigen „Langnasen“ auf dem Weg nach Mawlamyine. Es hat sich ja einiges gewaltig verändert- wirklich nicht immer zum Positiven… Ebenso an der Kyauk Kalat Pagode (s.Bericht vom Vortag)…Da konnten wir noch bis nch oben klettern und auch fotografieren.
    Es gibt auch ein Erinnerungsfoto in der Buddhahöhle mit zwei Mönchen, die unbedingt fotografiert werden wollten.
    Die Schuhe sollte man tatsächlich mitnehmen. Einer Mitreisenden, die eine kleine Schuhgröße hatte, wurde hier doch tatsächlich die Schuhe gestohlen.! Die hatten wir (wie überall) ausgezogen und am Anfang der Treppe zur Buddhahöhle zurückgelassen…

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