To Ye or not to Ye …

Mit Ye ist es so eine Sache – einerseits ist es ein fast schon notwendiger Stopover-Punkt, weil ansonsten die ca. 330 km lange Strecke von Dawei bis Mawlamyine reichlich lang ist.

Obwohl die Straße inzwischen wirklich recht gut ist, ist man rund 8 Stunden mit dem PkW, mit dem Bus eher 10 Stunden unterwegs. 

Andererseits ist Ye wirklich nur ein verschlafenes kleines Städtchen, das allerdings etliche Highlights in der Umgebung bietet.

Wer noch nie dort war, sollte sich unbedingt einen Tag Zeit nehmen – für einen Ausflug zum Banana Mountain, einer Bootsfahrt auf dem Ye River und in die wunderschöne Umgebung. Vor zwei Jahren verbrachten wir hier einen tollen Tag auf dem Land mit Emma, der damals 8-jährigen Tochter von David aus dem Starlight Guesthouse.

Dieses Mal waren wir etwas ambivalent, ob wir das nochmal machen sollen – es war so unglaublich schön letztes Mal, dass wir diese tolle Erinnerung eigentlich nicht verwässern wollten. Aber die Entscheidung verschoben wir erst mal – noch waren wir ja nicht dort!

Wie schon in Myeik hatten wir keine große Lust, uns in einen Minibus zu quetschen, der zu unchristlich früher Zeit startet. Da ja auch sämtliche Fahrgäste vor dem Start an ihren diversen Hotels abgeholt werden, muss man zur angegebenen Fahrzeit auch locker noch eine Stunde draufschlagen, bis der Bus wirklich aus der Stadt raus ist.

Nawar meinte „Kein Problem“ – und besorgt uns einen zuverlässigen Fahrer. Für 70.000 Kyat würde der uns nach Ye bringen – ein akzeptabler Preis, und wann wir starten wollen, können wir selbst entscheiden. Klar, dass wir definitiv erst nach einem seeeeeehr ausgiebigen Frühstück los wollen!

Um 11 Uhr wartet ein sehr ordentliches Auto mit einem sehr netten Fahrer, der es allerdings mit der Vorsicht unterwegs manchmal etwas übertreibt und Kurven teilweise im Schneckentempo nimmt. Außerdem macht er gerne und ausdauernd Gebrauch von seiner Hupe.

Immerhin sorgt das gemächliche Tempo dafür, dass wir unterwegs auch was von der Umgebung mitbekommen. So stoppt er z.B. bei einem kleinen Handwerksbetrieb, der Rattan-Möbel herstellt. Rattan bzw. Peddigrohr (so hieß das früher bei uns!) sind die schmalen Stämme der Rattanpalme. Das Holz lässt sich spalten und biegen oder flechten.

Ein ganzes Feld ist mit hochgestellten Stämmen bestückt, auf dem Boden liegen teils schon gebogene Teilstücke und auch einen fertigen Stuhl bekommen wir zu sehen.

Leider können wir keinen der durchaus netten Sessel mitnehmen – hoffnungsfroh drückt uns aber der Inhaber noch ein Faltblatt in die Hand, auf dem sein Angebot in bunten Bildern gezeigt wird.

Bunt wird es auch eine Weile später – rosa, himmelblau und apfelgrün strahlen die Sockel mehrere kleiner goldener Stupas mitten in den Bergen.


Auch der Blick von der Terrasse unterhalb des größten Felsen ist bemerkenswert – kilometerweit nichts als waldbedeckte Berghänge.

Die gesamte Strecke zwischen Dawei und Ye ist landschaftlich wunderschön. Dichter Urwald, viele Bambuswälder und immer wieder kleine Dörfer bieten einiges an Abwechslung.

Nach gut 3/4 der Strecke müssen wir an der Grenze anhalten – wir wechseln von der Tanintharyi-Division in den Mon Staat. Und das ist hier eine durchaus ernst zu nehmende Grenze, wo unsere Pässe akribisch kontrolliert werden.


Ein Schild gibt Aufschluss über die Entfernungen zu diversen Zielorten – nur lesen können wir das leider nicht. Aber wir vermuten mal, dass der oberste Ort wohl Ye ist, der letzte auf der Liste ist wohl Dawei.

Die letzten Kilometer geht’s durch hügeliges und felsiges Gelände, an der Straße wird noch immer gebaut.


Schließlich kommen wir am frühen Nachmittag in Ye an und anders als beim letzten Mal findet unser Fahrer das Hotel auf Anhieb. Wir haben und für ein noch ganz neues Hotel entschieden, das Shwe Taung Gyar (Golden Valley) Hotel, das gerade mal knapp 2 Jahre alt ist.

Tolle Fotos auf der Website und gute Bewertungen bei Tripadvisor – die Realität ist allerdings mehr als ernüchternd. Im Haus sind Bauarbeiten im Gange und die – wenigen – Gäste wurden alle unters Dach in den 3. Stock einquartiert. Dort ist es nicht nur erstickend heiß, die Zimmer sind auch derart winzig, dass man kaum am Bett vorbei kommt. Wäre alles nicht so schlimm – nur ist es außerdem auch noch ziemlich schmutzig. Die dreckigen Flipflops sind nicht unsere – sie werden vom Hotel für die Gäste bereit gestellt – aber schon allein der Anblick, zusammen mit dem mehr als schmuddeligen kleinen Teppich, begeistert uns wenig. Dass im Bad sowohl der Halter für’s Toilettenpapier herausgerissen ist und auch von der Ablage für Duschgel/Shampoo in der Dusche nur noch die Schrauben vorhanden sind, passt ins Bild.

Neben dem Hotel ein Bach, der als Müllkippe genutzt wird und bestialisch stinkt – direkt daneben befindet sich der Außenbereich des Restaurants. Damit den Gästen nicht schlecht wird, hat man die Tische einfach in kleine Nischen gestellt und diese mit Sichtschutz Richtung Bach versehen.

Richtig gut ist allerdings der Blick aus dem Zimmer – weit über die kleine Stadt, bis hin zum See, auf der anderen Seite sieht man eine Pagode.


Nach der Sitzerei muss ein Spaziergang her, außerdem wird im Hotel derart laut gehämmert und gebohrt, dass man es dort ohnehin kaum aushalten kann. Das kleine Örtchen ist total untouristisch, hier wird man als Langnase noch neugierig angeschaut, vor allem, wenn man über das Backpacker-Alter eindeutig hinaus ist. Üppige schattenspendende Bäume säumen die staubigen Straßen.


Vorbei an der Feuerwehr gehen wir Richtung Fluss.

Dort gibt es massenhaft kleine Lädchen, wo wir nicht nur Brotdosen, sondern offenbar sogar Schiffsschrauben erstehen könnten. Wenn bloß die Koffer nicht schon so voll wären …

Die Idylle auf dem Fluss ist auf das gegenüber liegende Ufer beschränkt – dort sieht es noch einladend sauber und grün aus.

Am hiesigen Ufer verkommt der Fluss jedoch nicht nur zur Müllkippe, es wird auch heftig gebaggert.


Ein Stück weiter wundern wir uns über das Wasser, das von oben auf uns herab spritzt. Des Rätsels Lösung: Ein kleiner Tankwagen pumpt Trinkwasser auf den Behälter auf dem Dach – Wasser ist derzeit knapp hier. Auch in Dawei wurde das Wasser mehrmals täglich per Tankwagen angeliefert.

Durch stille Sträßchen mit wunderschönen alten Holzhäusern geht’s zum See.

Spiegelglatt liegt er in der Nachmittagssonne, kein Lüftchen regt sich.

Wir schlendern die hübsche Uferstraße entlang, müssen immer mal wieder einem rasenden Motorrad ausweichen. Obwohl genug Platz ist, scheinen es die Biker witzig zu finden, direkt auf Fußgänger loszusteuern.


Rings um den See stehen sage und schreibe 4 Pagoden …

… und mitten im See noch eine weitere.

Das ist auch der Grund, weshalb es in den zahlreichen kleinen Kneipen um den See keinen Alkohol gibt – in Sichtweite einer Pagode darf er nicht getrunken werden! Der clevere Wirt des „Smile“ Restaurants hatte sich das zunutze gemacht und sein Lokal einfach hinter einem anderen Haus „versteckt“ – leider gibt es das Lokal mittlerweile nicht mehr, obwohl das Essen dort wirklich prima war!

Wir lassen uns zu einem alkoholfreien Getränk beim Thai nieder, mit Pagodenblick. Dort kommen wir mit zwei jungen Franzosen ins Gespräch, die unbedingt von hier aus an den Strand wollen! Da sie nur zwei Tage für Ye eingeplant haben (ihr Visum läuft ab), überreden wir sie, stattdessen zum Banana Mountain und zum Ye River zu fahren – Strände gibt es auch woanders und hier sind sie nicht mal besonders schön.

Unsere Runde beenden wir mit einem weiteren Gang durch’s Dorf. Hier wird offenbar ein Fest vorbereitet – eine Art Schiffsschaukel wird aufgebaut.

An einer weiteren Pagode herrscht schläfrige Ruhe am Boden. Zwischen den Tatzen eines großen Löwen halten zwei Hunde ein Nickerchen.

Währenddessen wird an der Pagode eifrig gewerkelt – sie bekommt zuerst eine weiße Grundierung und wird dann später noch vergoldet.


Der große liegende Buddha daneben hat das wohl schon hinter sich – er sieht jedenfalls makellos aus!

Die Pflege von Pagoden und Buddha Statuen wird in diesem bitterarmen Land mit unendlich viel Akribie und Aufwand betrieben, ensprechend glänzt und glitzert es hier auch überall.

Für den Straßen- oder Wohnungsbau wird deutlich weniger Aufwand erbracht – das sieht man auch schon an den teils hoffnungslos veralteten Geräten.

Die Runde um den See ist praktisch vollendet – noch ein Blick auf die Pagode im See, dann sind wir wieder am Ausgangspunkt.

Wir haben uns mittlerweile entschieden, morgen gleich weiter nach Mawlamyine zu fahren, statt einen weiteren Tag in Ye zu verbringen. Erleichtert wird uns diese Entscheidung durch den dröhnenden Presslufthammer, der das Hotel zum Erzittern bringt. Mit der energischen, aber sehr freundlichen Dame an der Rezeption verhandeln wir über ein Taxi nach Mawlamyine, den Preis von 60.000 Kyat finden wir in Ordnung, morgen soll es um 11 Uhr weiter gehen.

Später gibt’s eiskaltes Myanmar Bier vom Fass – wir drehen dem dreckigen Bach einfach den Rücken zu, dann geht’s für eine Weile. Zum Essen verziehen wir uns dann aber doch lieber ins klimatisierte Innere des Restaurants, das – vor allem mit Locals – gut gefüllt ist.

 

 

 

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