Auf nach Schottland!

Wir sind wieder unterwegs. Dieses Mal in Old Europe – auch wenn die Reise zu Europäern führt, die am liebsten keine mehr wären!

Egal – unserer Liebe zu den britischen Inseln tut das keinen Abbruch (und die Schotten würden ja ohnehin am liebsten in der EU bleiben!).

Unterwegs sind wir wieder mit dem eigenen Auto – es geht mit der Fähre von Amsterdam nach Newcastle und dann über Northumberland nach Schottland.

Bei schönstem Sonnenschein startete die King Seaways von DFDS am späten Sonntag-Nachmittag vom Fährhafen IJmuiden aus Richtung Nordsee.

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Wir hatten eine gemütliche Außenkabine mit viel Platz, einem richtig breiten Bett und einer gut gefüllten kostenlosen Minibar.

Allerdings zog es uns bei dem tollen Wetter gleich wieder raus, auf’s Oberdeck. Ganz oben gibt es die Skybar, wo es nicht nur Getränke und kleine Snacks gibt, sondern heute wurde sogar Livemusik präsentiert, es herrschte Party-Stimmung!

Nur mit Mühe fanden wir noch ein Plätzchen – und dann war einfach nur noch Genießen angesagt!

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Während sich das Schiff Punkt 17:15 langsam aus dem Hafen raus schob, machten wir es uns in der Sonne bei einem Pint of Lager und belegten Brötchen gemütlich.

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Kaum hatten wir die offene See erreicht, wurde der Wind stärker und damit auch der Seegang. Und das blieb auch so während der gesamten Überfahrt – noch nie haben wir eine so unruhige Fahrt erlebt! Es wackelte wirklich ganz schön.

Geschlafen haben wir trotzdem ganz gut, und nach einem sehr üppigen Frühstück am Morgen, während die Fähre die englische Ostküste hinauf fuhr, waren wir mehr als bereit für die Herausforderungen des Tages! Langsam schob sich die King Seaways gegen 9 Uhr morgens in den River Tyne bis zum Hafen – die Einfahrt ist jedes Mal ein echtes Erlebnis!

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Gleich für den allerersten Tag hatten wir eine Menge vor – eine Fahrt zu den Farne Islands! Diese winzigen Inselchen sind absolute Vogelparadiese, hunderttausende Seevögel brüten dort im Frühsommer. Die Bootsfahrten starten von Seahouses aus, das liegt zwar nicht allzuweit weg von Newcastle, aber englische Landsträßchen sind oft ganz schön zeitraubend.

Außerdem kann es auch mal zu kleineren Staus wegen unerwarteter Hindernisse kommen!


Und schließlich wollten wir uns Zeit lassen, wir sind ja nicht auf der Flucht … Und so war es dann auch schon fast 12 Uhr, als wir in Seahouses ankamen. Und einen Schock bekamen – der Parkplatz in Hafennähe war restlos voll. Und auch ein weiterer Parkplatz absolut dicht. Selbst auf dem noch weiter entfernten Overflow Parkplatz wurde es bereits knapp – ganz hinten fanden wir schließlich noch ein Plätzchen!

Das bedeutete langes Laufen bis zum Parkscheinautomat – dort dann feststellen, dass er nur Münzen nimmt und unsere noch vorhandenen Pfundmünzen gerade mal für 2 Stunden Parkzeit reichten.

Unser Trip sollte jedoch von 13-15:30 gehen – aber wir hofften jetzt einfach, dass auch der gute Wille belohnt wird und legten das 2-Stunden-Ticket ins Auto.

Dann zogen wir so ziemlich alles an wind- und wasserdichten Jacken an, was dabei war, denn in einem kleinen Boot bei heftigem Wind kann man schon mal nass werden! Tickets bei Billy Shiels abgeholt (die hatten wir vorsichtshalber schon übers Internet reserviert) und dann runter zum Hafen.

Dort mussten wir beim National Trust erst noch die “Eintrittsgebühr” von 11,60 Pfund für eine der Inseln bezahlen, an der wir landen würden. Die Inselgruppe gehört dem National Trust und mit den Eintrittsgeldern werden Ranger und Schutzmaßnahmen für die Vögel finanziert.

Wenig später saßen wir in einer winzigen Nußschale von Boot, das nach dem Motto “Einer geht noch …” bis zum allerletzten Plätzchen vollgestopft wurde.

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Während einige Briten trotz ziemlich frischer Brise in Shorts ,T-Shirt und Sandalen im Boot saßen, waren die meisten bestens ausgerüstet mit Windjacken und Wanderstiefeln. Letztere brauchten wir allerdings erst mal nicht – an der Insel Inner Farne, wo wir an Land gehen sollten, fuhren wir zunächst vorbei und steuerten das weiter entfernte Staple Island an

Auf der Strecke passierten wir weitere kleine Inseln – und alle sind förmlich übersät von Seevögeln!

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22 Vogelarten brüten hier – darunter Trottellummen, Tordalken, Eiderenten, vier Arten von Seeschwalben, unzählige Möwen und rund 70 000 Papageientaucher! Es geht reichlich eng zu auf den Felsen – Wohnungsnot scheint es also auch im Vogelreich zu geben und wir konnten immer wieder heftige Kämpfe um freie Plätze beobachten.

Neben den unzähligen Vögeln leben hier auch Tausende von Robben.

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Überall um uns herum schwirrte es – nur ist es nicht wirklich einfach, auf einem extrem schwankenden Boot halbwegs scharfe Bilder zu machen!

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Der Wind war so heftig, dass meine Finger schließlich so steif waren, dass ich den Auslöser nicht mehr drücken konnte. Deshalb war ich recht froh, als wir nach ca. 1 1/2 Stunden endlich an Inner Farne anlegten. Leider waren wir da nicht die einzigen, es landeten dort gleichzeitig drei Boote mit jeweils ca. 50-60 Insassen – es wurde also sehr voll auf der kleinen Insel.

Schon vor uns waren die “ernsthaften” Vogelfotografen auf der Insel – es gibt auch ganztägige Bootstouren für Fotografen, wo man je 2 Stunden auf verschiedenen Inseln bleiben kann und dann weit weniger Menschen um sich hat.

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Wir waren etwas entspannter, wanderten auf den Boardwalks kreuz und quer über die Insel.

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Man musste wirklich vorsichtig gehen, denn oft lagen direkt am Rand des Weges Vogeleier in kleinen Nestern. Es ging vorbei am schneeweißen kleinen Leuchtturm …

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Tja, und dann waren wir mitten drin – zwischen unzähligen Puffins (Papageientaucher)! Zu hunderten standen, liefen, flogen sie herum – und meine Finger waren immer noch steif gefroren! Fokussieren und auslösen immens schwierig, trotz inzwischen strahlender Sonne und zunehmender Wärme!

Die Wiese war übersät mit Brutlöchern, die von den Eltern bewacht wurden.
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Aber auch auf den Felsen saßen und standen sie überall.

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Auch andere Vögel waren massenhaft vertreten.

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Kleine Kittywakes (Dreizehenmöwen) sitzen auf ihren Nestern und auch die kleinen Seeschwalben sehen sehr friedlich aus – aber wehe, man kommt ihnen zu nahe!

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Dann attackieren sie gerne mal die Köpfe der Menschen – deshalb ist es hier absolut zwingend, einen Hut/Mütze/Kapuze aufzuhaben! Auch, weil von oben immer mal wieder was runter fällt …

Rührend sind die flauschigen Küken, die man hier überall sieht – mal alleine, mal mit Elternvogel, mal mit Geschwistern.

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Wir müssen zurück zum Boot. Ein letzter Blick über die Insel – dann fahren wir los.

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Die Rückfahrt ist eine extrem nasse Angelegenheit – immer wieder schwappen Wellen und Gischt ins Boot, am Ende triefen wir alle. Ohne Goretex-Jacke wäre es sicher noch schlimmer ausgefallen, aber auch so sind wir froh über die Sitzheizung im Auto, die unsere Kehrseiten schnell trocknet.

Als wir durch Bamburgh fahren, sind wir schon wieder trocken genug für ein Foto von der trutzigen Burg auf den Klippen.

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Wenig später sind wir in Berwick-upon-Tweed. Hier übernachten wir wieder im zauberhaften B&B “The Walls”,  toll gelegen auf der Stadtmauer, mit Traumblick über den River Tweed und die alte Brücke.

Auch die Zimmer sind wunderschön – leider haben wir dieses Mal eines im Erdgeschoss, also keine Aussicht. Aber schön ist es dennoch – und man kann ja auch raus gehen auf die Mauer und den Blick von dort genießen!

Die Strecke:

2 Kommentare zu “Auf nach Schottland!

  1. Ich wünsche euch weiterhin solch prachtvolles Wetter und noch viele tolle Erlebnisse in Europas Norden.
    Liebe Grüße, Brigitte

  2. Was für ein toller Reiseauftakt!
    Ihr Anglophilen findet doch immer wieder überaus reizvolle Ziele – eure beiden ersten Tage sind wunderschön. Auch ich liebe das Meer und seine Bewohner, da kommt man bei deinem Bericht ja voll auf seine Kosten. Gleich zwei Schiffsfahrten – beneidenswert…
    Besonders drollig sehen die Papageientaucher aus, aber grundsätzlich mag ich alle Vögel, und ich habe eigentlich noch nie einen Ort gesehen, wo sie so dichtgedrängt leben wie auf euren Inseln.
    Auch das Hotelzimmer ist wirklich hübsch – aber das erstaunt mich nicht, hast du doch ein echtes Talent dafür, besonders schöne Unterkünfte zu finden 🙂

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