Lindisfarne – die Heilige Insel

Wolken, Sonne – und Wind am Morgen! Viel Wind, der die schneeweißen Wattewolken vor sich her trieb. Sah nach einem schönen Tag aus, der geradezu nach einem weiteren Inselaufenthalt schrie!

Allerdings durften wir zuerst noch unser erstes britisches Frühstück genießen – eine sehr üppige und sehr leckere Angelegenheit!

Um 10 Uhr mussten wir den öffentlichen Parkplatz vor unserem B&B räumen, also saßen wir kurz vor 10 im Auto und fuhren los. Kehrten allerdings nach 5 Minuten wieder um – ich hatte mein Handy im Zimmer liegen lassen …

Gut, dass wir mittels Handy navigieren, sonst hätte ich das vermutlich erst sehr viel später gemerkt.

Beim zweiten Anlauf klappte es aber und wir rollten auf’s Land. Und zwar ein Stück zurück, an der Küste entlang – denn bei dem tollen Wetter mussten wir nicht unbedingt auf dem schnellsten Weg nach Edinburgh. Sondern peilten Lindisfarne an, die Heilige Insel, auf dem der irische Mönch St. Aidan bereits im 7. Jh. ein Kloster gegründet hatte.

Lindisfarne kann man auf dem Landweg erreichen – allerdings nur, wenn Ebbe ist. Dann ist die Straße befahrbar – es wird aber SEHR nachdrücklich auf diversen Schildern ermahnt, unbedingt die Gezeitentabellen zu studieren und nicht leichtsinnig zu sein!

Wir haben natürlich brav vorher geschaut – das heutige Zeitfenster liegt zwischen 7:40 und 13:15, da sind wir also auf der sicheren Seite. Denn sonst könnte es so ausgehen ….

16072

Foto: Wikipedia – Gary Rogers „Come back later“

Trotzdem ist es etwas merkwürdig, quasi durch’s Meer zu fahren – auch wenn es sich im Moment ziemlich verzogen hat!
20190618_101612

20190618_101641

20190618_101700

Auf der Insel angekommen, wird man sofort auf einen Parkplatz verfrachtet – weiter darf man mit dem Auto nicht fahren, es sei denn, man ist ein Bus oder schwer gehbehindert.  Beides sind wir nicht, also müssen wir außerhalb des Dorfes parken. Und erneut scheitere ich am Parkschein-Automaten – immer noch nicht genügend Münzen! Zum Glück gibt es irgendwo auf dem riesigen Feld einen (einzigen!!!) Automaten, der auch mit Kreditkarte bedient werden kann!

Dieses Mal haben wir also eine ausreichend lange Parkzeit bezahlt und können guten Gewissens losstiefeln. Wobei das mit den Stiefeln durchaus wörtlich gemeint ist – genauso wie gestern sind robuste Wanderschuhe sehr empfehlenswert!

Zunächst geht es allerdings über Asphalt, bis zur Ruine des ehemaligen Klosters. Eine umwerfend malerische Situation!
P1190870

Links die Reste des Klosters, davor ein uralter Friedhof und am Horizont auf dem Hügel die kleine trutzige Burg aus dem 16. Jh. Wir wandern ein bisschen über den Friedhof, studieren die alten Grabinschriften.

P1190867
Bewundern das fein-ziselierte steinerne Keltenkreuz, die noch immer imposante Architektur der ehemaligen Klosterkirche.

Sind begeistert von den fast unglaublichen Farbenspielen von Wasser, Sand und Wiesen.
P1190879

Und von der Weite, der Luft, die salzgesättigt ist und nach fischigem Tang und süßen Blumen riecht.
P1190877

Schauen von einem kleinen Hügel hinunter auf die Reste der Klostersiedlung auf der einen  …
P1190880

… und hinüber zur Burg auf der anderen Seite.

Gehen runter ans Wasser – und bewundern das gekonnte Boots-Recycling!

Die kleineren Boote scheinen dafür nicht brauchbar zu sein und rotten so vor sich hin.

Schlangen gibt’s hier auch …

Der Weg zur Burg ist recht steil – trotzdem ist hier die reinste Völkerwanderung im Gange! Und das mitten unter der Woche, weit entfernt von irgendwelchen Ferien in Britannien.

Egal – wir reihen uns ein, bewundern unterwegs die knallrote Blütenpracht am Hang (ein paar weiße sind auch darunter), haben aber keine Ahnung, was da eigentlich blüht! Allerdings sieht man diese Blüten im Norden sehr häufig.

Oben angekommen pfeift uns der Wind ziemlich heftig um die Nase. Auch bis hierher haben es ausgediente Boote geschafft und sind zu Abstellräumen mutiert.

Der Blick ist grandios, aber wir wollen heute ja noch nach Edinburgh und reißen uns schließlich los. Von unten noch ein letzter Blick zurück zur Burg – dann geht’s zum Parkplatz.

Und anschließend eine wirklich unglaublich schöne Strecke nach Edinburgh. Nicht die schnellste, auch nicht die kürzeste – aber eine voller landschaftlicher Highlights! Die man aber leider mangels Parkplätzen und wegen Verkehr kaum fotografieren konnte …

Über Coldstream – von dort stammen die berühmten Coldstream Guards, das älteste Regiment der britischen Armee, das schon 1650 gegründet wurde – ging es durch die Lammermuir Hills.

Und dann in Edinburgh zu allererst auf den Berg, zum Arthurs Seat, dem 251 m hohen Hausberg der Stadt. Arthurs Seat ist so eine Art Highlands en miniature – schroffe Klippen, sanfte Hügel, Seen, Bäche. Und das alles wirklich mitten in der Stadt – denn das Häusermeer erstreckt sich rings um den Berg.

Der Blick von hier oben über die Stadt bis zum Meer ist wirklich gigantisch – selbst wenn man nicht ganz bis zum Gipfel hoch kraxelt, sondern sich mit dem begnügt, was man per Auto erreichen kann.

Weil’s langsam schon spät wird, machen wir uns dann zügig auf die Suche nach unserer Unterkunft. Das Antler Guesthouse liegt wirklich prima, in einer ruhigen Straße, aber mit Bushaltestelle vor der Haustür und jeder Menge Restaurants und Läden direkt um die Ecke. Und das Zimmer – oben, unterm Dach! – ist hell, geräumig und sehr gepflegt.


Beste Voraussetzungen für ein paar Tage in der schottischen Hauptstadt!

Der heutige Weg:

2 Kommentare zu “Lindisfarne – die Heilige Insel

  1. Ohmann, ich komme gerade gar nicht mit dem Lesen hinterher 🙂
    Tolle Landschaft, tolle Bilder, tolle Infos (guck‘ an, die einen wollen nur Kreditkarte (war’s DK oder N?), die anderen Münzen. Gut zu wissen!
    Danke für’s Mitnehmen!

  2. Liebe Renate,
    schon wieder ein wundervoller Tag! Ich sehe, daß es für mich noch viel in unserer Nachbarschaft zu entdecken gibt.

    Lindisfarne wäre so ganz nach meinem Geschmack – wirklich malerisch… Und dazu noch die tolle Anfahrt durchs Meer. Ich wußte gar nicht, daß Schottland solche außergewöhnlichen Erlebnisse bereithält.
    Der Blick auf Edinburgh ist auch bezaubernd.

    Danke, daß du deine Erlebnisse mit uns teilst – sie sind überaus anregend und erzeugen spontane Reiselust in mir. Aber – von einer Spontanreise nach Schottland sollte man wohl eher Abstand nehmen. Die Touristenmassen, die du erwähnst, sprechen eher für eine langfristige Planung, und so habt ihr es ja sicher auch gemacht.

    Ich wünsche dir/euch weiterhin schöne Tage!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: