Schottisches Wetter …

Heute ging’s runter von den Inseln, zurück auf’s Festland. Mit der Fähre – nach Ullapool.

Also ein Reisetag. Und dem Gesetz der Serie folgend regnete es am Morgen heftig. Wäre normalerweise kein Problem – aber die Fähre geht erst um 14 Uhr, aus dem Zimmer müssen wir um 10 Uhr raus – also was tun in den verbleibenden 4 Stunden?

Einfach mal zum Himmel schauen – da zeigte sich im Norden doch ein klitzekleines Bisschen Blau!

Hierzulande hat man aber ganz gute Chance auf eine Wetteränderung, wenn man den Standort wechselt.Für uns hieß das, die Straße an der Ostküste rauf bis ganz ans Ende fahren. Klingt weiter als es ist – denn bis zum allerletzten Zipfel befestigter Straße, bis zur “Bridge to Nowhere”, am Traigh  Ghearadha (Gary Beach) sind es gerade mal gute 16 Meilen.

Je weiter wir nach Norden kamen, desto heller wurden wir – und als wir an der Brücke ins Nirgendwo standen, schien die Sonne!

Die massive steinerne Brücke sollte ursprünglich eine Verbindung rings um den nördlichsten Zipfel von Lewis schaffen, eine Straße sollte den letzten Ort im Nordosten, Tolsta, mit dem letzten Ort im Nordwesten, Ness, verbinden. Lord Leverhulme, dem die gesamte Insel bis 1923, gehörte, wollte mit dieser Verbindung die Lebensbedingungen auf der Insel verbessern.

Dazu kam es allerdings nie, die 10 Meilen kann man bis heute nur zu Fuß zurücklegen.

Weil’s so schön war – nicht nur wettermäßig, sondern auch landschaftlich, zogen wir unser Wanderschuhe an und stiefelten los. Über einen Weg, der an ein extrem holpriges Kopfsteinpflaster erinnerte, das Meer zur einen, Hügel mit Farn und Heidekraut auf der anderen Seite.

Es war eine richtige Duftorgie, die uns umgab – Farn und Heide dufteten süß, vom Meer her kam ein salziger Geruch, ein bisschen Tang und Fisch war auch darunter.

Leider wurde es zunehmend schwärzer am Himmel – also zurück zum Auto und noch eine kurze Stippvisite Richtung Strand.

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Kaum waren wir dort, ging allerdings völlig unvermittelt ein Wolkenbruch nieder – so heftig, dass wir trotz Regenjacken in Sekundenschnelle pitschnass waren! Nach 10 Minuten war der Spuk zwar vorbei – aber wir saßen in klatschnassen Hosen da. Zum Glück war Abhilfe schnell möglich, hinten im Auto war der Koffer und da gab’s Ersatzhosen und Socken.

Jetzt waren wir zwar wieder präsentabel, aber ein weiteres Risiko wollten wir nicht mehr eingehen. Deshalb blieb’s auf dem Rückweg lediglich bei Fotostopps.

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Dabei hätte jeder einzelne dieser Strände einen Besuch verdient – bei gutem Wetter kann man hier stundenlang herumwandern und/oder picknicken.P1210554

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Schon die Fahrt ist ein Highlight – die Straße schlängelt sich durch eine vielfältige Landschaft und zwingt einen förmlich immer wieder, anzuhalten. Dank vieler Ausweichbuchten geht das hier auch recht gut.

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Zurück in Stornoway wurde der Check-in an der Fähre gerade eben geöffnet, das Auto konnten wir also gleich am Hafen abstellen und noch ein bisschen in der Stadt herum bummeln. P1210571

Weil gerade mal wieder ein kurzer Schauer runter kam, stellten wir uns mal kurz im Terminal unter – einem der schönsten und modernsten hier im Westen.

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Danach war nicht mehr wirklich viel Zeit – noch ein Blick auf die Statue der Fischersfrau mit ihrem Heringskorb …

Dann wurden auch schon die ersten Autos verladen und wir sahen zu, dass wir schleunigst zu unserem zurück kamen. CalMac fährt nämlich gerne etwas früher als planmäßig ab – dann, wenn alle gebuchten Passagiere und Fahrzeuge an Bord sind!

So war’s auch heute – statt um 14 Uhr legten wir schon eine Viertelstunde vorher ab. Zwar war es mittlerweile kühl und regnerisch, aber einen letzten Blick auf Stornoway wollten wir doch haben!

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Viel los war nicht an Deck.

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Selbst unser blinder Passagier suchte bald das Weite.P1210583

Nachdem wir am kleinen Leuchtturm von Arnish Point vorbei waren, lagen die Äußeren Hebriden für dieses Mal wirklich unwiderruflich hinter uns.P1210592

Zum Glück bot die Fähre dieses Mal ausreichend und sehr bequemen Unterschlupf im Inneren – die Fähre war ziemlich neu und Made in Germany! Von der Aussichtslounge im Oberdeck konnte man in gemütlichen Sesseln auf’s Meer schauen und rund 2 1/2 Stunden später auch die Annäherung ans Festland verfolgen.

Jetzt trieb’s uns aber auch wieder raus ins Freie, denn die Einfahrt ins Loch Broome und die ersten Blicke auf Ullapool wollten wir nicht verpassen.

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Und auch den ersten Blick auf unsre Unterkunft – das “House on the Point”, das seinem Namen wirklich Ehre macht! An der äußersten Spitze der Halbinsel, auf der Ullapool liegt, und ganz am Ende der Hafenstraße, steht das kleine Haus mit den blauen  Fenstersimsen!

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Von der Anlegestelle der Fähre sind es nur ein paar Meter, alle Lokale und sonstiges in Ullapool sind bequem zu Fuß erreichbar. Und Haus sowie Gastgeber gehören mit zu den absoluten Highlights dieser Reise!

Angus ist Fotograf – seine Bilder hängen überall im Haus, im Flur, in den Zimmern. Alles ist hell, freundlich, sehr liebevoll eingerichtet. Wir fühlten uns auf Anhieb total wohl hier.

Klar – das Zimmer ist eher klein, das wussten wir schon von den Bildern auf der Website, aber unglaublich gemütlich! Und der Blick!!!!!!

Der South Room bietet als einziges der drei Zimmer Blicke nach zwei Seiten – und da zieht dann die Fähre vier Mal täglich, auf ihren Hin- und Rückwegen, fast in Greifweite vorbei! Bis wir alles ausgiebig bestaunt, gewürdigt und ausgepackt hatten, fuhr  unsere Fähre bereits wieder zurück nach Stornoway, direkt vor dem Fenster.P1210622

Eigentlich wollten wir im Seafood Shack essen – ein kleiner Trailer auf einem Parkplatz, ein paar Tische davor und unschlagbar guter und frischer Fisch im Angebot – aber die machten heute bereits um 18 Uhr zu und das war es mittlerweile schon fast. Außerdem fing es an zu nieseln – also ging’s um die Ecke, zum Ceilidh Place.

Das Ceilidh ist eine Mischung aus Buch- und Kunsthandlung, Veranstaltungsort, Bar, Café und Restaurant. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen – auch politische, z.B. zum Brexit! – statt, aber auch Konzerte, Vorträge usw.  Ein Hotel ist es außerdem auch noch.

Und das Essen dort ist wirklich sagenhaft gut – und wenn man es schafft, im Glasshouse zu sitzen, ist auch die Atmosphäre fantastisch.

Heute reichte es leider nur noch für einen Tisch im Restaurant – da ist es weniger gemütlich. Aber das Essen – das war wieder einmal absolut prima!

Die heutige Route:

Ein Kommentar zu “Schottisches Wetter …

  1. Schottland ist offenbar inzwischen ein kulinarisches El Dorado – ich bin wirklich überrascht, das hätte ich nie gedacht. Ich lebte bisher immer noch in dem Glauben, es gebe keine gute Küche in Groß-Britannien, aber dein Bericht hat mich eines Besseren belehrt 🙂

    Und eure Unterkunft ist ja wieder mal absolut zauberhaft!

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