Ain’t no sunshine …

Hier oben im Norden sind die Tage Ende Juni lang. Sehr lang! Und die Nächte kurz. Sehr kurz!

Um Mitternacht ist es gerade mal dämmerig. Und so gegen 3 Uhr wird es schon wieder hell.

Wenn man also morgens um 8 noch im Dunklen liegt, stimmt irgendwas nicht …

Die Sonne hatte ganz offensichtlich verpennt und war noch nicht aufgegangen. 

Genaueres Nachsehen zeigte dann aber, dass sie heute einfach keine Chance gegen die massive schwarze Wolkenfront und den strömenden Regen hatte. Irgendwie hatten wir das schon erwartet – schließlich stand heute mal wieder ein Ortswechsel an!

Nur hätten wir uns gerade für heute wirklich gutes Wetter gewünscht – denn wie praktisch jeder, der die Westküste Schottlands abfährt, wollten auch wir auf dem Weg nach Duirinish bei Plockton über den Applecross Pass. Das macht allerdings nur Sinn, wenn man was sieht …

Aber in Schottland ändert sich das Wetter schnell mal – also zogen wir hoffnungsfroh los.Zunächst  war es allerdings weiterhin ziemlich düster – wobei das gerade hier auch seinen eigenen Reiz hat!


Die Straße wand sich durch schluchtenartige Täler Richtung Meer – weil die Kamera mal wieder streikte, gab’s eine Weile nur Handy-Bilder …



Kleine Wasserfälle am Straßenrand – das Wasser ist fast dunkelbraun, der Torf  gibt ihm seine Farbe.


Dann ein erster Blick auf’s Meer bzw. einen Fjord, der weit ins Land reicht.


Vorbei am Inverewe Garden – lohnt auf jeden Fall einen Stopp, wenn man ein bisschen Zeit mitbringt und/oder im National Trust ist und keinen Eintritt zahlen muss. Wir waren schon zwei Mal dort – heute fuhren wir einfach vorbei und weiter nach Gairloch.

Und da traute sich die Sonne doch tatsächlich mal ein winziges bisschen raus – was die Briten natürlich sofort nutzten, um Bier oder Tee im Freien zu trinken!


Die Hafenpromenade wurde mächtig aufgehübscht – mit bunten Blumen und ein bisschen Kitsch.

Trotzdem ist das hier noch ein richtiger „working harbour„, wo das Handwerkszeug der Fischer einfach so am Pier herum liegt.


Bis zum Leuchtturm schafften wir es heute leider nicht mehr – das sind gut 15 km oneway und bei dem Wetter nur bedingt empfehlenswert. Ansonsten ist es aber ein wirklich lohnender Abstecher! Für uns ging’s jetzt erst mal noch halbwegs trocken weiter nach Süden. Allerdings nahmen die dunklen Wolken wieder stark zu.


Und das war’s dann auch für heute mit dem trockenen Wetter – jetzt drehte der Regen richtig auf.


Obwohl alles dagegen sprach, wagten wir doch den Umweg über Applecross. Die Strecke dorthin ist im Grunde gnadenlos schön – wenn man denn was sieht!

Über weite Teile führt sie am Meer entlang, mit Blicken weit hinüber nach Raasay und zur Isle of Skye.


In Applecross warnt ein ganzes Potpourri von Schildern vor den Risiken der engen, steilen und kurvigen Straße. Unerfahrene sollten diese Strecke meiden – das spornt genau diese Zielgruppe natürlich erst recht an!

Ein zurück gab es jetzt auch für uns nicht mehr – das wäre ein Umweg von fast 80 km gewesen – also kämpften wir uns über den Pass. Kämpften uns durch Regen und Nebel – aber selbst das hatte einen gewissen Reiz.

Und kamen schließlich in Duirinish an, einem Mini-Örtchen in der Nähe von Plockton. Plockton selbst ist fast immer ausgebucht – sowohl, was die Unterkünfte angeht als auch die Plätze in den Pubs und Restaurants. Deshalb waren wir froh, dass unsere heutige Gastgeberin Mary vom kleinen B&B Tigh Arran im Mai dieses Jahres direkt in Duirinish ein kleines Café eröffnet hat, in dem es nicht nur Kaffee, Tee und Kuchen gibt, sondern auch deftiges.

Eine heiße Linsensuppe, gefolgt von fangfrischen kleinen Langustinen versöhnte uns dann auch wieder weitgehend mit dem schlechten Wetter.


Nur dass es weder Bier noch Wein gab, weil Mary keine Alkohol Lizenz hat, war ein Wermutstropfen. Aber morgen, empfahl sie uns, sollten wir doch einfach was eigenes mitbringen. Werden wir tun – heute gab’s stattdessen Gingerbeer und ein mehr als merkwürdiges Getränk, das die Bedienung mir sehr ans Herz gelegt hatte – das aber irgendwie wie flüssige Bonbons schmeckte …


Mit der Hoffnung auf besseres Wetter am Folgetag schliefen wir ein – und erwachten wieder im Dunklen! Zum Glück konnten wir schlafen bzw. rumtrödeln so lange wir wollten, denn Frühstück gab’s bei Mary im Café bis zum Mittag.

Wir wagten einen Besuch in Plockton – das kannten wir von früheren Besuchen ohnehin nur im Regen, da kam es heute also auch nicht mehr drauf an.


Der Ort ist sehr malerisch – üppige Gärten säumen die Uferstraße, selbst Palmen wachsen hier. Auf einer Halbinsel gegenüber thront ein Schloss, das schon seit Jahren wegen Sanierung für Besucher geschlossen ist.

Immerhin regnete es nicht mehr, auch wenn es weiterhin sehr düster blieb. Es gab noch ein weiteres Ziel, das wir bisher ausschließlich im Regen gesehen hatten – Eilean Donan Castle! Nachdem sämtliche Ausflugspläne für den heutigen Tag sowieso gescheitert waren, konnten wir ja mal dorthin fahren.

Dass es prompt wieder zu regnen begann, als wir uns dem Schloss näherten, muss ich wohl kaum extra betonen … Einen letzten Versuch unternahmen wir noch und schauten uns das Schloss aus einer völlig anderen als der üblichen Postkarten-Perspektive an – von oben! Es gibt eine absolut hinreißende kleine Straße oberhalb der A87, die parallel dazu hoch oben am Hang entlang führt, mit fantastischen Ausblicken! Man erreicht sie – von Lochalsh kommend – wenn man direkt nach der Brücke nach links und kurz danach am Wegweiser „Carr Brae Viewpoint“ nach rechts abbiegt. Die Straße folgt dem Verlauf der A 87 über eine Strecke von ca. 4 Meilen und schlängelt sich durch ein wunderschöne Landschaft, immer Loch Duich im Blick.

Ca. 1,5 Meilen nach dem Abzweig kommt ein Viewpoint, von dem man einen Panoramablick auf das Schloss hat.

Mehr Blicke gab’s dann leider nicht mehr – der Regen ließ Fotos auf der eigentlich wunderschönen Panoramastraße schlicht nicht zu. Uns blieb deshalb nur noch ein Gang zum Geldautomaten in Lochalsh und Frustshopping im lokalen Coop – neben diversen anderen Einkäufen wanderte auch eine Flasche Single Malt in den Einkaufskorb. Ein „wee dram“ schützt nämlich auch bestens vor regenbedingten Erkältungen!

Und dann geschah am späten Abend doch wieder ein kleines schottisches Wunder – kurz vor dem Untergehen bewies die Sonne, dass es sie doch noch gab!

Die Strecke von gestern:

Und die von heute:

 

 

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