Insel der Nebel

Dass die Insel am heutigen Tag ihrem Namen keine Ehre machte, freute uns sehr!

Isle of Skye bedeutet nämlich „Insel des Nebels“ – und dass da was dran ist, hatten wir bei vergangenen Besuchen bereits mehrfach erlebt. Allerdings zieht der wirklich hartnäckige Nebel vorwiegend im Herbst und Winter auf, im Sommer ist es meist nur eine ehr kurze Episode.

Aber selbst davon war am Morgen absolut nichts zu sehen! Wie frisch gewaschen glänzten das Meer und die bunten Häuser am Hafen in der Morgensonne.



Ein kleiner Morgenspaziergang führte nach dem sehr üppigen Frühstück erst mal runter zum Hafen.

Von hier aus sieht man unser B&B (das orangefarbene Haus in der Mitte der Häuserzeile) und kann sich gut vorstellen, welch tollen Blick man von dort oben hat! Allerdings ist es hier unten auch nicht schlecht – diverse Ausflugsboote machten sich gerade zum Auslaufen bereit und führten uns kurz in Versuchung …

Aber dann entschieden wir uns doch für den Landweg und zogen los, nach Norden. Nach nur 10 km kommt der „Old Man of Storr“ in Sicht – wenn er sich denn zeigt! Heute spielte er Verstecken – immer wieder verdeckten Wolkenfetzen die Sicht auf die bizarre Felsnase.

Am Beginn des Aufstiegs war die Straße komplett zugeparkt mit Dutzenden von Autos, eine richtige Ameisenstraße von Wanderern wälzte sich bergauf, Richtung Felsen.  Grund genug, schleunigst das Weite zu suchen.

Der nächste Schock ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Am verschwiegenen kleinen Taleinschnitt beim Lealt Wasserfall hatte man eine Aussichtsplattform gebaut, einen Parkplatz angelegt und den Weg befestigt! Und klar waren da schon jede Menge Leute unterwegs! Glücklicherweise waren zwei der großen Busse mit chinesischen Touristen besetzt – und da kann man davon ausgehen, dass sie nicht länger als 15 Minuten irgendwo anhalten! Also einfach ein bisschen warten …

Und sich erst mal von der Plattform aus den Wasserfall und die Gegend anschauen.


Dann kamen auch die Businsassen schon zurück, entschwanden samt Bus, und gleich wurde es deutlich ruhiger vor Ort. Und wir konnten (fast) völlig ungestört die unglaubliche Küstenlandschaft genießen.



Allerdings traf nach nur wenigen Minuten die nächste Truppe ein … Und dann sah es so aus:

Den Bustouristen entkommt man nur, wenn man entweder deutlich langsamer oder erheblich schneller ist.

Das stellten wir gleich am nächsten Stopp, dem Kilt Rock mit seinem imposanten Wasserfall, wieder fest, wo sich bereits Dutzende mit Selfiesticks fuchtelnde Touristen drängelten.

Da hilft dann Plan B – man wendet sich zunächst von den Touri-Highlights und den Selfiesticks ab und geht ein Stück in die andere Richtung. Dort ist die Küstenlandschaft mindestens genauso grandios – nur interessiert das keinen der Bustouristen.

Nachdem wir uns an der Landschaft zur Rechten satt gesehen hatten, waren die Busse bereits wieder weg – und wir hatten die schottenrockähnlichen Felsen und den Wasserfall für uns alleine. Wenigstens ein paar Minuten …

Auch hier wurde vieles touristentauglich gemacht – eine Plattform mit Geländer und großflächige Abschrankungen am Klippenrand soll vermutlich verhindern, dass Selfie-Fotografen hinterrücks ins Meer stürzen. Schön ist das jedoch nicht.

Das Morgenlicht ist hier allerdings suboptimal – besser kommt man erst am späten Nachmittag hierher.

Und weil das Licht auch dem Quiraing im Moment noch nicht wirklich schmeichelt, entschließen wir uns, zunächst Trotternish, den nordöstlichen Finger der ziemlich zerfledderten Insel, zu umrunden. Auf dem Weg hat man einen tollen Blick von unten auf das eindrucksvolle Massiv des Quiraing.

Hier war es ruhig – nur ein paar wenige Menschen wanderten langsam Richtung Berg, andere hatten sich zu einem Picknick niedergelassen.


Der Quiraing (wie man das richtig ausspricht, werde ich wohl nie lernen) ist Teil des langgestreckten Gebirgszuges von Trotternish und das Ergebnis gewaltiger Erdrutsche. Während das weichere Gestein und die Erdmassen hinunter rutschten, blieben die bizarren Basaltformationen stehen.

Auch ein Blick zur anderen Seite, zur Bucht von Staffin, lohnt sich.


Wenig später waren wir am nördlichsten Ende von Skye angekommen, hier fallen die Wiesen sanft zum Meer hin ab. Schafe und weiße Crofterhäuser bilden einen hübschen Kontrast zum tiefblauen Meer.

Wir folgen der Küstenlinie bis Uig, hier starten und landen die Fähren zu den äußeren Hebriden. Viel mehr als den Hafen hat Uig nicht zu bieten – allerdings gibt es ein kleines Stück oberhalb des Hafenörtchens ein landschaftliches Highlight: Fairy Glen – das Tal der Feen! Ausgeschildert ist es nicht, aber auch nicht schwer zu finden.

Ca. 50m hinter dem Uig Hotel biegt ein kleines Sträßchen nach links oben ab (Wegweiser Sheadar/Balnaknock, mit Sackgassen Symbol). Folgt man dem, so kommt man zunächst zu einem Friedhof – von dort hat man eine tolle Aussicht über die Bucht.

Fährt man weiter, kommt man sich schon bald wirklich vor wie in einem Feenland oder einer Szene aus „Herr der Ringe“. Zuerst sind da nur grüne Hügel, eine Burg scheint aus einem der Kegel heraus zu wachsen.

Die Hügel haben bizarre Formen, sehen teilweise aus wie spitze Zipfelmützen.


Hinter einem kleinen Teich erhebt sich der Hügel mit der „Burg“ – die tatsächlich Castle Ewen genannt wird! Dass hier Zwerge, Elfen oder andere Wesen hausen – irgendwie kann man sich das ganz gut vorstellen. Nur – heute zeigen sie sich nicht, es ist einfach zu viel Betrieb.

Die Straße entlang ein Auto nach dem anderen – trotzdem hat der Ort was Magisches.


Die Burgbesteigung verkneifen wir uns – man will Elfen ja nicht unnötig verärgern und angeblich mögen sie es überhaupt nicht, wenn man in ihr Reich eindringt! Man kann aber auch einfach ein Weilchen herumspazieren und die Atmosphäre genießen. Und die ist – trotz der vielen Menschen – sehr ruhig und entspannt.

Zurück zur Ostseite nehmen wir den Weg über die Hochebene und den Quiraing. Eine landschaftlich wunderschöne Strecke und kein Bus weit und breit! Auch sonst kaum Verkehr.


Das ändert sich schlagartig, als wir zum Quiraing kommen. Schon hunderte Meter vor dem Bergmassiv parken die Autos Stoßstange an Stoßstange.

Eine riesige Fläche wird dort gerade planiert, dort soll ein gigantischer Parkplatz und ein Infocenter mit Café entstehen. Wir verlieren schon fast die Lust, können aber einem gerade frei werdenden Platz doch nicht widerstehen. Und ganz ehrlich – die Landschaft hier ist wirklich atemberaubend!

Für eine größere Wanderung waren wir nicht ausgerüstet – aber ein paar Schritte mussten dann doch sein.


Weil das Wetter so gut und die Sicht so klar war, steuerten wir schließlich noch ein weiteres Ziel an – den westlichsten Punkt der Insel, den Neist Point. Die prägnante Felszunge mit dem Leuchtturm ist eines der bekanntesten und populärsten Fotomotive der Insel. Und nicht nur das – weiter nach Westen kommt man ohne Fähre mit dem Auto nirgendwo hin in Großbritannien.

Dazu mussten wir allerdings ein ganzes Stück über die Insel fahren. Vorbei an butterblumengelben Wiesen vor tiefblauem Meer, an tief ins Land schneidenden Meeresarmen, Dunvegan Castle in der Ferne am anderen Ufer…


Durch kleine Siedlungen mit weit verstreut liegenden schneeweißen Häusern und teils üppigen Gärten.



Bis zum Abzweig Richtung Neist Point.

Nach ein paar weiteren Meilen kam die Küste in Sicht – hier nicht sanft, sondern ziemlich schroff. Hohe Klippen ragen hier steil aus dem Meer auf.

Bei unseren früheren Besuchen fuhren wir einfach vor bis zum kleinen Parkplatz, stellten das Auto ab und liefen los. Heute stand eine fast endlos lange Autoschlange am Straßenrand – es war ziemlich schnell klar, dass es keinen Sinn machte, sich bis zum Parkplatz vorzutasten, denn der war vermutlich mehr als voll. Also Auto abstellen und loslaufen – allerdings ein ganz schönes Stück vom Parkplatz entfernt.

Bei dem tollen Spätnachmittagslicht war aber jeder Schritt eine reine Freude und glücklicherweise verliefen sich die Menschen auch ziemlich. Die allermeisten steuerten nämlich den Leuchtturm an – den sieht man allerdings zunächst gar nicht. Aber schon der allererste Blick auf den Neist Point ist eindrucksvoll. Vorne das weite grüne Plateau, dann die dramatische Klippe und am Horizont die Silhouette der  Äußeren Hebriden.

Direkt hinter dem kleinen Holzhäuschen am Parkplatz – inzwischen ein Getränkestand – geht’s entweder links runter, zum Leuchtturm, oder rechts rauf, auf die Klippen, zum Panoramablick. Den Weg zum Leuchtturm runter ersparten wir uns heute – vor 8 Jahren waren wir hinunter geklettert und wissen deshalb, dass der Weg ziemlich lang und ziemlich schweißtreibend ist! Rund 100 Stufen, in Felsen gehauen, führen zunächst fast senkrecht runter auf das Plateau, an dessen Ende geht es dann erst wieder bergauf, dann nochmals ziemlich steil in die Tiefe.

Das mussten wir heute nicht haben – stattdessen kletterten wir den Hang empor und wurden belohnt mit ständig schöneren Blicken. Schritt für Schritt schob sich der Leuchtturm langsam in unser Blickfeld – bis wir schließlich das gesamte Kap vor uns liegen sahen, mit dem Leuchtturm am Ende.

Die Kraxelei auf den Klippen machte echt Spaß, wir gingen noch ein ganzes Stück – und es war Genuss pur! Vorne schroffe Felsen, am Horizont die Äußeren Hebriden, warme Sonne, ein leichter Wind – ein perfekter Tagesabschluss!


Bis zum Sonnenuntergang wollten wir dann aber doch nicht bleiben – da hätten wir noch etliche Stunden warten müssen! Stattdessen ging’s in der Abendsonne durch eine malerische Landschaft langsam zurück nach Portree.



Weil es schon recht spät war, hatten wir wenig Glück bei der Suche nach einem Abendessen – letztlich landeten wir im Isles Inn, ein wirklich nettes Pub mit guter Küche. Zwar mussten wir an der Bar fast eine Stunde warten, bis ein Tisch frei wurde – aber die Zeit ging schnell vorbei, nachdem sich ein junges deutsches Paar zu uns stellte, das mit dem Motorrad durch Schottland unterwegs war.

Wir kamen bei einigen Pints dermaßen ins Erzählen, dass die Wartezeit gar nicht so lang schien – und das Essen war dann auch wirklich prima!

Und auch der Blick am sehr späten Abend (gegen 21:30) auf den Hafen war ein weiteres kleines Highlight an einem total nebelfreien Tag!

Der Tag im Video (bitte unbedingt über die Einstellungen höchste Auflösung wählen!):[youtube https://www.youtube.com/watch?v=X3iw0fdcGoA&w=1280&h=720]

Unsere heute Rundfahrt:

Ein Kommentar zu “Insel der Nebel

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