Stippvisite bei den Royals

Es war der Zufluchtsort von Queen Victoria, und auch ihre Ur-Ur-Enkelin Elisabeth verbringt viel Zeit hier – in Balmoral. Am Rande der schottischen Highlands liegt das Schloss, umgeben von Bergen und Wäldern, am Ufer des River Dee und damit mehr oder weniger auf unserer Route von Inverness nach Pitlochry.

Klar, dass wir den Royals einen Besuch abstatteten – allerdings waren sie (noch) nicht da. Störte uns aber nicht weiter – wir wollten einfach mal schauen, wie royales Landleben so aussieht.

Nach einem gewohnt üppigen Frühstück mussten wir erst mal unser Auto in der rund 300m entfernten Seitenstraße abholen – glücklicherweise war der Anwohner, der uns den erbosten Zettel unter den Scheibenwischer geklemmt hatte, aber nirgends zu sehen. Zurück zum B&B, Gepäck eingeladen und raus aus der Stadt. Allerdings nicht ohne einen kurzen Stopp bei ALDI – das Wasser war schon wieder alle, Ingwerkekse ebenfalls und ein Fläschchen Wein wäre auch nicht schlecht.

Den Wein verweigerte mir die Kassiererin allerdings – es war noch nicht 11 Uhr und vor 11 Uhr werden im britischen Königreich keine alkoholischen Getränke verkauft! Damit soll der Alkoholkonsum eingedämmt werden – wer kommt bloß auf dermaßen blöde Ideen!

Ohne Wein ging’s raus auf’s Land. Einen ersten kleinen Umweg gab’s schon nach 35km – nach Carrbridge. In dem kleinen Örtchen in den Cairngorms steht nämlich die älteste Steinbrücke Schottlands, die Old Pack Horse Bridge. 1717 wurde sie erbaut und wölbt sich in hohem Bogen über die torfbraunen Wasser des River Dulnain.

Vor 8 Jahren durfte man sie noch betreten – damals kletterte auch Dieter drauf herum – mittlerweile ist sie jedoch abgesperrt und so stark einsturzgefährdet, dass niemand mehr drauf darf.

Ein weiterer Schlenker führte uns nach Boat of Garten. Der Ort mit dem seltsamen Namen ist auch als Osprey Village (Steinadler Dorf), bekannt. Vögel zogen uns allerdings nicht hierher, wir wollten uns den malerischen kleinen Bahnhof anschauen. Dass hier auch die Züge der Strathspey Steam Railway halten, wussten wir nicht – und wenn wir es gewusst hätten, hätten wir wohl kaum damit gerechnet, dass genau in dem Moment, wo wir ankamen, ein Zug einfuhr!.

Fast schon panisch (man weiß ja nicht, wie lange der Zug hier hält) stellten wir das Auto ziemlich unkorrekt irgendwo am Straßenrand ab und rannten zum Bahnhof. Dort herrschte jedoch alles andere als Hektik. In aller Seelenruhe wurden Kohlen geschaufelt und Wasser nachgefüllt, während sich die Passagiere die Füße vertraten und der Schaffner seinen Hund fütterte.

Soviel Gelassenheit steckt an – wir schauten Heizer und Lokführer bei der Arbeit zu und schlenderten dann gemächlich Richtung Fußgängerbrücke.

Der Bahnhof sieht nicht nur von außen hübsch und nostalgisch aus – auch der Warteraum der Ladies ist eine kleine Zeitreise!



Hier kann man wirklich ganz entspannt bei einem Tässchen Tee auf den nächsten Zug warten! Dann ging’s mit lautem Geschnaufe und einem markerschütternden Pfiff aber doch weiter und der Zug entschwand in die Ferne …

Auch wir entschwanden, durchquerten die Cairngorms in einer fast endlosen Folge von Auf und Abs, Hügel rauf und wieder runter.

Im Winter ist das ein beliebtes Skigebiet, verlassene Lifte, Hotels und riesige Parkplätze geben eindeutige Hinweise.

Schließlich nähern wir uns dem Tal, überqueren noch eine wunderbare alte Steinbrücke, laufen ein Stückchen Richtung lila Heidekraut.


Und sind dann schließlich wirklich unten angelangt. Ein Wegweiser weist absolut unmissverständlich den Weg nach Braemar (rechts) und Balmoral (links). Aus völlig unerfindlichen Gründen fahren wir nach rechts – obwohl wir doch zum Schloss wollten! Erst, als wir kurz vor Braemar das dortige Schloss sehen, dämmert uns, dass da was nicht stimmt.

Also geht’s wieder ca. 15 Meilen zurück … So kann man Fahrstrecken auch in die Länge ziehen! Immerhin klappt’s dann auf Anhieb sogar mit einem Parkplatz in der Nähe der alten Brücke, die über den River Dee zum Schloss Balmoral führt.

Dass es jetzt ein bisschen regnet, stört uns nicht weiter – zunächst geht’s am imposanten Tor vorbei zum Ticketoffice.

Und dann erst Mal ein ganzes Stück durch den Wald. Man muss fast 10 Minuten lang gehen, bis sich der Wald öffnet. Dann liegt links hinter einer weiten Rasenfläche das Garden Cottage, versteckt unter Bäumen. Hierhin hat sich Queen Victoria gerne zurück gezogen und Briefen geschrieben.

Rechts erhebt sich das überraschend große Schloss.




Ins Schloss hinein darf man nicht bzw. nur in den Ballsaal, wo alte Fotos und Kleider ausgestellt sind. Aber auf dem riesigen Gelände kann man sich völlig frei bewegen und sich vorstellen, wie die Queen durch den kleinen versunkenen Garten schlendert.

Oder die Treppe zum Fluss hinunter geht und sich dann auf die Bank setzt …

Wir machen noch einen Abstecher in den Blumen- und Küchengarten, der Weg dorthin führt durch einen grünen Tunnel.

In altmodischen viktorianischen Gewächshäusern wuchert es bunt und üppig – ein Gärtner erklärt, dass alle Blumen so gezogen werden, dass sie in voller Blüte stehen, wann die Royals Ende Juli hierher in die Sommerfrische kommen. Dann werden die im Moment noch eher spärlichen Rabatten vor dem Schloss aufgepeppt.

Aber auch im Freien blüht es, außerdem wird auch eine Menge Gemüse und Salat angebaut – die Royals sind weitgehend Selbstversorger.

Hier könnte man ewig bleiben, herumschlendern, spazierengehen, die Natur genießen. Kein Wunder, dass Queen Victoria hier das Gefühl hatte, richtig durchatmen zu können und weit weg von der Welt zu sein.

Ein letzer Blick auf den kleinen Fluss Dee ..

… dann ging’s für uns weiter. Nicht sehr weit, nur bis Braemar, auf ein Tässchen Tee und ein Stückchen Kuchen bzw. Scones. Gestärkt nahmen wir den Rest der Strecke in Angriff – wieder karges Hügelland, von den Cairngorms wechselten wir in die Grampian Highlands

Dramatische Wolken begleiteten uns, aber es blieb trocken.

Schließlich war Pitlochry erreicht – ein wirklich hübscher Ort in malerischer Umgebung. Es war unser 4. Besuch hier, aber im Derrybeg Guesthouse waren wir bisher noch nie gewesen. Das junge Betreiber-Paar Lee und Laura hat das Haus erst Anfang des Jahres übernommen und bietet eine sehr komfortable Unterkunft in frisch renovierten Zimmern mit Aussicht.

Runter in den Ort kann man bequem zu Fuß gehen – in gut 10 Minuten sind wir bei unserem Lieblings-Pub „Auld Smiddy“. Hier ist das Bier frisch, das Essen sehr gut und die Preise moderat. Und wir sind rundum glücklich und zufrieden, denn es ist so warm, dass man draußen essen kann!

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