Abschied nehmen

Schön war’s mal wieder in Schottland!

Und auch in Northumberland – das rutscht leider bei uns immer in die Kategorie „Durchgangsecke“, dabei bietet auch dieser Teil des Königsreiches eine Menge Sehenswertes.

Immerhin hatten wir uns dieses Mal sowohl bei der Anreise als auch jetzt auf dem Heimweg jeweils einen vollen Tag Zeit genommen, um die Gegend etwas näher kennen zu lernen. Und Beadnell bietet dafür wirklich sehr gute Voraussetzungen!

Man ist in kurzer Zeit in Berwick-upon-Tweed, der nördlichsten Stadt Englands, malerisch am Fluss gelegen, umgeben von einer begehbaren Stadtmauer und mit gleich drei eindrucksvollen Brücken.

Die erste ist die Old Bridge, eine 355 m lange Sandsteinbrücke, erbaut zwischen 1611-1634. Sie ist auch heute noch eine wichtige Straßenbrücke.

Zu ihr wandert man über die alten elisabethanischen Stadtmauern, die die Stadt zum Fluss hin abgrenzen. Nur knapp dahinter liegt bereits die Royal Tweed Bridge, 1928  aus Stahlbeton erbaut.

Dann sind es wirklich nur noch ein paar Schritte zur dritten Brücke – der imposanten Royal Border Bridge, einem 658 m langen Eisenbahnviadukt mit 28 Bögen und einer Höhe von 38m. Queen Victoria hat die Brücke 1850 eröffnet, heute fahren die Züge der East Coast Main Line darüber.

Am Fuß der Eisenbahnbrücke liegen die malerischen Reste des einstigen Schlosses.

Viel ist nicht übrig geblieben – aber man kann sich doch sehr gut vorstellen, wie feuchtkalt es in den winzigen Wachstuben auf Flusshöhe war und wie steil die Treppen hoch zur Burg waren.

Feuchtkalt wurde es auch für uns – Regen setzte ein und wir flüchteten nach Süden. Flüchteten bis Bamburgh, wo es nicht nur sonnig wurde, sondern wo es auch eine malerische Burg gibt, hübsche Häuser und etliche nette Teashops.

Noch einen Punkt auf unserer Liste wollten wir abhaken – Craster und Dunstanburgh Castle. Beides nicht weit von unserem Standort Beadnell entfernt – und aus Craster sollen die besten Kippers des Königsreichs kommen! Dumm nur, dass heute Samstag war und inzwischen auch schon ziemlich spät am Nachmittag. Die Fischräucherei hatte längst zu …
Das lag aber möglicherweise auch daran, dass in Craster heute gefeiert wurde – ein Hafenfest ging gerade so langsam seinem Ende zu.

Neben den üblichen Booten waren hier auch ziemlich schräge Vehikel zu sehen! Ganz zu schweigen von den tierischen Beifahrern …

Bis zur Burg bzw. der Ruine ist es ein ziemlicher Fußmarsch – aber wunderschön! Durch’s Dorf, oberhalb des Hafens entlang und dann über die Klippen.




Auch wenn wir letztlich nicht ganz bis zur Burgruine liefen (Hunger und Durst waren stärker) – es ist einfach schön hier!

Einen tollen Abschluss fand der Tag wieder im Craster Arms. Fish’n Chips vom Feinsten (in XXL-Größe!) und danach ein wunderbarer lokaler Gin mit Elderflower Tonic – wir waren wunschlos glücklich!

Und ich staunte mal wieder, was es in kleinen Pubs in winzigen Dörfern im Norden Englands so alles gibt – unter den 16(!!!!) Sorten Gin waren alleine 3 aus dem Schwarzwald!

Im Haven House verbrachten wir eine letzte England-Nacht – dann ging’s am Vormittag so gaaaanz langsam Richtung Newcastle.

Gaaaanz langsam hieß: Erst mal noch einen Schlenker zum Hafen von Beadnell – denn den hatten wir hatten wir ja noch gar nicht richtig gesehen! Dabei bietet er mit seinen Rundhäusern, in denen früher Holzkohle produziert wurde, und den Dünen im Hintergrund einen wirklich schönen Anblick.



Dann ging’s gemütlich übers Land nach Alnwick. Weil Sonntag war, herrschte gähnende Leere in dem hübschen Städtchen, aber am Marktplatz entdeckte ich einen Liquor Shop, der offen war.

Da mir gestern der Alnwick Gin so gut geschmeckt hatte, wollte ich ein Fläschchen mitnehmen. Nur: Es gab mindestens 5 verschiedene Sorten! Welche das gestern genau war, wusste ich nicht mehr – aber die Dame im Laden wusste Abhilfe – einfach probieren! Zwar war es mehr als deutlich vor 11 Uhr – aber das hier war nicht katholisches Schottland, sondern Nordengland, da kann man auch am Sonntag Morgen mal einen Gin probieren.

In winzige Gläschen füllte sie sorgsam ein bisschen Gin, dazu ein jeweils passendes Tonic von Fever Tree – und so süffelte ich mir den etwas trüben Morgen schön und fand auch tatsächlich die gewünschte Sorte! (Bisher hatte ich ja keine Ahnung, dass Gin so unterschiedlich schmecken kann – jetzt weiß ich um die Unterschiede der Botanicals!)

Ziemlich beschwingt steuerten wir dann Alnwick Castle an, das sehr malerisch am Aln River liegt. Eigentlich war hier ein Spaziergang geplant – aber Petrus machte uns mal wieder einen Strich durch die Rechnung und startete eine Regenattacke.

Also zurück ins Auto und zurück an die Küste. Durch Warkworth, wo es nicht nur eine imposante alte Burg aus dem 12. Jh. gibt –

sondern auch eine schöne alte Brücke.

Noch hatten wir keine Eile – ein Abstecher nach Amble, zum Hafen, war noch drin. Hier war schwer was los – Buden mit jeder Menge Krimskrams – aber auch allen nur denkbaren Köstlichkeiten aus dem Meer und auch vom Land – Käse, Honig, Marmeladen … Ein richtiges Schlaraffenland!


Der Hafen war wirklich sehenswert – ein alter Holzsteg verfällt malerisch im flachen Wasser, Boote dümpeln im Hafenbecken.



So langsam wurde es dann aber doch Zeit, sich Richtung Newcastle zu bewegen – die Fähre legte zwar erst um 17 Uhr ab, aber man sollte schon so 1 1/2 Stunden vorher dort sein. Waren wir auch – nur beschlossen die Damen und Herren am Check-in, jetzt mal eine Pause einzulegen und ließen die Autoschlangen einfach erst mal stehen. Ringsum wurde heftig gemeutert – aber irgendwie kamen wir dann doch alle an Bord.

Anders als auf der Hinfahrt hatten wir dieses Mal nur eine kleine Kabine – das bedeutete Akrobatik, denn das (ziemlich schmale) Bett war an der Wand befestigt, so dass man übereinander klettern musste.

Das Wetter hatte inzwischen wieder in den Sommermodus gewechselt – beim Abschied von England leuchtete es Blau von oben und von unten.




Mit einem letzten Blick auf die elegant geschwungene Mole und den kleinen Leuchtturm am Ende nahmen wir Abschied von Großbritannien – und fragten uns, wie sich das Land wohl in den nächsten Monaten verändern wird.

Die Route am vorletzten Tag:

Und am allerletzten, zur Fähre:

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