Stürmischer Norden

Als wir vor zwei Tagen aus Perth losfuhren, hatte das Wetter eine kleine Kehrtwendung gemacht. Statt strahlend blauem Himmel gab es morgens dicke Wolken, heftigen Wind und Niesel bei gerade mal 22°. 

Bis Geraldton änderte sich wenig – allerdings nahm der Wind stetig zu.

Heute morgen starteten wir erneut bei 22°C und heftigem Wind – je weiter nördlich wir kamen, desto stärker blies es. Gleichzeitig stiegen die Temperaturen aber auch laufend an.

Bevor wir uns allerdings endültig auf die Hufe machten, legten wir einen kurzen Abstecher zur Fishermens Wharf ein. Schräg gegenüber von Barnacles, wo wir gestern abend gegessen hatten, kann man nämlich direkt bei der Fischer Cooperative Fisch und anderes kaufen. Uns stand der Sinn nach „anderem“ – konkret, nach Lobster! In Denham steht uns eine große Outdoorküche zur Verfügung – was liegt da näher, als mal einen Hummer bzw. eine Languste in die Pfanne zu werfen!

Der nette ältere Herr beriet uns umfassend, wir einigten uns schließlich auf einen großen Hummerschwanz, also Tier ohne Kopf. Für 30AU$ (ca. 19,80€) wanderte der Schwanz in unsere Kühltasche – und wir wanderten dann noch zu Woolies (= Woolworth), um Kartoffeln, Butter, Zitrone, Tomaten und Gurke zu kaufen. Den bloß Hummer geht ja auch nicht …
Vor dem Supermarkt war schwer was los, bzw. am Himmel vor dem Supermarkt. Riesenschwärme von Kakadus flogen immer wieder auf, drehten eine Runde und ließen sich dann wieder in den Bäumen nieder.
Das alle mit einem ohrenbetäubenden Geschrei!

Dann ging’s aber endlich los. Rund 400 km, fast immer geradeaus, lagen vor uns.

Wenn es nicht ab und zu mal kleine Hügel gegeben hätte, hätten wir heute morgen schon sehen könne, wo wir heute Abend schlafen! Verkehr gibt es auch so gut wie gar nicht – nur gelegentlich kommt uns mal ein Auto entgegen.

Ringsum trockene rote Erde und – anders als vor 3 Jahren – nirgendwo Wasser. Hier hat es seit rund 8 Monaten nicht mehr geregnet, erstaunlich, dass es trotzdem noch relativ grün ist.


Je weiter wir fahren, desto heißer wird es – als wir am Overlander Roadhouse ankommen, zeigt das Autothermometer 41°C!

Hier biegt die Straße nach links Richtung Shark Bay ab. Ein Stop in dem legendären Roadhouse ist fast Pflicht – auch wenn es nicht viel zu sehen gibt. Zwei Zapfsäulen, ein kleiner Verkaufsraum mit Café und dahinter ein paar containerartige Bungalows mit schlichten Zimmern. Aber für viele ist es ein lebensnotwendiger Tankstop, denn Tankstellen sind hier sehr rar.

Von da aus sind es noch ca. 125km bis zur SharkBay und Denham.

Eigentlich wollten wir auf den letzten Kilometern noch sowohl die Stromatoliten im Hamelin Pool als auch den Shell Beach besuchen.
Als wir allerdings in Hamelin Pool aus dem Auto steigen, haut es uns fast um – 43°C sind es inzwischen! Und bis zu den Stromatoliten im Wasser wären noch ca. 1500m zu Fuß über und durch die Dünen zurück zu legen!

Das war uns dann doch zu viel – man muss das Schicksal ja nicht unnötig herausfordern! Außer uns war ohnehin keiner weit und breit zu sehen – sogar das Postamt war ganz offensichtlich geschlossen.

Weil es auch ständig trüber und windiger wurde, schenkten wir uns auch den Shell Beach – ein Strand, nicht aus Sand, sondern aus Billionen winzig kleiner weißer Muschelschalen – für’s erste. Zwar waren wir 2017 total begeistert gewesen, aber vielleicht klappts ja auf dem Rückweg.

Jetzt wollten wir einfach der Hitze entfliehen und ankommen. Das mit der Hitze klappte völlig unerwartet – die Temperaturen sanken unvermittelt und unentwegt! Plötzlich waren es nur noch 26°, der Wind hingegen hatte weiter zugelegt!

Als wir in unserer Unterkunft „On The Deck at Shark Bay“ ankamen, brauchte man schon fast eine Jacke! Phil, unser Gastgeber, erklärte, dass schon seit Tage ein Zyklon kühle Luft hier ans Festland schaufelt – Regen, der so dringend benötigt wird, bringt er allerdings nicht.

Wir beziehen erst mal unser Zimmer, das noch genauso schön ist wie beim letzten Mal.

Und genau wie beim letzten Mal finden sich gegen Abend zahlreiche Kängurus und Emus vor dem Haus ein. Aber während sie vor 3 Jahren lediglich zum Wassertrog wollten, treibt sie jetzt nicht nur der Durst, sondern auch der Hunger hierher.

Es hat monatelang nicht mehr geregnet, Kängurus, Emus und andere Tiere leiden Durst und mittlerweile auch Hunger. Phil und Kerry verfüttern deshalb täglich in der Abenddämmerung einen 20kg Sack Karotten an die Tiere – und wir genießen das Spektakel!

Ein Kommentar zu “Stürmischer Norden

  1. Die Kängurus so hautnah erleben zu können, muß wundervoll sein! Und auch das extreme Wetter -der stürmische Wind, die Hitze- hätten mir gut gefallen, pures Australien-feeling stelle ich mir so vor… 

    Was hat man sich unter einer Outdoorküche vorzustellen – einen Gasgrill? Ist es euch gelungen, euren Hummer auf einem solchen (falls meine Vermutung stimmt) gar zu bekommen? war das nicht schwierig? 

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