Stormy waters

Der tropische Cyclone Claudia tobte in den letzten Tagen über dem Norden Australiens und driftet derzeit allmählich Richtung Südwesen.

Während es im hohen Norden zu heftigsten Regenfällen kommt, sind hier die Auswirkungen auf heftige Winde begrenzt.

Ob das für eine Fahrt auf einem 18m Katamaran gut oder schlecht ist, wird sich heute zeigen …

Wir hatten für heute bei Wildsights eine Nachmittagsfahrt mit der Shotover gebucht -- da sich jedoch einer der Skipper bei einer feuchtfröhlichen Silvesterfeier ein Bein gebrochen hatte, wurde die gestrichen. Stattdessen mussten wir mit der Vormittagscruise um 10 Uhr vorlieb nehmen. Begeistert waren wir nicht, denn das Licht ist am Nachmittag deutlich besser -- aber was half’s …

Die Boote legen am Pier von Monkey Mia ab, wir mussten also gegen 9 Uhr los, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Die Strecke zwischen Denham und Monkey Mia ist mit ca. 27km zwar nicht lang, aber man muss dort sehr vorsichtig fahren, den Kängurus, Emus und auch der eine oder andere kleine Waran nutzen die Straße ebenfalls sehr intensiv. Prompt hüpfte uns auch heute wieder ein Roo vor’s Auto -- da muss man wirklich wachsam sein!  Emus stehen auch gerne mal einfach so herum und räumen das Feld nur sehr widerwillig.

Gegen 9:30 trudelten wir in Monkey Mia ein, bekamen einen Pass für’s Auto -- normalerweise muss man pro Tag 15AU$ bzw. pro Woche 25$ Nationalpark-Gebühren bezahlen, im Cruise-Preis ist das jedoch bereits enthalten. Auto abgestellt und vor zum Pier -- da tat sich aber noch gar nichts.

Links am Pier lag die Aristocat, rechts unsere Shotover -- und wir waren froh, dass wir mit der Shotover fuhren! Die Aristocat bietet zwar eine (ziemlich zugeklebte) Innenkabine, aber draußen nur wenig Schattenplätze und auf dem Vorschiff nur schattenlose Stehplätze.

Der Strand hier ist wunderschön -- aber wer jetzt an Puderzucker denkt, liegt falsch -- es ist Muschelsand, stark durchsetzt mit recht scharfkandigen Muschelstückchen. Erstaunlicherweise war es am Morgen recht windstill und das Wasser lag fast spiegelglatt da.

Gestern hatte der Wind noch heftig getobt, im Wasser treibendes Seegras zeigte, dass auch hier einiges losgewesen war und heute wohl nur eine kleine Pause eingelegt wurde.
So langsam füllte sich der Pier, zwei gnadenlos fröhliche Skipper -- Bodhi und Tiani -- ließen die Passagiere an Bord. Wir fanden schattige Plätze unter dem großen Sonnensegel und nach en paar kurzen Sicherheitseiinweisungen ging’s los.

Zunächst ging’s mit Motorkraft ein Stück parallel zur Küste, wo eine Gruppe Emus zu uns rüber schaute.

Noch hatten wir keine Segel gesetzt -- das ließ jedoch nicht lange auf sich warten!

Denn kaum hatten wir den Schutz der Küste verlassen, frischte der Wind bereits merklich auf. Mit Hilfe einiger kräftiger Passagiere wurde das Segel gesetzt.

Auch die Damen mussten ran und drehten aus Leibeskräften an einer Kurbel, um irgendwas anderes noch hochzuziehen.

Pfeilschnell schossen wir jetzt mit reiner Windkraft über das Wasser -- die fast 40 Jahre alte Shotover war in ihrer Jugend eines der schnellsten Segelboote Austraiens gewesen!

Das Wasser wurde zunehmend aufgewühlter, sah grünlich-trüb aus -- keine wirklich guten Voraussetzungen für Tierbeobachtungen. Von anderen Gästen hörten wir, dass sich die Delfine derzeit sehr rar machen, mehr als 3 oder 4 sind morgens bei der Fütterung selten zu sehen. Auch die Schildkröten halten sich im Moment wohl eher im offenen Meer auf.

Während Bodhi das Boot immer weiter von der Küste weg steuerte, hielt Tiani mit dem Fernglas Ausschau nach Dugongs. Diese sehr seltenen Seekühe bilden hier eine recht stabile Population, weil es in der Shark Bay das weltweit größte Seegrasgebiet gibt.

Die Passagiere machten sich derweil über die diversen Snacks und Getränke her, die teils in Kühlfächern, teils in luftiger Höhe angeboten wurden.

Andere aalten sich einfach nur in der Sonne …

Vor Sonnenbrand musste sich dennoch niemand fürchten -- überall standen Literkanister mit Sonnemilch 50+ herum, aus denen man sich großzügig bedienen konnte.

Obwohl Bodhi nichts unversucht ließ und sämtliche Seegrasbänke absuchte, machten sich die Dugongs heute rar. Nur ein paar Mal tauchten welche für Bruchteile von Sekunden auf -- viel zu schnell für ein Foto!

Dass diese braunen Rücken Seekühe sind, muss man einfach glauben -- richtig sehen konnte man sie heute nicht! Zwar verlängerte Bodhi die Fahrt noch um fast eine Stunde -- die Ausbeute blieb jedoch weiterhin mager. Keine Delfine, keine Haie, keine Schildkröten heute …
Aber die Fahrt war auch so schön -- für mich nur beeinträchtigt durch die weiterhin hartnäckige Erkältung.

Schließlich ließ Bodhi das Segel wieder reffen und warf den Anker aus -- es war Zeit für einen Sprung isn Wasser!

Begeistert hüpften Jung und Alt von Bord und plantschten eine Weile ums Boot herum.

Der Wind frischte zunächst immer mehr auf, die Rückfahrt erfolgte wieder unter vollem Segeleinsatz. Als wir wieder nah an Land waren, ließ der Wind nach und kam zeitweise völlig zum Erliegen -- jetzt war wieder Motoreinsatz angesagt.

Im Vorbeifahren konnten wir den Gebäudetrakt, in dem wir 2017 gewohnt hatten, sowie die kleine Bar gut erkennen!

Das Resort scheint in den letzten Jahren deutlich vergößert wrden zu sein, die Bungalows erstrecken sich jetzt weit nach rechts.

Gegen 14 Uhr waren wir wieder an Land -- und erfuhren, dass die Sunsetcruise, die wir zwei Tage später machen wollten, einer Geburtstagscharter zum Opfer gefallen ist. Wir hätten stattdessen heute Abend teilnehmen können -- aber zweimal Boot an einem Tag ist dann doch ein bisschen viel!

Unser Auto brutzelte in der Sonne auf dem fast leeren Parkplatz. Wir haben ein ziemlich ramponiertes Exemplar erwischt, mit einigen Schrammen und kleinen Beulen -- bei der Übergabe zeigt uns die Dame jedoch eine Schablone mit Kreisen und deutete auf einen ca. 5 cm Kreis- alles, was kleiner ist, gilt nicht als Beschädigung! Vorsichtshalber malte sie den Kreis für uns noch auf unser Protokoll --  sonderlich vorsichtig müssen wir also nicht sein!

Jetzt ging’s gemächlich heim, noch ein Abstecher zum Supermarkt und dort ein leichter Schock -- die Preise sind exorbitant! Eine 1,5l-Flasche Wasser, in Geraldton für 0,69$ erstanden, kostet hier 2,70$! Klar, wir sind hier weit weg von jeglicher Zivilisation -- aber da wünscht man sich schon eine gewisse staatliche Preisregulierung, um die entlegenen Landstriche nicht auch noch finanziell zu bestrafen.

Uns trifft es ja nicht wirklich hart -- aber wer hier dauerhaft lebt, muss gut planen!

Wir waren weitgehend vom lokalen Angebot unabhängig -- Frühstück gibt’s in unserer Unterkunft und am Abend gab es Pellkartoffeln mit sauerer Sahne, einem Tomaten-Gurken-Salat -- und einem saftigen Hummerschwanz! Der wurde einfach kurz in kochendes Wasser gekippt, wenige Minuten später genossen wir ihn mit Butter, einem Spritzer Zitrone und sonst nur Pfeffer und Salz auf unserer Terrasse! Dazu ein kühles Bier -- und einen leider extrem kalten Abendwind, der auch die ganze Nacht lang ums Haus heulte!

Das war der Tag im Video:

Ein Kommentar zu “Stormy waters

  1. Euer selbst zubereitetes Abendessen klingt köstlich! Und dazu scheint die Zubereitung ganz einfach gewesen zu sein! Das müssen wir unbedingt auch einmal ausprobieren…

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