Ziemlich grandios – Cape le Grand

Esperance ist zwar ein nettes Städtchen – aber die allermeisten Touristen kommen nicht deswegen hierher.

Neben den Traumstränden entlang des Great Ocean Drives zieht es die Besucher vielmehr in erster Linie in den Nationalpark – den Cape le Grand NP.

Der liegt rund 65 km östlich von Esperance und hat neben etlichen anderen Sehenswürdigkeiten zwei Hauptattraktionen zu bieten: Den Frenchman Peak und die Lucky Bay. 

Auch wir wollen heute dort hin – zu Stränden, für die man „zwei Sonnenbrillen“ braucht wie uns ein Westausstralier mal versichert hatte, und zu einem spektakulären Berg, der zwar nur schlappe 262 m hoch ist, aber dennoch eine echte Herausforderung bietet.

Nach einen schönen Frühstück auf der Terrasse, das die kleine Katze mit bettelndem Blick verfolgte, brachen wir auf. Schon nach ca. 30 km sahen wir die ersten ausgedehnten Brandflächen – kilometerweit schwarz verbrannte Bäume und Büsche. Ende November hatte es hier heftige Buschfeuer gegeben, damals war der gesamte Nationalpark gesperrt.

Erstaunlich ist, dass oft auf einer Seite der Straße alles verbrannt ist, während es auf der andern Seite keinerlei Brandspuren gibt.

Nach rund 60 km kommen wir zum Parkeingang, wo unser Ticket aus Albany geprüft und für okay befunden wird.

Wenig später taucht der Frenchman Peak auf.

Seinen Namen hat er von der merkwürdigen Felsformation auf dem Gipfel, die der Kopfbedeckung französischer Soldaten um 1800 ähneln soll.

Da braucht man allerdings ziemlich viel Phantasie – egal aus welcher Perspektive, mich erinnert das eher an den Schädel eines Tieres …

Allenfalls wenn man weit genug weg ist, könnte da was dran sein . Den Aufstieg nahmen wr jedenfalls nicht in Angriff – zwar soll der Blick von oben grandios sein, aber es ist sowohl rauf als auch runter extrem steil – das können Jüngere mit intakten Knien machen, für uns ist das nichts mehr.

Es gibt ja schließlich auch noch deutlich bequemere Ziele hier, die Lucky Bay zum Beispiel!

Da geht man vom Parkplatz aus nur ein paar Schritte und steht auf einem schneeweißen Strand (okay, einem schneeweißen Strand mit reichlich Reifenspuren und Seegras).

Dass die Australier zulassen, dass auf Traumstränden mit Autos herumgefahren wird, die massive und oft zielich hässliche Spuren hinterlassen und den Sand unglaublich verdichten, können wir nicht wirklich verstehen. Aber so ist das eben hier …

Je weiter man den Strand entlang geht, desto weniger Seegras liegt herum und desto weißer wird der Sand. Der ist wieder reiner Quarzsand, der bei jeden Schritt leise quietscht.

Keinen Ton geben dagegen andere von sich – kleine Kängurus, die sich am Seegras gütlich tun! Die Lucky Bay ist vor allem wegen dieser tierischen Besucher so berühmt und gut besucht – wo gibt es sonst noch Kängurus am Strand??

Anscheinend wohnt eine ganze Herde im umliegenden Busch, die Tiere kommen an den Strand wegen des salzigen Seegrases – und mittlerweile vermutlich auch, weil sie von Touristen (leider!) gefüttert werden! Als ich sah, dass zwei chinesische Touristen ein Känguru mit Chips fütterte, versuchte ich, ihnen klar zu machen, dass das sein Todesurteil sein könnte, denn so was verursacht bei Kängurus häufig Koliken, an denen sie dann elend und unter Schmerzen sterben.

Es sind offensichtlich noch sehr junge und sehr zierliche Tiere, die überhaupt keine Scheu vor Menschen zeigen.

Dieter wird sogar förmlich bedrängt – genauso wie eine junge Frau auf ihrer Decke.



Andere Tiere sind da wesentlich scheuer – eine Pazifik Möwe und ihr (schon recht großes) Küken nehmen schleunigst Reißaus, als wir zu nahe kommen.


Eine ziemlich lange Zeit verbringen wir hier – mit und ohne Kängurus, aber ohne wirklich ins Wasser zu gehen. Das ist zum einen sehr flach hier und der Wind auch ziemlich kühl, es werden deshalb mal wieder nur die Füße nass!

Stattdessen gibt’s ein Weilchen später wieder Felsen – zum anschauen, hören und klettern. In der Thistle Cove kann man vom Parkplatz aus entweder gleich rechts runter zum Strand oder links rum gehen. Links steht ein riesiger Felsbrocken, der Whistling Rock. Er spielt eine große Rolle in der Geschichte der örtlichen Nyungar Aborigines, ist Teil ihrer Traumzeit-Geschichten.

Der Felsen fängt den Klang des Meeres ein und verstärkt ihn. Wenn man direkt unter dem Felsen steht, rauscht ud sing es tatsächlich – zumindest wenn man, wie wir heute, das Glück hat, dass keine anderen Menschen in der Nähe sind, die sich lautstark unterhalten.

Hinter dem Whistling Rock gelangt man auf ein Felsplateau, das wieder zum Herumwandern und -kraxeln einlädt, tolle Aussicht inklusive.

Irgendwie mutieren wir hier immer wieder zu Kleinkindern, die nicht genug kriegen können vom Felsenklettern und über die Riesenbrocken total begeistert sind.

Auch zum Strand muss man wieder über Fels gehen – und jetzt rächt sich, dass ich nur Flipflops trage! Denn der Weg über den Fels runter zum Sand ist ziemlich steil.

Auch wenn der Fels nicht rutschig ist, lass ich es lieber bleiben. Auch von her oben hat man einen grandiosen Blick über Thistle Cove, einen weiteren westaustralischen Traumstrand.

Ein letzter, allerletzter Strand sollte es heute noch sein – ab morgen ist erst mal Schluss mit Meer, da geht’s ins Landesinnere! Aber der namensgebende Strand, der Le Grand Beach, muss es schon noch sein. Es ist der längste hier am Kap, und man kann ihn auf 22km mit einem Allradfahrzeug und der entsprechenden Vorsicht befahren.

Hier gibt es weißen Sand, so weit das Auge reicht!


Fast einen ganzen Tag haben wir im Nationalpark verbracht, aber jetzt lockt die Aussicht auf Kaffee und ein Stückchen Kuchen aus der French Bakery doch mächtig und es geht heimwärts.
Dieter hat Kängurus und andere Highlights wieder mit seiner GoPro festgehalten:

Und so sind wir gefahren:

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