Hot, hot, hot – 46°C!!!!!

Heute hatten wir die längste Tagesetappe dieser Reise vor uns – von Kalgoorlie bis Fremantle sind es mehr als 600 km. Das hieß: Früh losfahren! Wobei bei uns (bekennende Langschläfer!) früh nicht bedeutet, um 6 oder 7 Uhr!

Aber immerhin noch vor 8 Uhr pilgerten wir nach vorne zum Restaurant zum Frühstück.

Und waren gleich doppelt geschockt!

Zum einen hatte es um diese Uhrzeit bereits 31 Grad, zum anderen war der Frühstücksraum gähnend leer, außer uns kein Mensch da. Nicht,weil die anderen alle noch im Bett lagen – wir waren offenbar die letzten, die frühstücken und auschecken wollten!

Das im Übernachtungspreis inbegriffenen kontinentale Frühstück war ziemlich überschaubar – Toast und Marmelade, Obstsalat und Joghurt – lange hielten wir ins also damit nicht auf. Die Sonne knallte vom wolkenlosen Himmel, es wurde – gefühlt – jede Minute heißer!

Von Kalgoorlie ging’s zunächst nach Coolgardie, quasi die Geburtsstadt des Goldbooms. Heute hat sie gerade mal ca. 800 Einwohner, im 19. Jh. war Coolgardie jedoch die drittgrößte Stadt Westaustraliens mit mehr als 15.000 Einwohnern, weitere ca. 10.000 wohnten in der Umgebung. Grund war der Goldrausch – hier wurde 1892 das erste Gold gefunden.

Heut erinnert nicht mehr viel an die glorreiche Vergangenheit.

Ab Coolgardie heißt die Straße, die wir fahren, nicht mehr Esperance-Coolgardie Highway sondern Great Eastern Highway. Und „cool“ ist es schon lange nicht mehr – mittlerweile zeigt das Autothermometer schon 35 Grad an, dabei ist es gerade mal 9 Uhr durch!

Wir kommen durch Southern Cross – irgendwie fasziniert mich der Name. Zwei Goldsucher hatten den Ort so benannt, nachdem sie sich bei der Suche nach Wasser an den Sternen orientiert hatten und später dort sogar Gold fanden.

Als wir so ungefähr die Hälfte der Strecke hinter uns hatten, war in Merredin ein Stop fällig. Als wir aus dem Auto stiegen, fielen wir fast um – es war dermaßen heiß, dass man innerhalb von Sekunden das Gefühl hatte, die Füße fangen durch die Schuhsohlen hindurch an zu brennen! Das Atmen fiel schwer, die heiße Luft brannte förmlich in den Lungen.

Das Thermometer zeigte 46 Grad – eine solche Hitze hab ich in meinem gesamten Leben noch nie erlebt! Und bin auch nicht wirklich scharf drauf, so was nochmal zu erleben! Glücklicherweise war auf der anderen Straßenseie ein kleines Café – ein Glücksgriff! Nicht nur, weil es gut klimatisiert war, nicht nur, weil es unglaublich gemütlich war und eine richtige Wohnzimmer-Atmosphäre besitzt, sondern auch, weil das Angebot einfach unglaublich lecker war! Die halbe Stadt – vor allem der weibliche Teil – schien sich hier aufzuhalten und wohl zu fühlen.

Nach einem großen Cappuccino, einem Melone-Limetten-Minz Shake und einem  lauwarmen Applecrumble brachen wir gut durchgekühlt nach einer halben Stunde wieder auf – das Auto hatte sich mittlerweile allerdings in einen Backofen verwandelt! Dank Klimaanlage wurde die Innentemperatur aber bald wieder erträglich.

In Tammin bogen wir allen Protesten unseres Navis zum Trotz vom Highway ab und folgten der Goldfields Road nach York. Obwohl ich großes Vertrauen in unseren Nissan Qashqai hatte, der uns bestens bis hierher gebracht hat, wurde mir auf den ca. 75 km auf dieser Straße doch ein bisschen mulmig. Was, wenn wir hier eine Panne haben würden???

Um uns herum nur endlose abgeerntete Getreidefelder …



Es gab kein Handynetz, uns begegneten auf der gesamten Strecke innerhalb von ca. 50 Minuten nur sage und schreibe 3 Autos !!! – und die wenigen kleinen Farmen lagen auch mindestens 5-10 km auseinander. Hier bei der Hitze irgendwo Hilfe zu bekommen, dürfte nicht ganz einfach sein …

Glücklicherweise mussten wir es gar nicht erst versuchen, sondern landeten ganz ungefährdet in York. Die Namensschwester in England kennen wir, hier sieht es allerdings ziemlich anders aus, Aber beide Städte können mit wirklich schönen alten Gebäuden punkten (wobei die im britischen York allerdings deutlich älter sind!).

Da die Temperaturen inzwischen auf ca. 40°C gefallen waren, spazierten wir ein bisschen durch die Stadt. Außerdem musste ich mal die Public Conveniences aufsuchen …


Der wunderbare kleine Süßwarenladen, in dem ich vor 6 Jahren Salmiakpastillen gekauft hatte war leider – vermutlich hitzebedingt, die Besitzerin ist schon recht betagt – geschlossen. Aber immerhin – es gibt ihn noch, genauso wie den herrlichen Kramladen daneben.

Um die Ecke ist das alte Schulgebäude, das heute in kleines Museum beherbergt.

Und noch ein Stück die Straße entlang steht die wirklich imposante alte Town Hall – direkt visavis vom Imperial Hotel. Da haben es die Gemeinderäte nicht weit zum Bier!


Das letzte Stück von York bis Fremantle ist dann nicht mehr ganz so entspannt – es geht durch die Perth Hills auf mehrspurigen Highways und wir geraten mitten in den Feierabendverkehr.

Doch auch das ist irgendwann mal vorbei und wir kommen in Fremantle an. Die kleine Stadt – eigentlich eher ein Vorort sowie der Hafen von Perth – ist uns dermaßen ans Herz gewachsen, dass das jetzt schon unser 4. Besuch hier ist! Nirgendwo kann man so entspannt leben, scheint die Zeit fast ein bisschen in den 1970ern stehen geblieben zu sein – jedenfalls hat Freo eindeutig ein echtes Hippie-Flair! Und ganz besonders spürbar ist das in South Fremantle, am South Beach – und genau da wohnen wir!

Umgeben von unzähligen Second Hand und anderen kleinen Klamottenläen, Cafés, Ökoläden, Kneipen – es herrscht eine wirklich tolle Atmosphäre hier! Und entspannt allemal – den Schlüssel zu unserer Unterkunft finden wir unter der Fußmatte,

Wir wohnen in einem kleinen alten Haus, haben das ganze Obergeschoss für uns, mit viel Platz, und fühlen uns auf Anhieb wohl hier.

Und dann geht’s runter an den Hafen – immer wieder ein Erlebnis, immer wieder einfach nur schön! Es ist angenehm kühl, ein leichter Wind weht, die Sonne geht gerade unter und die Lichter spiegeln sich im Wasser.

Gegessen wird bei Kailis – wer gerne Fisch, Krustentiere und andere Meeresbewohner isst, ist hier genau richtig!

Kailis hat eine eigene Fischereiflotte, was hier auf denTeller kommt, ist wirklich ganz frisch!

Dass uns die Bedienung nach kurze Blick ungefragt einen Seniorenrabatt einräumt, liegt sicher nur an unserer Erschöpfung durch den heißen Tag und die lange Fahrerei!

Es gibt heute für uns nur frischen gegrillten Seehecht mit einem üppigen Salat, wir sind etwas spät dran und die Theke mit Prawns, Muscheln, Lobster und Austern ist schon weitgehend geplündert. Ein kühles Swan Bier dazu, später ein Gläschen Wein und einfach die Abendstimmung genießen!

Die heutige Strecke:

2 Kommentare zu “Hot, hot, hot – 46°C!!!!!

  1. Diesen Tagesbericht zu lesen – während hier Orkan Sabine wütet – tut ja nur gut! Dankeschön!

  2. Kalgoorlie und York – beide Städte wunderschön! Überhaupt fand ich eure letzten Tage aufregend – die Goldminen, die alten Gebäude, die große Hitze … 
    Davor eine schier endlose Kette von Traumstränden, schöner als im Pazifik, aber Abwechslung tut auch mal gut, und die outback-Atmosphäre der letzten Tage war wirklich faszinierend… 
    Jetzt sitzt ihr also am Hafen und futtert leckeres seafood, da kann man nur neidisch werden 😉 Eine wirklich gelungene, wundervolle Reise! 

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