Z w i s c h e n h o c h

08. – 10. März 2020

Bangkok wurde immer stiller. So richtig genießen konnte man das jetzt irgendwie nicht mehr

Die Thais waren ängstlich – fast alle trugen Masken, manche sogar zwei übereinander.

Man ging sich aus dem Weg, wo man konnte – vor allem den Touristen. Dabei gab es zu diesem Zeitpunkt nach wie vor kaum Infektionen in Thailand!

Die Boote waren leer, Touristen sah man nur noch selten.

Aber einige Politiker hetzen förmlich gegen westliche Touristen, allen voran der thailändische Gesundheitsminister, der westliche Touristen als dreckige Personen bezeichnet, die sich nie duschen und deshalb eine Gesundheitsgefahr darstellen.

Vor ein paar Tagen war sogar davon die Rede, dass Touristen aus Italien, Frankreich und Deutschland 14 Tage in Selbst-Quarantäne sollten. Das wurde zwar mittlerweile zurück genommen, ein ungutes Gefühl blieb aber.

Am liebsten wären wir schon früher als am 25. März heim geflogen – aber Flüge gibt es fast keine mehr und wenn, dann sind sie enorm teuer. Wir versuchten es weiterhin bei der Lufthansa, baten um einen früheren Rückflug – ohne Reaktion. Immerhin hatten wir jetzt aber doch noch eine Mail mit der Umbuchungs-Bestätigung bekommen – auf Französisch!

Die sah nach wie vor den Weiterflug nach Paris vor – allerdings 12 Stunden später als ursprünglich vorgesehen. Möglicherweise würde uns das ja Argumente dafür liefern, den Flug in Frankfurt beenden zu können.

Aber immerhin hatten wir ja einen Flug und Sitzplätze und waren insofern gut dran. Immer wieder trafen wir in den kommenden Tagen Menschen, denen der Rückflug einfach storniert worden war, ohne dass sich irgend jemand um eine Alternative kümmerte. Die telefonischen Hotlines der Fluggesellschaften sind vom Ausland aus so gut wie gar nicht erreichbar, es wurde über Wartezeiten von zwei Stunden und mehr berichtet. Und auf Emails reagierte niemand.

Viel Lust zu Unternehmungen hatten wir mittlerweile auch nicht mehr – es war heiß und schwül und man fühlte sich nirgendwo mehr so richtig willkommen. Nur im „Be My Guest“, direkt neben dem Millennium, freute sich der kleine laotische Wirt jeden Abend, wenn wir in den Garten kamen. Sein Lokal war auch so ziemlich das einzige weit und breit, das immer noch  recht gut besucht war. Offenbar weil es ein Gartenlokal ist und die Tische reichlich Abstand zueinander haben.

Noch einmal genossen wir den Traumblick auf das nächtliche Bangkok von der Terrasse im 31. Stock.

Dann ging’s am 9. März am frühen Nachmittag mit Bangkok Air nach Yangon. Es kursierten zwar wilde Gerüchte über Schwierigkeiten bei der Einreise nach Myanmar – aber es waren eben nur Gerüchte und wir konnten nicht nur ohne Schwierigkeiten aus Thailand aus-, sondern auch in Myanmar einreisen. Allerdings wurde in Bangkok am Flughafen die Temperatur mit einem Stirn-Thermometer gemessen, und erstmalig wurden wir gefragt, woher wir kommen und wie lange wir jeweils an den entsprechenden Orten waren. Vorsichtshalber hatte ich die Bordkarten sämtlicher Flüge der letzten 2 Monaten griffbereit – die wollte jedoch keiner sehen, man glaubte uns auch so.

Yangon war wie eine Fata Morgana – zwar hielt man uns im Lotte Hotel ebenfalls ein Thermometer an die Stirn und auf dem Tisch des Garden Bistros, wo wir später zu Abend aßen, stand ein Fläschchen Desinfektionsmittel – aber ansonsten war alles herrlich normal!

Die Straßen um die Sule Pagode waren voll, kein Mensch hatte eine Maske auf – ganz normales pralles Leben! Nur der Verkehr war etwas geringer als im Vorjahr. Dafür sah man zahlreiche nagelneue Busse, die nichts mehr mit den klapprigen Rostlauben der Vergangenheit gemeinsam hatten.


Alles wirkte ziemlich gepflegt, auch die schönen Kolonialgebäude rings um die Sule Pagode schienen frisch gestrichen zu sein.



Im Mahabandoola Garden war eine Foto-Ausstellung zum Thema Klimawandel – großformatige Bilder zeigten, wo es schon 5 vor 12 ist, und das Interesse war erstaunlich groß.



Es wurde gekocht und gegessen wie immer.


Oder einfach nur herumspaziert. Es war – wie immer! Wie bisher immer. Wie – früher ….

Und wie früher kam die Nacht schnell, es wurde dunkel, wir wurden hungrig und steuerten das Garden Bistro am Kandawgyi See an. Klar – nicht unbedingt ein uriges original burmesisches Lokal, aber Lokalkolorit würden wir in den nächsten 10 Tagen am Ngapali Beach noch genug bekommen.

Heute wollten wir in erster Linie ein kühles Bier und ein leichtes, bekömmliches Essen,  beides gibt es im Garden Bistro in ausnehmend guter Qualität. Dazu der Blick auf den See – es war wirklich ein schöner entspannter Abend! Trotz Desinfektionsflasche auf dem Tisch 😉

Dass wir bei der Rückkehr ins Lotte Hotel akribisch überprüft wurden und uns wieder der Fiebermess-Prozedur unterziehen mussten, brachte uns allerdings rasch wieder auf den Boden der Realität zurück. Immerhin waren wir trotz einiger Myanmar Biere temperaturmäßig im grünen Bereich und durften unser Bett aufsuchen.

Am nächsten Morgen gab es das, was das Lotte Hotel zu einem der höchst bewerteten Hotels in Yangon macht – ein gigantisches Frühstücksbüffet! Hier gibt es schon am frühen Morgen wirklich so gut wie alles – sogar frisches Speiseeis mit diversen Soßen!

Unser Flug nach Thandwe ging erst kurz nach 11 Uhr, das Hotel liegt am Inya Lake, nur ca. 15 Minuten vom Flughafen entfernt – genug Zeit, um mal eben so (fast) alles durchzuprobieren. Und auch Zeit für wenigsten ein Foto vom Blick aus dem Fenster über den See.

Allzuviel trödeln durften wir allerdings nicht, denn wir hatten den Flug nach Thandwe kurzfristig um 3 Tage vorverlegt. Das hatte zwar online recht gut geklappt – nur mit der Bezahlung der 10$ Umbuchungsgebühr pro Person hatte es gehapert. Die sollten wir jetzt beim Einchecken bezahlen – wovon natürlich die Damen am Check-in nichts wussten. Der Computer wollte trotz all ihrer Bemühungen auch keine Bordkarte für uns ausspucken, auch den Ausdruck der Gepäckbanderolen verweigerte er.

Schließlich fanden die Ladys eine typisch burmesische Lösung – Handarbeit! Das Geld wurde bar kassiert, wir bekamen eine handgeschriebene Quittung, sorgfältig von Hand ausgefertigte Bordkarten und ebenso sorgfältig geschriebene Gepäckanhänger, die mit Bindfäden an den Koffergriffen befestigt wurden. Was früher völlig normal war, kam uns jetzt auf einmal ziemlich fragwürdig vor. Und ich ärgerte mich, dass ich nicht – wie sonst eigentlich immer – eine Notausstattung im Handgepäck hatte. Aber bei dem kurzen Flug hatte ich nicht mit Gepäckverlust gerechnet.

Der kleine Propeller-Flieger von Golden Myanmar Airlines war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Touristen aus dem Westen, die alle eine ziemlich sorglosen Eindruck machten. Als alle da waren, ging’s los – obwohl es noch weit vor der vorgesehenen Abflugszeit war!

Eine knappe Stunde später setzten wir auf der schmalen Landebahn direkt am Strand auf.

Ziemlich nervös beobachteten wir das Ausladen des Gepäcks, erst die nachdrückliche Aufforderung, jetzt endlich mal unsere Pässe zur Kontrolle vorzulegen, brachte uns von der Tür weg. Und natürlich ging alles glatt – beide Koffer waren angekommen!

Unsere Unterkunft war – wie im letzten Jahr – wieder die kleine Residence by Sandoway, und wieder ein Zimmer direkt am Strand. Der Tag endete auch wirklich verheißungsvoll – mit einem wunderbaren Sonnenuntergang und danach einem üppigen Essen mit frischem Fisch und reichlich Krustentieren.

Jetzt – so hofften wir – würde es zum Abschluss noch 10 entspannte Strandtage geben. Möglichst ohne weitere Hiobsbotschaften, sei es von der Virenfront oder von den Fluggesellschaften.

Leider sah die Realität schon bald ziemlich anders aus!

2 Kommentare zu “Z w i s c h e n h o c h

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