E r l e i c h t e r u n g

Freitag, 20. März 2020 

Jeden Morgen das Gleiche – aufwachen, Griff zum Handy und schauen, was der Flug macht.

Auf der Lufthansa-Seite war alles im grünen Bereich, nach wie vor waren wir gebucht auf den Swiss Flug LX181 am 25. März um 13:05 von Bangkok nach Zürich.
Mehr zufällig rief ich danach noch die Seite der Swiss auf – und bekam erneut fast einen Herzinfarkt! Da stand doch tatsächlich klar und deutlich

SWISS reduziert Flugbetrieb ab dem 23. März auf ein Minimum
Die zahlreichen neuen Einreisebeschränkungen sowohl in Europa als auch weltweit sowie wirtschaftliche Überlegungen machen es unumgänglich, dass SWISS den Flugbetrieb ab Anfang nächster Woche auf ein Minimum beschränken muss.
Ab Montag, 23. März bis Sonntag, 19. April, wird SWISS nur noch Newark (EWR) als einzige Langstreckendestination anfliegen, sowie ab Zürich hauptsächlich noch die acht folgenden europäische Städte bedienen: London (LHR), Amsterdam, Berlin, Hamburg, Brüssel, Dublin, Lissabon und Stockholm. Im Moment ist geplant, ab Genf weiterhin nach London (LHR), Athen, Lissabon und Porto zu fliegen. Ab Genf wird es vorerst keine Langstreckenflüge mehr geben.

Was war das denn??? Unser Flug sollte am 25. März gehen – und hier stand plötzlich, dass die Swiss ab dem 23. März keinen einzigen Langstreckenflug außer in die USA mehr durchführt !!!

Jetzt kam bei mir erstmals wirklich echte Panik auf! Zuerst schaute ich nach, ob sich in unserer Buchung was geändert hatte – da stand aber nach wie vor der Flug am 25.03. drin. Nach der bisherigen Umbuchungshistorie beruhigte mich das allerdings nur wenig.

Dann suchte ich bei Lufthansa, Thai Air und anderen Airlines nach Flügen nach Deutschland. Direktflüge gab es praktisch keine mehr, aber abenteuerliche Alternativen wurden angeboten – mit Zwischenlandungen in Japan oder Hongkong! Mal ganz davon abgesehen, dass es ein Heidengeld gekostet hätte, umzubuchen.

Versuche, bei der Hotline der Lufthansa-Group in Bangkok anzurufen, verliefen ergebnislos. Wir waren erst mal ziemlich ratlos, wollten jetzt aber mehr denn je so rasch wie möglich nach Hause.

Beim Frühstück beschlossen wir, es einfach mal direkt am Flughafen zu versuchen. Da die Swissair Flüge ja derzeit noch täglich um 13:05 gingen, sollten die Schalter wohl so gegen 10 Uhr geöffnet sein. Und im Check-in Bereich gibt es ja auch immer einen Service Schalter. Also setzten wir uns kurzentschlossen ins Taxi und fuhren zum Flughafen.

Unser Taxifahrer wollte uns unbedingt auch wieder zurück fahren, denn Fahrgäste sind derzeit Mangelware. Deshalb fuhren wir ins Parkhaus und mussten über die Fußgängerbrücke rüber zum Terminal. Dort war eine richtige Schleuse aufgebaut – Temperatur wurde gemessen und Krankenschwestern begutachteten jeden auf kritische Symptome. Nur wer okay war, bekam einen Aufkleber und durfte rein ins Terminal.

Beim Swissair Check-in war nicht viel los. Wir marschierten zum Businessschalter, zeigten unseren Ticketcode und die Website der Swiss mit der Info (auf Englisch) über die Flugeinstellungen auf dem Handy. Hier wusste man zwar noch nichts davon, war aber bereit, sich zu informieren. Ein paar Telefonate später leitete uns die Mitarbeiterin am Check-in zu einer Kollegin im Service-Bereich weiter. Und dort hatten wir das Wahnsinnsglück, dass wir an eine supernette und sehr kompetente ältere thailändische Mitarbeiterin gerieten.
Wir erklärten ihr, dass wir jeden Flug in den nächsten Tagen akzeptieren, der uns halbwegs nach Hause bringen würde, dass wir aber auf keinen Fall nach Frankreich einreisen wollten.

Als sie dann auch noch merkte, dass ich heute Geburtstag habe und ich ihr was von Herzproblemen und ausgehenden Medikamenten erzählte, hämmerte sie auf ihre Tastatur ein und schob uns nach einer Weile ein Stück Papier auf den Tresen. Darauf stand:

TG924, BKK-MUC, 23.03.2020, 00:50

Sie fragte „Would this be okay for you?“ Ich starrte fassungslos auf das Stück Papier – was sie uns da anbot, war wie ein 6er im Lotto und nie im Leben hätte ich das auch nur zu hoffen gewagt!

Ein Flug übermorgen, in der Nacht von Sonntag auf Montag, von Bangkok nach München!
Nonstop! Mit Thai Airways!

Wir würden am Montag, 23. März, morgens um 6 Uhr in München sein – und von dort sollte es wirklich kein Problem sein, nach Heidelberg zu kommen.

Eine so gewaltige Umbuchung von Strecke und Datum wäre selbst unter den derzeitigen Umständen eigentlich kaum möglich oder hätte uns mindestens einen enormen Aufpreis pro Person gekostet. Deshalb war meine erste Frage auch, was das denn kosten würde. Sie lächelte nur, zuckte die Schultern und sagte „Nothing“ . Ich hätte sie knutschen können, strahlte sie aber lieber nur an und sagte einfach nur „Thank you!!!!“ – mindestens 10 Mal …!!!

Allerdings weiß ich nicht, ob es so gut ausgegangen wäre, wenn wir nicht Businessclass geflogen wären. Die Economy war auf wirklich allen Flügen total dicht und sogar überbucht. Am Schalter neben uns stand eine lange Schlange von Eco-Passagieren, die ebenfalls umbuchen oder überhaupt einen Rückflug haben wollten, denen wurden teils abenteuerliche Routen über Hongkong und London angeboten. Und die Preise, die dabei genannt wurden, waren extrem! Und obwohl wir ein sehr günstiges Ticket hatten, war hier letztlich die Buchungsklasse  entscheidend.

Wir waren jedenfalls einfach nur glücklich! Wanderten zurück ins Parkhaus, wo unser Taxifahrer wartete – der natürlich ein richtig fettes Trinkgeld bekam. Denn in den kommenden Tagen und Wochen würde sein Geschäft vermutlich extrem zurück gehen, wenn die ganzen angekündigten Ausgangs- und Reisebeschränkungen greifen.

Zurück im Hotel gab es erst mal ein Ruhestündchen am Pool und dann ein bisschen Geburtstagskuchen.

Anschließend noch ein kleiner Gang um die Häuser – zuerst über den Fluss und dann einmal um’s Quadrat. Rings um das alte Sheraton hatte sich in den letzten Jahren eine Menge verändert. Lagerhäuser wurden zu angesagten Restaurants und schicken Läden – nur derzeit leider alles mehr oder weniger zu.

Vorbei an einem malerisch verwitternden Wandbild ging es zurück.

Mit der kleinen Fähre über den Fluss und kurz in den engen kleinen Khlong San Markt. Dort gab es an mehreren Verkaufsständen Gesichtsmasken aus Stoff. Und davon wanderte ein Dutzend in meine Tasche. Man weiß ja nie – zwar trägt in Deutschland derzeit noch kein Mensch eine Maske, aber wer weiß, was noch alles kommt.

Immer wieder schaute ich auf dem Handy nach, ob das Wunder wirklich Bestand hatte und unser Flug nach München nicht auch wieder geändert wurde. Aber zumindest bis zum Abend war nichts Ungutes erkennbar –  ich konnte uns sogar schon mal Sitzplätze reservieren! Weil wir gerne beieinander sitzen und es in den Fensterreichen jeweils nur einen Sitz gibt, nahm ich zwei Mittelsitze – bei einem Nachtflug spielt die Aussicht sowieso keine Rolle.

Alles in allem – ein Geburtstag, den ich vermutlich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Und der wunderbar und ganz entspannt mit Cocktails und Tapas auf der Dachterrasse hoch über dem Fluss endete.

3 Kommentare zu “E r l e i c h t e r u n g

  1. Nochmals ein herzliches Dankeschön für Deinen Fortsetzungsbericht dieser tollen Reise. Man lebt jeden Reisetag mit, Eure sichere Heimkehr hat mich sehr erleichtert. Wünsche Euch ein gesundes und zufriedenes Jahr 2020 ich bin sicher ihr werdet auch in Deutschland schöne Reisen unternehmen. Auch wir werden nun halt früher als geplant die kommenden Reisen in der Schweiz verbringen, war eigentlich für viel später geplant gewesen, wenn Fernreisen zu anstrengend würden. Wir machen das Beste daraus.
    Alles Gute Euch beiden und liebe Grüsse aus der Schweiz 🙂
    Iris

  2. Auch von mir ein nachträgliches Happy Birthday! 
    Ein aufregender Tag mit einem Happy End  🙂

  3. Happy Birthday nachträglich!
    Was für eine Tour – und was für ein Glück, trotz allem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: