08.08. – Sommertag in den Schären

Beim Einchecken wurden wir gewarnt – das Hotel sei komplett ausgebucht und beim Frühstück könnte es Wartezeiten geben. Vor allem zwischen 9 -11 Uhr könne es sehr voll werden. Wir sollten also besser so früh wie möglich kommen.

Na gut – aber deshalb mitten in der Nacht aufstehen? Wir ließen es drauf ankommen und schliefen erst mal aus.  Erst kurz vor 10 Uhr marschierten wir runter – und es war tatsächlich recht voll, aber Schlangen gab es keine. Nur leider auch keine Plätze auf der Terrasse mehr, so dass wir uns einen Tisch im Inneren suchen mussten.

Hier ist vieles anders als derzeit in Deutschland. Es werden keine Tische vom Personal zugewiesen, niemand trägt Maske. Man achtet zwar halbwegs auf Abstand, und wenn mehr als 2 Personen im Aufzug sind, steigt keiner mehr ein. Dennoch manchmal ein seltsames Gefühl – erstaunlich, wie schnell man sich an all die Sicherheitsmaßnahmen gewöhnt hat! Es gab bereits wieder ein – allerdings abgespecktes – Büffet, das zwar nicht schlecht ist, aber Welten von dem üppigen Angebot vor 2 Jahren entfernt.

Hier sah es jedenfalls so aus:

Heute wollten wir eine Bootsfahrt durch die Schären machen, mit einem kleinen alten Boot, der Øya. Die Fahrten finden täglich statt – allerdings nur bis zum 9. August! Ursprünglich wollten wir ja an diesem Tag überhaupt erst abends in Norwegen ankommen, aber nachdem Dieter unbedingt die Blindleia Fahrt machen wollte, buchten wir kurzentschlossen Fähre und Hotel um und brachen zwei Tage früher als geplant auf.

Um 14 Uhr sollte die Bootsfahrt losgehen, es wurde dringend empfohlen, mindestens 30 Minuten vor der Abfahrt am Pier 6 zu sein – auch wenn man, wie wir, vor-reserviert hatte. Zunächst mal mussten wir den Pier aber überhaupt finden – gestern Abend hatten wir ihn vergeblich gesucht! Mittlerweile hatten wir aber dank Google Streetview eine konkrete Vorstellung davon, wo er sein könnte.

Zwar ist Kristiansand dank seiner rechtwinklig angelegten Straßen eigentlich sehr übersichtlich, aber im Hafenbereich wird derzeit heftig gebaut und man findet nicht immer alles auf Anhieb.

Mit reichlich Zeit im Gepäck brachen wir auf. Schlenderten immer am Wasser entlang, vorbei an der alten Rundfestung Christiansholm.

Vorbei an „urban gardening“ – öffentliche Beete mit einer Fülle von Kräutern und Gemüse.
Vorbei an den Wasserspielen im weitläufigen Park um den Yachthafen.

Vorbei an zwei riesigen Sandskulpturen, die beim nächsten Regen verschwinden werden.

Schließlich waren wir am alten Fischereihafen, wo es zwar noch immer einen großen Fischmarkt gibt, aber ansonsten nur mehr oder weniger schicke Kneipen und Restaurants.

Es herrschte reges Treiben – kleine Boote fuhren im Sekundentakt in den kleinen Hafen ein, es wurde getankt, geparkt – und eingekauft für’s Wochenende im Ferienhaus auf einer der unzähligen Schären-Inselchen.

Kaufen konnten wir zwar nichts, aber die Köstlichkeiten im Fischmarkt mussten wir zumindest anschauen.

Beim Herumtrödeln verging die Zeit schnell, wir mussten langsam Richtung Pier 6. Am richtigen Fischereihafen entlang, vorbei an einer großen Kunstinstallation, gings zum Industriehafen.

Dort sahen wir zwar einen Schuppen mit der Aufschrift „6“ – aber der befand sich in hermetisch eingezäuntem Gelände. Wir schlichen am Zaun entlang – und da hing plötzlich ein Schild „Sightseeing baten“ mit einem Pfeil. Dem folgten wir einfach, wurden um den Zaun herum dirigiert und kamen tatsächlich zum Pier 6!

Zwar war es erst 13 Uhr, aber da kam die Øya in flottem Tempo bereits um die Ecke und legte an. Sie war ziemlich voll besetzt, allerdings stiegen die Passagiere alle aus.

So nach und nach füllte sich der Kai, wir durften an Bord und Punkt 14 Uhr wurde abgelegt. Bezahlt wurden die Tickets übrigens an Bord – natürlich mit Kreditkarte, denn Norwegen ist weitgehend Bargeld-frei! Einen Seniorenrabatt bekamen wir auch noch, in Norwegen ist man da sehr großzügig!

Der Kapitän legte gleich zwei kleine Schlenker ein – einmal, damit wir den prächtigen Windjammer in voller Größe sehen konnten …

Den zweiten, damit wir ein gestrandetes Kreuzfahrtschiff sehen konnten. Wegen Corona liegt es hier seit Monaten fest.

Von mir aus könnte das auch so bleiben – wir freuen uns jetzt schon auf Stavanger, Bergen, den Geirangerfjord und andere schöne Ecken OHNE diese quer gelegten Hochhäuser!

Es ging um die Insel Odderøya herum, durch mehrere Brücken mit Kristiansand verbunden, vorbei an dem idyllisch gelegenen kleinen Leuchtturm.

In den Felsen oberhalb des Leuchtturms kraxelten etliche Kletterer herum!

Es ging hinaus auf’s Meer, nur ein kleines Stück – dann bog der Kapitän wieder Richtung Küste ab und die Fahrt durch den Schärengarten begann. Auf der nachstehenden Karte kann man die Route gut sehen, die weiß gepunktete (weitgehend identisch mit der roten) zeigt unsere Fahrt von Kristiansand bis Lillesand. Ab der Insel Ulvøya verläuft die Fahrt in der Blindleia, einer ca. 20 km langenBinnenwasserstraße, bis Lillesand.

Viel zu erklären gibt es nicht – wir waren beschäftigt mit Schauen und Staunen! Winzige Inselchen, auf vielen klebt irgendwo ein Häuschen, dazwischen schmale Kanäle, oft mit wenig Wasser unterm Kiel.

Auf dem Wasser herrschte reger Verkehr – und auf vielen Booten lag die Besatzung entspannt in der Sonne!

Gelegentlich wiesen kleine Leuchtfeuer oder andere Signale den Weg, meist musste der Kapitän die Route aber selbst finden.

Mal war es so eng, dass kaum zwei Boote aneinander vorbei kamen, mal gab es reichlich Platz. Schmale Kanäle wechselten mit breiten Flächen, fast wie Seen, ab.

Alle an Bord waren begeistert von den schnuckeligen Häuschen, meist tiefrot, oft aber auch schneeweiß.

An einem so tollen Sommertag wäre es echt toll, hier zu wohnen!

Ohne Boot geht hier allerdings gar nichts – Straßen gibt es kaum.

Die kleinen Inselchen bestehen praktisch nur aus Fels, trotzdem gibt es reichlich Bäume und das Heidekraut blüht üppig!

Unterwegs wurden ein paar Mal Leute von Bord gelassen oder an Bord genommen – mal in einer einsamen Bucht, mal in Brekkestø, einem idlyllischen kleinen Fischerdorf, in dem einiges los war.


Jede Ecke war noch schöner als die davor – die Fahrt hätte noch ewig weiter gehen können, so viel gab’s zu sehen! Aber kurz nach 17 Uhr ist unsere Fahrt zu Ende, wir erreichen Lillesand.


Viel Zeit zum Bummeln bleibt uns nicht, wir müssen zum Bus, um zurück nach Kristiansand zu kommen. Der sollte um 18:04 von einer Haltestelle etwas außerhalb des Ortes abfahren. Die war schnell gefunden – nur, der Bus kam nicht! Die elektronische Anzeige hüpfte immer weiter nach vorne , schließlich hieß es, der Bus komme um 18:23. Ein paar Minuten danach war er dann endlich da und brachte uns nach Kristiansand. Gezahlt wird hier übrigens an Bord, mit Visacard!

In Kristiansand angekommen wurde als erstes das Auto aus der (teuren!) Tiefgarage geholt und am Straßenrand geparkt. Heute ist Samstag – und da ist das Parken auf der Straße ab 17 Uhr bis Montag 8 Uhr kostenfrei! An den übrigen Tagen darf man für 31 NOK/Stunde von 8-19 Uhr nur maximal 3 Stunden am Straßenrand stehen, nur nachts kostet es nichts!

Und dann ging’s wieder in die Stadt – schließlich hatten wir ziemlichen Hunger und einen Riesendurst! Auf dem Platz vor dem Dom wurden wir fündig – und da gab es nicht nur was zu essen und zu trinken, sondern auch eine Band, die sensationelle Samba-Musik spielte! Zahlreiche Paare ließen sich mitreißen und schwangen das Tanzbein.


Wir verzichteten, machten uns zur blauen Stunde (immerhin schon 22 Uhr!) auf den Heimweg, immer am Wasser entlang, wo es die letzen magischen Momente eines wunderbaren Tages gab.

Und hier die Fahrt durch die Schären im Video:

2 Kommentare zu “08.08. – Sommertag in den Schären

  1. Traumhaft, euer Bootsausflug und dieser Tag überhaupt.

    Die Norweger sind zu beneiden – so ein ochsenblutrotes Häuschen auf einer Schäre, umgeben von glasklarem Wasser, das kommt meiner Vorstellung vom Paradies ziemlich nahe 🙂

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