10. August – Felsenwunderland: Kristiansand bis Stavanger

Nochmal ein üppiges Frühstück auf der Terrasse in der Sonne – wir sind mehr als froh, dass wir wieder im Scandic Bystranda übernachtet haben! Zum einen ist die Lage absolut top, zum anderen sind in diesen Zeiten alle Mahlzeiten, die man nicht in geschlossenen Räumen einnehmen muss, ein Bonus.

Zwar gibt es seit 2 Tagen keine Neuinfektionen in Norwegen, aber in den Tagen davor waren die Zahlen doch etwas irritierend.

Heute geht’s weiter, nach Stavanger. Eigentlich eine relativ kurze Strecke – wenn man einfach über die E19 fährt.

Aber dann entgeht einem eine ganze Menge!!! Stattdessen erleben wir heute in einem an tollen Landschaftsrouten nicht gerade armen Land ein absolutes Strecken-Highlight nach dem anderen!

Weil man für Umwege und Abstecher Zeit braucht, sind wir – für unsere Verhältnisse – schon ziemlich früh auf den Hufen: Um 9:58 fahren wir vom Parkplatz an der Straße los. Das weiß ich deshalb so genau, weil wir zum Parken die App „EasyPark“ benutzen – ein geniales Tool! Gestern wussten wir natürlich noch nicht so ganz genau, wann es losgehen sollte – vorsichtshalber hatte ich die Parkzeit in der App deshalb auf 10:30 eingestellt. Da wir früher losfuhren, wurde der Parkvorgang in der App gestoppt und wir müssen nur genau die Zeit bezahlen, die wir auch wirklich geparkt hatten! Abgerechnet wird per hinterlegter Kreditkarte oder Paypal, nach jedem Parken bekommt man eine Mail mit allen Details!

Zunächst geht es auf der E39 bis Lyngdal. Wer jetzt bei dem Begriff „Europastraße“ so was wie eine Autobahn assoziiert, liegt total daneben. Bei uns wäre das allenfalls eine Landstraße, die zudem durch permanente Geschwindigkeitsbegrenzungen das Fahrtempo auf durchschnittlich 60km/h drückt.

Reisen mit dem Auto in Norwegen erfordert vor allem eines: Geduld! Immer wieder Baustellen, immer wieder wird man bis auf 30 km/h abgebremst. Aber immerhin alles vor einer grandiosen Landschaftskulisse!

Man fährt vorbei an Seen, die still in der Sonne träumen …


Mal kurz anhalten, weil sich ein Hügel einfach sooo toll im Wasser spiegelt!

Oder weil Wasser, rote Holzhäuser und felsige Hügel ein tolles Bild abgeben.


In Lyngdal entscheiden wir uns spontan für einen Abstecher zum Leuchtturm Lysta Fyr. Durch ruhiges Bauernland gondeln wir Richtung Küste zum Leuchtturm. Der ragt hoch empor aus Butterblumen-Wiesen voller Norwegen-Flaggen. 2000 sollen es sein – eine Kunstinstallation …


Die Umgebung ist eher schroff, keine netten Sandstrände, sondern felsige Küste.

Erstaunliche Tiere gibt es hier auch – Lamas oder Alpakas grasen auf den mageren Salzwiesen.

Noch ein kurzer Abstecher …
… dann geht’s weiter. Das Navi will uns auf dem Weg, den wir gekommen sind, zurück lotsen zur E39. Meine Papier-Straßenkarte zeigt aber einen erheblich verlockenderen Weg – links an der Westküste der Halbinsel entlang.
Google Maps weigert sich schlicht, den Weg zu akzeptieren – also muss ein akzeptables Zwischenziel gesucht werden. Tomstad wird schließlich angenommen, und wir fahren los. Zunächst landschaftlich schön, aber eher unspektakulär. Nur in der Ferne bahnt sich was an – da tauchen plötzlich felsige Berghänge auf!


Dann ein See – oder ein Fjord? Wer weiß das schon …


Kaum sind wir an den Häusern vorbei, wird die Straße plötzlich zur Lehm- und Schotterpiste und windet sich einen baumbestandenen Abhang hoch.


Allerdings ist sie wirklich gut in Schuss, man kann sie gut und gefahrlos befahren, zumindest, wenn es trocken ist. Dann öffnet sich der Blick – und jetzt müssen wir einfach anhalten!


Das Panorama ist überwältigend – noch ahnen wir nicht, dass wir noch etliche weitere Highlights erleben werden! Einfach da stehen und staunen! Dann geht’s weiter, den Berg wieder runter, vorbei an einsamen kleinen Höfen.


Schließlich landen wir zuerst wieder auf einer Teerstraße, dann auf der E39 und schließlich in Flekkefjord.  Dort wollten wir eigentlich nur durch fahren – aber eine Toilettenpause ist nie verkehrt. An der Tourist Information gibt es die entsprechenden Einrichtungen, der Ruderer bewacht den Parkplatz.

Auch hier wird wieder mit der EasyPark App geparkt – die meisten Parkplätze in Norwegen sind an dieses System angeschlossen. Parkzeit eingeben – vorsichtshalber mal 30 Minuten – allerdings fahren wir schon nach 15 Minuten wieder ab, also Parkzeit stoppen und nur 15 Minuten bezahlen.

Jetzt wird es immer bergiger und felsiger. Die Straße klettert gemächlich höher.

Wir überqueren Flüsse auf schmalen Brücken.

Und müssen gleich wieder anhalten – tiefblaues Wasser vor felsiger Kulisse.

Am Jøssingfjord schraubt sich die Straße in unzähligen Spitzkehren in die Höhe, bis man oben auf einer felsigen Plattform ankommt und einen grandiosen Blick genießt. Der Jøssingfjord ist bekannt wegen des Altmark-Zwischenfalls vom 16. Februar 1940.

Damals wurde ein deutsches Versorgungsschiff von einem britischen Kriegsschiff geentert und britische Kriegsgefangene befreit, ohne dass die Norweger eingriffen. Dieser Zwischenfall wurde von deutscher Seite möglicherweise als Vorwand benutzt, Norwegen anzugreifen, weil dieses damit seine Neutralität verloren hatte. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Bezeichnung «Jøssing» für antinazistische Norweger verwendet – allerdings (leider) eher als Schimpfwort.

Heute ist das glücklicherweise alles lange vorbei, und wir können den  Aufenthalt hier unbeschwert genießen.


Von unserem felsigen Ausguck sehen wir tief unten die Straße, die wir vor wenigen Minuten noch gefahren waren.
Dann geht es allmählich wieder runter, auch hier wieder mit unzähligen Kurven. Wem es im Auto leicht übel wird, sollte diese Strecke vielleicht lieber nicht fahren …

Und schon wartet wieder ein Traumblick auf uns …

Das war’s dann aber so langsam – noch ein paar letzte Felsen …

… noch mal ein kleiner Abstecher zu einem kleinen Leuchtfeuer …
Dann kommen nur noch unspektakuläre flache Landstriche, Wiesen und Felder.

Vor Stavanger geraten wir in den Feierabendverkehr, gepaart mit einer größeren Baustelle – Staus gibt es auch hier! Aber nach rund 5 Minuten (und dank eines Umgehungsvorschlags des Navis!) sind wir durch und kommen in Stavanger an.

Von unserem Hotel – das Thon Hotel Stavanger, überall hoch gelobt – sind wir zunächst etwas enttäuscht. Die Rezeption ist nicht besetzt, auch nach längerem Warten, nach lautem Rufen, kommt niemand. Wir haben keine Ahnung wo wir parken können/sollen, auf der Straße ist es hier strikt verboten. Schließlich fahren wir in ein nahe gelegenes Parkhaus und gehen zurück zum Hotel. Die mittlerweile wieder anwesende Rezeptionistin ist zerknirscht, entschuldigt sich 1000 Mal, wir bekommen ein kleines Geschenk und können endlich einchecken.

Das Zimmer ist geräumig und gemütlich – aber draußen scheint die Sonne, es lockt der Hafen, ein kühles Bier ist jetzt auch angesagt. An den bunten Häusern der Hafenfront entlang umrunden wir das Hafenbecken.


Bekommen – mit wirklich viel Glück! Überall ist es rappelvoll! – einen Tisch in einem Biergarten und haben wenig später nicht nur zwei große eiskalte Pils vor uns stehen, sondern kurz darauf  auch noch zwei Burger, von der leckeren Sorte, direkt vom Holzkohlengrill.


Bestellt und bezahlt wird hier übrigens weitgehend kontaktlos, via QR-Code und Paywave – an beides müssen wir uns allerdings erst mal gewöhnen. Die Kellnerin offenbar ebenfalls, sie nimmt die Bestellung einfach per Zuruf auf und kommt später mit dem tragbaren Kartenleser zum Tisch.

Dann noch ein kleiner Abendspaziergang – selbst gegen 22 Uhr ist es noch hell.



Das Felsenwunderland im Video:


Das war die heutige Strecke:

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