15.August – Aussichtsreich! Von Bergen nach Balestrand

Nichts mehr trüb heute morgen – zwar noch einige Wolken, aber es sieht doch sehr nach Sommerwetter aus! Und wir sind schon ziemlich früh unterwegs, denn heute steht uns ein langer Tag bevor!

Bzw. eine lange Fahrt, mit einigen Abstechern, für die wir uns Zeit nehmen wollen.

Es herrscht noch so was wie blaue Stunde, als wir aufbrechen – und es ist noch recht kühl. Das bleibt allerdings nicht lange so.

Noch hängt der Frühdunst in den Tälern.

Aber die Wolken lichten sich, Wolken und Sonne zaubern tolle Bilder ins stille Wasser von Seen und Fjorden.



Und schon kommt der erste Stopp – ein Wasserfall! Der Tvindefossen liegt praktischerweise direkt an der Straße, so dass kein großer Umweg nötig ist.


Er rauscht in vielen Kaskaden fast über eine Art Treppe und normalerweise drängen sich hier hunderte von Touristen, vor allem Kreuzschiffpassagiere, denn der Fall liegt auf dem Weg nach Flåm – und das gehört zum Standard-Ausflugsprogramm.

Es geht weiter, vorbei an immer neuen spiegelglatten Seen.


Durch breite Täler, wo die Gräser schon herbstliche Farben zeigen.

Schließlich kommt der Aufstieg nach Stalheim – kein wirklicher Ort, sondern lediglich ein einsames Hotel, das ziemlich verlassen und leicht herunter gekommen wirkt


Das ist allerdings nicht unser Ziel, sondern die legendäre Stahlheimkleiva – eine steile, enge Straße, die in aberwitzigen Haarnadelkurven ins Tal hinab führt. Vor zwei Jahren sind wir die Strecke einmal im Rahmen einer Tour gefahren.

Und ein zweites Mal 2 Tage später im strömenden Regen.
Heue sollte es also das dritte Mal werden – in der Sonne! Nur – das ging leider nicht, die Straße ist wegen eines Erdrutsches gesperrt!

Hätte man ja auch unten anschreiben können, statt die Autofahrer alle hoch fahren und dann umdrehen zu lassen! Aber egal – wir fahren eben anders rum nach Gudvangen. Notgedrungen durch den Tunnel …

Gudvangen ist ebenfalls im Grunde kein Ort, sondern lediglich ein Fähranleger. Außerdem gibt es hier zwei Hotels, eine Ferienhüttensiedlung und ein großes Ausflugsrestaurant. Normalerweise herrscht hier Trubel, Hunderte Touristen kommen mit dem Bus an, nehmen ein Ausflugsboot oder umgekehrt. Heute ist allerdings absolut nichts los.

In der Ferne entschwindet gerade ein Ausflugsboot, ausgelegt für mehr als 400 Passagiere – heute sind vielleicht 40 an Bord.


Man kann hier nett – allerdings etwas beengt – in Zimmern mit großen Oberlichtern übernachten und den nächtlichen Sternenhimmel vom Bett aus bestaunen.

Kurze Zeit (und einen Tunnel) später sind wir in Flåm – ein echter Touristenmagnet und normalerweise brechend voll. Mindestens ein, oft auch zwei Kreuzfahrtschiffe liegen hier zu normalen Zeiten am Pier und erschlagen den kleinen Ort förmlich.

Heute nichts dergleichen. Der kleine Ort wirkt wie ausgestorben.
Hunderte von Menschen stauen und drängeln sich normalerweise vor der Flåmbahn. Heute sind es nur ein paar Dutzend. Und der Zugbegleiter schaut entsprechend skeptisch drein – der Zug wird garantiert nicht voll! Weiter geht’s, Richtung Aurlandsvangen. Und dort in engen Serpentinen auf einspuriger Straße den Berg hoch.Bis Stegastein – eine Aussichtsplattform, die hoch oben über dem Aurlandsfjord weit hinaus ragt. Die Aussicht ist gigantisch! Ein Panorama, von dem man sich nur schwer wieder losreißt.Wir sind dermaßen hingerissen, dass wir einen dummen Fehler bei der Weiterfahrt machen. Statt nämlich einfach auf der Straße 243 weiter über die Hochebene Richtung Lærdal zu fahren, drehen wir um und fahren wieder den Berg runter. Hier werden wir zwar nochmal mit schönen Aussichten belohnt …… müssen aber wenig später in den Tunnel. Und zwar nicht in irgendeinen, sondern in den längsten Straßentunnel der Welt! 24,5km lang ist der Lærdaltunnel. Damit die Autofahrer in der Dunkelheit nicht einschlafen, gibt es alle 5 km eine gigantische Lichtershow

Kaum wieder draußen, kommen wir ans Wasser. Die Fähre entschwindet leider gerade, aber die nächste legt schon nach 15 Minuten an und nimmt uns mit. Wir können – dank unseres Autopass-Transponders – einfach rauf und runter fahren, bekommen innerhalb weniger Stunden eine Mail mit der Abrechnung  und sparen noch jedes Mal rund 50% der Fährkosten. Die Gebühren werden automatisch von dem Guthaben auf unserem Autopass-Konto abgebucht.

Das Konto muss zu Beginn einmalig mit ca. 300€ aufgeladen werden, den nicht verbrauchten Rest bekommt man jedoch zurück, wenn man den Transponder zurück gibt. Das werden wir am Ende unserer Reise auch tun. Auf der anderen Seite angekommen, machen wir einen Abstecher nach Kaupanger. Hier steht eine wunderschöne Stabkirche..

Anschließend geht’s über eine Brücke nach Sogndal.

Und dann immer am gleichnamigen Fjord entlang, bis zu nächsten Fähre. Die Überfahrt von Hella nach Dragsvik dauert nur wenige Minuten.

Jetzt sind es nur noch ein paar Autominuten bis zu unserem heutigen Ziel – Balestrand. Der Ort ist winzig, nur ca. 800 Einwohner, und vor allem deshalb bekannt, weil Kaiser Wilhelm II. Anfang des letzten Jahrhunderts hier gerne seine Ferien verbrachte. 25 Jahre lang war der Kaiser Sommer für Sommer mit seiner Yacht „Hohenzollern“ unterwegs in den norwegischen Fjorden. Besonders angetan war er von Balestrand, das mit seinen Holzvillen im Schweizer Stil – größtenteils von deutschen erbaut  – noch heute ein bisschen den Charme der Belle Epoque verströmt.

Wir kommen mit dem Auto an, die letzten Kilometer sind wunderschön. Schneebedeckte Berge in der Ferne, saftig grüne Wiesen am Straßenrand, tiefblauer Fjord.



Im Midtnes Hotel waren wir bereits vor zwei Jahren und nicht besonders begeistert gewesen. Mangels Alternativen – es gibt ansonsten nur noch das sündhaft teure Kviknes Hotel – mussten wir aber wieder mit dem Midtnes vorlieb nehmen.

Das Midtnes Hotel ist ein bisschen aus der Zeit gefallen – es gibt im Haupthaus eine Flucht von Räumen, alle im Stil der 1920er Jahre möbliert, die den Gästen zur Verfügung stehen. Wer es gerne nostalgisch hat, wird hier garantiert glücklich!

Die Zimmer waren allerdings ziemlich herunter gekommen und abgewohnt. Immerhin wussten wir dieses Mal, was uns erwartet. Allerdings werden wir heute angenehm überrascht. Ein kurzes, nettes Gespräch mit dem älteren Herrn an der Rezeption, der perfekt Deutsch spricht (und noch eine ganze Menge anderer Fremdsprachen beherrscht!) und wir bekommen ein frisch renoviertes Zimmer im obersten Stockwerk mit einer begnadeten Aussicht!


Die genießen wir allerdings nicht sehr lange, sondern machen uns auf ins Dorf, auf der Suche nach etwas essbarem. Denn wegen Corona hat das Hotelrestaurant geschlossen. Direkt unterhalb des Hotels steht die St. Olaf Kirche, die einer Stabkirche nachempfunden ist.


Nur wenige Schritte weiter steht das Kviknes Hotel, eines der größten und schönsten Holzbauten des Landes – nur leider gibt es dahinter einen riesigen und absolut scheußlichen, an Plattenbauten erinnernden, Anbau. Von vorne sieht man das Monstrum zum Glück nicht.Unsere Suche nach einem halbwegs akzeptablen Lokal endet ziemlich ernüchternd. Das sehr gute kleine Cafe Fløyfisken im Aquarium, wo man wunderschön am Wasser sitzen kann, ist ebenso geschlossen wie Gekkens Restaurant & Café, in dem wir vor zwei Jahen sehr gut gegessen hatten. Corona ….

Übrig bleiben genau drei Alternativen – das Restaurant im Kviknes Hotel, das uns schlicht zu teuer ist (die deutlich erschwinglichere Bar mit einfachen Gerichten ist wegen einer Hochzeit mit Hotelgästen überfüllt), ein Schnellimbiss und das Ipi Marina. In letzterem landeten wir – und über das Essen muss man kein Wort verlieren. Immerhin ist das Bier dort gut und unerwartet günstig.

Gemütlich heim schlendern und ein letzter Blick auf den Sogneford im Abendlicht.

Die heutige Strecke:

2 Kommentare zu “15.August – Aussichtsreich! Von Bergen nach Balestrand

  1. Wieder eine tolle Tour. Da wir auch nur mit PW unterwegs sind, bin ich sehr froh über die Hotel Infos. Bei meinen Recherchen für unsere Tour bin ich oftmals genau an diesen Hürden, der mangelnden Unterkünfte gescheitert. Es gäbe ja auch die kleinen Hütten auf den Campingplätzen oder B&B aber vermutlich haben die jetzt alle geschlossen, mangels Touristen.
    Vielen Dank wieder einmal für die super Berichterstattung ich geniesse die Tour sehr. Schöne Weiterfahrt Euch beiden. Liebe Grüsse

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