20. August – Über 7 Brücken: Ålesund bis Molde

Die Atlantikstraße (Atlanterhavsvegen) steht heute auf dem Programm, auch Straße des Meeres genannt und eine der schönsten Straßen der Welt.

Dabei ist sie – leider – recht kurz, nur knapp 9 km lang schlängelt sie sich an der Westküste Norwegens von Insel zu Insel.

Sieben Brücken – mal hoch geschwungen, mal eher ein Damm – verbinden eine Kette kleiner und kleinster Inselchen, Holmen und Schären. Und die Fahrt über’s Wasser ist unvergleichlich schön!

Schön ist allerdings auch der allererste Morgenblick aus dem Fenster – blauer Himmel, blaues Meer, knallroter Leuchtturm (in dem man übrigens übernachten kann!) Der Tag verspricht, schön zu werden – beste Voraussetzungen also für eine Fahrt am Meer entlang.

Bevor es auf die Piste geht, schauen wir nochmal kurz nach den alten Segelbooten im Museumshafen direkt neben unserem Hotel. Und nach dem kurzen dicken roten Leuchtturm, vor dem vor wenigen Minuten zwei Frauen in der Sonne gefrühstückt hatten. Jetzt steht dort nur noch der kleine Wagen mit der roten Abdeckplane, in dem ihr Frühstück angeliefert worden war.
Vor der Abfahrt wird noch per EasyPark-App die vorsorglich etwas üppig bemessene eingegebene Parkzeit verkürzt, so zahlen wir wirklich nur genau die Zeit, die wir auch geparkt haben. Wirklich praktisch, so ne App!

Da man sie mittlerweile auch in vielen Orten in Deutschland nutzen kann, können wir unsere Sammlung von Parkuhr-Groschen im Auto künftig wohl entsorgen. Denn bezahlt wird ganz einfach über die hinterlegte Kreditkarte oder Paypal.

Es geht raus aus dem sonnigen Ålesund – und rein in den Nebel! Ob Hochnebel oder einfach sehr tief hängende Wolken, ist nicht so richtig klar. Es sieht jedenfalls irgendwie mystisch aus. Auch auf der Fähre über den Romsdalsfjord von Vestnes nach Molde hängt der Himmel noch tief – aber in der Ferne kann man bereits sehen, dass sonnige Zeiten auf uns zukommen!Als wir nach Molde einfahren, können wir einen ersten Blick auf unser Hotel für die nächsten zwei Nächte werfen – das Scandic Seilet. Das Hotel ist ein architektonisches Kleinod, sieht von der Seite aus wie ein Segel, mit Wahnsinns-Aussichten über den Fjord und die Romsdalsalpen. Zunächst lassen wir das Hotel aber links liegen und fahren gleich weiter, Richtung Sonne und Atlantik. Kaum haben wir die Küste erreicht, tauchen die ersten kleinen Schären auf.Im malerischen Fischerdörfchen Bud legen wir einen Stopp ein. Heute leben hier noch nicht mal 800 Menschen, im 16. und 17. Jh. war es jedoch der größte Handelsplatz zwischen Bergen und Trondheim. Jetzt ist es nur noch Idylle pur … Viel mehr ausser den roten Fischerhäuschen und einer schneeweißen Kirche auf dem Hügel gibt es allerdings nicht zu sehen. Der kleine Ort döst in der Sonne vor sich hin. Über immer einsamer werdende Sträßchen fahren wir die Küste hoch. Winzige Schären, Holme, oder wie auch immer man sie nennt, säumen die Küste.Ein üppig geschmücktes Boot neben einem ebenso üppig dekorierten Wartehäuschen zwingt uns förmlich zu einem Stopp. Seit unserem letzten Halt hier vor zwei Jahren ist noch einiges an Deko hinzugekommen! Und dann beginnt die Atlantikstraße, die quasi mitten durchs Meer verläuft. An schönen Tagen wie heute ein Traum, bei stürmischem Wetter, wenn die Wellen zum Teil sogar über die Straßen schwappen, bestimmt sehr aufregend. Uns ist der Traumteil allerdings lieber! Sieben Brücken stellen die Verbindung zwischen den winzigen Inseln her, manche kühn geschwungen, damit auch größere Schiffe drunter durch können, manche scheinen nur Zentimeter von der Wasseroberfläche entfernt. Immer wieder gibt es Parkplätze, wo man anhalten, und Fußwege, auf denen man einen Teil der Schärenwelt zu Fuß erkunden kann und Straße und Brücken gut sieht. Immer wieder trifft man hier auf Angler.
Am Besucherzentrum kann man sich über den Bau der Straße informieren, auf einem Plakat sieht man den fantastischen Verlauf der Straße mitten durchs Meer.

Und direkt um die Ecke liegt eine gigantische bunte Königskrabbe!

Was auf den ersten Blick einfach wie ein tolles Kunstwerk aussieht, hat einen eher traurigen Hintergrund – das Baumaterial des von Kindern gebastelten Werkes ist nämlich Plastikmüll, den sie aus dem Meer gefischt haben.

Obwohl Norwegen sich sehr umweltbewusst gibt und Elektroautos hier schon fast an der Tagesordnung sind, sehen wir auch hierzulande erschreckend oft Abfälle in der Landschaft. Allerdings sind die aus dem Meer wohl nicht nur den Norwegern anzulasten, die Plastivermüllung der Ozeane ist ja mittlerweile als weltweites Problem im Bewußtsein vieler angekommen.

Wir machen noch einen kleinen Schlenker über ein, zwei kleine Inselchen abseits der Route, denn es ist einfach unglaublich schön hier. Natürlich weiß man vorher nie, wie das Wetter wird, und wir haben diese Reise mit sehr heißer Nadel gestrickt und sehr kurzfristig geplant, so dass manches, was wir jetzt gerne ausführlicher erleben würden, etwas zu kurz gekommen ist. Hier ein, zwei Tage zu verbringen, lohnt sich garantiert!
So müssen wir halt weiter … Und bald schon wird die Landschaft felsig, kurz vor Kristiansund kommt dann noch ein längerer Tunnel, der seit wenigen Wochen gebührenfrei ist, dann fahren wir über die Brücke nach Kristiansund rein.
Einen ersten guten Blick auf die Stadt hat man oben von der Brücke aus.Dank EasyPark App finden wir schnell einen Parkplatz und bummeln wenig später am Hafen entlang. Hier gibt es auch ein nettes kleines Café, wo man draußen sitzen kann. Und hier versuche ich, in Molde einen Zahnarzt zu finden – denn die gestern rausgefallene Krone hat ein ziemliches Loch hinterlassen, mit dem ich ungern noch wochenlang herumlaufen möchte.

Beim ersten Zahnarzt werde ich ziemlich unwirsch abgefertigt, hier will man keine Ausländer behandeln, die evtl. Coronaviren mit sich herum schleppen. Beim zweiten, einer Zahnärztin, ist man erheblich freundlicher. In perfektem Deutsch wird mir ein Termin für morgen, 11 Uhr, angeboten.

Noch ein bisschen bummeln und ein Blick übers Wasser zur anderen Seite – dann geht’s weiter. So richtig werde ich mit Kristiansund nicht warm, kann natürlich daran liegen dass wir hier jeweils nur eine oder zwei Stunden verbracht haben.Als wir die Straße am Hafen entlang fahren, werden wir überholt – von einem Schiff! Die Hurtigruten schieben sich von hinten an uns ran und vorbei.Durch sonniges Bauernland, wo die Felder größtenteils bereits abgeerntet sind, fahren wir zurück nach Molde.Im Scandic Seilet haben wir wieder ein Balkonzimmer ganz an der Spitze des Gebäudes, wo man förmlich über dem Fjord schwebt.Die Aussicht ist gigantisch! Und das Zimmer urgemütlich!

Vom Seilet aus kann man bequem einen wunderschönen Weg am Wasser entlang in den kleinen Ort gehen, wo es jede Menge Futterstellen gibt. Bei Egon sitzt man gemütlich – allerdings ohne sonderlich schönen Blick, im Freien. Das Essen ist gut, das Bier kalt, und wir sind mehr als zufrieden mit dem heutigen Tag!

Dass wir auf dem Heimweg dem Hurtigruten Schiff erneut begegnen, freut uns – irgendwie mögen wir diese Schiffe, die so emsig die Küste rauf und runter fahren und auch heute noch Post und Waren anliefern.
Dann gibt’s bei einem Glas Wein auf dem Balkon noch märchenhafte Abendstimmung. Und wir sind erneut mehr als glücklich über einen weiteren wunderbaren Tag in Norwegen.

Das ist die heutige Route:

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