21. August – Wolkenzauber über Molde

Schon in aller Frühe gibt es ein Wolkenpanorama der Extraklasse! Bizarre Formationen spiegeln sich im ruhigen Wasser des Fjords, jagen über den Himmel.

Da lohnt es sich, schon vor 7 Uhr mal auf den Balkon raus zu gehen. Denn bekanntlich ist morgens um 7 die Welt noch in Ordnung!

Und hier ist sie nicht nur in Ordnung, sondern atemberaubend schön! 

Nicht nur die Wolken sind echte Hingucker – auch die Fähren scheinen eine Art Ballett aufzuführen, wenn sie förmlich umeinander herumtänzeln und weiße Spuren im blauen Wasser hinterlassen.
Wäre nicht mein Zahnarzttermin um 11 Uhr, würde ich einfach auf dem Balkon bleiben … So gibt es  aber erst mal ein – hervorragendes! – Frühstücksbüffet in unserem vorab gewählten Zeitfenster von 9:30 – 10:00 Uhr. Trotz zeitlicher Staffelung ist es ziemlich voll im Restaurant. Das Angebot ist fast so üppig wie früher – so ein skandinavisches Frühstück ist eine ziemlich ausgedehnte Angelegenheit!

Mit einem Loch im Zahn genießt man die kulinarischen Köstlichkeiten allerdings nur bedingt, ich hoffe sehr, dass das demnächst besser wird. Bevor es zur Zahnärztin geht, schaue ich mich noch in dem luftigen Bar- und Lobbybereich des Hoels um, von dem man – genau wie vom Restaurant aus – ebenfalls wunderbare Wasser- und Bergblicke hat. Frühzeitig machen wir uns auf zur Zahnärztin, denn trotz Google Maps ist mir ein Rätsel, wo genau sich die Praxis von „Tannlege“ (Zahnärztin) Ragnhild R. befindet. Aber irgendwie klappt es doch und ich bin in der Praxis, mit Blick auf den Fjord. Dort stellt sich heraus, dass Assistentin Daniela eine Deutsche aus Weimar ist, die seit fast 20 Jahren hier lebt. Zahnärztin und Assistentin sind unglaublich nett, eine halbe Stunde später verlasse ich mit einer provisorischen Füllung die Praxis und kann der weiteren Reise getrost ins Auge sehen …

Fast. Denn so nett die Zahnärztin auch ist, sie möchte doch gerne bezahlt werden. Und erstmalig in Norwegen gibt es ein Problem: Ihr Kartenleser akzeptiert nur norwegische Bankkarten! Also muss Bargeld her. Das zu kriegen ist nicht einfach! Der Bankautomat der Sparkasse gegenüber ist defekt. Der der DNB um die Ecke akzeptiert meine Visacard nicht. Schließlich finde ich mit Hilfe diverser Passanten noch einen dritten Geldautomaten, der endlich Geld ausspuckt. Damit wird die Zahnärztin bezahlt, und ich kann mit frischer Füllung endlich den Tag genießen!

Jetzt wollen wir die Welt von oben betrachten und fahren auf den Hausberg von Molde, den Varden. Unter Feng Shui Gesichtspunkten liegt Molde geradezu ideal: Ein schützender Berg im Rücken, Wasser von vorne, in der Ferne der Blick auf hohe schneebedeckte Berge. Über denen natürlich auch wieder tolle Wolken hängen.

Hier oben kann man ausgedehnte Wanderungen unternehmen, immer den Fjord imBlick.Auch für eine Einkehr ist gesorgt – eine urige Hütte mit großer Terrasse lädt zum Kaffee oder Vesper.Für meinen frisch gefüllten Zahn ist beides aber noch zu früh, deshalb belassen wir es beim Herumwandern und Bewundern der Aussicht. Über die schmale Straße geht’s dann wieder runter, in die Stadt der Rosen.Molde ist berühmt für seine üppige Rosenpracht – jede Verkehrsinsel,, jeder Grünstreifen ist voller Rosen, auch sonst sind sie überall präsent.

Eigentlich wollten wir heute die Atlantikstraße entlang fahren – zahn- und auch wetterbedingt bedingt haben wir das jedoch bereits gestern vorgezogen, deshalb sind wir jetzt etwas planlos. Also geht’s stattdessen einfach mal auf eine der kleinen vorgelagerten Inseln, nach Otrøya. Das ist die größte der Nachbarinseln und mit der Fähre leicht erreichbar.Otrøya bietet sanfte Hügel auf der einen Seite, einen Berg in der Mitte und reichlich Felsen auf der anderen Seite. Ca. 36 km fährt man einmal rundum, mit all den Tempolimits also etwa eine Dreiviertelstunde – dann ist die Insel umrundet. Es sei denn, man fährt über die Brücke noch rüber zur kleinen Nachbarin, Midøya. Die Brücke schwingt sich hoch über den Fjord, obwohl hier kaum ein größeres Schiff durchkommt. Denn hier ist man schon fast am offenen Meer, am Atlantik, und Umwege zwischen den kleinen Inseln sucht sich kaum ein Schiff.. Nicht viel los hier … Teils Weideland, teils felsig und üppig mit Heidekraut bewachsen. Am Festland markieren Berge, die wie Zipfelmützen aussehen, die Einfahrt vom Atlantik in den Fjord. Wir sind inzwischen wieder zurück auf der größeren Insel. An der Nordküste ist es hügelig – nicht jeder ist hier mit Elektroantrieb unterwegs, dann muss man halt schieben …Mit Ach und Krach (und heftiger Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit) erreichen wir die Fähre, die uns zurück nach Molde bringt.
Dort geht es gleich in einen Supermarkt, wir wollen ein bisschen Obst kaufen.

Zunächst ist hier allerdings Händewaschen angesagt!

Gleich danach wird Rhabarber angeboten – bei uns eher ein Frühlingsbote. Ansonsten ist das Angebot ähnlich wie bei uns – Äpfel und Birnen, Pflaumen und Aprikosen und viele andere Obstsorten werden zu Preisen verkauft, die nicht sehr viel anders sind als in Deutschland.

Ein gemütliches Tässchen Kaffee in unserem Zimmer mit Aussicht – und die ist grandios! Wilde Wolken jagen über den Himmel, Sonnenstrahlen dringen durch kleine Lücken und zaubern Lichtreflexe auf Fjord und Berge. Als wir zum Essen gehen, hat das Spektakel noch weiter Fahrt aufgenommen. Das wilde Spiel am Himmel spiegelt sich in der Fassade des Seilet. Egal, welche Seite – es ist immer dramatisch! Die Fähren bleiben davon völlig unbeeindruckt – sie pflügen stoisch durch den Fjord und verbinden zuverlässig Festland und Inseln. Es wird immer wilder, der Rückweg nach dem Abendessen (richtig leckere Fischsuppe mit viel frischem Fisch und massenhaft  Krabben!) bietet noch mehr großes Wolkenkino! Und der Abschluss findet wieder auf dem Balkon statt – mit der Vorbeifahrt der Hurtigruten. Alleine wegen der grandiosen Aussicht vom Balkon des Seilet lohnt sich die Fahrt nach Molde -selbst wenn man, wie wir vor zwei Jahren, wegen eines Regensturms fast einen ganzen Tag auf dem Zimmer verbringen muss. Wesentlich schöner ist es natürlich, hier sonnige Tage zu erleben – wie wir dieses Mal!

3 Kommentare zu “21. August – Wolkenzauber über Molde

  1. Wieder so schöne Bilder!
    Wir müssen unbedingt auch noch mal nach Norwegen – das letzte Mal ist 25 Jahre her!

    Mit welcher Kamera fotografierst Du zur Zeit?

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