19.08. – Vom Fjord zum Meer: Geiranger bis Alesund

Rosarote Wölkchen über tiefblauem Fjord. Ruhiges, unbewegtes Wasser.

Dieses Panorama mal völlig störungsfrei zu erleben – wobei die „Störung“ ein gigantisches Kreuzfahrtschiff wäre, das die Szene nicht nur optisch verschandelt, sondern ja auch unenwegt fetten schwarzen Qualm ausstößt – muss man einfach auskosten!

Weil wir heute eine tolle Strecke vor uns haben, für die wir uns viel Zeit nehmen wollen, ist ohnehin frühes Aufstehen angesagt.


Dass die reguläre Autofähre das stille Bild wenig später leicht durcheinander bringt, ist in Ordnung – schließlich gehört die hier zum Leben dazu.

Frühstück – wieder mit Zeitfenster – gibt es hier in einer ungewohnten Variante: Das meiste ist vorportioniert und mit Klarsichtfolie abgedeckt, damit die Gäste nicht zu lange am Büffet rumstehen. Brot, Kaffee und Saft werden von Angestellten ausgegeben.

Bevor wir nach dem Frühstück in die Höhe fahren, müssen wir einfach nochmal runter ans Wasser. Dass es hier dermaßen still sein kann, hätten wir uns niemals träumen lassen!



Dann geht’s aber los, rauf zu den Adlern! Ørnevegen – Adlerstrasse – heißt der steile Teil der FV63 von Geiranger Richtung Eidsdal. In 11 Serpentinen geht es vom Geirangerfjord bis Korsmyra, dem höchsten Punkt der Strecke, mit bis zu 10% Steigung auf 620 m Höhe.

Ganz oben ist man dann fast auf Adler-Niveau – die letzte Serpentine heißt  „Adlerkurve“ (Ørnesvingen).

Hier hängt eine Plattform hoch über dem Fjord, man hat einen unglaublichen Panormablick!


Wen so eine Aussicht heiß macht, kann auch am nahegelegenen Wasserfall kurz mal eine kühle Dusche nehmen.

Über ein lang gezogenes Plateau mit mehreren malerischen Seen – die aber zu der frühen Stunde noch komplett im Schatten liegen – kommen wir nach Eidsdal. Hier geht’s mit der Fähre weiter, die wir in allerletzter Sekunde gerade noch erwischen!

Malerisch liegen die kleinen Bootshäuser am Fjord, der ganze kleine Ort hat was ausgesprochen idyllisches!


Auch auf der kürzesten Überfahrt – und diese hier ist gerade mal knapp 10 Minuten lang – stürzen sich viele Norweger auf Kaffi&Svele, oder, wer’s deftiger mag, auf Pølser, also Würstchen. Beides gibt es im „Salon“, den praktisch jede Fähre hat.

Essen hat überhaupt einen hohen Stellenwert hierzulande – gerne auch mal im Stehen, an einer der unzähligen Buden, die von gebackenen Kartoffeln bis zu heißen Waffeln alles nur denkbare servieren.

Und natürlich stärkt man sich auch auf jeder Fährenfahrt ….

Wir verzichen allerdings, ohne Kaffi, Svele oder Pølser im Magen fahren wir von der Fähre runter und über Valldal weiter.

Valldal ist bekannt für seine weiße Häuser und seine Erdbeeren und umgeben von ausgedehnten Erdbeerplantagen. Allerdings ist die Ernte schon weitghend beendet.

Wenig später zwingt eine idyllische Szene an der Holbrua zu einem Stopp. Das kleine Häuschen steht auf einem Felsen mitten im reißenden Fluss Valldøla, wird von den Wassermassen fast erdrückt. An seiner linken Seite ist eine Lachstreppe, die erste, die wir hierzulande sehen.


Zwar sieht man in den Fjorden immer mal wieder Lachsfarmen, aber es scheint auch noch viel Wildlachs hierzulande zu geben. Lachs ist hier immer präsent – in diversen Varianten gibt es ihn ja bereits auf jedem Frühstücksbüffet in den Hotels.

Dem Valldøla begegnen wir wenig später wieder am Gudbrandsjuvet. Am Parkplatz fließt er noch recht gemächlich dahin.

Das ändert sich aber ein paar Meter weiter flußabwärts. Hier hat sich das Wasser tief in die Felsen gegraben und eine rund 25 m tiefe Schlucht geschaffen, die an der engsten Stelle weniger als 5 m breit ist. Dort zwängen sich die Wassermassen schäumend und brausend hindurch – ein wirklich spektakulärer Anblick!

Nach einer Sage aus dem 16. Jh. wurde die Schlucht nach einem Mann namens Gudbrand benannt, der mit einer geraubten Braut fliehen wollte. Er rettete sich vor seinen Verfolgern durch einen Sprung über die schmalste Stelle der Schlucht und wurde daraufhin für vogelfrei erklärt. Ob Gudbrand beim Sprung über die Schlucht die Braut mitnehmen konnte, verrät die Sage nicht.

Von bequemen Stegen und Plattformen aus kann man das alles sehr gut betrachten, es gibt auch ein nettes Café mit Sitzplätzen im Freien.



Zwar gibt es heute hier keinen Kaffee für uns, aber man verbringt doch eine ganze Weile und staunt über das, was die Natur so alles hervor bringt. Anschließend geht längere Zeit durch ein langgestrecktes Tal, flankiert von gewaltigen felsigen Bergen.


Die Straße steigt immer mehr an und wir landen auf einem riesigen Felsplateau, umgeben von den bis zu 1.700m hohen Berggipfeln des Stegagebirges, mit Blick in weite Hochtäler.


Überall haben Touristen kleine Stein-Manderln aufgehäuft, von mir kommt auch noch eines hinzu!
Wir fahren weiter – langsam, denn diese Landschaft muss man genießen – bis zu einem weieren Highlight.Jetzt kommen wir nämlich zum Besucherzentrum Trollstigen. Das Auto wird auf dem mäßig gefüllten Parkplatz abgestellt, wir machen uns auf den Weg zu den Aussichtsplattformen. Denn die sensationelle Gebirgsstraße Trollstigen sollte man nicht einfach nur befahren, sondern sie unbedingt auch aus der Höhe betrachten! Nur so sieht man wirklich, was vor (oder hinter) einem liegt.

Der Fluss , der sich wenig später als Wasserfall über die Felskante stürzt, fließt hier noch ruhig dahin. Vor dem Besucherzentrum wurden weite Kaskadenbecken gebaut, Mutige können an einer Stelle sogar kurz mal ins eiskalte Nass eintauchen – zumindest mit den Füßen.
Die Wege sind heute fast leer, ebenso die Aussichtsplattformen.Wir gehen vor bis zur ersten Kanzel, die wir für uns alleine haben. Hier fließt der kleine Bach über die Kante und stürzt in die Tiefe. Und hier hat man auch einen ersten Blick ins Tal und auf die Serpentinen der Straße.


Auch am nächsten Aussichtspunkt ist es ruhig, kein Gedränge, keine Selfiesticks wie beim letzten Mal!

Wir können das unglaubliche Panorama in aller Ruhe genießen!  Und die Kunst der Norweger beim Straßenbau bestaunen. Die schmale Bergstraße schlängelt sich hier in elf Haarnadelkurven ins Tal hinab. An manchen Stellen ist die Trasse direkt in den Fels gehauen, an anderen Stellen mit Natursteinen aufgemauert.


Es dauert, bis wir uns hier wieder losreißen können!
Dann geht’s aber doch auf die Straße. Und hier passiert’s – während ich auf einem Gummibärchen herum kaue, löst sich eine Krone von meinem Backenzahn! Zum Glück hab ich sie nicht verschluckt – aber das Zahnproblem beschäftigt mich dann aber doch so sehr – die Krone muss ja rausgefischt und sichergestellt werden – dass an Fotos von der Fahrt nicht zu denken ist!

Erst als wir kurz (und verbotswidrig – denn hier ist kein Parkplatz, sondern eine Ausweichbucht!) am Wasserfall anhalten, bin ich wieder im Fotomodus.

Hoch oben links die Aussichtskanzel, auf der wir eben noch standen.


Noch ein Blick ins Tal, dann geht’s weiter.

Verglichen mit der bisherigen Strecke ist der Rest eher banal. Bei Åndalsnes kommen wir an den Romsdalsfjord, hier hängen schon dicke Wolken über den Bergen.

Die verdichten sich zunehmend und als wir nach Ålesund kommen, fallen die ersten Tropfen.

Wie in Kristiansand ist auch hier ein großes Kreuzfahrtschiff „geparkt“, wegen Corona.

Unser Hotel ist wieder das Scandic Ålesund, direkt am Hafen. Mit Riesenglück bekommen wir einen Parkplatz direkt vor dem Hotel, mit Blick aufs Wasser. Weil es bereits fast 17 Uhr ist und es danach bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr kostenfrei, parken wir hier erheblich günstiger als in der Hotelgarage, die rund 25€ pro Tag kostet. Mit der genialen EasyPark App gebe ich unsere voraussichtliche Abfahrtszeit, 10 Uhr am kommenden Tag, ein und weiß, dass ich die Parkzeit jederzeit am Handy bequem verkürzen oder verlängern kann. Bezahlt wird am Ende nur die tatsächlich geparkte Zeit – genial!

Ebenso genial ist unser Zimmer! Weil wir mit Bonuspunkten der Scandic-Kette bezahlt hatten, bekommen wir ein Upgrade in eine Junior Suite mit einer begnadeten Aussicht!

Sowohl vom Balkon als auch aus den großen Fenstern schaut man weit über den Hafen, hinaus zu den Inseln und auf der anderen Seite Richtung Stadt und Aussichtsberg Aksla.


Leider trüben jetzt zunehmender Regen und Nebel die Sicht. Statt Essen zu gehen und tropfnass zu werden, machen wir deshalb ein Picknick im Zimmer aus unseren Vorräten. Noch haben wir Knäckebrot, Käse und Salami im Gepäck, dazu ein kühles Dosenbier – und das alles mit Blick auf die einlaufenden Hurtigruten! Es könnte wirklich kaum besser sein!

Es ist schon etwa 20:30, als der Regen aufhört und völlig überraschend die Sonne raus kommt! Zwar zunächst etwas zögerlich, aber wir brechen sofort auf.

Zuerst runter zu den Segelbooten am Museumshafen und zum kleinen Leuchtturm.




Der Himmel wird golden , unter den Wolken schiebt sich die Sonne immer weiter hervor.

Wir gehen die Straße entlang, vorbei an den schönen Jugendstilhäusern, bis zur Brücke.
Hier stehen Statuen einer Fischersfrau und eines kleinen Fischerjungen – und man schaut übers Wasser auf die Fassaden der alten Häuser im Abendlicht.



Noch bis zum Hafen gehen wir vor, die Sonne sinkt jetzt rasch, der Himmel wird glutrot.


Dann schlendern wir gemächlich zurück – bedauern zwar, dass das Wetter uns hier keine größeren Rundgänge erlaubt hat, sind aber mehr als glücklich mit dem goldenen Ausgang des Tages. Oder besser – mit dem gesamten Tag!

Das war die heutige Strecke:

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