24. August – Dem Himmel so nah! Von Trondheim zum Lemonsjøen

An Reisetagen ist uns nicht ganz so wichtig, wie das Wetter ist – aber natürlich sieht bei Sonne alles viiiiel schöner aus!

Deshalb freut man sich natürlich gewaltig, wenn nach einen Regentag frühmorgens Sonnenlicht auf dem Hafenwasser liegt. Und hofft, dass es nicht – wie gestern – nach ein paar Stunden wieder verschwindet.

Aber heute waren sich die Wetter Apps weitgehend einig – es sollte ein zwar nicht besonders warmer, aber bis zum Nachmittag trockener Reisetag werden.

Wir geraten ins Grübeln: Sollen wir den gewaltigen (ca. 2 Stunden) Umweg über Røros nehmen??? Wieder mal bedauern wir, dass wir die Route mit sehr heißer Nadel gestrickt und nicht noch ein paar Tage dran gehängt haben.

Letztlich entscheiden wir uns gegen Røros, das wäre doch zu viel Fahrstress. Stattdessen werden wir, wenn’s zeitlich klappt, noch ein Stück aufs Sognefjell rauf fahren. Trotzdem geht’s schon recht früh los – natürlich erst nach einem letzten üppigen skandinavischen Frühstück. Wobei die dicke saure Sahne auf dem Kompott aus Røros stammt! Kleine Schilder informieren hier nämlich bei den meisten Zutaten über die genaue Herkunft – und das allermeiste stammt aus Norwegen.
Sowohl in der Hütte, in der wir heute übernachten werden, als auch in Oslo, wo wir Selbstversorger sind, werden wir sicher nicht dermaßen verwöhnt werden.

Beim Auschecken noch ein schneller Blick in die Runde – die Balken in luftiger Höhe sind übrigens Gänge, die die Gebäudeteile verbinden. Und statt einer sterilen Lobby gibt es ein „Wohnzimmer“ – das Clarion ist wirklich ein sehr schönes Hotel (mal abgesehen von den verpixelten Fenstern ..).

Die ersten rund 125km bis Oppdal sind relativ unspektakulär. Mal eine hübsche Kirche, mal ein witziger Mountain Shop – landschaftlich ist sonst aber nicht so viel los.

Das ändert sich schnell, als wir ins Drivdalen kommen, einem langgestreckten Tal, das als Pforte zum Dovrefjell gilt. Zunächst begleitet uns das Flüsschen Driva, das zwischen Straße und hohen Felsen dahinplätschert, durch ein enges Tal. Aberwitzige Brückenkonstruktionen kann man hier bestaunen!
Dann weitet sich das Tal langsam, die Straße gewinnt an Höhe. Die Landschaft wird immer schöner, das Flüsschen zusehends malerischer.
Und schließlich sind wir auf der Höhe, wo der Himmel ganz nah scheint und der/die Driva entspringt: Auf dem Dovrefjell! Wildromantisch ist das erste, was mir einfällt. Auch wenn die Zivilisation in Form der Eisenbahn nicht weit entfernt ist.




Es folgt eine Landschaft, die uns stark an Schottland erinnert. Auch das rasch wechselnde Wetter kommt uns zunehmend schottisch vor …Genauso allmählich, wie es in die Höhe ging, geht es auch wieder runter ins Tal. Lediglich die zunehmenden Bauernhöfe und kleinen Dörfer sind ein Indiz, dass wir immer mehr in dichter besiedelte und bewirtschaftete Gegenden kommen.


Schließlich biegen wir bei Sel von der breiten E6 auf die deutlich schmalere Fv 438 ab  und bald kommen auch schon wieder die ersten Baustellen! Dieses Mal ist es eine mit einem Safety-Car, dem man im Schneckentempo folgen muss.


Wieder haben wir Flussbegleitung – dieses Mal ist es die Finna, die hier fast so breit wird wie ein See und türkis schimmert.

Genauso türkis schimmert wenig später ein richtiger See, der Vågåvatnet.


Wir kommen nach Lom, wo es nicht nur eine berühmte Stabkirche gibt, sondern auch eine Bäckerei mit sagenhaft leckeren Zimtschnecken! Beides muss allerdings erst mal warten, wir müssen zunächst das viele Wasser, das wir unterwegs getrunken haben, wieder los werden. Und da erleben wir erstaunliches: Die Toilette bei der Tourist-Information droht nicht nur mit Video-Überwachung, sondern fordert auch unverschämt viel Geld für die Benutzung! 20 NOK, also rund 2 € werden hier verlangt, bezahlt wird mit Kreditkarte.

Die schöne Stabkirche darf man dann allerdings kostenlos anschauen – allerdings nur von außen, der Zugang ins Innere ist momentan geschlossen.

Unglaublich, wie meisterhaft hier mit Holz gearbeitet wurde!

Noch ein rascher Blick auf den Brestfossen, ein Wasserfall des Flusses Bøvra, der hier mitten durchs Dorf schäumt. Und dermaßen sprudelt, dass die Gischt bis zur Brücke hoch sprüht und aufs Objektiv!


Noch scheint das Wetter zu halten – deshalb brechen wir den Aufenthalt in Lom ab und fahren auf dem Sognefjellsveien Richtung Sognefjell. Anders als erwartet geht es zunächst eine gefühlte Ewigkeit durch ein ziemlich breites Tal, immer an der – ebenfalls recht breiten – Bøvra entlang. Eng wird es erst auf Höhe des Hotels Elveseter.

Hier hat sich die Bøvra ein schmales Bett zwischen steilen Felsen erarbeitet und schießt weißblau schäumend talwärts.


Für uns hingegen geht’s jetzt endlich spürbar aufwärts, rauf aufs Sognefjell! Allerdings fallen nun schon die ersten Regentropfen – trotzdem fahren wir erst mal weiter. Und werden bald nicht nur wieder mit Sonne, sondern auch mit einer fantastischen Landschaft und weiten Blicken über Berge und Täler belohnt!




Aus dem eigentlich geplanten Picknick am steinernen Tisch vor dieser dramatischen Kulisse wird allerdings leider nichts – es fängt erneut zu regnen an!

Es wird dramatisch am Himmel – die Sonne kämpft vergeblich gegen die immer dichter werdenden Wolken an.

Wir fahren trotzdem noch ein Stück weiter, bis zur Jotunheimen Fjellstua, einer Hütte, die aber völlig verlassen da liegt.

Weil der Regen jetzt an Fahrt aufnimmt, drehen wir um und fahren zurück. Denn unser heutiges Ziel liegt in einer etwas anderen Richtung!


Regen und Sonne wechseln sich jetzt im Minutentakt ab – aber die dunklen Wolken bleiben.


Allerdings führt das auch zu diversen wunderschönen Regebögen!

Wir müssen zurück bis ein gutes Stück hinter Lom, dann biegen wir nach rechts auf einen Zubringer zur Fv51ab. Die sehr schmale Straße windet sich langsam in die Höhe, vorbei an Bauerhöfen und reichlich Wiesen, auf denen Heuballen liegen. Hier hat man immer wieder eine fantastische Sicht hinab ins Tal, zum türkis schimmernden Vågåvatnet. Weil es mittlerweile wieder regnet, können wir die Aussicht allerdings nur sehr begrenzt genießen. Als wir schon langsam Zweifel bekommen, ob die – mittlerweile unbefestigte – Straße eine gute Wahl war, mündet sie in die breite Fv51.

Jetzt geht es überwiegend durch lichten Wald immer weiter rauf.

Schließlich erreichen wir unser Tagesziel – den Lemonsjøen, ein Bergsee im Jotunheimen Nationalpark. Im Sommer wird hier gewandert, im Winter ist es ein beliebtes Skigebiet, vor allem Langläufer finden hier ein Paradies mit rund 30 km gespurter Loipen.

Wir übernachten in der Lemonsjø Fjellstue & Hyttegrend , einer urigen Hütte mit schlichten, aber komfortablen Zimmern und einem sehr herzlichen Wirts-Ehepaar, das hervorragend Deutsch spricht. Zur Hütte gehört nicht nur das Haupthaus mit 4 Gästezimmern, sondern auch noch ein Anzahl kleiner Hütten, die auf dem ausgedehnten Areal verstreut stehen.

Weil in den Haupthaus-Zimmern auch Frühstück mit dabei ist und wir keine große Lust hatten, für eine Nacht unsere Betten selbst beziehen zu müssen, haben wir ein Zimmer im Haus genommen und fühlen uns auf Anhieb wohl. Auch der Blick aus den kleinen Fenstern, über das  grasbewachsenen Vordach hinweg, ist einfach nur schön!

Es ist schon recht spät und die Wirtin bittet uns, möglichst bald zum Essen zu kommen. Machen wir – aber vorher MUSS wenigstens ein kurzer Gang zum See sein! Denn so malerisch wohnt man selten, außerdem hat sich das Wetter mittlerweile ganz gehörig zum besseren entwickelt, auch wenn nach wie vor schwarze Wolken am Horizont vor sich hin wuchern! Also runter zum See und tief durchgeatmet – sauberer kann Luft kaum irgendwo sein!




Nur ein paar Schritte weiter stehen kleine Hütten, die im Winter als Unterkunft für die Skifahrer dienen.



Lange können wir unseren Spaziergang leider nicht mehr ausdehnen, denn die Küche machte hier unter der Woche schon früh zu (wie übrigens vielerorts in Norwegen). Aber vom Fenster des Restaurants aus kann man den See ja auch noch genießen – bei einem frisch gezapften Carling Bier! Nachschub gab es dann übrigens keinen – das waren die letzten beiden Gläser aus dem letzten Carling-Fass! Wegen des Brexit in Verbindung mit Corona gibt es zumindest derzeit keine Lieferungen mehr aus Großbritannien – und die Wirtin hat erhebliche Zweifel, ob sie das beliebte Bier in Zukunft noch beziehen können wird.

Wir lassen es uns jedenfalls schmecken – zusammen mit saftig-zarten Steaks aus einheimischer Landwirtschaft. Und dann bestaunen wir einfach nur noch, wie sich der Himmel mehr und mehr verwandelt und die Nacht hereinbricht.

Und schlafen anschließend wie die Murmeltiere … die es allerdings hier oben nicht gibt!

 

Ein Kommentar zu “24. August – Dem Himmel so nah! Von Trondheim zum Lemonsjøen

  1. Diese schönen Strecken sind wir auch alle gefahren – und natürlich haben wir auch die sagenhaft leckeren Zimtschnecken in der Bäckerei von Lom gegessen 🙂 

    Die Stabkirche von Lom war bei uns übrigens wieder geöffnet, dafür waren andere Kirchen wegen Corona geschlossen, zB die Marmorkirche auf Giske. 

    Diese dramatischen Wolkenhimmel wie ihr bei der Lemonsjoe Fjellstue hatten wir häufig – ich fand sie wunderschön, der ständige Wechsel des Lichteinfalls und der Wolkenformationen hat mich entzückt. Wunderschöne Bilder vom Abendhimmel über dem See, speziell das letzte! 

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