25. August – Stadtluft statt Höhenluft: Oslo

Frühmorgens – Blick über’n See, Sonne über’m See. Hier könnte, hier sollte man einfach bleiben …

Auch auf die Gefahr hin, mich zum x-ten Mal zu wiederholen – ich wünsche, wir hätten uns viel mehr Zeit gelassen für diese Reise!

Denn schließlich weiß im Moment kein Mensch, wie’s weitergeht. Ob, wann, wie man wieder „normal“ reisen kann/darf. Und wohin…

Heute ist’s allerdings nix mit einfach da bleiben – wir müssen weiter, nach Oslo. Denn in zwei Tagen geht die Fähre Richtung Heimreise.

Das Frühstück ist auch hier auf der Hütte Pandemie-bedingt etwas abgespeckt – hinter einer Plexiglasscheibe liegt das, was es gibt, der freundliche Koch lädt das Gewünschte auf einen Teller, frische Eier gibt es außerdem, der Kaffee kommt in der Kanne an den Tisch. Egal – wir genießen sowohl das, was auf dem Teller ist, als auch das, was vor dem Fenster ist. Denn hier ist es einfach unglaublich schön!

Noch ein ausgiebiger Plausch mit der freundlichen Wirtin – dann brechen wir auf. Vorbei an den grasbedeckten kleinen Hütten für Wintertouristen geht es nach Süden.

Allerdings nicht sehr weit – nach 15 Minuten machen wir Halt für einen Morgenspaziergang zum „Ridderspranget„, einer Schlucht am Sjoa-Fluss. Hier soll einst ein Ritter mit einer geraubten Braut über die Schlucht gesprungen sein – erinnert ziemlich an die ähnliche Legende am Gudbrandsjuvet.

Raus aus dem Auto und in der kühlen Morgenluft durch einen lichten Nadel- und Laubwald.

Weit ist es nicht – schon nach ca. 10 Minuten (und nassen Füßen, denn kleine Bäche kreuzen den Weg!) stehen wir auf den Felsen am Rande der Schlucht.
Hier schäumt und sprudelt es weiß-blau, eingerahmt von schroffen Felsen – ein echter Abenteuerspielplatz!


Und auf der anderen Seite sieht man dann auch – oder kann erahnen – wo der Ritter nebst Raub-Braut rüber gesprungen ist.

Wir kraxeln eine ganze Weile einfach nur rum, freuen uns über die tolle Landschaft und genießen, dass wir hier völlig alleine sind! Im Internet hatten wir Berichte über wahre Horden von Touristen gelesen – heute war hier nichts los.

Es beginnt zu tröpfeln, also zurück zum Auto und Richtung Oslo. Der/Die Sjoa wird zunächst zum Nedre Sjodalsvatnet, dem unteren Sjodalssee, dann zum Øvre Sjodalsvatnet.

Wenig später sind wir ziemlich weit oben, immer noch im Jotunheimen NP. An der Valdresflye machen wir Halt – die Landschaft ist einfach überwältigend schön!




Aber kaum haben wir ein paar Schritte getan, beginnt es zu regnen. Es wird zunehmend düsterer – und kälter! Beim nächsten Stopp ist der Regen schon ziemlich eisig, wir sind mittlerweile oberhalb der Schneefallgrenze.

Auch wenn Wanderungen jetzt flach fallen, sind wir nicht wirklich enttäuscht – der Himmel bietet ein Wahnsinns-Spektakel!


An verlassenen Skiorten vorbei geht es langsam bergab – Skiorte im Sommer sind schon irgendwie trostlos, Beitostølen macht da keine Ausnahme! Verlassene Lifte, leere Hotels, geschlossene Restaurants …. Nur die Pfosten am Straßenrand deuten darauf hin, dass hier im Winter wohl ziemlich viel Schnee liegt und ziemlich viel los ist.

Dann sind wir unten im Tal – und es wird langweilig! Die Straße gut ausgebaut, man darf sogar 100km/h fahren! Die Landschaft eher monoton.


Nur einmal staunen wir noch – allerdings nicht zum ersten Mal: An einer Tankstelle gibt es ganz erheblich mehr Zapfsäulen für Strom, als für Diesel oder Benzin!

Dann sind wir bereits im Dunstkreis von Oslo. Eine Baustelle jagt jetzt die andere, Zivilisation eben … Auch in der Stadt haben wir Mühe, zu unserem Apartment zu kommen – überall sind Straßen aufgerissen, wird gebaut. Aber schließlich landen wir doch zunächst beim Saga Hotel – dort gibt es die Schlüssel für die komfortablen Apartments ein paar Straßen weiter. In den Saga Apartments haben wir bereits vor 2 Jahren gewohnt, gute Lage, kostenlose Parkplätze, kostenlose Waschmaschine und Trockner, außerdem top-gepflegt und reichlich Platz.

Okay – das mit der Lage müssen wir dieses Mal etwas korrigieren – denn die nur 5 Gehminuten entfernte Straßenbahnhaltestelle ist derzeit Bauarbeiten zum Opfer gefallen. Das heißt: Weiter laufen bis zum Bahnhof Majorstuen (insgesamt ca. 10 Minuten) und von dort die S-Bahn nehmen. Und natürlich vorher noch die Ruter Billet App aufs Handy laden und ein Seniorenticket buchen! Norwegen hat echt ein Herz für Menschen jenseits der 60 oder 65 – überall gibt es Ermäßigungen!

Die S-Bahn ist hier eher eine U-Bahn, taucht unter, und erst am Nationaltheater kommen wir wieder blinzend ans Tageslicht.

Zwar droht irgendwie ein Gewitter – aber noch scheint die Sonne und wir laufen erst mal die Karl Johans Gate entlang. Hier geht/lebt man allerdings gefährlich, denn Elektroroller sind deutlich in der Überzahl und flitzen um die Fußgänger in atemberaubendem Tempo herum. Nur beherzte Sprünge retten uns gelegentlich vor Kollisionen – also Augen auf in Oslo! Glücklicherweise ist aber ein Teil der Straße Fußgängerzone (und besteht zudem aus Kopfsteinpflaster!) – da sind auch ältere Verkehrsteilnehmer halbwegs sicher 😉



Es ist warm, es ist sonnig – überall sitzen Menschen in Cafés und Restaurants, niemand trägt Masken … fast wie früher! Nur – ganz erheblich weniger Trubel, vor dem Parlament drängeln sich heute keine Selfie-Touristen.


Vor dem alten Rathaus ist nur dort Betrieb, wo es „studentische“ Preise gibt – der Biergarten, der vor 2 Jahren mit Touristen gut gefüllt war, bietet heute noch reichlich Platz für hungrige Gäste.



Hunger (und Durst!) – das ist das Stichwort, das uns runter zum Hafen treibt. Dort gibt es unzählige Möglichkeiten zur Abhilfe – aber auch erst mal eine Menge zu sehen!

Auf der einen Seite Wasser und Boote, auf der anderen das Rathaus mit seinen Skulpturen.


Wasser und Boote finden wir dann doch ein bisschen interessanter als Brunnen und Skulpturen.


Und noch ein bisschen interessanter ist Pappabuene, ein kleines Lokal – eigentlich eher ein Kiosk – direkt am Wasser. Hier gibt es erst mal nur ein kühles Bier -. dann wandern wir noch ein bisschen am Hafen herum. Essen muss man sich verdienen!

Egal, wo man hingeht/-schaut – es ist einfach toll hier am Hafen in Oslo. Fähren kommen und gehen, denn viele der umliegenden Inseln und auch etliche Vororte sind mit den öffentlichen Fähren erreichbar – auch hier gilt übrigens unsere Ruter Seniorenkarte! Wir bleiben an Land, schlendern erst mal nach rechts, rüber zu den aufgehübschten Restaurantschiffen. Viel los ist hier allerdings heute nicht – trotz Traumwetter!


Von hier hat man einen guten Blick auf die Akershus Festung, die über dem Hafen thront.

Dann schlendern wir noch zur anderen Seite, vorbei an einem kleinen Dampfboot, das sich gerade zum Auslaufen bereit macht. Ganz kurz überlegen wir, ob wir die 2-stündige Hafenrundfahrt mitmachen wollen – aber es ist uns dann doch zu voll auf dem Boot.

Gleich dahinter kommen wir an einigen Gourmet-Restaurants vorbei. Austern, Riesenkrabben, Hummer, dazu edle Weine – hier wird geklotzt, nicht gekleckert!

Weiter entlang am Wasser – es gibt immer wieder was zu sehen…

Ganz am Ende des Piers liegt ein Color Line Frachter, der morgen nach Kiel auslaufen wird. Die Personenbeförderung ist derzeit ausgesetzt.

Gegenüber ein Blick auf die Festung – eigentlich wollten wir da ja noch rauf, aber so langsam knurren die Mägen doch ziemlich und Pappabuene macht um 19 Uhr dicht!

Trotzdem nehmen wir uns noch ein bisschen Zeit – für farbenfrohe Grafitti, für ein wunderschönes Segelschiff.



Und dann für ein üppiges Mahl bei Pappabuene, ein „Skagen Toast“ mit reichlich Krabben und Krebsfleisch in einer federleichten Dillsauce, beleitet von einem kühlen Bier, das alles bei 24°C und wolkenlosem Himmel – einfach himmlisch!


Mehr als satt und hochzufrieden machen wir uns auf den Heimweg. Obwohl es schon fast 20 Uhr ist, steht die Sonne noch recht hoch, ist der Himmel noch leuchtend blau. Vorbei am Rathaus mit seiner 30er-Jahre Architektur.


Zurück zum Nationaltheater, und dort in die S-Bahn.
Als wir am Bahnhof Majorstuen ankommen, ist es bereits so spät, dass alle Bäcker zu haben. Morgen früh wird es also ein recht sparsames Frühstück geben – Knäckebrot haben wir noch, auch Butter und Marmelade… Verhungern werden wir also nicht! Aber so richtig im Selbst-Versorger-Modus sind wir offenbar auch nicht mehr.

Aber egal – wir haben noch ein Fläschchen Rotwein – und überhaupt: Es war wieder ein toller Tag!

Ein Kommentar zu “25. August – Stadtluft statt Höhenluft: Oslo

  1. Ein wunderschöner Abschluss Eurer Norwegen Rundreise, vielen Dank fürs Mitnehmen wir haben es sehr genossen, obwohl wir ja selber im Frühsommer die selbe Runde geplant hatten.😢 Wir haben unsere kleine Schweiz wieder entdeckt und eine schöne Flussfahrt auf dem Main- Rhein erlebt können also auch nicht klagen. Ich wünsche Euch noch ein gesundes 2020. Liebe Grüße Iris

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