9. Juli : Dem Himmel so nah – über die Hardangervidda bis Fagernes

Die ganze Nacht hindurch prasselte der Regen ans Fenster – und das war auch am Morgen noch nicht viel anders. Trotzdem war ich schon sehr früh wach und schaute hoffnungsfroh auf die Wetter App. Ab 11 Uhr sollte es auf der Hardangervidda trocken werden (von Sonne wagte ich nicht mal zu träumen!)

Mal kurz bei Google Maps die Fahrtdauer gecheckt, dann drehte ich mich im Bett noch mal rum und nahm noch ne Mütze voll Schlaf. Denn zu früh aufbrechen würde heute gar nichts bringen.

Im Regen wurde das Auto beladen, im Regen fuhren wir los und im Regen fuhren wir zuerst den Sørfjord und dan den Hardangerfjord entlang bis Eidfjord. Die Wolken hingen teilweise so tief, dass sie fast im Fjord versanken.

In Eidfjord beginnt der Aufstieg zur Hardangervidda – und hier hörte es urplötzlich auf, zu regnen! Je höher wir kamen, desto mehr klarte es auf. Okay, es war meilenweit entfernt von dem Traumwetter des vorigen Jahres, aber man muss auch für die kleinen Freuden des Lebens dankbar sein.

Immer dem Bjoreio folgend, der auf der Hardangervidda entspringt und bei Eidfjord in den Hardangerfjord mündet, kurvten wir nach oben. Kurven ist hier der richtige Ausdruck, denn wenn man sich mal den Straßenverlauf auf Google Maps genauer und vergrößert anschaut, wird einem fast schwindelig. In den Tunneln geht es zu wie beim Brezelbacken, im Kreis herum und überkreuz, eine ziemlich wilde Kurverei!

Oben angekommen stoppten wir gleich am ersten Parkplatz, wo man die Zwillingsfälle auf ihren letzten Metern nach unten gut beobachten kann. Von rechts fällt der Bjoreio als Vøringfossen 163m in die Tiefe ins enge Måbødalen. Auch bei etwas trübem Wetter ein eindrucksvolles Spektakel.

Aber richtig dramatisch wird es erst weiter oben. Unterhalb des Fossli Hotels wurde ein großer Parkplatz gebaut, von dort aus geht es über Stege und Wege, über Plattformen und Treppen am Rand der Schlucht entlang, mit spektakulären Blicken ins Tal.
 

Das alles gibt es schon seit einigen Jahren, erst in diesem Jahr wurde jedoch eine echte Sensation hinzugefügt – eine schmale Stahlbrücke über den Vøringfossen!

Hoch über der Schlucht kann man den Lauf des Flusses und sowohl den oberen als auch den unteren Wasserfall verfolgen und hat zudem einen weiten Blick Richtung Hardangervidda.

Überquert man die Brücke und geht noch ein Stück, steht man auf der anderen Seite direkt vor dem oberen Teil des Vøringfossen, der hier breit über die Felsen schäumt.


Während wir staunten, kam sogar noch die Sonne raus und machte den Anblick perfekt! Von unserem Standort direkt am oberen Fall kann man die filigrane Struktur der Brücke gut erkennen.

Wieder zurück über die Brücke mussten wir dann doch nochmal das Ganze von oben betrachten. Auf den folgenden Bildern sieht man ganz klein die Stahlbrücke, die sich über die Schlucht spannt.


Wer’s  noch genauer wissen will kann sich das nachstehende Youtube Video anschauen.


Wir mussten uns aber langsam trennen – denn auch wenn die heutige Strecke mit etwas 250km nicht sonderlich weit klingt und man das in Deutschland selbst aus Landstraßen locker in ca. 2 1/2 Stunden schafft, wissen wir doch aus Erfahrung, dass solche Rechnungen hier absolut und überhaupt nicht funktionieren. Da rechnet man besser von Anfang an mal doppelt so lange und schlägt dann noch mindestens eine Stunde drauf – denn schließlich will man ja auch was sehen und immer wieder anhalten und rumlaufen.
Also gings weiter, über die schier endlose Weite der komplett baumlosen Hardangervidda.

Und da musste man einfach immer wieder anhalten, gucken, staunen, in die Landschaft rein laufen.




Die Stecken am Straßenrand sollen den Autofahrern im Winter die Straßenbegrenzungen anzeigen, denn dann liegt hier oft meterhoch Schnee. Da dies aber die schnellste Verbindung zwischen Oslo und Bergen ist, wird sie auch im Winter befahren.



Wir kamen langsam wieder in tiefere Regionen und landeten immer mal wieder in Baustellen, die uns ausbremsten.

Eine Kaffeepause gabs in Geilo, einem Wintersportort, der im Sommer ein bisschen trist wirkt. Weiter ging’s, am langgestreckten Strandafjord entlang, bis Gol.

Gol ist ein trubeliges hübsches Örtchen mit einer Besonderheit – hier gibt es eine echt unechte alte Stabkirche! Die „echte“ alte Kirche aus dem 13. Jh. wurde 1884 von König Oskar II. abgebaut und nach Oslo geschafft, wo sie heute im Freiluftmuseum zu sehen ist. Erst 1994 wurde eine exakte Kopie der alten Kirche im Gordarike Park in  Gol erbaut.

Nun war es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Tagesziel, Fagernes. Im Scandic Valdres wurden wir mit einem Upgrade verwöhnt – von der billigsten Standard-Kategorie mit Fenster zum Parkplatz beförderte man uns in ein Balkonzimmer mit Fjordblick! Es lohnt sich also immer wieder, den Treueprogrammen der Hotelketten beizutreten – kostet nix und bringt immer mal wieder ein nettes Gutsel!


Der Blick vom Balkon war nicht schlecht, auch wenn das Wetter aprilmäßig immer mal wieder von Sonne auf Regen schaltete.

Vom Hotelgarten aus konnte man über eine Brücke auf eine winzige Insel rüber gehen – das war unser Abendspaziergang nach einem doch etwas fettlastigen Abendessen.


Der Spaziergang endete allerdings ziemlich abrupt durch einen erneuten Regenschauer – wir trösteten uns auf dem Zimmer mit einem Glas Rotwein und freuten uns nochmal über den doch wirklich schönen Tag heute!

Hier eine Zusammenfassung der letzten Tage im Video „Von Hirtshals bis Trondheim“

Und das war die heutige Route:

2 Kommentare zu “9. Juli : Dem Himmel so nah – über die Hardangervidda bis Fagernes

  1. Tröstet euch …. das Wetter hier ist mindestens genauso verregnet! 🙁
    Kann also nur besser werden…. GlG
    Barbara

  2. Den Vøringfossen haben wir letztes Jahr auch ausgiebig bewundert, er ist wirklich spektakulär. Und die karge Schönheit der Hardangervidda hatte es auch mir angetan. Schöne Fotos, ich finde, die Wolken passen gut zu dieser Landschaft.
    Tolles Zimmer mal wieder! 🙂

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