11. Juli : Ein Tag mit Hurtigruten

Heute sollte ein Traum in Erfüllung gehen – eine 24-Stunden-Fahrt entlang der Küste mit den Hurtigruten. Von Trondheim bis Bodø werden unser Auto und wir von einem der klassischen Postschiffe der legendären Hurtigruten transportiert.

Den schlanken, eleganten Schiffen in dem unverwechselbaren schwarz-rot-weißen Farbmuster hatten wir immer sehnsüchtig hinterher geschaut, wenn wir sie auf unseren vergangenen Reisen irgendwo fahren oder liegen sahen und die Passagiere beneidet, die diese Küstenroute genießen durften. Nun durften wir endlich selbst an Bord!

Zwar war das Wetter weiterhin schlecht, aber zumindest der Regen sollte im Laufe des Tages aufhören. Das Schiff sollte um 12:45 Uhr auslaufen, eine Stunde vorher musste man am Schiff sein, wir hatten also reichlich Zeit um das reichhaltige Frühstücksbüffet des Thon Hotels auszukosten. Danach war es eigentlich immer noch zu früh für den Check-in – andererseits wussten wir, dass das Schiff schon seit 9:45 Uhr im Hafen lag.

Also raus aus dem Hotel und runter an den Hafen – und da lag sie, die Richard With! Benannt ist das Schiff nach dem Gründer der Hurtigruten, gebaut wurde sie 1993 in den Volkswerften Stralsund, 2018 wurde sie komplett modernisiert.

Im Hafen herrschte wenig Betrieb, ein par Gabelstapler fuhren immer wieder in den Bauch des Schiffes, ein paar Autos und zwei Motorradfahrer standen herum, eine Handvoll Fußpassagiere näherten sich. Ich lief mal kurz die Gangway hoch, um zu fragen, ob wir a)schon einchecken können und b)was mit unserem Auto passiert.

Einchecken konnten wir sofort, das Auto sollte draußen erst mal stehen bleiben, bis ein entsprechender Aufruf per Lautsprecher kommen würde.

Also erst mal rein ins Schiff – zunächst in eine hübsche kleine Rezeption, wo zuerst die Temperatur gemessen und die Hände desinfiziert wurden. Dann wurden die Impfzertifikate gecheckt und das Formular mit der Gesundheitsauskunft, das wir gestern per Mail bekommen hatten und ausfüllen mussten, geprüft.

Die Dame beim Check-in versuchte, uns ein Upgrade in eine bessere Kabine schmackhaft zu machen, aber der Aufpreis von 100€ war uns dann für eine Nacht doch etwas zu happig. Als wir allerdings die reichlich enge Kabine sahen, schwankten wir kurz, ließen es dann aber doch bleiben – denn wir würden ja wirklich nur zum Schlafen hier drin sein. Immerhin hatten wir ein recht großes Fenster mit Aussicht.

Während ich schon mal das Schiff erkundete, ging Dieter wieder raus zum Auto. Die Richard With ist eines von  wenigen Schiffen, wo man sein Auto mitnehmen kann, deshalb waren wir bei der Terminwahl auch etwas eingeschränkt.

Der erste Erkundungsgang ließ mich einfach nur staunen – so hell, modern und schön hatte ich mir das nicht vorgestellt! Kommt mit auf einen kleinen Rundgang durch das Schiff (die Bilder blättern von alleine weiter, man kann aber auch rechts auf „weiter“ klicken)!

  • Bistro
  • Shop
  • Bistro
  • Eingang Bistro
  • Café
  • Café Multe
Direkt hinter dem Café auf Deck 7 entdeckte ich eine Art Wintergarten, wo man geschützt vor Wind und Wetter gemütlich sitzen kann.

Das wurde in den nächsten 24 Stunden zu unserem Lieblingsort, weil man einfach eine tolle Sicht hatte und es sich herrlich bequem machen konnte.
Von hier oben hielt ich Ausschau nach Dieter, der noch immer neben dem Auto darauf wartete, reinfahren zu dürfen. Weil wir bereits in Bodø wieder von Bord gehen, musste unser Auto als letztes verladen werden, um das Ein- und Ausladen nicht zu behindern.

Endlich waren auch Dieter und das Auto an Bord.

Pünktlich um 12:45 wurden die Leinen gelöst, das Signalhorn geblasen, die Richard With legte ab und  wir verließen Trondheim.

Das Schiff schlängelte sich zunächst über eine Stunde lang durch den Trondheimfjord ins offene Meer.

Dann war das Meer erreicht und wir fuhren nordwärts.

Mittlerweile hatten wir uns auf dem Oberdeck im „Wintergarten“ häuslich eingerichtet, dort konnte man es – nur mit einem leichten Pullover bekleidet – wunderbar aushalten. Einfach nur schauen, lesen, fotografieren. Und dazu eine Zimtschnecke mit einem Cappuccino!

Die abwechslungsreiche Küstenlandschaft glitt an uns vorbei – das Schiff lag übrigens ganz ruhig im Wasser, allerdings war das auch nicht sonderlich bewegt.

Die beiden Whirlpools auf Deck 6 waren fast durchgehend gut besetzt.

Zu diesem kleinen Leuchtturm hatte der Reiseleiter, der die Passagiere ständig auf Norwegisch, Deutsch und Englisch mit Infos versorgte, eine nette kleine Geschichte: Als der Leuchtturm noch bemannt war, lebte dort eine Leuchtturmwärterfamilie mit drei Kindern. Nur bei Ebbe konnten die Kinder auf dem kleinen Felsenstück um den Turm spielen. Damit sie nicht ins Wasser fielen, wurden sie von der Mutter jeweils mit einer langen Leine gesichert und am Haus festgebunden.



Für Bordunterhaltung war übrigens durchgehend bestens gesorgt! Alle paar Minuten wurde auf Sehenswürdigkeiten hingewiesen, die Landschaft erklärt oder andere Information geboten – immer in drei Sprachen. Und wer immer genau wissen wollte, wo wir gerade waren, wurde auf die interaktive Karte verwiesen, wo man jederzeit die genaue Position der einzelnen Hurtigruten Schiffe sehen kann.

Damit man schon mal Appetit aufs Abendessen bekam, gab es am späten Nachmittag einen kleinen Gruß aus der Küche in Form von Muscheln in würziger Weißweinsauce. Dazu genehmigten wir uns ein Bier aus der nördlichsten Brauerei Norwegens, das in passenden Gläsern serviert wurde.

So fuhren wir immer weiter nordwärts …




In der Ferne tauchte eine Brücke auf und über Lautsprecher wurde mitgeteilt, dass wir gleich in den engen Stoksund ein- und unter der Brücke durchfahren würden.




Es schien eine ziemlich knappe Angelegenheit zu sein, aber wir passierten die Brücke – auf der etliche Leute standen und uns zuwinkten – ohne Schäden! Rechts tauchten Lachsfarmen auf.

Dann war der Sund passiert und es ging wieder aufs offene Meer hinaus, allerdings immer nahe an der Küste entlang.






So langsam meldete sich bei uns der Hunger. Wir hatten keine Mahlzeiten gebucht, weil wir uns nicht auf die Zeitfenster und Sitzungen im Restaurant festlegen wollten.
Wir waren sehr bald froh, uns gegen das Restaurant entschieden zu haben, denn hier begann sich vor dem Eingang eine fast endlos lange Schlange zu bilden – Anstehen für die Sitzung um 20 Uhr! Bis die Letzen endlich drin waren, hatten sie sicher 15 Minuten in der Schlange gewartet.
Aber es gab ja noch das Bistro! Und das hatte eine durchaus appetitanregende Speisekarte! Die Preise an Bord für Speisen und Getränke sind übrigens recht zivil und nicht höher als an Land, teilweise sogar etwas günstiger. Hier ein Blick in die Speisekarte des Bistro:


Wir entschieden uns beide für die frischen Krabben, denn der von mir eigentlich bevorzugte Lachs war leider aus, auf Fleisch hatten wir keine Lust und Bacalao (Stockfisch) war auch nicht so unser Ding.

Die Krabben waren eine prima Wahl, eine riesige Portion, frisch gebackenes dunkles und sehr würziges Brot dazu und ein leckeres Dressing. Begleitet von dem wirklich guten Mack Bier waren wir bald satt und zufrieden und bereit für ein paar weitere Stunden auf unseren Sofas am Oberdeck.

Wir wollten ein weiteres Spektakel keinesfalls verpassen! Gegen 21:30 sollten wir zum einen unter einer weiteren Brück durchfahren und unmittelbar davor oder dahinter einem Schwesterschiff begegnen. Und tatsächlich – die schon legendäre Pünktlichkeit der Hurtigruten wurde hier eindeutig belegt – das Schiff bog in den engen Nærøysund ein und um exakt 21:33 passierten wir die Brücke, auf der anderen Seite wartete schon die kleine Schwester, die MS Vesteralen.



Wenige Minuten später kam der erste Stopp auf der Strecke, wir legten in Rørvik an

Der Halt dauerte allenfalls 10 Minuten, dann waren wir wieder unterwegs. Das Deck leerte sich jetzt schnell, denn viele verzogen sich vor die großen Bildschirme, um das Fußball-EM Endspiel anzusehen.

Wir genossen die ruhige Atmosphäre an Deck noch eine Weile, bevor wir uns in unsere kleine Kabine zurück zogen, denn morgen stand in aller Frühe die Überquerung des Polarkreises an! Und die wollten wir ausgeschlafen erleben. So ganz einfach war das allerdings nicht mit dem Schlafen, denn es wurde einfach nicht dunkel! Auch ohne Sonne blieb es weiterhin taghell, deshalb mussten jetzt die Schlafbrillen her. Und die verschafften uns dann doch einen erstaunlich guten Schlaf…

Viel zu sehen gibt’s auch im Video „Zu den Lofoten mit Hurtigruten“


Wer die Route nachverfolgen möchte, kann dies entweder auf der schon genannten interaktiven Karte tun oder auf dieser Übersichtskarte.

2 Kommentare zu “11. Juli : Ein Tag mit Hurtigruten

  1. Das liest sich doch wieder prima!
    Konntet Ihr in Erfahrung bringen, ob die Zahl der Passagiere wegen Corona reduziert war?
    Weiterhin gute Reise und liebe Grüße 🙂

    • Es gibt zwar Kapazitätsbeschränkungen wegen Corona, aber die Richard With fasst normalerweise 590 Passagiere und es waren höchstens 120-150 Leute an Bord. Ausser Norwegern ganz überwiegend Deutsche.
      Dass so wenig los war, hatte wohl mehr mit den Reisebeschränkungen zu tun.

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