13. Juli : Fischduft, Strände, Seeluft – rings um Moskenesøya und Flakstadøya

Dezenter Fischgeruch umfächelte unsere Nasen schon am frühen Morgen. Wir hatten nachts das Fenster einen Spalt aufgelassen und somit zog das Aroma der trocknenden Fischköpfe auch in unser Zimmer.

Schlafen war allerdings tatsächlich eine echte Herausforderung – es wurde kein bisschen dunkel, obwohl der Himmel wolkenverhangen war. Selbst nachts um 1 oder 3 Uhr war es wirklich taghell, deshalb wachte ich immer wieder auf und dachte, es sei schon Zeit zum Aufstehen. Da half letztlich tatsächlich nur eine Schlafbrille.

Das hinderte uns aber nicht daran, unser hausgemachtes Frühstück mit Knäckebrot, Lachs, Schinken, Käse und Joghurt ausgiebig zu genießen, zumal draußen gerade mal wieder ein Schauer runter ging. Kaum war der vorbei, zogen wir los – leider zunächst in die falsche Richtung, nach Å. Das winzige Dorf mit dem wohl kürzesten Namen weltweit (Å ist übrigens nicht der erste, sondern der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet! Wo es bei uns „von A bis Z“ heißt, muss es hier lauten „von A bis Å“) liegt quasi ganz am Anfang (oder am Ende, je nach Sichtweise und Reiseroute) der Lofoten, ist jedenfalls der südlichste Ort der Inselgruppe.

Viel mehr als einen ziemlich halbherzigen Versuch, uns das Dorf anzuschauen, unternahmen wir nicht. Zum einen goss es wie aus Kübeln, zum anderen drängelten sich hier ganze Heerscharen von – ganz überwiegend norwegischen – Touristen. Deshalb verschoben wir Å zunächst mal und fuhren stattdessen nordwärts.

Gute Entscheidung, denn das Wetter wurde schnell merklich besser! Als wir die geschwungene Brücke bei Fredvang erreicht hatten, war der Regen weg und sogar ein bisschen Sonne gab es hin und wieder.




Auch der Strand von Ramberg und wenig später der von Skagsanden bekamen bereits einen Hauch Sonne ab.


Es ging vorbei an der malerischen roten Kirche von Flakstad …

… und einem ebenso malerischen winzigen Fischerhäuschen.

Dann bogen wir ab nach Süden, Richtung Nusfjord, einem der ältesten und besterhaltenen Fischerdörfer auf den Lofoten. Alle 28 Häuser bestehen aus Holz, berühmt ist auch der hölzerne Steg, der rund um den Hafen führt. Nur noch ca. 30 Menschen leben hier permanent, heute ist es eine Art Museumsdorf, das für den Besuch Eintritt (100NOK, also rund 10€ pro Person) verlangt.

Zu „normalen“ Zeiten herrscht hier ein fürchterliches Gedränge, ganze Busladungen mit Kreuzfahrtouristen drängen sich in dem winzigen Ort und verstopfen die einzige schmale Zufahrtstraße. Heute war der Parkplatz zwar auch recht voll, aber es hielt sich doch in sehr erträglichen Grenzen, zumal die meisten Touristen Einheimische waren.

Vom Parkplatz oberhalb des Dorfes hat man einen guten Überblick.

Unten angekommen musste zunächst der Eintritt bezahlt werden, dann sah man links eine lange Reihe von knallroten Rorbuern, Ferienhäusern direkt am Wasser, die im Sommer die Einwohnerzahl drastisch in die Höhe schnellen lassen.

Am Hafen warnte ein Schild nicht zu unrecht vor der „Glatt Brygge“, denn die Holzbrücke ist bei Nässe wirklich höllisch glatt!

Auch hier trocknen noch Fischköpfe – mittlerweile hab ich in Erfahrung gebracht, dass die keineswegs hier im Land verwendet werden, sondern erstaunlicherweise vorwiegend nach Afrika verschifft werden! Zumindest steht das so in einem Artikel der FAZ, ob’s wirklich stimmt, weiß ich natürlich nicht. Was aber stimmt, ist, dass die Köpfe alle keine Zungen mehr enthalten. Die werden tatsächlich von Kindern aus dem noch frischen Fisch herausgeschnitten und gelten als Delikatesse in Norwegen, vor allem im hohen Norden findet man „Torsketunge“  häufig auf der Speisekarte.

Wir wandern weiter um den winzigen, gut geschützten Hafen herum.

Ein kleiner Aussichtshügel bietet einen tollen Überblick über das gesamte Dorf.



Wider unten angelangt, machen wir uns auf die Suche nach einem Kaffee und was Süßem. Da sollte es doch eine kleine alte Bäckerei geben …?

Und tatsächlich, da war sie – klein und unscheinbar, nur zwei winzige Tischchen im Inneren, aber mit wirklich leckeren süßen Zimtschnecken und einem guten starken Kaffee begeisterte sie nicht nur uns! Denn wir hatten richtig Glück und konnte gerade noch zwei der letzten Schnecken vom Blech ergattern! Danach war Schluss -Nachschub gab es keinen mehr.

Danach ging es zurück in den etwas rauheren Norden.



Da wir in einem Fernsehbericht etwas über eine alte Glasbläserei in Vikten gelesen hatten, steuerten wir die als nächstes Ziel an. Eigentlich wollten wir nur das wunderbar in die Umgebung eingebettete Haus anschauen.



Und die eindrucksvolle Landschaft genießen. Da waren aber auf den Felsen kleine Glas- und Kunstobjekte, die ganz neue Perspektiven eröffneten.


Und die schließlich neugierig machten auf das, was hier so produziert wird. Also rein ins helle (und warme!) Gebäude – und dann war wirklich Bewundern und Staunen angesagt! Zerbrechliche Kunst vom Feinsten gab es hier in Hülle und Fülle – und außerdem konnte man dem Glasbläser bei der Arbeit zuschauen.



Fast wäre ich in einen Kaufrausch verfallen – die Preise ernüchterten einen dann aber schnell wieder. So blieb es bei einer Kleinigkeit zur Erinnerung.

Der Himmel hatte mittlerweile wieder in den düsteren Modus geschaltet und zeigte dramatische Wolken.



Das hinderte am Skagsanden Beach allerdings niemand daran, das Strandleben zu genießen!



Heute würde es wohl mit der Mitternachtssonne nichts mehr werden, es wurde immer dunkler.



Inzwischen war es für hiesige Verhältnisse auch schon spät, wenn wir noch etwas Warmes zu essen bekommen wollten, mussten wir uns beeilen, denn fast alle Lokale schließen um 21 Uhr. Kurz nach 20 Uhr trafen wir bei „Anitas Seafood“ in Sakrisoy ein, fanden noch einen Tisch im ziemlich vollen Lokal und freuten uns wenig später über eine deftige Fischsuppe und ein frisches Lofoten Pils.


Den „perfekten Snack“, kleine Stockfisch-Stücke, verschmähten wir allerdings.

Weil der Regen offenbar noch etwa sauf sich warten ließ, wagten wir einen zweiten Anlauf nach Å.



Hier hing – anders als sonst überall – noch Kabeljau ohne Kopf herum, vermutlich war das aber reine Deko für Touristen.



Ansonsten ist das Örtchen zwar nett, aber ohne den Namen wäre es wohl nichts weiter als eines der vielen malerischen kleinen Orte auf den Lofoten.

Interessant waren hier lediglich die Möwen, die – wie bei uns die Tauben – auf noch den kleinsten Fenster- und Mauervorsprüngen ihre Nester gebaut hatten und ihre Jungen großzogen. Aber hier war bereits Schlafen angesagt – auch wir wurden langsam müde!



Deshalb war’s das dann auch für heute – unser schönes Quartier musste ja auch noch en bisschen genossen werden!

Die heutige Strecke:

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