15. Juli : Leicht durchwachsen – Svolvær und Kabelvåg

Um Mitternacht gab’s noch Sonne, am Morgen hatte sie sich allerdings verkrümelt. War ihr wohl zu anstrengend, dauernd im Dienst zu sein …

Statt quasi im Frühtau zu Unternehmungen aufzubrechen, wurde deshalb erst Mal Hausarbeit erledigt. Nach 10 Tagen auf Achse war einiges waschreif und wir hatten ja zum Glück eine Waschmaschine in der Wohnung.

Also wurde die erste Ladung reingepackt und war nach einer guten Stunde auch sauber. Nur – trocken war sie nicht! Irrigerweise war ich davon ausgegangen, dass wir hier einen Waschtrockner haben und erst nach mehreren Fehlversuchen mit diversen Programmen kapierte ich, dass es trotz der Unmenge an Programmen wirklich nur eine Waschmaschine war.

Nun war guter Rat teuer – denn die Wäsche in der Wohnung trocken zu kriegen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Es gab ja nicht mal einen Wäscheständer! Und draußen war es heute eher ungemütlich.

Ziemlich frustriert versuchte ich mein Glück bei der jungen Frau, die nebenan die Wohnung sauber machte. Kate stellte sich nach kurzem Gespräch als unglaublich nett und hilfsbereite Polin heraus, die zuerst einen Wäscheständer anschleppte, dann aber entschied, dass die Wäsche besser im Trockner aufgehoben war.

Und davon stand einer im Keller – zwar eigentlich für die hauseigenen Handtücher gedacht, aber momentan ungenutzt, so dass ich freudestrahlend unsere Wäsche dort rein packte. Damit war der Tag gerettet und wir konnten losziehen, um die Umgebung zu erkunden.

Nicht weit weg kamen wir an einen Strand, an dem sich trotz des eher mauen Wetters schon ein paar Kitesurfer tummelten. Obwohl keine Sonne schien, schimmerte das Wasser türkis.

Bis Svolvær ist es nicht sonderlich weit, aber weit genug für einen Wetterumschwung. Zuerst regnete es noch ein bisschen, aber das dauerte nicht allzu lang und man konnte ja zunächst auch mal die Tourist Information aufsuchen, Postkarten für IT-fremdelnde Freunde und ein paar Mitbringsel erstehen. Für mich fiel auch was ab – ein Buff, der/die/das mir in den nächsten Tagen noch unschätzbare Dienste leisten würde! Falls jemand nicht weiß, was ein Buff ist – hier wird es ausführlich gezeigt! Besonders die Verwandlung in eine Mütze war super und sieht auch echt gut aus.

Damit war ich fit für die Stadtbesichtigung.


Svolvær
ist allerdings sehr überschaubar, es gibt zwei Brücken und ein altes und ein neues Viertel. Im älteren Teil dominieren zwei Hotels, die roten Häuser oben sind allesamt Ferienwohnungen des Scandic bzw. des Hotels Anker Brygge.

Im neueren Teil auf der anderen Hafenseite gibt es etliche architektonische Verfehlungen, riesige Gebäude, die irgendwie völlig fehlt am Platz wirken. Deshalb schauten wir vom neuen lieber rüber in den alten Teil. Und sahen zu, wie unternehmungslustige junge Leute sich in Schlauchbooten für eine Fahrt zum Trollfjord bereit machten.

Der Trollfjord stand auch auf unserer To-do Liste – leider gingen die regulären Ausflugsboote wetterbedingt heute nicht, auch für morgen sah es schlecht aus. In die Rennboote, wo man fast 3 Stunden lang quasi stehend eingeklemmt ausharren muss, wollten wir lieber nicht.

Also lieber noch einen Blick auf die hübsche Kirche werfen und von dort auch auf die „Ziege“, den Berg mit den beiden Hörnern.

Die Suche nach einem Café oder einer Bäckerei verlief leider erfolglos, es gab nur ein oder zwei und es war überall rammelvoll. Dieter fiel ein, dass er im Dumont Führer was von einer fantastischen kleinen Bäckerei in Kabelvåg gelesen hatte, also nichts wie hin.

Ein Stopp an der Lofoten Kathedrale, der größten Holzkirche Nord-Norwegens, musste allerdings schon sein! Seit über 900 Jahren steht an diesem Ort eine Kirche, die jetzige ist allerdings erst in den 1890er Jahren erbaut worden und besteht vollständig aus Holz.

Kabelvåg ist ein hübsches kleines Örtchen, Betonung auf „klein“. Es ist das älteste Fischerdorf der Lofoten und war einmal nicht nur das größte, sondern so eine Art Hauptstadt der Lofoten. Hier wurde ein Großteil des gefangenen Fisches angelandet und vermarktet.

Leider war der Hafen nicht tief genug für die modernen Schiffe, im Laufe des 20. Jh. wanderte die gesamte Fischfangindustrie deshalb nach Svolvær ab und der Ort verfiel in eine Art Dornröschenschlaf. Nur wird dieses Dornröschen vermutlich ne mehr wach geküsst….



Selbst die Sache mit dem tollen Café bzw. der Bäckerei war offenbar Vergangenheit – zwar gibt es sie noch, aber Gebäck gab es am frühen Nachmittag keines mehr. Nicht mal Kaffee war vorhanden – die junge Dame hinter dem Tresen schüttete ein paar Tropfen aus einer Thermoskanne in eine Tasse, stellte dann fest, dass die Kanne leer war und meinte, Nachschub gebe es keinen mehr …

Tja, das war’s dann mit Kabelvåg. Statt frischen Kuchen vom Bäcker gab’s Plunder aus dem Supermarkt und Nescafé aus unserer eigenen Thermoskanne, beides immerhin in der Sonne.

Auf dem Heimweg gab es immer wieder Blicke auf Küste und Wasser, das heute recht wild daherkommt.


Toilettenhäuschen findet man hierzulande übrigens an den unwahrscheinlichsten Orten – dieses hier war insofern was besonderes, als man nur mit Kreditkarte rein kommt. Was es gekostet hat, werde ich wohl erst auf der Kartenabrechnung erfahren, denn außen stand kein Preis dran …

Der Himmel zog sich jetzt immer mehr zu, über den Bergen türmten sich die Wolken auf.


Ein kleiner Gezeiten-Strom musste aber doch noch genauer angeschaut werden. Hier schießt das Wasser mit hohem Druck bei Flut in den dahinter liegenden See. Leider kommt die enorme Gewalt im Bild nicht wirklich zum Ausdruck.

Es wurde jetzt rasch dunkler, die ersten Tropfen fielen und wir sahen zu, dass wir heim kamen.


Dort wartete zum einen trockene Wäsche auf uns, zum anderen ein echtes Spektakel vis à vis – dort wurde die Sauna nämlich gut frequentiert. Und trotz der hohen Brandung hüpften die Saunierer zur Abkühlung ungerührt in die Wellen – zum Glück ging alles gut!



Wir genossen das Spektakel lieber im Trockenen bei einem Glas Rotwein und einem selbst gekochten Essen.

Die heutige Strecke:

Ein Kommentar zu “15. Juli : Leicht durchwachsen – Svolvær und Kabelvåg

  1. So ein Gezeiten-Strom ist faszinierend, man kann ihn auf dem Foto ganz gut erkennen.

    Die jungen Leute sind wirklich mutig, ich hätte mich an dieser felsigen Stelle und bei der Brandung nicht ins Wasser gewagt.

    Deine Fotos geben einen exzellenten Eindruck von der wild-romantischen Natur und den idyllischen Mini-Dörfern der Lofoten.

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