17. Juli : Wechselhaft mit Aussichten – von Henningsvær nach Andenes

Heute wurden wir versetzt – d.h. wir verließen die 2. Klasse (ihr erinnert euch – wir haben in einer ehemaligen Schule gewohnt, wo die Apartments die alten Klassenzimmer-Bezeichnungen trugen!).

Ob die Versetzung erfolgreich verlief, wird sich noch herausstellen …

Der Auftakt war jedenfalls schon mal wenig vielversprechend – es goss in Strömen, so dass Dieter das Auto bis direkt vor die Tür fuhr, damit wir wenigstens nicht allzu nass wurden beim Einladen.

Wie so oft wechselte das Wetter aber immer mal wieder, und wir hatten schon bald einen Hauch Sonne und malerische Aussichten.


Das änderte sich auch so schnell nicht.


Zwischendurch wurde es dann aber auch regelmäßig finster und ein nasser Gruß vom Himmel kam runter. Manchmal erreichten die Wolken fast Straßenniveau!

Schroffe Felswände – man ahnt, wie mühselig hier der Straßenbau war und ist!

Wir folgten heute zunächst der E10, den mit über 350 km war die heutige Etappe ziemlich lang und wir wollten zumindest am Anfang Strecke machen. In Sortland, einer größeren Stadt auf der Inselgruppe der Vesterålen, wollte Dieter eigentlich das Hurtigruten Schiff abwarten, aber wir waren viel zu früh da und die Stadt überzeugte uns nicht wirklich. Sortland ist auch als die „blaue Stadt“ bekannt, nachdem anlässlich der Jahrtausendwende jemand die Idee hatte, die Stadt blau zu streichen. Dies führte zu einer ganzen Reihe von blauen Häusern.


Im strömenden Regen sah das jedoch alles eher trist aus, vieles war geschlossen, die Stadt machte einen eher verschlafenen Eindruck. Deshalb blieben wir hier nicht lange, sondern beschlossen, einen größeren Abstecher zu machen – nach Nyksund, einem winzigen Künstlerörtchen am Rande der Insel Langøya.

Schnell wurde es ländlich, was sich auch am Zustand der Straße bemerkbar machte – die mutierte nämlich immer mal wieder (und schließlich permanent) zum Schotterweg.


Das tat den grandiosen Aussichten aber keinen Abbruch – nur musste man doppelt vorsichtig fahren, wenn man gleichzeitig die Aussicht bewunderte und Schlaglöchern auswich.


Nach etwa einstündiger holpriger Fahrt kam der Ort in Sicht – erkennbar an den bunten Holzhäusern.

Vor den Gang in den Ort hatten die Behörden aber erst mal einen Parkplatz gesetzt, denn der Verkehr sollte – verständlicherweise – aus dem Örtchen raus gehalten werden.

Nur – statt wie sonst überall, wo man sich mit der EasyPark App locker einloggen und seine Parkzeit eingeben und steuern kann, hatte man sich hier für ein System entschieden, wo die Nummernschilder per Kamera erfasst werden.

Und blöderweise erkennen die norwegischen Parkhaus- und Parkplatzkameras die deutschen Nummernschilder nicht. Auch manuell konnte ich unser Nummernschild nicht erfassen bzw. nicht richtig, so dass ich nur permanent die Mitteilung aufs Handy bekam, dass die Nummer ungültig sei.

Schließlich gaben wir entnervt auf und machten uns auf ins Dorf – begleitet von einem plötzlichen heftigen Schauer, der auch noch von starkem Wind begleitet wurde! Da half nur ein rascher Boxenstopp in einem urgemütlichen kleinen Café! Bei heißem Cappucino und super leckerem Kuchen ließ sich so ein Regensturm bestens aussitzen!

Und bald war der Spuk auch vorbei und wir erkundeten das Dörfchen.







Zwar war das Meer sehr unruhig und auch die Lofoten-Fahne wehte kräftig, aber die Sonne wärmte doch bereits wieder ganz ordentlich.

Wir hatten noch eine Strecke vor uns, deshalb ging’s zurück zum Auto, vor uns eine wunderschöne Berg-Meer-Kulisse!


Und hinter uns die bunten Häuser von Nyksund.


Himmel, Meer und Landschaft waren hier wirklich grandios und boten großes Kino!



Dann kamen wir allmählich wieder in zivilisiertere Gegenden, die Straße wurde besser und es ging flotter als 30 km/h voran.

D.h., es würde flotter gehen, wenn man nicht dauernd irgendwo anhalten und staunen würde!
Irgendwann begnügte ich mich dann auch mit Bildern aus dem fahrenden Auto, denn auch wenn die Tage hier lang sind, die Gastgeber kleinerer Unterkünfte wollen in der Regel, dass man vor 18 Uhr ankommt. Und Andenes war immer noch ein gutes Stück weit weg!



Und nein – das ist keine Brücke, die gerade hochgezogen wird – die ist wirklich so steil!!!!

Tja – und dann war da noch dieser hübsche Strand!

Und die unsagbar schroffen faszinierenden Felsen …

Und gleich zwei  kleine Leuchttürme, davor eine massive Felswand mit Kletterern oben drauf – die Bukkekjerka. Am Fuß etwas, das ich zunächst einfach für eine steinerne Sitzgelegenheit gehalten hatte – tatsächlich  zeigt es jedoch einen alten samischen Opferplatz.


Statt raufzuklettern, umrundete ich den Felsen lediglich und stand gleich vor einem weiteren Spektakel – einer fantastischen Toilettenanlage. Schneeweißer Beton und Spiegelwände ergeben einen fast schon futuristischen Eindruck – die Norweger verstehen es wirklich, auch profane Dinge in Szene zu setzen und die Landschaft nicht zu verschandeln, sondern mit Kunst zu gestalten.

Und so sieht das Ganze bei Sonnenschein aus – das Foto stammt von den Architekten der Anlage, die den gesamten Bau dokumentiert haben.

Foto: Morfeus Arkitekter, Oslo

Dummerweise wurde hier gerade geputzt, ich musste mich also in eine Schlange für die einzige freie Toilette einreihen und wunderte mich, weshalb es bei jeder einzelnen vor mir so eeeeewig dauerte! Kaum drin, war klar – weshalb – die Toilettenkanine ist vollkommen mit Spiegelglas verglast, man hat einen fantastischen Blick in die Umgebung, wird aber nicht gesehen.

Nun war es nicht mehr weit bis Andenes. Inzwischen hatte der Regen wieder eingesetzt, wir waren deshalb ganz froh, dass wir bald im Trockenen sein würden. Hier hatten wir wieder ein Apartment gebucht, rein zu kommen, war jedoch gar nicht so einfach. Den Schlüssel sollten wir imBüro der „Sea Safaris“ abholen, dort war aber kein Schlüssel, sondern nur eine nette Dame (die froh war, dass wir endlich ankamen und sie jetzt Feierabend machen konnte), die wiederum den Eigentümer von unserer Ankunft informierte.

Der brauste Minuten später heran, bedeutete, dass wir ihm folgen sollten und bugsierte uns über diverse Schleichwege zu einem kleinen Gebäude. Dort angekommen, gab er uns den Code für das Türschloss, zwiegte uns kurz alles und war dann wieder weg.

Das Apartment war okay, zweckmäßig und sauber, aber die Ellingsen Apartemts fielen im Vergleich mit der Gammelskola doch deutlich ab.

Später gab`s noch eine üppige Fischsuppe und einen Salat mit Krabben im Restaurant am Leuchtturm.

Dann fielen wir heute ziemlich früh und bei anhaltendem Regen ins Bett.

Ein Kommentar zu “17. Juli : Wechselhaft mit Aussichten – von Henningsvær nach Andenes

  1. Die fantasievollen Toilettenanlagen sind neben den wundervollen Landschaften tatsächlich ein weiterer Grund, mal nach Norwegen zu reisen, 😉

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