19. Juli : Schroffe Berge, Traumstrände, Fjorde – Senja

Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens, wird in Berichten und Reiseführern dermaßen gepriesen, dass wir unsere Reise noch ein Stück weiter nach Norden ausdehnten. In der ursprünglichen Planung wollten wir die Lofoten auf dem Landweg wieder verlassen und langsam gen Süden fahren, jetzt verließen wir sie mit der Fähre.

Fähren sind normalerweise kein Problem im fährenreichen Norwegen – hier jedoch schon! Denn es gibt genau 2 Fährabfahrten pro Tag – eine morgens um 8:45, eine zweite um 17 Uhr.

Und in den Sommermonaten soll es da öfter mal zu massiven Platzproblemen kommen, so dass offenbar manche Reisenden sich schon mitten in der Nacht am Fähranleger anstellen. Zudem hatten wir erfahren, dass die Fähre in den letzten beiden Tagen gar nicht fuhr, weil das Meer zu stürmisch war.

Im Auto übernachten, kam für uns nicht in Frage, stattdessen standen wir aber schon kurz nach 7 an der Fähre – und waren keineswegs die ersten! Vor uns gab es schon eine volle Spur, ganz überwiegend Wohnmobile, auch die zweite Spur war bereits gut gefüllt, aber wir sicherten uns einen Platz und konnten aufatmen. Am Anleger stand die Abfahrtszeit – es sollte also alles reibungslos klappen!

Nur ein kleines Problem gab es noch: Anders als alle anderen Fähren in Norwegen, ist diese derzeit noch nicht an das Autopass-System angeschlossen. Ansonsten wird überall nur die Autonummer erfasst, man bekommt dann entweder (teils Monate später) eine Rechnung geschickt, oder man registriert sich vorab, besorgt sich die „Ferjekort“ und einen Transponder („Brikke„), der an die Windschutzscheibe geklebt wird, lädt Guthaben auf die Karte und davon werden dann die Fährkosten einfach abgebucht. Das Beste an dieser Variante ist, dass man bis zu 50% Rabatt bekommt, wenn man die Karte hat – und das läppert sich bei den vielen Fähren ganz schön!

Wer eine längere Reise nach Norwegen plant, sollte sich also Karte und Transponder unbedingt vorab besorgen! Wie das ganz genau funktioniert, haben Conny und Sirko in ihrem wunderbaren Nordlandblog  ganz detailliert beschrieben! (Und mal ganz abgesehen von den vielen Infos ist der Blog auch einfach eine toll und eine prima Reisevorbereitung für alle Skandinavien-Touren!)

Aber zurück zu unserer Fähre. Hier gibt es eine eigene App, die ich noch in der Warteschlange herunter lud und ein Ticket buchte, denn über die App gibt es ebenfalls einen kräftigen Rabatt! Statt mit fast 90€ wurde die Kreditkarte nur mit gut 50€ belastet. Obwohl ich leise Zweifel hatte, ob das in der Hektik auch alles geklappt hatte, bestätigte der Kontrolleur wenig später, dass alles gut war und wir auf die Fähre konnten.


Die 1:40 Stunden lange Fahrt kann man hier sehr komfortabel verbringen, falls die Witterung einen Aufenthalt an Deck unmöglich macht. Wir blieben auch nur so lange an Deck, bis wir Andenes und die Lofoten in der Ferne verschwinden sahen.


Dann flüchteten wir vor Regen und Wind ins Warme Innere – wo es sogar WLan gibt! Rund 1 1/2 Stunden später tauchten die schroffen Bergspitzen Senjas auf – leider immer noch im Regen.


Gryllefjord lag immerhin ein bisschen in der Sonne – oder es war eine optische Täuschung…

Trotz des etwas fragwürdigen Wetters beschlossen wir, die Insel wenigstens teilweise zu umrunden. Die Landschaft war auch wirklich toll!

Und bot schon gleich zu Anfang Überraschungen, wie diese kleine Insel mitten im türkisgrünen glasklaren Wasser. Sah eher nach Karibik als nach Polarkreis aus!

Dann tauchten merkwürdige Hinweisschilder und noch merkwürdigere Gestalten am Wegesrand auf …

Hier gab es ganz offensichtlich Trolle! Zwar nicht mehr so viel und keine so großen mehr wie früher – der einstige Vergnügungspark mit einem 18 m hohen Troll ist 2019 abgebrannt – aber immer noch ziemlich viele. Wir schauten uns um, auch im Café Hulderheimen, wo es heimelig-trollig war.

Bei heißer Schokolade und Pfannkuchen saßen wir den heftigen Regenschauer aus, beäugt von den bleichen Huldras, feenhaften Waldgeistern, die Menschen gerne in die Irre führen. Draußen gab es gleich noch mehr …

Wir blieben standhaft, ließen uns nicht auf Abwege führen, sondern folgten mit unserem Auto brav der Straße. Die führte uns nach Bergsbotnwo eine 40 m lange Plattform Richtung Fjord ragt. Zwar störte ein paar Kinder der Regen überhaupt nicht, sie turnten und rutschten begeistert auf den Holzplanken herum, wir wollten uns das morgen aber bei hoffentlich trockenem Wetter genauer ansehen.


Weiter ging’s im Regen, zusätzlich war die Straße auch nicht wirklich gut.

Ein kleiner Strand, wo man ein Herz für gewisse Bedürfnisse hatte …


Dann kam schon die nächste Attraktion – eine weitere fantastische Installation aus Holz am Rastplatz Tungeneset Ein langer Steg aus sibirischer Lärche führt zu den Klippen am Meer hinab.



Auch hier galt aber wieder, dass wir auf besseres Wetter morgen hoffen, denn kaum waren wir unten angelangt, prasselte der Regen wieder los! Also zurück ins trockene Auto, durch malerische Gegenden – und dann war schon wieder ein Stopp angesagt!

Die goldene Toilette am Ersfjordstrand!!! Ich hatte gerade hier sooooo sehr auf strahlende Sonne und glänzendes Gold gehofft – jetzt war es leide reichlich stumpf, aber eindrucksvoll allemal!

Wenig später gab es dann auch noch ein goldenes Fahrrad (okay, eher Gelb), aber dann wurde es wieder metallisch!

Am Ende des kleinen Fischerdorfs Mefjordvær fanden wir ganz überraschend eine weitere (fast) goldene Toilette. Eigentlich eher eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen plus Klo – aber unglaublich schön! Die schuppenförmigen Elemente in Metallfarben haben feinste Löcher, die das Licht durchlassen, was fast wie Wassertropfen wirkt.

Also wirklich – Toiletten können sie, die Norweger!!!!


Urplötzlich änderte sich das Wetter! Die grauen Wolken verzogen sich, weißer Flaum tauchte auf, dazwischen immer mehr Blau!


Wir waren inzwischen bis Botnhamn gekommen, dort sollte es hübsche Strände geben. Zwar hatten wir uns angesichts des bisherigen Wetters nicht allzuviel versprochen, aber sehen wollten wir sie schon. Und da war dann der erste – ganz am Ende der Stichstraße liegt ein kleiner Traumstrand, eingerahmt von malerischen Klippen. Türkisblaues Wasser, weißer Sand – eigentlich müsste man sofort rein, aber bei 15 Grad Luft- und vermutlich einstelliger Wassertemperatur lässt man es besser bleiben und genießt vom Land aus.



Wir waren hin und weg – eigentlich wäre hier ein Picknick fällig, aber es gab weder Tische noch Bänke. Das fanden wir aber nur Minuten später am Traumstrand Nr. 2:



Hier gab es Kaffee und Plunder und aalen in der Sonne!!!! Ausgiebiges aalen – und das war gut so, denn die nächsten dicken Wolken waren schon im Anmarsch! Durch Regen und zunehmenden Wind nahmen wir den Rückweg in Angriff.


Stellenweise kam auch noch Nebel hinzu – wir waren recht froh, als wir endlich in Skaland ankamen und unser Quartier im Skagi Hotel bezogen. Das war recht schlicht, aber absolut in Ordnung.

Zum Abendessen hatten wir uns ein Lokal nur wenige Kilometer von Skaland entfernt rausgesucht – „The Fat Cod“ – direkt am Fjord gelegen, mit heller skandinavischer Einrichtung, prima Küche und Blicken auf’s Wasser.

Okay, das mit dem Wasser hatten wir uns etwas anders vorgestellt – es lief nämlich vorwiegend am Fenster runter, weil mal wieder ein Wolkenbruch runter kam.


Aber wenn man warm und trocken sitzt, ein gutes Essen (Skrei mit diversen Gemüsen und Kartoffelstampf) und kühles Bier vor sich hat, lässt sich das gut aushalten. Und als wir mit dem Essen fertig waren, tröpfelte es nur noch und man konnte das markante Bergmassiv hinter dem Lokal endlich mal richtig sehen!

Ansonsten sahen wir heute nicht mehr viel – von unserem Zimmerfenster aus schien es aber in der Ferne so was wie Abendrot zu geben.
Oder Abendrosa… oder sowas. Wir hoffen jedenfalls sehr auf besseres Wetter morgen!!!!

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