22. Juli : Die Wende – von Tromsø Richtung Süden

Mit Tromsø hatten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht, von hier aus ging es wieder in den Süden.

Hin zu wieder kürzeren Tagen, zu Nächten, in denen es (kurz!) mal wieder dunkler und wo das Wetter hoffentlich auch besser werden würde! Denn auch heute morgen regnete es wieder, was in Punkto Abreise eine kleine logistische Herausforderung war. Denn zunächst musste das Auto aus der Felsen-Garage geholt und möglichst nah ans Hotel gebracht werden.

Nicht ganz einfach, wenn man – eigentlich – nirgendwo parken darf.

Wir waren früh aufgebrochen, denn die heutige Strecke war eine der längsten auf dieser Reise. Zwar „nur“ rund 340km, aber das Navi veranschlagte fast 6 Stunden dafür! Der Grund: Der Weg führte durch zahlreiche Ortschaften mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Straße war über weite Strecken nicht sonderlich gut und außerdem gab es auch noch eine ca. 40minütige Fährfahrt.

So richtig prickelnd war das Wetter zunächst nicht. Zwar führte das zu tollen Wolkenbildungen, auf die hätten wir aber so langsam auch mal verzichten können!



Es war schon fast Mittag, als wir Narvik, das etwa in der Mitte unserer heutigen Strecke lag, erreichten.

Schon weit vor der Stadt gab es immer wieder Schilder mit dem Hinweis „Battle of Narvik“, alle wiesen auf eine ganze Reihe von Kriegsdenkmälern hin, die an den Kampf um Stadt durch deutsche und britische Truppen im Frühjahr 1940 erinnern.

Auch in Narvik selbst steht ein Mahnmal – eine 18 m hohe schlanke dreieckige Stele aus hochglanzpoliertem Edelstahl, das Trinigon, erinnert seit 2005 an die Befreiung der Stadt von der deutschen Besatzung.

Die Stadt bietet wenig Sehenswertes. Wir hatten einen Parkplatz in der Nähe der Fischhalle gefunden und waren neugierig auf das dortige Angebot, aber außer einer kleinen Verkaufstheke und einem Restaurant gab es nichts zu sehen. Das Angebot auf der Karte war allerdings durchaus interessant (und die Preise absolut gepfeffert!).



Ein Kaffee in der örtlichen Bücherei, die ans Kriegsmuseum angrenzt – dann ging’s auch schon weiter. Nach wie vor bei ziemlich wechselhaftem Wetter.

Aber bei immer wieder toller Landschaft!


Und auch wunderschönen Brücken, wie z.B. die imposante Skjombrua.


In Skarberget mussten wir auf die Fähre – und hatten angesichts der schier endlosen Schlange wartender Autos und Wohnmobile ernsthafte Bedenken, ob wir wohl noch mitgenommen würden.

Letztlich klappte es ganz knapp – einige, die nach uns kamen, mussten jedoch auf die nächste Fähre warten. Fähren sind ein wichtiges Verkehrsmittel und verkehren in Norwegen zwar sehr regelmäßig, haben jedoch sehr unterschiedliche Kapazitäten, so dass man sich, zumindest während der Ferienzeiten, wenn auch viel Einheimische mit ihren Wohnwagen und WoMos unterwegs sind, auch auf Wartezeiten einstellen muss.

40 Minuten schaukelten wir gemütlich übers Wasser, Zeit, sich die Umgebung anzuschauen. Allerdings musste man dazu zwischen den Autos stehen oder gehen, ein für Passagiere zugängliches Oberdeck hatte diese Fähre nicht.



Wieder an Land, war es nicht mehr weit bis Ulvsvåg. Hier wollte Dieter eigetnlich in einem Leuchtturm übernachten, der war jedoch ausgebucht, wir mussten also mit dem Ulvsvåg Gjestgiveri, einem kleinen Gästehaus mit angeschlossenem Campingplatz und mehreren Hütten, vorlieb nehmen. Das stellte sich allerdings schnell als sehr gute Wahl heraus – das ganze Haus war picobello sauber, sehr gepflegt, das Zimmer riesig und hübsch und der Ausblick vom Allerfeinsten!


Vor uns der Fjord, neben uns Wald und Berge und das alles auch noch zu einem extrem günstigen Preis! Trotzdem zog es Dieter mit Macht zum Leuchtturm, dem Tranøy Fyr! Der steht allerdings etliche Kilometer von Ulvsvåg entfernt und beim Einchecken wurden wir gleich darauf hingewiesen, dass die Küche um 19:30 schließt! Das bedeutete: Gas geben,, denn es war schon kurz vor 18 Uhr.

Was natürlich in Norwegen überhaupt nicht geht, ist, schnell fahren. 80 km/h sind in der Regel das Höchste, von ganz wenigen Ausnahmen um die Großstädte herum abgesehen. Meist wird man durch diverse Geschwindigkeitsbeschränkungen noch zusätzlich auf 50-60 km/h abgebremst. Um dennoch Leuchttrum und Abendessen unter einen Hut zu bekommen, gab es zwei Alternativen: Verzicht auf jeglichen Stopp auf dem Weg dorthin und/oder am Leuchttrum essen, denn dort sollte es ein kleines Restaurant geben.

Da das mit dem Restaurant reichlich unsicher war, kam zunächst Plan A zur Anwendung, es ging also ohne Stopp durch eine schlichtweg unglaublich schöne Landschaft!


Mir blutete das Herz, als verwunschene kleine Seen, Birken- und Kiefernwälder, stille Fjordbuchten einfach so an uns vorbei rauschten – aber dann tauchte auch schon der Leuchtturm auf. Winzig klein thronte er direkt an der Straße – und war natürlich NICHT der, denn Dieter sehen wollte 😉

Der kam dann aber auch in Sicht, eingebettet in eine fantastische Felsenlandschaft. Der Parkplatz war gut gefüllt, den Grund sahen wir wenig später: Nicht nur der Leuchtturm selbst, sondern auch sämtliche umliegenden kleinen Häuschen waren Ferienquartiere und offensichtlich alle belegt.

Über einen (sehr langen) Steg gelangt man zum Leuchtturm – was ziemlich dauert, weil man einfach immer wieder stehen bleiben muss, um die sagenhafte Landschaft in sich und auf die SD-Karte aufzunehmen.


Drüben angelangt, schauten wir kurz ins Restaurant im roten Haus – es war brechend voll, offenbar aßen sämtliche Feriengäste der umliegenden Quartiere dort.

Der Leuchtturm selbst ist durchaus imposant – dick und rot thront er seit 1864 auf den Felsen, erst seit 1991 wird er automatisch betrieben. Mittlerweile waren wir gar nicht so unfroh darüber, dass es hier mit der Unterkunft nicht geklappt hatte, denn so schön die Lage ist, der Zugang ist doch etwas beschwerlich, wenn man Gepäck hat.

Noch eine kleine Weile genossen wir Wasser und Felsen …


… dann ging’s zurück nach Ulvsvåg. Dort schafften wir es nicht nur, rechtzeitig vor Küchenschluss anzukommen, sondern bekamen auch noch einen Fensterplatz mit Fjordblick im wirklich hübschen Restaurant. Und nicht nur das – auch das Essen war eine absolut positive Überraschung, gefolgt von einer weiteren, angesichts der absolut moderaten Preise. Ulvsvåg Gjestgiveri ist also wirklich eine Empfehlung wert.

Nicht zuletzt auch, weil wir den Abend auf der Terrasse mit einem fantastischen Rundblick bei einem Glas Wein ausklingen lassen konnten.

Und hier ist die Strecke von heute:

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