23./24. Juli : Es könnte sooo schön sein – auf dem Kystriksveien

Der Kystriksveien zählt zu den schönsten Straßen der Welt, führt entlang der Helgelandsküste durch wunderbare Landschaften, ist ein atemberaubender Roadtrip.

Die Strecke beginnt nördlich des Polarkreises, in Bodø, und endet im Steinkjer in Trøndelag.

650 Kilometer schmaler kurviger Straßen, durch kleine Fischerdörfchen und vorbei an weißen Stränden, mächtigen Gebirgen und grünen Wiesen. Und immer das Meer (oder zumindest ein Fjord) im Blick.

Zumindest hatten wir uns das so vorgestellt, hatten extra unsere Routenführung angepasst, um diese einzigartige Straße zu erleben. Und dann regnete es mal wieder…

Mit Regen kannten wir uns ja mittlerweile aus – der war nach dem wunderschönen gestrigen Abend allerdings eine böse Überraschung. Wir hätten diese  Traumstrecke so gerne etwas mehr genossen, denn es gab immer wieder einfach märchenhafte Ecken!

Die gigantischen Schieferberge, die die Straße säumen, wirkten hingegen oft recht bedrohlich.

Was uns heute jedoch wirklich ärgerte, war, dass ein akribisch geplanter Ausflug buchstäblich ins Wasser fallen würde! Auf unserer heutigen To-do Liste stand nämlich der Saltstraumen bei Bodø. Diesen stärksten Gezeitenstrom weltweit hatten wir uns eigentlich schon für den Tag der Ankunft mit den Hurtigruten in Bodø vorgenommen, durch das umbuchen der Fähre war die Zeit damals jedoch zu knapp geworden.

Durch eine ca. 150 m breiten Meerenge schießen beim Gezeitenwechsel fast 400 Mio Kubikmeter Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h zwischen Meer und Skjerstadfjord rein und raus und bildet dabei gewaltige Strudel. Und heute hatten wir theoretisch beste Bedingungen, denn die Flut war bei unserer Ankunft perfekt! Weniger perfekt war jedoch der mittlerweile auf Sturmstärke angeschwollene Wind und der immer stärker werdende Regen.

Gut verpackt in Regenjacken wagten wir uns trotzdem unter die Brücke, vorbei an einer wirklich zauberhaften Szenerie (die mich bedeutend mehr beeindruckte als das strudelnde Wasser!)



Trotz des miesen Wetters standen unterhalb der Brücke schon eine ganze Reihe von Leuten, die alle gebannt ins Wasser starrten.

Nur – allzuviel gab es hier im Grunde nicht zu sehen. Okay, das Wasser strudelte und schoss vorbei, aber irgendwie fehlte mir die rechte Begeisterung für dieses Schauspiel. Außerdem kann man das mit einer Videokamera weitaus besser einfangen als mit einem Fotoapparat.

Wäre sicher bei gutem Wetter oder wenn wir, wie geplant, mit einem Boot an die Strudel heran gefahren wären, anders gewesen – so wanderte ich jedoch recht bald zum Auto zurück, bevor ich total kalt und nass wurde. Trotzdem kann man hier sogar bei miesem Wetter immer wieder was Schönes entdecken.


Wenig später kam auch Dieter und es ging weiter. Mit noch mehr Wasser – dieses Mal allerdings in Form eines Wasserfalls am Straßenrand.

Und dann kam auch schon eines der baulichen Highlights der Küstenstraße in Sicht – der Rastplatz Ureddplassen. Hier steht nicht nur ein Denkmal für die Toten des im II. Weltkrieg auf eine Mine gelaufenen U-Boots Uredd, ein Schwertfisch auf einer Stele mit dem Namen der Opfer.

Hier könnte man auch mit einem wunderbaren Blick aufs Meer eine gemütliche Pause einlegen – es gibt nicht nur ausgesprochen schöne Tische und Bänke …

… sondern hier befindet sich auch die nach Ansicht mancher Medien schönste Toilette der Welt!

Da wir ja eigentlich einen längeren Aufenthalt am Saltstraumen eingeplant hatten, war die heutige Strecke kurz und wir kamen schon am Mittag – eigentlich viel zu früh für’s einchecken! – in Reipa an. Hier wohnten wir auf dem Campingplatz – allerdings glücklicherweise NICHT in einem Zelt, sondern in einem sehr komfortablen Apartment mit gleich zwei Schlafzimmern. Wir hatten echt Glück, dass gerade ein netter junger Mann in der Rezeption war, denn normalerweise ist da erst ab 15 Uhr geöffnet. So bekamen wir aber gleich Schlüssel und Bettwäsche und konnten es uns im Apartment gemütlich machen.

Viel mehr war auch in den folgenden Stunden nicht drin – es goss einfach unaufhörlich! Uns blieb nur, die Radler zu bedauern, die triefend nass ein kleines Zelt aufbauen mussten und ansonsten zu hoffen, dass es morgen besser werden würde.

Leider war die Hoffnung vergebens, es regnete auch am folgenden Tag unaufhörlich. Damit platzte ein weiterer Plan, nämlich, mit dem Boot zum Svartisen Gletscher rüber zu fahren und dort eine ähnliche Wanderung zu machen wie letztes Jahr am Nigardsbreen.  Daraus wurde allerdings nichts, wir konnten froh sein, dass wir in einer ganz kurzen Regenpause wenigstens vom Straßenrand aus einen Blick über den See auf den imposanten Gletscher werfen konnten.


Wenig später hüllten Nebel und Wolken alles wieder ein …

Nur noch ein kurzer Stopp an einem kleinen Wasserfall – dann hatten wir das heutige Ziel, Nesna, ebenfalls wieder viel zu früh erreicht. Wieder nächtigten wir auf dem Campingplatz, dieses Mal jedoch in einem ziemlich kleinen Zimmer.

Es war trotzdem erstaunlich komfortabel und nachdem am Abend nicht nur der Regen aufhörte sondern wir auch im – erstaunlich eleganten und sehr gut besuchten – Restaurant auf dem Campingplatz die beste Fischsuppe unserer Reise sowie die ebenfalls beste Phở Bo außerhalb Vietnams serviert bekamen, war die Welt doch wieder etwas mehr in Ordnung.

Die Strecke der letzten beiden Tage:

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