1. August – Reichlich Höhenluft: Über Tindevegen und Aurlandsfjellet nach Flåm

Heute lag eine ziemlich lange Strecke vor uns, die außerdem noch – mal wieder! – landschaftlich wunderschön sein sollte. Zwei spektakuläre Hochstraßen erwarten uns heute – der Tindevegen und der Aurlandsvegen.

Klar, dass wir da morgens nicht lange herumtrödelten, sondern nach einem guten Frühstück Marke Eigenbau starteten. Kiki war übrigens nirgendwo zu sehen, sieh hatte uns aber gesagt, wir sollten den Schlüssel einfach auf den Tisch legen.


Das Wetter sah ein bisschen durchwachsen aus, es war aber warm und trocken – also schon mal deutlich mehr, als wir auf den Lofoten erlebt hatten! Die erste Stecke verlief am Sognefjord entlang bis Skjolden. Hier gab’s einen kurzen Fotostopp, denn die Szenerie im Morgenlicht konnte man nicht einfach undokumentiert lassen.

Zunächst fuhren wir weiter auf der Fv55 Richtung Sognefjellet, also so, wie wir vor 2 Tagen runter gekommen waren. In Turtagrø bogen wir dann scharf nach rechts ab auf den Tindevegen, eine mautpflichtige Privatstraße.

32 km sind es von Turtagrø bis Øvre Årdal, es geht dabei rauf bis auf über 1.300m. Die Straße ist zwar befestigt, aber an manchen Strecken sehr steil. Zunächst wurde es jedoch schnell bilderbuchmäßig schön!

Die Straße war zwar streckenweise extrem schmal – kein Wunder, wurde sie doch mehr oder weniger in den Fels gehauen. Aber es gibt gelegentliche Ausweichbuchten, die jedoch absolut nicht für größere Gespanne oder WoMos gedacht oder ausreichend sind!.

Immer wieder mussten wir einfach anhalten – malerisch ist gar kein Ausdruck für die Schönheit der Landschaft!

Langsam aber stetig ging es immer höher hinauf, ringsum nur Wiesen und einige wenige kleiner Bäume.


Bis zur Passhöhe änderte sich die Landschaft nur wenig – es blieb grün.


Die Fernsicht war heute wirklich genial – obwohl wir natürlich kaum eine konkrete Ahnung hatten, was wir da so an Bergen sahen!


Dann ging’s gemächlich wieder runter, vorbei an Wanderern und auch an einer Menge hässlicher Strommasten. Aber das ist eben der Preis für die saubere Stromerzeugung durch Wasserkraft – denn irgendwie muss er ja auch zu den Menschen im Tal runter gebracht werden.


Am Streckenende gab’s dann noch die Mautstell, wo man ausschließlich mit Karte bezahlen konnte, und anschließend reichlich Haarnadelkurven. Wir konnten mehr als froh sein, dass so gut wie kein Verkehr herrschte, denn hier bleibt sicher öfter mal ein größeres Fahrzeug stecken. Weil wenig los war, konnten wir sogar in einer Kehre stehen bleiben und einen ersten Blick auf den Årdalsfjord und Øvre Årdal werfen. Aus dieser Perspektive macht der Ort nicht sonderlich viel her – das ändert sich auch nicht wirklich, wenn man unten ist.

Da gab’s also keinen Stopp, es ging nahtlos weiter, am Årdalsvatnet und später am Årdalsfjord entlang, bis Lærdal. Hier lohnt sich allerdings ein ausgedehnter Halt unbedingt, Lærdal hat nämlich eine wunderschöne intakte Altstadt, die unbedingt sehenswert ist! Den ersten Eindruck bekamen wir schon gleich, als wir rein fuhren. Da steht eine malerische Holzhäuserreihe jenseits eines kleinen Hafenbeckens.

Also Auto abgestellt und losgestiefelt – denn dort gab es sicher noch mehr zu sehen! zunächst streiften wir nur zwischen den Häusern am Hafen herum …

… merkten aber schnell, dass es hier noch einen ganzen völlig intakten alten Stadtteil gibt –  Gamle Lærdalsøyri! Es ist ein echtes Eintauchen in vergangene Zeiten! Wen man zwischen den alten Holzhäuser – liebevoll gepflegt! – herum wandert, erwartet man fast, dass gleich jemand mit Krinoline oder anderer altertümlicher Kleidung um die Ecke biegt. Anders als jedoch z.B. Gamle Bergen ist dies hier kein Museumsdorf, sondern ein ganz normaler Stadtteil.


Es gibt hier nicht nur diverse Hotels, sondern auch Geschäfte – und hier hab ich dann einige Mitbringsel erstanden! Überwiegend Marmelade, Honig und Saft – alles aus lokalem Anbau.

Noch eine kleine Stärkung – dann fuhren wir weiter. Allerdings muss man hier höllisch aufpassen, dass man die richtige Abzweigung nimmt! Wir wollten den Weg über das Aurlandsfjell nehmen, verpasst man allerdings die Abfahrt, landet man unweigerlich im  Lærdalstunnel, 24,5km lang und damit der längste Straßentunnel der Welt! Das etwas zweifelhafte Vergnügen hatten wir jedoch schon zweimal, jetzt wollten wir über den Berg fahren!

Mit der Beschilderung tun sich die Norweger gelegentlich etwas schwer – hier muss man unbedingt dem braunen Schild „Aurlandsfjellet“ folgen und am Kreisverkehr nach rechts abbiegen!

Ein kleines Stückchen am Fjord entlang – und dann biegt die Straße scharf nach links ab (wieder erst in letzter Sekunde ausgeschildert) Richtung Berge.

Vorbei an malerischen Höfen schraubt sich die Strecke langsam höher. Die zunächst recht breite Straße wird zunehmend schmaler und auf einer Seite von Felsen, auf der anderen von Steinmäuerchen begrenzt. Wir fahren durch lichten Laubwald, sonnendurchflutete Hochtäler mit saftigen Weiden.

Und es ist tierisch viel Verkehr unterwegs! Als wir links einen Wasserfall und eine Parkbucht am Straßenrand sehen, halten wir an – und landeten in einer märchenhaften Szenerie! Ein Bach bahnte sich seinen Weg zwischen Felsen hindurch, glasklar und schäumend.



Über eine Holzbrücke führte der Weg vermutlich bis zum Fuß des Wasserfalls – aber dafür fehlte uns schlichtweg die Zeit! Aber in der Ferne sehen wir den Wasserfall durch die Bäume – und insgesamt ist es auch ohne größere Attraktion einfach nur schön hier!


Der Rückweg wurde dann allerdings etwas beschwerlich, denn ein paar hungrige Schafe dachten überhaupt nicht dran, den Weg frei zu geben!

Erst mit sanftem Nachdruck räumten sie das Feld und verzogen sich wieder Richtung Straße.

Dort warfen sie uns noch ein paar wenig begeisterte Blicke zu – trösteten sich aber sicher schnell wieder mit dem saftigen jungen Gras, das es hier wirklich überall gibt.


Wir waren jetzt so langsam oben angelangt und genossen am Rastplatz Vedahaugane erneut eine sagenhafte Fernsicht! Hier gab es auch eine Kaffeepause. Was wir leider nicht entdeckten, sondern erst später erfuhren, war, dass es dort eine begehbare Höhle gibt, an deren Ende eine Überraschung wartet! Also, am besten selbst mal schauen (oder bei Google Streetview schon mal spicken …)

Aber auch unmittelbar neben der Straße war Idylle pur – die Wiesen sind gesprenkelt mit unzähligen kleinen Almhütten.


Es ging noch ein Stück nach oben, erst am Rastplatz Flotane ist die Passhöhe erreicht. Wieder mal gibt es eine spektakuläre Toilette – nur waren die Türen leider verschlossen.

Aber die unglaublich eindrucksvolle Umgebung war noch weitaus spektakulärer! Ringsum die Berge, vor uns kleine Seen, eher Teiche, gesäumt von weiß-fedrigen Wollblumen.



Wir waren völlig hingerissen und wanderten deutlich länger als geplant herum. Erst ein paar Regentropfen trieben uns wieder ins Auto zurück. Die Landschaft blieb allerdings weiterhin dermaßen eindrucksvoll, dass wir alle paar Meter anhielten, staunten, fotografierten, filmten …



Auch wenn man auf diese Weise natürlich für die Strecke gut doppelt so lang braucht, wie das Navi vorhersagt – jede Minute, jeder Stopp, jedes Stauen war es wert!


Inzwischen ließ die Sonne auch die unzähligen kleinen Tümpel wieder glänzen – es war wirklich wunderschön. Selbst als wir dann einsahen, dass wir so langsam mal ein bisschen Tempo machen müssen, um heute noch anzukommen, konnte ich die Kamera auch im Auto nicht in Ruhe lassen und fotografierte mal wieder durch die Windschutzscheibe.


Mittlerweile ging es schon wieder bergab – die letzten Kilometer bis Stegastein bestehen fast nur noch aus Kurven.

Aber auch in einer Kurve kann man so einiges Schönes sehen – da muss man nämlich recht langsam fahren, also gute Gelegenheiten für Bilder aus dem Seitenfenster!

Schließlich war Stegastein erreicht. Die beeindruckende Aussichtsplattform ragt am Hang weit in Richtung Aurlandsfjord und bietet eine begnadete Aussicht.

Selbst aus der Toilette kann man den Blick genießen! (Allerdings lässt die Sauberkeit der Fenster ziemlich zu wünschen übrig – aber ob man da von außen ohne Kletterausrüstung überhaupt dran kommt???)

Noch ein kurzer Halt auf dem Weg nach unten …


… dann gehts, immer am Fjord entlang, nach Flåm. Hier erwartet uns fast ein Schock – wir hatten ein Apartment für einen recht moderaten Preis gebucht und bekamen eine schlichtweg unglaubliche Luxuswohnung! Insgesamt 3 Betten, zwei davon auf Schlafemporen, eine riesige Küche mit allen nur denkbaren modernen Geräten, ein kuscheliges Wohnzimmer, ein großes Bad und außerdem eine riesige Terrasse mit Blick ins Tal.

Von außen wirkte es gar nicht mal sooo spektakulär …


Aber von innen! Man muss sich die Bilder wirklich einzeln zu Gemüte führen …

Auch der Blick von der Terrasse war ein Traum (und wenig später entdeckten wir auch noch kuschelige Polster für die Terrassenmöbel!)

Am liebsten wären wir hier eingezogen – oder zumindest ein paar Tage geblieben – leider hatten wir nur eine Nacht gebucht. Trotz der tollen Küche beschlossen wir jedoch, heute mal nicht selbst zu kochen, sondern in Flåm zu essen. Coronabedingt war die Auswahl dort allerdings extrem begrenzt, es gab nur ein einziges Lokal, das geöffnet hatte – immerhin mit einem riesigen Außenbereich.

Das Essen war …. naja … aber immerhin war das Bier kalt und die Aussicht begnadet! Das komische Boot im Hintergrund ist übrigens ein Elektroschiff, 2018 sind wir damit im Rahmen eines Tagesausfluges „Norway in a Nutshell“ von Gudvangen nach Flåm gefahren. Noch ein Blick auf die Flåmbahn, die hier ihre Endstation hat.

Dann verzogen wir uns wieder in unser luxuriöses Domizil, zu frischen Kirschen und einem Glas Wein mit Blick auf die Berge und die gerade einfahrende Bahn.


Wer’s lieber in bewegten Bildern hat – hie sind gleich zwei Videos zum heutigen Tag!


Ein toller Tag, eine Tolle Strecke – leider bei Google Maps nicht richtig darstellbar, weil einige Straßen im Winter nicht befahrbar sind und deshalb die Strecke durch den Tunnel angezeigt wird. Aber im Sommer klappt’s dann wieder!

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