2. August – Nochmal Fjorde und Berge erleben: Von Flåm nach Geilo

Verdrängung hilft leider nicht immer …

Wenn das Ende einer wunderbaren Reise unmittelbar bevorsteht, kann man sich noch so oft sagen, dass man ja noch zwei, drei, sogar vier (!) Tage hat, die man noch so richtig genießen kann – es ändert nichts daran, dass man jetzt alles mit einem Hauch von Wehmut tut und betrachtet.

Wehmütig war uns auch zumute, als wir unser wirklich extrem feudales Domizil verlassen mussten, den hier könnte man es locker länger aushalten!

Morgens mussten wir noch die Betten umräumen – denn Dieter hatte oben auf der Empore geschlafen, ich unten im – nur 1,40m breiten! – Bett im Schlafzimmer. Zwar kuscheln wir wirklich sehr gerne – aber eine Bettbreite von 1,40m ist doch definitiv eher was für junge Schmaltiere und nicht für schon etwas betagtere Reisende … Gebucht hatten wir allerdings nur ein Schlafzimmer, deshalb mussten Kissen und Decken aus dem Schlafzimmer rauf auf die Empore geschafft und morgens wieder runter gebracht werden.

Die heutige Strecke war eher kurz – auf direktem Weg wären wir schon in einer guten Stunde in Geilo angekommen – aber wir hatten bewusst viel Zeit eingeplant. Nicht nur wegen des Abschiedsblues, nein – rings um Flåm gibt’s eine Menge zu entdecken!

Unser erster Weg führte uns nicht weg von sondern nach Flåm. Der kleine Ort lag fast völlig verlassen in der Morgensonne – kein Kreuzfahrtschiff, keine Touristenhorden an der Flåmbahn, einfach nur Ruhe. Und Gelegenheit, im kleinen Yachthafen nochmal die Schönheit der Umgebung zu genießen.



Weit und breit nichts los! Wo normalerweise gigantische Kreuzfahrtschiffe den Blick versperren, lag heute lediglich das Elektro-Ausflugsboot. So werden wir (oder andere) Flåm sicher nie wieder erleben!


Bevor es weiter ging, machten wir noch einen Abstecher ins eigentliche Dorf, das von fast allen Touristen in der Regel ignoriert wird. Denn das, was Kreuzfahrt-, Ausflugs- und Flåmbahntouristen als „Flåm“ wahrnehmen, ist tatsächlich nur der Hafen, der Bahnhof und einige rein auf Touristen ausgerichete Angebote wie Hotels, Restaurants und Souvenirshops. Das Dorf selbst liegt ein ganzes Stückchen entfernt.

Aber es lohnt sich, die paar Kilometer zu fahren, immer am Fluss entlang. Dort leben nämlich nicht nur die „normalen“ Menschen, es steht dort auch eine sehr hübsche kleine Kirche, umgeben von einem alten Friedhof.


Ein echter Grund zum Trödeln – aber nicht der letzte für heute. Zunächst war es eine Baustelle, die uns ausbremste. Beim Fähranleger in Gudvangen wird derzeit heftig gebaut. Über einen Sandhügel und eine Schotterpiste gelangten wir in einen kleinen Tunnel, bevor wir die kleine Straße entlang des Nærøyfjords erreichten. Und hier wurden wir gleich wieder entschleunigt – Ziegen beanspruchten die Straße!
Nach vorsichtigem Manövrieren schafften wir es an den Ziegen vorbei ins Dorf.

Schon die Umgebung ist eindrucksvoll – der tiefblaue Nærøyfjord, umgeben von steil aufragenden Bergen.


Vor einem winzigen Örtchen eine schneeweiße kleine Kirche.

Wir steigen aus, gehen runter zum Wasser, genießen die Ruhe. Pflücken ein paar Kirschen …

Ein Stückchen weiter ein paar Häuser, eine kleine Anlegestelle, ein paar Urlauber mit Paddelbooten – sonst nur Natur.

Langsam und lautlos gleitet das Elektro-Ausflugsboot den Fjord entlang. Nur eine Handvoll Menschen sind drauf – als wir 2018 damit fuhren, waren über 400 an Bord! Davon gefühlt 75% aus dem Reich der Mitte …



Man könnte hier ewig bleiben, einfach mal total runterkommen, Sonne und Wasser genießen, die klare Luft. Aber wir fahren wieder zurück, durch den fast 12 km langen Gudvangentunnel. Und biegen kurz nach der Tunnel-Ausfahrt scharf links ab. „Undredal“ steht auf dem Wegweisen. Außerdem „Stavkyrkje„. Und „Geitost„.
Das erste ist der Name des Dorfes, zu dem wir wollen – in erster Linie wegen der Stabkirche – der kleinsten Norwegens! Das letzte Wort ist allerdings keine Ortsbezeichnung, auch keine Sehenswürdigkeit, sondern bedeutet schlicht „Ziegenkäse“. Kein Wunder – waren wir doch auf dem Weg ins Ziegenkäsedorf schlechthin.
Undredal hat sich dem Ziegenkäse verschrieben – und wenn wir Fans davon wären (oder jemand kennen würden, der Ziegenkäse mag), hätten wir hier etliche Kilos bunkern können.

Bevor wir zum Dorf kamen, wurden wir allerdings von den lokalen Mitarbeitern ausgebremst – schon wieder blockierte eine Ziegenherde die Straße!

Da hilft nur – langsam zu fahren und hoffen, dass die Damen das Feld räumen. Sie tun es – zwar widerwillig, aber immerhin. Und dann wird es wieder traumhaft schön!

Allerdings auch wieder reichlich eng – die Straße ist schmal.

Und obwohl wir uns hier fast wie am Ende der Welt fühlen, herrscht doch einiger Verkehr. Wo Pfosten mit einem weißen M auf blauem Grund stehen, ist ein Ausweichplatz – leider scheinen etliche Wohnmobilfahrer (vor allem die mit ausländischem Kennzeichen!) das nicht zu wissen oder schlicht zu ignorieren.

Deshalb kommt es immer wieder zu Situationen, wo man dann einfach nach dem Motto „Der Klügere gibt nach“ zurück stößt, obwohl eigentlich das entgegenkommende Fahrzeug den wesentlich näheren Ausweichplatz hätte nehmen müssen.

Aber leider beherrscht nicht jeder WoMo-Fahrer die Kunst des Rückwärtsfahrens …

Undredal ist bilderbuch-schön! Die weißen und bunten Holzhäuser schmiegen sich an das Ufer des Fjords,


Ein Blick in den Ziegenkäse-Laden, der gleichzeitig als Heimatmuseum fungiert.


Dann suchen wir die kleine Kirche – die steht oberhalb des Dorfes am Hang.


Oben angekommen hat man einen schönen Blick über das malerische Ensemble von Dorf, Fjord und Berge.

Die Kirche ist verschlossen, uns bleibt also nur die Ansicht von außen.

Noch ein Stück den Weg entlang, immer den Aurlandsfjord im Blick. Dann wurde es allerdings so allmählich doch Zeit, mal in die Richtung zu fahren, in die wir heute eigentlich wollten.

Unser Weg führte zunächst zurück nach Flåm, dann am Aurlandsfjord entlang, bis wir bei Aurlandsvangen nach rechts in ein langgestrecktes Tal abbogen, an dessen Ende ein großer Stausee liegt. Danach schraubt sich die Straße buchstäblich in die Höhe – man kann die Windungen auf der Karte sehr gut sehen. Was man nicht sieht, ist, dass die Schleifen fast ausschließlich in Tunneln liegen. Fast unvorstellbar, was da an Ingenieurskunst geleistet wurde!

Wieder am Tageslicht, stoppten wir kurz an einem Aussichtspunkt, von dem man den Stausee aus der Vogelperspektive sehen kann.

Noch ein Stück weiter den Berg hinauf, es folgte wieder Tunnel auf Tunnel. Nur selten sah man was von der Landschaft – dann war es aber gleich wieder richtig eindrucksvoll!



Wir hielten Ausschau nach einem Rastplatz, denn so langsam war ein Kaffee angesagt. Auf einem Hochplateau fanden wir einen wirklich hübschen Platz an einem malerischen kleinen See, unterhalb der Steinbergsdalhütte.




Wasserfälle gab es hier oben reichlich, auch an Seen herrscht wirklich kein Mangel!

Man kann zwar nicht an jeder Pfütze anhalten – aber hin und wieder ist es einfach so schön, dass man doch mal auf die Bremse tritt.




Wir waren mittlerweile in einer Gegend, die als ausgesprochenes Wintersportgebiet gilt, entsprechend sahen auch die Berghänge aus. Je näher wir Geilo kamen, in dem im Winter deutlich mehr los ist als im Sommer, desto ramponierter wirkte die Landschaft.

Unser heutiges Domizil war ein herber Abstieg gegenüber dem Luxus der vergangenen Nacht! Ein echtes Skihotel, wo Komfort seeeeehr klein geschrieben wird! Als wir an der Rezeption unsere Schlüssel bekamen, war schnell klar, dass das hier eher das Niveau einer Jugendherberge als eines Hotels hatte. Zwar war das Zimmer recht groß und hatte sogar eine Küchenzeile – aber die Betten waren nicht bezogen! Bettwäsche musste an der Rezeption abgeholt und die Betten selbst bezogen werden.

Dass das Restaurant wegen einer Veranstaltung geschlossen war, dass es – entgegen den Angaben auf der Webseite – kein Frühstück gab und dass die Bahnlinie nur ca. 10 m von unserem Fenster entfernt war, trug auch nicht wirklich dazu bei, dass wir uns hier sonderlich wohl fühlten.

Nachdem es auch noch anfing, heftig zu regnen, verzichteten wir auf den Gang in den Ort – zumal es dort so gut wie kein offenes Restaurant gab – und fabrizierten ein Abendessen aus unseren restlichen Vorräten. Bier und Wein hatten wir auch noch. Und morgen, so trösteten wir uns, würde es was super Leckeres in Oslo geben!

Der Tag nochmal im Video (Bitte Auflösung höher einstellen, fass es unscharf ist!):

Und das war die heutige Strecke:

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