25.01. Paternoster bis Lamberts Bay: Ziemlich wild heute!

So richtig gut fing es heute nicht an. Aber – es wurde noch richtig toll!!!

Frühmorgens lag die Bucht im dichten Nebel. Kaum war der weg, kam der Wind. Der war so heftig und auch recht kühl, dass es heute kein Frühstück auf unserer luftigen Terrasse, sondern unten im geschützteren Bereich gab.

Pünktlich um 10:30 verabschiedeten wir uns von Sue Anne – wenn noch was frei gewesen wäre, hätten wir spontan um mindestens eine Nacht verlängert, aber sie war ausgebucht.

Da wir unseren Bargeldvorrat aufstocken wollten, suchten wir den lokalen ATM auf. Eigentlich gibt es ja sogar 3 im kleinen Express Markt am Ortsausgang. Zwei funktionierten nicht, der dritte, im Laden-Inneren, wollte uns höchsten 2000 ZAR (=ca. 120€) geben – bei den anfallenden Gebühren von rund 5€ war uns das allerdings deutlich zu wenig.

Also fuhren wir weiter – wurden aber gleich wieder von Jungs ausgebremst, die uns unbedingt frisch gefangene Langusten verkaufen wollten. Wenn in Paternoster Jugendliche mit Plastiktüten herumlaufen und versuchen, Autos anzuhalten, haben sie garantiert Langusten in den Tüten. Allerdings sind das meistens sehr kleine, junge Exemplare, die man auf keinen Fall kaufen sollte – schlimmstenfalls bekommt man sogar Ärger mit der Polizei.

Ohne Langusten fuhren wir weiter bis ins ca. 15km entfernte Vredenburg, eine richtige Stadt mit reichlich Einkaufsmöglichkeiten, Banken und Tankstellen. Hier bekamen wir problemlos Bargeld am Automaten in einer Bank, wollten danach noch Wasser kaufen, als mir plötzlich einfiel, dass ich sowohl die Kühlakkus für die Kühltasche als auch Dieters Augentropfen im Kühlschank in Paternoster vergessen hatte.

Also alles zurück auf Anfang ….

Danach lief es dann aber richtig gut! Zurück nach Vredenburg, dort vorsichtshalber voll getankt, dann ging’s endlich richtig los. Über eine fast schnurgerade Straße, nahezu ohne Verkehr, bis zur Küste. Die fuhren wir dann weiter nach Norden bis Elands Bay. Vorbei an ausgedehnten Salzfeldern und ausgetrockneten Seen bzw. Lagunen, die nur salzige Krusten hinterlassen hatten.

Vermutlich füllt sich das alles bei Flut oder in der Regenzeit …


In Elands Bay, einem winzigen Küstendörfchen, legten wir einen Kaffee/Cola Stopp ein im einzigen Hotel des Ortes.

Hier sollte in der Bar eine Beinprothese von der Decke hängen – Burenhumor … Die sahen wir allerdings nicht, vielleicht wurde sie gerade benötigt. Die Jungs am schneeweißen Strand hinter dem Campingplatz sahen auch alle recht fit aus – hier war das gute Stück wohl kaum gelandet!



Wir mussten uns entscheiden – ein Stück zurück fahren und die asphaltierte Straße nehmen oder die Sandpiste direkt neben der Bahnlinie … Klar, mit so ’nem Auto kann man auch mal eine längere Strecke auf Sand fahren, also bogen wir direkt nach der Bahnunterführung links ab. Ein Schild warnte zwar, dass man hier auf einer Privatstraße fährt, die 1. gebührenpflichtig ist und dass 2. das Befahren auf eigenes Risiko erfolgt – aber 1. war weit und breit kein Mensch zu sehen, der irgendwas kassieren wollte (das Häuschen war leer) und 2. „No risk, no fun!“

Und der Spaß kam nur wenige Minuten später! Vor einer Düne, die derart weiß war, dass es schon fast den Augen wehtat, standen mehrere Männer auf dem Bahndamm und schaufelten die Gleise frei. Der heftige Wind hatte sie wohl teilweise verschüttet.



Sie freuten sich über unsere Aufmerksamkeit und winkten uns fröhlich zu. Der Sand ist fein wie Staub, einfach unglaublich! Merkwürdigerweise ist die Straße jedoch gelb…

Ein Stück weiter überquerten wir die Gleise, jetzt hatten wir Natur pur zur Linken. Und mussten schon bald wieder anhalten. Flamingos staksten in einem flachen See herum! Seltsamerweise waren sie jedoch nicht rosa, sondern weiß – vielleicht gibt es nicht genügend Krustentiere für die Vögel, weil die Menschen alle wegfuttern …

Die Landschaft war atemberaubend schön, wir konnten uns kaum zur Weiterfahrt zwingen.


Schließlich trennten wir uns doch von dem kleinen Paradies. Kurz vor unserem Ziel sahen wir zur Linken die legendäre Kneipe Muisbosskerm. Hier wird (normalerweise) jeden Abend direkt m Strand gegrillt, gebacken, gebraten, frischer Fisch, Crayfish und Steaks landen auf dem Grillrost, eine Karte gibt es nicht, es gilt „All you can eat“.


Allerdings wird nur geöffnet, wenn mindestens 15 Personen am Vortag telefonisch reserviert haben – und das war heute offenbar nicht der Fall, alles sah total verlassen aus.  Aber die Lage ist begnadet!

(Wir erfuhren später von unserer Wirtin, dass die Saison für dieses Jahr schon praktisch vorbei ist und die Kneipe allenfalls noch an Wochenenden auf die nötige Zahl Gäste kommt. Für Südafrikaner sei der Preis von 390 ZAR (ca. 20€) für das Büffet auch zu hoch, ausländische Touristen gebe es derzeit aber praktisch keine.)

Fünf Minuten später war Lamberts Bay erreicht und unser Guesthouse gefunden.

Unser kleines Guesthouse „Sir Lamberts GH“  ist eher schlicht, aber sehr preiswert und sauber, das Zimmer groß und hell und die Wirtin eine Fundgrube an Informationen.

Lange blieben wir nicht da, uns zog es dort hin, wo die Hauptattraktion des kleinen Fischerdorfs liegt – nach Bird Island! Dort lebt eine riesige Kolonie von Gannets (Basstölpeln), die wollten wir besuchen! Dazu muss man zunächst zum Hafen … Und da blieb mein Mann erst mal bei den Fischerbooten hängen!

Die liegen dort aber auch wirklich sehr malerisch im tiefblauen Wasser.

Richtig toll ist, dass es hier noch die traditionellen Hummerkörbe gibt und nicht das neumodische Plastikzeugs!


Von hier aus sah man sie schon, die winzige Insel!

Zunächst mussten wir jedoch Eintritt bezahlen, denn die Insel ist ein Naturreservat. 50 ZAR pro Person, also ca. 2,60€, wurden fällig, dann durften wir auf den Damm. Links tobte das Meer, rechts lag der stille Hafen.

Schon nach wenigen Schritten konnte man in der Ferne die riesige Vogelmenge ausmachen, ganz hinten im Bild.

Mit dem Tele sieht man die Ausmaße besser …
An den Felsen neben dem Rastplatz der Gannets brach sich das Wasser, die Gischt legte förmlich einen Schleier übers Wasser!

Rechts tauchten Holzständer auf, fast jeder hatte ein Nest, in dem Kormorane saßen.


Und links zeigte sich, dass die Gannets nicht die einzigen Inselbewohner waren. Eine Kolonie von Seeschwalben haust hier ebenfalls.

Je näher wir den Gannets kamen, desto lauter wurde es, auch er Salmiakgeruch wurde zunehmend intensiver. Dann standen wir ca. 25 m von zigtausenden von Basstölpeln entfernt!




Neben unzähligen Erwachsenen gab es auch eine Menge Jungtiere, viele davon noch flugunfähig. Die ganz jungen haben ein weißes Flaumkleid, die älteren sind dunkelgrau und haben auf dem Kopf noch weiße Flaumfedern – sieht aus wie eine Perücke!Leider hatte ich meine Maske im Auto vergessen, der Beobachtungsturm war nämlich nur mit Maske zugänglich. Dieter und ich wechselten uns also ab – von oben hat man noch einen besseren Überblick.

Beim weiteren Herumschlendern entdeckten wir, dass es nicht nur Vögel auf die Insel zieht – im Gras wälzte sich ein junger Seebär!


Wir wären gerne noch länger geblieben, so langsam wurden wir jedoch hungrig. Da es mit Muisbosskerm nicht geklappt hatte, hatten wir einen Tisch bei Isabella direkt im Hafen reserviert.

Nochmal kurz ins Guesthouse, ein bisschen frisch machen und vor allem etwas wärmer anziehen, denn gegen Abend wird es recht frisch am Meer, dann gings gleich wieder los. Wieder hatten wir eine prima Wahl getroffen! Das Lokal wird von einem Mazedonier geführt, der lange auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hatte, dort hatte er seine Frau, eine Südafrikanerin, kennengelernt und folgte ihr in deren Heimat.

Die Karte bietet eine Menge, ich nahm jedoch den Catch of the Day – ganz frischen Cape Bream, der war schlichtweg fantastisch! Saftig aber dennoch fest, schneeweißes Fleisch und ein Aroma…..! Dazu gab’s einen fantasievollen kleinen Salat und (nachdem wir gegen den Durst zunächst ein lokales Bier vom Fass getrunken hatten) einen Blanc de Blanc von einem Weingut aus der Umgebung. Natürlich wieder mit den unvermeidlichen Eiswürfeln!

Das war die Route von heute:

2 Kommentare zu “25.01. Paternoster bis Lamberts Bay: Ziemlich wild heute!

  1. Sehr tolle Fotos.Danke,dass wir ein bisschen mit euch träumen dürfen.

    Save journey!

  2. Wie beruhigend zu erfahren, daß ich nicht die einzige bin, die Dinge im Kühlschrank der Unterkunft vergißt 😉 (bei uns handelt es sich meist um eine Bier- oder eine Weinflasche 😉 )

    Fantastische Fotos von der Vogelinsel! So viele Vögel auf einem Haufen… Und dazu durftet ihr dieses tolle Erlebnis fast allein genießen, wirklich beneidenswert…

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