28. 01. – Auf dem Weg nach Kapstadt

Beim Frühstück wurden wir mit einer für uns neuen, aber für Südafrika offenbar ziemlich normalen Situation konfrontiert -„Loadshedding“. Heißt konkret „Lastabwurf“ und ist eines der Unworte in Südafrika.
Denn es bedeutet nichts anderes als Stromausfall, gezielten Stromausfall!

Ganze Netze werden stundenlang, in der Regel zwischen 9/10 bis 15/16 Uhr einfach abgeschaltet, um die Last zu reduzieren und Strom zu sparen.

Unser Wirt Michael war ziemlich sauer, denn er hält das Ganze für das Ergebnis einer völlig verfehlten Energiepolitik. In einem so sonnenreichen Land wie Südafrika spielt die Solarenergie praktisch keine Rolle, auch der heftige Wind an der Küste wird nicht genutzt, weil der Energieminister das nicht für sinnvoll/notwendig hält. Vielleicht sollte Annalena Baerbock hier mal einen Staatsbesuch machen und Nachhilfe erteilen …

Wir wurden jedenfalls gewarnt, dass ab 10 Uhr (möglicherweise – denn die Abschaltungen werden oft ohne Vorwarnung auch mal um ein paar Stunden oder Tage verschoben) kein Strom mehr da ist. Also auch kein Kaffee, keine Eier, kein Toast – und möglicherweise auch kein Sprit an der Tankstelle mehr!

Letzteres wäre schlecht, denn unser Tank war ziemlich leer.

Trotzdem frühstückten wir in aller Ruhe bis deutlich nach 10 Uhr, es reichte auch noch für eine zweite Runde Kaffee. Es reichte auch noch für ein ausgiebiges Gespräch mit unserem Gastgeber Michael, über das Wie und Warum, was ihn aus der Schweiz hierher verschlagen hatte und weshalb seine Frau Cheryl hier so ein unglaubliches Paradies geschaffen hat. Für uns fast unglaublich war seine Aussage, dass das, was heute ein üppiger Park ist, früher nichts weiter als ein schnöder Park- und Schrottplatz war. Cheryl hat hier wirklich ein Wunder vollbracht!

Trotzdem mussten wir ja irgendwann mal los. Die Tankstelle hatte um 10:20 immer noch Strom, das Auto wurde vollgetankt. Sehr weit kamen wir trotzdem nicht, denn da war ja noch die Schuhfabrik!!! In Wupperthal war sie den Flammen zum Opfer gefallen, aber das Haupthaus in Clanwilliam floriert nach wie vor.

Strassbergers Shoefactory wurde 1836 in Wupperthal von einem rheinischen Missionar, Johann C. Leipoldt, gegründet, 1904 stieß Willy Strassberger dazu. Erst 1954 wurde der Großteil der Produktion von Wupperthal nach Clanwilliam verlegt.

Von alleine wäre ich nie im Leben drauf gekommen, eine Schuhfabrik zu besuchen, wir hätten sie vermutlich nicht mal bemerkt, denn sie ist nicht sonderlich auffällig. Aber Christian aus Wien hat uns den Tipp gegeben, und da Frau NIEMALS! genug Schuhe hat, wollten wir zumindest mal gucken!

Sehr viel steht im Showroom nicht herum, jedenfalls nichts, was mich auf Anhieb begeistert hätte. Überwiegend sind die Schuhe eher von der derberen Art, Stiefel, Schnürschuhe …

Aber dann entdeckte ich auf einem Regal eine Reihe Ballerinas, alle bunt bemalt, und war sofort hingerissen! So sehr, dass ich total vergessen habe, die Schuhe zu fotografieren – bis auf das Paar, das jetzt mir gehört!

Die freundliche Verkäuferin erlaubte uns auch, mal kurz in die Produktion rein zu schauen. Hier ist wirklich vieles noch Handarbeit!

Meine Ballerinas sind übrigens die bequemsten, die ich jemals hatte! Das Leder ist butterweich, das Fußbett bequem, die etwas rutschige Sohle war nach 2 Tagen rauh, und seither genieße ich sie und freue mich über bewundernde Kommentare!!!

Der Strom war übrigens auch in der Schuhfabrik noch da! Wir nahmen jetzt Abschied von Clanwilliam, ein derart hübscher Ort, dass ich ihn jedem Südafrika-Planer nur ans Herz legen kann! Und natürlich solltet ihr unbedingt im Yellow Aloe übernachten!

Zunächst ging es über die mehrspurige N7 zügig nach Süden, dann aber zum Glück über kleine Landstraßen nach Tulbagh. Die Strecke war nicht wirklich prickelnd, wir fuhren offenbar durch den Wheatbelt, denn zu beiden Seiten der Straße lagen endlose abgeerntete Getreidefelder, oft noch mit Strohballen. Immer wieder begegneten wir auch LkWs, die Stroh geladen hatten.

Gegen Mittag erreichten wir Tulbagh, ein wirklich zauberhaftes kleines Örtchen, für das wir uns leider zu wenig Zeit nahmen. Wir wollten nicht allzu spät in Kapstadt ankommen, hatten uns aber heute Morgen schon etwas vertrödelt und wollten ja noch über den spektakulären Bains Kloof Pass fahren. Deshalb blieb es in Tulbagh leider nur bei einem Getränke-Stop und einer anschließenden Fahrt durch die legendäre Church Street mit ihren malerischen Häusern im holländischen Kolonialstil, die alle unter Denkmalschutz stehen. Anhalten konnte man da leider nirgends, denn in der Nähe fand ein Sportfest statt und absolut alles war zugeparkt.
Also gibt’s nur Eindrücke aus dem Autofenster…





Hier sahen wir übrigens auch eine echte Rarität! Ein Mensch auf einem FAHRRAD!!!! Während sich in Südostasien selbst die Kleinsten auf riesigen Fahrrädern irgendwie vorwärts bewegen, die Größeren dann auch noch die Geschwister/ Freunde vorne oder hinten drauf setzen, haben wir hier bisher noch kein einziges Kind auf einem Fahrrad gesehen! Besser gesagt – überhaupt niemand auf einem Fahrrad! Hier geht man offenbar eher kilometerweit zu Fuß – noch nie habe ich so viele Menschen meilenweit laufen sehen!

Selbst an Schnellstraßen, wo weit und breit absolut nichts ist, wandern die Menschen entlang … Und recken oft den Daumen – aber wir trauen uns dann doch nicht, so einen Tramper mit zu nehmen …

Es geht erneut durch endlose Getreidefelder, dann biegen wir ab Richtung Pass – und stehen fassungslos vor diesem Schild:

Uns bleib also nichts anderes übrig, als umzukehren und eine Alternativroute zu nehmen (und uns zu ärgern, dass weder Google Maps noch HERE diese Sperrung angezeigt hatten, obwohl wir online navigierten!)

Die Alternative war aber dann doch nicht sooo schlecht -zumindest, nachdem wir Mautstraßen ausgeschlossen und so die ebenfalls schöne Passtraße über den Du Toits Kloof Pass genommen hatten.





Jetzt war es nicht mehr weit bis Kapstadt und in unser Domizil Fernwood Manor, das nicht weit entfernt vom Botanischen Garten am Fuß des Tafelbergs liegt.  Das Guesthouse ist eine Empfehlung von Chris aus Wien, der uns schon des Yellow Aloe schmackhaft gemacht hatte. Und wieder hat er ins Schwarze getroffen! Ein wunderschönes Anwesen, allerdings durch hohe Mauern und ein Sicherheitstor abgeschlossen.

Das war allerdings schon in Clanwilliam so – hohe Mauern und Tore schirmen die luxuriöseren Unterkünfte hermetisch ab!

Wenn man das Tor mal bezwungen hat, kommt man allerdings in ein Ambiente, das einen staunen lässt! Uns ganz besonders – wir hatten nur ein normales Zimmer gebucht, wurden jedoch in eine Suite upgegradet! Und die ist wirklich üppig! Auf 80 qm verlaufen wir uns jetzt fast, allein das Bad ist fast so groß wie manches Hotelzimmer!

Und eine Terrasse im Garten ganz für uns alleine haben wir auch. Dazu kommen noch diverse Gemeinschaftseinrichtungen wie Pool, Wintergarten, Lounge …

Auch eine Honesty Bar gibt es, mit einer riesigen Getränkeauswahl, darunter auch rund ein Dutzend Weine zu sehr zivilen Preisen. Da es hier allerdings nichts zu essen gibt, bestellten wir einen Uber-Wagen und fuhren runter zur Waterfront. Der Fahrer setzte uns direkt vor dem Radisson Red (ich kenne sonst nur Radisson Blue ….) am Meeting Point ab. Direkt vor uns stand das neue Ausstellungsgebäude MOCAA, das allerdings schon zu war. Daneben führt eine Treppe rauf zum Kapstadt Brauhaus und runter in den Hafen.

Treppe rauf – und wir waren hin und weg!!!! Das ist genau das, was wir so mögen – Hafen-Ambiente, also Schiffe en Masse, aber auch quirliges Leben, viele Restaurants, überall Musik und typische Freitag Abend Stimmung!

Und einen tollen Blick auf den Tafelberg bekam man auch – allerdings hatte sich der ein Tischtuch aus Wolken übergezogen.


Vom Uhrturm aus hatte man einen guten Überblick.

Ein paar Schritte weiter kam das Riesenrad in Sicht …


Mal eine Gospelgruppe (wirklich toll, der à capella Gesang!) …

… mal deftige Xylophon Musik.

Kunst gab es ebenfalls in diversen Varianten.

Für uns gab es letztlich kühles Bier (auch wenn bei dem immer mehr auffrischenden Wind, der fast schon Sturmstärke erreichte und die Temperaturen merklich sinken ließ, eigentlich ein eher warmer Rotwein angesagt gewesen wäre!), dazu auf den Punkt gegrilltes Filetsteak für mich und saftiges Brathähnchen für Dieter.

Den Rotwein gab es dann daheim …

3 Kommentare zu “28. 01. – Auf dem Weg nach Kapstadt

  1. Traumhaft liebe Renate, ich bekomme „Heimweh“… auch auf die nicht angekündigte Straßensperrung, denn diese ist etwas fast alltägliches in SA ;-).
    LG und weiterhin viel Freude auf Eurem Trip!
    Ute

  2. Wirklich fantastisch, eure Unterkunft, einfach traumhaft…

    Und deine Ballerinas sind ebenfalls wunderschön, die hätte ich auch gerne 😉

    Wie immer tolle Eindrücke von der Strecke, vom Hafen etc., vielen Dank!

    Warum seid ihr mit Uber zum Hafen gefahren – Parkplatzprobleme?

    • Warum wir nicht selbst gefahren sind? Ganz einfach: Wir trinken zum Essen gerne ein Bier oder ein Glas Wein. Wenn er gut ist (wie hierzulande) auch mal ein paar Gläser mehr. Und Alkohol und Autofahren – vor allem in fremden Städten und bei Nacht – passt zumindest für uns nicht wirklich gut zusammen! Da ist Uber die deutlich sicherere und praktischere Alternative.

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