07.02. Am Ende von Afrika – Kap Agulhas

Um von einem Küstenort zum anderen zu kommen, konnten bzw. wollten wir heute nicht einfach an der Küste entlang fahren, sondern machten noch einen Schlenker ins Inland. Denn auf direktem Weg wären wir ja schon nach einer guten Stunde am Ziel gewesen, in unsere Unterkunft konnten wir jedoch erst ab 14 Uhr.

Bevor wir die Küste verließen, zog es uns aber doch nochmal zu den Ausflugsbooten in Kleinbaai.

Denn heute war es nahezu windstill …. Und siehe da, gerade, als wir ankamen, wurde ein kleineres Boot für die Fahrt nach Dyer Island bereit gemacht.

Wären wir etwas früher da gewesen, hätten wir mitfahren können! Allerdings hätte das dann doch unsere Pläne etwas durcheinander gebracht, denn die Fahrt dauert ca. 4 Stunden und mit vollem Gepäck wollten wir unser Auto nicht wirklich so lange irgendwo stehen lassen. So blieb uns nur, zuzuschauen, wie das Boot seinen Weg durch die spitzen Felsen ins Meer suchte.

Wir suchten stattdessen den Weg nach Elim. Zuerst flott auf der N2 in Küstennähe, dann bogen wir ab auf die R43 ins Inland. Eine Weile ging’s noch auf Asphalt voran, dann wurde die Straße zur Sandpiste, die aber sehr gut befahrbar war. Allerdings würde ich hier ungern nach längerem Regen fahren …

Nach einer Weile sahen wir in unserer Fahrtrichtung heftigen Rauch aufsteigen – da brannte es offenbar ziemlich heftig!

Bald wehte der Rauch bis zu uns, nach einer Kurve war das Feuer dann wieder rechts von uns – trotzdem waren wir etwas beunruhigt.

Wenig später war Elim erreicht – wie Wupperthal eine Gründung von Missionaren, dieses Mal aus Mähren, und – anders als Wupperthal, das ja vor einigen Jahren durch einen Großbrand fast völlig zerstört wurde – sieht es heute noch fast genauso aus wie 1824, als es gegründet wurde. Bis heute ist das gesamte Dorf im Besitz der Kirche, Elim bedeutet „Ort Gottes“. Groß und weiß thront mitten im Ort das für so einen kleinen Ort recht große Gotteshaus.

Und, fast wie in Bayern, wird direkt neben dem geistlichen für das leibliche Wohl gesorgt! Denn das einzige Lokal (Wirtshaus wäre dann doch etwas übertrieben) steht direkt gegenüber der Kirche!

Der ganze Ort wirkt wie ein begehbares Bilderbuch – blitzsaubere Straßen, adrette reetgedeckte Häuser.


Sogar einen Garten Eden gibt es hier … den biblischen Garten, eine kleine grüne Oase, wo an jedem Baum ein Bibelvers hängt.

Niemand hier hat ein eigenes Haus, alles gehört der Kirche! Viele der Bewohner stammen von Sklaven ab, hier steht – vor der ehemaligen Schule, die heute die Bücherei beherbergt – ein Denkmal, das an die Sklavenbefreiung erinnert.

Viele Männer hier sind „Thatchers“, heiß begehrt in einer Gegend, wo tatsächlich sehr viele Häuser mit Stroh gedeckt sind. Wir begegnen auch immer wieder Fahrzeugen unterwegs mit der Aufschrift „Elim Thatchers“, die Arbeiten überall in der Cap Gegend ausführen.

Anschauungsobjekte gibt es hier reichlich – die meisten Häuser sind nicht nur strohgedeckt, sondern auch weiß verputzt. Nur einige wenige sind bunt – angeblich, weil deren Bewohner von den bunten Häusern in Bo Kaap so angetan waren, dass sie ebenfalls ein buntes Haus wollten. Die Kirche scheint es zu dulden.




Auch von hier aus ist die mächtige Rauchfahne zu sehen – wir fragen mal nach, was es damit auf sich hat. Und erfahren, dass es da schon seit einer Woche brennt, das Feuer aber nicht näher kommt. Also kein Grund zur Beunruhigung?1?

Wie auch immer – wir fahren weiter. Und bekommen eine WhatsApp von unserer heutigen Gastgeberin, Marieka, die uns anbietet, schon früher einzuziehen, das Haus sei bereit für uns. Gleichzeitig erhalten wir auch noch eine Mail mit einer komplizierten Anleitung für die Öffnung des Schlüsselsafes und die Bedienung der Alarmanlage.

Ohne weitere Verzögerungen fahren wir als ans Meer, nach Agulhas, zu unserer heutigen Unterkunft „Klein Steenbok“ in Sichtweite des Leuchtturms. Und sind auf Anhieb sehr angetan – schon von außen gefällt uns das Haus richtig gut!

Nachdem Schlüsseltresor und Alarmanlage bewältigt sind, gehen wir rein und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus! So eine umwerfend schöne Unterkunft hatten wir noch selten! Die Glasfront kann man komplett öffnen, der Blick ist einmalig!

Und innen ist es ebenfalls einfach nur schön, komfortable, hell, luftig …. toll!

Wir haben drei (!!!) Schlafzimmer, zwei Bäder, eine bestens ausgestattete Küche, einen Hausarbeitsraum mit Waschmaschine, hinter dem Haus eine Wäscheleine – also alles, was man für einen langen Strandurlaub braucht! Sogar eine Garage gibt es … nur bleiben wir in diesem Paradies leider nur 2 Tage! Verlängern (was wir gerne getan hätten) ist nicht möglich, da ausgebucht. Wir hatten gerade eine kleine Lücke erwischt.

Waschmaschine und Wäscheleine schrien geradezu danach, den schon wieder recht vollen Wäschesack in die Trommel zu stecken! Zum einen wird bei den rot-staubigen Straßen vieles wirklich ziemlich schnell schmuddelig, zum anderen reisen wir mit eher kleinem Gepäck, waschen lieber öfter mal unterwegs, statt riesige und schwere Koffer mit uns rum zu schleppen! Auf dieser Reise haben wir im einen 16, im anderen 14 kg und das meiste Gewicht bringt der ganze Elektrokram auf die Waage. Trotzdem haben wir – wie immer – viel zu viel dabei, was nie angezogen wird …

Nachdem die Wäsche versorgt ist, wir einen Kaffee auf der Terrasse getrunken und den Wein, den unsere Gastgeberin uns spendiert hat, in den Kühlschrank gestellt haben, sind wir bereit für das Ende von Afrika!

Kap Agulhas ist die absolute Südspitze des Kontinents – das wesentlich bekanntere Kap der Guten Hoffnung ist hingegen lediglich die Südwestspitze und der Punkt, von dem aus die Schiffe wieder nach Norden fahren.

Kurzer Zwischenstopp am Leuchtturm, der gerade dicht macht (hier macht vieles früh zu, Sehenswürdigkeiten oft schon zwischen 16-17 Uhr, Geschäfte – außer den Supermärkten – zwischen 17-18 Uhr). Aber immerhin kann man außen herum gehen, er ist nicht, wie viele andere, hermetisch abgeriegelt.


Von hier aus sind es nur noch ein paar 100m bis zum Kap. Links der Indische Ozean, rechts der Atlantik – beide tiefblau und ziemlich kalt, so um die 18-20 Grad!

Ein Stück landeinwärts ist ein riesiges Relief in den Boden eingelassen, dass den afrikanischen Kontinent darstellt.  Eine schnurgerade Linie läuft von der Spitze des Reliefs auf den Info-Stein zu.

So richtig sehen (und fotografieren) kann man es allerdings nur, wenn man irgendwo raufklettert oder eine Drohne benutzt. Zum Raufklettern ist nichts da und  Drohnen sind verboten – deshalb ist das Bild nicht sonderlich eindrucksvoll.

Bevor wir wieder zu unserem Häuschen zurück gehen, um die Wäsche aufzuhängen, will Dieter aber noch einen Abstecher nach Struisbaai zum Hafen machen. Der ist klein, aber malerisch, der Strand gleich nebenan.


Kurz überlegen wir, hier auch zu essen – aber noch ist es zu früh. Eine gute Entscheidung, wie wir am nächsten Tag feststellen, als wir dann doch dort essen – das Essen ist hier nämlich nahezu ungenießbar!

Die Alternative, bei der wir später einkehrten – L’Agulhas Seafood – ist zwar auch nicht wirklich ein Highlight, aber frischen Fisch kann man nicht wirklich verhunzen. Letztlich ist uns das dann aber völlig egal, nachdem die Wäsche im Wind flattert und wir bei Wein und Plätzchen auf unserer Terrasse sitzen und zusehen, wie der Tag langsam im Meer verschwindet …

Die heutige Strecke

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