09.02. – Durch die kleine Karoo auf der Route sixty-two!

Heute war (vorläufig!) Schluss mit Meer – es ging in die Karoo! Die Kleine Karoo, die vor den Swartbergen liegt und nicht ganz so heiß und trocken ist wie ihre Schwester, die große Karoo.

Zwar wären wir sehr gerne noch länger am Meer geblieben, aber unsere schöne Unterkunft war nicht mehr frei und umziehen wollten wir nicht.

Also ging’s los, Richtung Berge. 

Zunächst flott nach Bredasdorp, wo wir eigentlich an einer Tankstelle unser völlig verdrecktes Auto waschen lassen wollten. Aber da dies hierzulande Handarbeit ist, die einzige Waschbucht bereits belegt war und wir nicht 30 Minuten warten wollten, fuhren wir weiter nach Swellendam. Hier zeigte uns GoogleMaps zwar einen CarWash an, an der angegebenen Adresse war allerdings nichts.

Stattdessen landeten wir vor einer wieder einmal sehr eindrucksvollen Kirche der niederländisch reformierten Gemeinde, die auch im Inneren erstaunlich war, denn die Sitzreihen sind hier rund angeordnet!


Ein paar Meter weiter steht ein hübsches altes Haus, das heute eine Art Gemeindezentrum ist.

Ansonsten hat uns Swellendam wenig beeindruckt, wir nahmen uns allerdings auch nicht gerade viel Zeit für den Ort, sondern fuhren weiter nach Montagu, dem „Tor zur Kleinen Karoo“. Wenige Kilometer vor dem Städtchen mündet die R69 in die R62. Dann geht es zunächst vorbei an ausgedehnten Weinfeldern und anschließend über den Cogmanskloof Pass.


Kaum hat man die Felswände hinter sich gelassen, öffnet sich ein weites Tal mit Obstplantagen und man landet in Montagu.

Montagu ist ein wirklich hübscher – allerdings etwas verschlafener – kleiner Ort. Und das sage ich nicht nur, weil wir hier in Sachen Autowäsche fündig wurden! Gut versteckt in einem Hinterhof gibt es in der Nähe des Gerichts eine Laundry mit angeschlossener Autowäscherei! Mit der Besitzerin handelten wir aus, dass wir keine Komplettreinigung inklusive Innenraumsäuberung wollten, sondern nur das Äußere und die Türöffnungen gewaschen werden sollten.

Kein Problem, sollte 30 Minuten dauern, inzwischen könnten wir ja ins nahegelegene Café gehen und was trinken. Sobald das Auto fertig sei, würde sie mich per WhatsApp benachrichtigen.

So machten wir es auch, schlenderten die baumbestandene Straße entlang, vorbei an wunderschönen Kolonialhäusern mit eindrucksvollen Gärten.


Die Kirche fällt hier ein paar Nummern kleiner aus als anderswo und ist nicht mal mehr eine, sondern ein Museum.

Hier scheint man nicht ganz so fromm zu sein, hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass hier der Wein mehr im Mittelpunkt steht, denn hier befindet sich die Zentrale der Kooperative der Weinbauern Südafrikas.

Mit frisch gebackenem Kuchen und Cappuccino in einer kleinen Konditorei gingen die 30 Minuten Wartezeit rasch vorbei, die WhatsApp Nachricht erreichte uns zuverlässig, und unser Auto war wieder blitzblank. (Wer sich jetzt fragt, ob sich das überhaupt lohnt, wo die nächsten Staubpisten ja nicht lange auf sich warten lassen würden, hat natürlich recht! Aber wenn man jedes Mal beim Ein- und Aussteigen oder wenn man das Gepäck verstaut, roten Sand abkriegt, sieht man das anders. Und überhaupt – wir wollen ja auch die Wirtschaft hier etwas ankurbeln!)

Frisch gewaschen ging es also weiter, vorbei an endlosen Obstplantagen und Weinfeldern. Die Kleine Karoo ist sehr grün und sehr fruchtbar, goldgelbe Orangen und rotbackige Äpfel wachsen hier ebenso wie Mangos und anderes Obst und natürlich gibt es Trauben ohne Ende und die dazu gehörenden Weingüter. Aber zwischendurch auch kargere Ecken …


Auf der Straße ist wenig los, wir kommen deutlich schneller voran als gedacht und leisten uns deshalb einen ausgedehnten Stopp bei Ronnys Sexshop!  Sex sells – könnte man meinen, denn der kleine Laden ist durchaus gut frequentiert! Und das, obwohl es hier lediglich Burger und Shakes, Kaffee und Kaltgetränke gibt! Keinen Sex …!!!

Denn das Ganze ist Ergebnis eines Scherzes, den sich Ronnys Freunde erlaubten, als er in den 70er Jahren eine kleine Bude an der Route 62 eröffnete, um seine Farmprodukte zu verkaufen und einfaches Essen anzubieten. Auf die weiße Fassade hatte er „Ronnys Shop“ in roter Farbe gepinselt, eines Nachts ergänzten Freunde das um das Wörtchen „Sex“ vor dem Shop!

Statt sich zu ärgern, ließ Ronny das einfach so stehen – und erreichte damit, dass jede Menge Neugierige anhielten und das Geschäft brummte! Ein kleines bisschen musste er dem Namen aber dann doch gerecht werden, deshalb baumeln innen hunderte von BH’s von der Decke, viele mit persönlicher Widmung!

Ronny hat das Geschäft mittlerweile an seinen Sohn abgegeben, der Alt-Hippie sitzt aber nach wie vor gerne vor dem Lokal und unterhält sich mit den Gästen.

Es war mittlerweile später Nachmittag, die Landschaft etwas karger geworden.

Ladismith hatten wir als Zwischenstopp ausgesucht, weil uns die gesamte Strecke bis Oudtshoorn zu lang erschien. Im Nachhinein wäre die eine Stunde zusätzliche Fahrt gut machbar gewesen, aber so war es auch gut.

Unser kleines Gästehaus „Towerzicht“ steht direkt neben der Kirche und hat Ausblick auf einen Turm, dessen Funktion uns nicht so recht klar ist. Unser Gastgeber lässt uns die Wahl zwischen einem Zimmer im Erdgeschoss im Nebengebäude mit eigenem Eingang oder im Haupthaus im ersten Stock. Wir entscheiden uns für das Zimmer im Haus, das luftiger ist und eine hübsche Veranda hat.


Dass die schöne alte Badewanne mit Löwenfüßen – diskret hinter einem Paravent – im Zimmer steht, stört uns nicht, denn wir wollen nicht baden. Die sonstigen sanitären Verhältnisse sind etwas beengt ins Zimmer reingepfercht, aber recht neu und gut in Schuss.

Wir stellen unseren Weißwein (und auch den heute reichlich warm gewordenen roten) in den Gästekühlschrank, packen ein bisschen aus – dann machen wir uns auf, um den Ort zu entdecken. Viel gibt es da nicht – die meisten Lokale haben zu, Sehenswürdigkeiten gibt es außer der Kirche auch keine – aber die urige Kanna Kombuis hat wirklich was! Eine Mischung aus Kneipe, Laden und Kommunikationszentrum, mit rostigen Traktoren und LkWs davor und einem selbst gemauerten Holzbackofen.

Auf der kleinen Terrasse ergattern wir noch einen Platz und dann gibt’s für mich eine wirklich bemerkenswert gute Pizza, Dieter bekommt einen üppigen Salat mit Oliven aus der Karoo, Feta von Schafen aus dem Ort und diversen sonstigen Zutaten frisch aus der Umgebung. Nur beim Bier hapert es zunächst etwas  – das vom Fass ist lauwarm, weil der Strom heute mal wieder längere Zeit weg und die Kühlung ausgefallen war. Das müssen wir deshalb auch nicht bezahlen, Dieter bekommt stattdessen Flaschenbier, das einigermaßen kalt ist. Mir wird zum Sauvignon Blanc einfach ein Glas mit Eiswürfeln dazu gestellt …

Böse Zungen behaupten ja, dass das Wasser in Ladismith mit Valium versetzt sei, weil hier alles so unglaublich gelassen und entspannt läuft – falls das so ist, stört es uns jedenfalls heute absolut nicht!

Mittlerweile finden wir sowas schon völlig normal, merken, dass wir inzwischen wirklich schon sehr !!! erholt und entspannt sind und uns die afrikanische Lockerheit und Gelassenheit mehr als angesteckt hat. Dazu trägt auch die umwerfende Freundlichkeit der Menschen bei – kleine Pannen werden einfach weg gelacht, so ansteckend, dass man einfach mit lacht und sich heimlich fragt, warum man da überhaupt ein Problem gesehen hat.

Denn wenn man mitbekommt, wie hier mit den Tücken des Alltags gekämpft wird, mit Stromausfällen, Wassermangel, natürlich auch den massiven Auswirkungen von Covid auf alle im Tourismus- und Gastgewerbe, dann ist man schon manchmal beschämt, weil es einem selbst so gut geht und man seine Komfortansprüche nicht immer im Griff hat. Wir sind deshalb immer und überall nicht kleinlich mit Trinkgeldern, egal, ob Servicepersonal in Unterkünften oder Restaurants oder die immer auf jedem Parkplatz anzutreffenden „Parkwächter“.

Als mich kürzlich einer statt um Geld um Wasser gebeten hatte, weil er schon seit Stunden in der Sonne herum stand, gab ich ihm einfach beides – eine Flasche Wasser als Soforthilfe und ein paar Rand, damit er sich später auch noch was zu essen kaufen konnte.

Heute jedenfalls können wir ohne schlechtes Gewissen in der lauen Sommernacht durch menschenleere Straßen zurück in unsere Unterkunft wandern.

Und dort auf dem Balkon vor einer eindrucksvollen Bergkulisse noch einen Schlummertrunk nehmen.

So sind wir heute gefahren:

3 Kommentare zu “09.02. – Durch die kleine Karoo auf der Route sixty-two!

  1. Schön, dass Ihr etwas entspannter drauf seit, als zu Beginn der Reise, wo Du leicht entnervt warst, als bei der Sicherheitskontrolle trotz
    Priority Lane (!!!) nur EIN EINZIGER Schalter besetzt war.
    Ja, Covid lässt uns alle dünnhäutiger werden.
    Ich fürchtete schon, dass sich dieses Gefühl  weiter durch Deine Reiseberichte zieht, die ich eigentlich immer sehr schätze.

    Daher freue ich mich jetzt zu lesen:
    „… denn wenn man mitbekommt, wie hier mit den Tücken des Alltags gekämpft wird, … dann ist man schon manchmal beschämt, weil es einem selbst so gut geht und man seine Komfortansprüche nicht immer im Griff hat.“

    Diese Einsicht gefällt mir. 
    Denn wir aus Westeuropa und besonders aus Deutschland, klagen auf hohem Niveau, wenn es mal nicht so läuft, wie von uns erwartet. Und das, meiner Meinung nach, völlig unberechtigt.
    Besser dankbar für das sein, was gut läuft. Denn in Deutschland geboren zu sein und all die Chancen im Leben bekommen zu haben, ist nicht unser Verdienst.

  2. Ich folge euch gespannt in die kleine Karoo. Eure Reise ist weiterhin wunderschön, ich bin neugierig, was noch alles kommt…

    Und immer dieser tiefblaue Himmel! Also das Wetter ist ja wirklich phänomenal und ich beneide die Menschen, die dort unten leben (jedenfalls unter klimatischem Aspekt).

    Ist es eigentlich auch in Südafrika verboten, am Sonntag Alkohol zu verkaufen? In Namibia ist das so, das Verkaufsverbot gilt eventuell sogar schon ab Samstag mittag…

    • Nein, auch an Sonntagen sind die Liquor Stores, ebenso wie die Supermärkte, auf, manchmal nur bis 15 oder 17 Uhr, meist aber bis 19 Uhr. Und in den Lokalen gibt es natürlich immer und überall Alkohol, da gibt es keinerlei Einschränkungen.

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